Prostataerkrankungen

Die gutartige Prostata-Vergrößerung (BPH)

Eine vergrößerte Prostata muss im Allgemeinen erst behandelt werden, wenn Beschwerden auftreten.

Medikamente

Frühstadium (Stadium I)

Im Frühstadium (Stadium I) wird die Prostata-Vergrößerung nur bei Beschwerden behandelt. Hier können milde pflanzliche Arzneimittel eingesetzt werden. Dazu gehören Brennessel, Sägepalme, Arzneikürbis und Roggenpollen. Die Hauptwirkstoffe sind so genannte Phytosterole, die zum Abschwellen der Prostata führen. Weiterhin haben sie entzündungshemmende Eigenschaften.

Stadium II

Das Stadium II erfordert eine stärkere medikamentöse oder bereits eine operative Therapie. Medikamente können die Operation oftmals hinauszögern oder sogar verhindern. Der 5-Alpha-Reduktasehemmer (Finasterid) blockiert die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT), das für das Wachstum des Drüsengewebes verantwortlich ist. Unter dem Einfluss des Wirkstoffs Finasterid verkleinert sich das Prostata-Gewebe, und der Wert des Prostata spezifischen Antigens (PSA-Wert) sinkt. Alpha-Rezeptoren-Blocker setzen die Muskelspannung des Blasenhalses und der Prostata herab. Dadurch erweitert sich die Harnröhrenöffnung ein wenig. Diese Medikamente haben keinen Einfluss auf die Prostata-Vergrößerung.

Operation

Eine Operation ist meist erforderlich, wenn starke Beschwerden und Restharn nicht mit anderen Methoden behoben werden können (Stadium III). Die transurethrale Prostatektomie (TURP) gilt als "Goldstandard", als bewährteste Behandlungsmethode. Dabei wird ein spezielles Endoskop in die Harnröhre eingeführt und mit einer elektrischen Schlinge der drüsige Anteil der Prostata um die Harnröhre herum ausgehöhlt. Dieses so genannte Ausschaben oder Hobeln der Prostata ist der am weitesten verbreitete operative Eingriff zur Behandlung der BPH.

Alternative Methoden

Die transurethrale Thermotherapie (TUMT) nutzt die Energie von Mikrowellen und die transurethralen Nadel-Ablation (TUNA) die Energie eletromagnetischer Wellen, um einen Teil des Prostata-Gewebes zu zerstören.

Bei der Lasertherapie (transurethrale laserinduzierte Prostatektomie (TULIP) und visuelle laserinduzierte Prostatekromie (VLIP) wird die Energie von Laserstrahlen genutzt.

Der hochintensive fokussierte Ultraschall (HIFU) ist eine neue Technik, bei der Ultraschallbündel auf erkrankte Areale der Prostata fokussiert werden. Als Folge wird das Prostatagewebe ebenfalls zerstört.

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Prostatakrebs

Die Behandlung des Prostatakrebs richtet sich nach der Ausbreitung des Tumors, dem Ergebnis der Gewebeuntersuchung und dem Alter und der Vitalität des Patienten. Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten sind Operation, Bestrahlung und antihormonelle Therapie. Diese Verfahren können auch kombiniert werden.

Bei älteren Patienten mit kleinen, wenig bösartigen Tumoren kann es auch sinnvoll sein, zunächst keine Therapie durchzuführen, sondern abzuwarten, ob der Tumor überhaupt wächst und erst dann zu behandeln. Bei dieser so genannten "wait and see"-Strategie sind aber engmaschige Kontrolluntersuchungen notwendig. Ein Fortschreiten der Erkrankung lässt sich am einfachsten mit einer regelmäßigen (z. B. alle drei Monate) Bestimmung des PSA-Wertes feststellen. Steigt dieser Wert innerhalb kurzer Zeit an, spricht das für ein Fortschreiten der Krebserkrankung; dann müssen sofort Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden.

1. Operation

Die wichtigste chirurgische Behandlungsmethode ist die radikale Prostatektomie, bei der die Prostata mit Prostatakapsel, den Samenbläschen sowie den benachbarten Lymphknoten entfernt wird.
Diese Operation bietet dem Patienten die höchste Wahrscheinlichkeit, von dem Tumorleiden geheilt zu werden. Mehrere Vorbedingungen müssen für die sinnvolle Durchführung dieses Eingriffs erfüllt werden: Der Tumor sollte lokal begrenzt sein, und die Patienten sollten an keinen anderen schwerwiegenden Erkrankungen leiden, sich in einem guten Allgemeinzustand befinden und noch eine Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren haben. In den vergangenen Jahren zeichnete es sich jedoch ab, dass die Operation auch noch sinnvoll sein kann, wenn der Tumor bereits die Prostatakapsel durchbrochen hat. Liegen aber Fernmetastasen vor, ist die Operation nicht sinnvoll.

2. Strahlentherapie

Die Strahlentherapie des Prostatakarzinoms ist in den letzten Jahren durch die Einführung neuer Techniken weiterentwickelt worden. Beim lokal begrenzten Krebs werden mit radikaler Operation und Strahlentherapie ähnliche Ergebnisse erzielt. Somit stellt die Strahlentherapie für Patienten, die den operativen Eingriff verweigern oder aus anderen Gründen, z. B. wegen ihres hohen Alters, dafür nicht in Betracht kommen, eine gute Alternative zur Operation dar. Die Strahlenbehandlung wird entweder perkutan (durch die Haut) oder interstitiell (innerhalb der Prostata) durchgeführt. Kombinationen beider Bestrahlungsarten sind möglich.

  • Perkutane Bestrahlung:
    Heutzutage erfolgt die Bestrahlung computergestützt mittels einer dreidimensionalen Technik. Damit ist es gelungen, die Bestrahlungsdosis in der Prostata zu erhöhen und die schädlichen Folgen der Bestrahlung auf die Nachbarorgane, wie Harnblase und Dickdarm, zu vermindern.
  • Interstitielle Strahlentherapie:
    Bei der interstitiellen Bestrahlung werden kleine radioaktive Implantate, so genannte Seeds, die ihre radioaktive Strahlung innerhalb einer sehr kurzen Zeit abgeben, in die Prostata eingepflanzt. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Tumor mit hohen Einzeldosen gezielter angegriffen werden kann unter gleichzeitiger Schonung der Nachbarorgane.

3. Hormonentzugstherapie

Der Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium, bei dem schon Fernmetastasen vorliegen, wird mit einer Hormonentzugstherapie behandelt. Das bedeutet: Dem Tumor wird das wachstumsfördernde Hormon Testosteron entzogen. Die Bildung der männlichen Sexualhormone kann entweder durch die operative Entfernung der hormonproduzierenden Hoden (operative Kastration) oder durch eine medikamentöse Hormonblockade gestoppt werden.

  • Operative Hodenentfernung (Orchiektomie)
    Der Eingriff wird entweder unter Rückenmarksbetäubung oder Vollnarkose durchgeführt. Nachteil ist, dass es sich um einen irreversiblen Eingriff handelt, der eine zusätzliche psychische Belastung für den Patienten darstellt. Als Folge der Operation kann es zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Impotenz, Abnahme der Muskelkraft und Osteoporose kommen.
  • Medikamentöse Hormonblockade
    Bei dieser Methode wird die Testosteronbildung im Hoden indirekt unterbunden. Die Medikamente (LH-RH-Agonisten) verhindern, dass LH - das Hormon, das die Hoden zur Testosteronproduktion anregt - ins Blut gelangt. Diese Medikamente werden als Depotspritze gegeben und zeigen langanhaltende Behandlungserfolge. Die wesentlichen Vorteile der medikamentösen Hormonentzugstherapie sind:
    - Die Therapie kann jederzeit unterbrochen (intermittierender Hormonentzug) oder eingestellt werden, wenn der Patient es wünscht oder Nebenwirkungen dies erzwingen.
    - Vermeidung der operativen Kastration.
    - Wird vom Patienten besser akzeptiert.
    - Kann auch vor einer Prostataoperation eingesetzt werden.

4. Behandlung des fortgeschrittenen hormonresistenten Prostatakrebses

Durch kombinierte Behandlungsmethoden kann die Lebensqualität der Krebspatienten auch in diesem fortgeschrittenen Stadium positiv beeinflusst werden.

  • Chemotherapie
    Zytostatika (Zellgifte) können das Wachstum der Krebszellen hemmen, wenn eine Hormontherapie wirkungslos ist. Vor allem Metastasen-bedingte Schmerzen lassen sich damit bekämpfen.
  • Strahlentherapie
    Können Hormontherapie und Zytostatika die Schmerzen nicht mehr lindern, hilft entweder eine äußerliche Bestrahlung oder eine Therapie mit radioaktiven Substanzen (Rhenium, Strontium oder Yttrium). Diese werden in die Venen gespritzt und reichern sich in den tumorbefallenen Knochenabschnitten an. Dort geben sie ihre radioaktive Strahlung ab, die dann zu einem schnellen Rückgang der Schmerzen führt.
  • Schmerztherapie
    So genannte Tumorschmerzen entstehen durch entzündliche Gewebereaktionen, die in der Nähe des Tumors ablaufen. Weitere Schmerzen kann der Tumor selbst verursachen, indem er auf umliegende Nerven drückt. Diese chronischen Schmerzen werden durch eine Herabsetzung der subjektiven Schmerzschwelle noch verstärkt. Deshalb werden zusätzlich zu den Schmerzmitteln Medikamente verordnet, die das Schmerzgedächtnis auslöschen. Mit solchen Kombinationen verschiedener Schmerzmittel und Antidepressiva können auch starke Schmerzen gut bekämpft werden.

Bei metastasebedingten Knochenschmerzen kann zur Schmerzbekämpfung eine äußerliche Bestrahlung der Metastasen oder eine Therapie mit radioaktiven Substanzen durchgeführt werden, die in die Vene gespritzt werden und sich in den tumorbefallenen Knochenabschnitten anreichern. Die radioaktive Strahlung dieser Substanzen wirkt dann direkt vor Ort. Bei den meisten Patienten kommt es bereits 24 Stunden nach dieser Behandlung zu einem vollständigen Rückgang der Schmerzen.
Die individuelle Schmerzmedikation sollte immer in einer Schmerz- oder Tumorklinik eingestellt werden.

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Prostatitis

Sowohl die akute als auch die chronische Prostatitis müssen medikamentös behandelt werden. Da meistens Bakterien die Auslöser einer akuten Prostatitis sind, ist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Damit die Entzündung wirklich ganz ausheilt, müssen die Antibiotika lange genug eingenommen werden. Die chronische Prostatitis erfordert oftmals eine sehr langwierige Antibiotikabehandlung. Immer wiederkehrende Prostata-Entzündungen bei jüngeren Männern können auch durch Chlamydien oder Mykoplasmen verursacht werden. Diese Keime lassen sich durch Analyse des Prostata-Sekrets feststellen. Eine Langzeit-Antibiotikatherapie wird dann unter Kontrolle des Prostata-Sekrets durchgeführt.

Prostata-Abszess

Nach Entfernung des Eiters durch eine Punktion vom Damm her und unter Antibiotikabehandlung heilt der Prostataabszess bald wieder ab.

Prostatopathie

Bei einer Prostatopathie helfen keine Antibiotika, da keine Infektion durch Krankheitserreger vorliegt. Schmerzmittel können die schlimmsten Schmerzen lindern, jedoch nicht als Langzeitmedikamente eingenommen werden. Bestimmte Phytopharmaka werden zur besseren Durchblutung oder als krampflösende Mittel eingesetzt. Auch eine Wärmetherapie kann die Schmerzen verbessern. Sind häufige Autofahrten oder eine sitzende Tätigkeit die Ursache der Prostatopathie, kann auch Bewegung helfen. Bei Überbelastung oder Stress gelingt es, die Erkrankung mit Entspannungsübungen wie autogenem Training in den Griff zu bekommen. Sind die Probleme tieferen seelischen Ursprungs, hilft Psychotherapie.

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