Ein einziges Virus ist für zwei verschiedene Krankheitsbilder verantwortlich: Das Windpockenvirus, in der Fachsprache Varicella-zoster-Virus genannt. Die meisten infizieren sich bereits im Kindesalter mit diesem Virus und bekommen nach etwa zwei Wochen Inkubationszeit die Windpocken (Varizellen). Da die Viren auch nach überstandener Krankheit lebenslang im Körper bleiben, kann nach Jahren oder Jahrzehnten eine Gürtelrose (Herpes zoster, Zoster) ausbrechen. Dass es sich tatsächlich um ein und dasselbe Virus handelt, hat man bereits 1931 entdeckt und beschrieben.

Das Varicella-zoster-Virus gehört zur Familie der Herpesviren. Andere Herpesviren (Herpes-simplex-Viren) verursachen z. B. die lästigen wiederkehrenden Lippenbläschen, ein anderes (Epstein-Barr-Virus) das Pfeiffersche Drüsenfieber oder das Drei-Tage-Fieber bei Kindern (Humanes Herpesvirus Typ 6).

Das Varicella-zoster-Virus kommt ausschließlich beim Menschen vor. Es ist ein mit etwa 200 nm vergleichsweise großes Virus
(1 nm [Nanometer] sind 1/1.000 Millimeter!). Die Erbinformation liegt in Form von DNA vor. Die Viren gelangen über die Schleimhäute des Rachenraumes oder die Augen zunächst in Lymphknoten in diesen Regionen, wo sie sich zunächst vermehren. Dann breiten sich die Erreger weiter im ganzen Körper aus, die Windpocken brechen aus: Krankheitsgefühl, Fieber, Kopfschmerzen und anschließend der juckende Hautausschlag.

Virus im „Winterschlaf“
Einmal im Körper, werden wir das Varicella-zoster-Virus nie mehr los. Bereits während der Erstinfektion ziehen sich einige der Viren in Nervenschaltstellen (Ganglien) entlang des Rückenmarks und am Gehirn zurück. Der Mediziner spricht von einer Latenzphase. In dieser Zeit verursachen die Viren keine Krankheitssymptome. Sie können allerdings von dort aus wieder aktiv werden und wandern dann entlang der Nervenbahnen meist zum Körperstamm oder ins Gesicht: Eine Gürtelrose (Zoster) bricht aus. Die Ursachen dieser endogenen (von sich heraus entstehenden) Virusaktivierung sind vielfältig: zum Beispiel Infektionskrankheiten, Operationen oder „einfach“ nur das zunehmende Alter, weil die Abwehr dann generell schwächer wird.