Impffragen aus der Praxis kompetent beantwortet

Kann eine stillende Mutter gegen MMR geimpft werden?

Kann eine 25-jährige junge Mutter jetzt gegen MMR geimpft werden, obwohl sie ihren 6 Wochen alten Sohn stillt und dies auch noch weiter tun möchte? Sie wurde als Kind nur 1 x MMR geimpft, bei der Titerkontrolle zu Schwangerschaftsbeginn war der Rötelntiter zu niedrig.

Autor: Dr. Jan Leidel

Die STIKO empfiehlt allen Frauen im gebärfähigen Alter aus gutem Grund, über 2 dokumentierte Rötelnimpfungen zu verfügen, denn nur damit kann von einem belastbaren Schutz ausgegangen werden. Deshalb ist es richtig, die junge Mutter noch einmal gegen Röteln zu impfen, das erfolgt ja immer mit einem MMR-Kombinationsimpfstoff. Die Impfung ist auch während der Stillzeit möglich, obwohl viele Sorge haben, das könnte dem Kind schaden.

Die STIKO zählt die Stillzeit aber zu „falschen Kontraindikationen“, nennt sie also als Grund, warum Impfungen irrtümlicherweise nicht gegeben werden. Es gibt in der Tat nur eine Ausnahme, und das ist die Gelbfieberimpfung. So heißt es bei der STIKO: „stillende Frauen können alle notwendigen Impfungen erhalten außer einer Impfung gegen Gelbfieber“.

In Bezug auf Rötelnimpfungen in der Stillzeit hat man in Studien zeigen können, dass das abgeschwächte (=attenuierte) Rötelnimpfvirus in der Muttermilch nachgewiesen werden und somit in manchen Fällen auch auf den Säugling übertragen werden kann. Aber selbst, wenn bei den in der Studie untersuchten Kindern eine Rötelninfektion (mit dem abgeschwächten Impfvirus) nachgewiesen werden konnte, zeigten diese Kinder keine Krankheitssymptome. Insofern kann die Impfung auch in der Stillzeit erfolgen, wenn dies erforderlich ist, weil das Risiko als ein überwiegend theoretisches angesehen werden kann. Man sollte sich auch vergegenwärtigen, dass selbst eine „echte“ Rötelninfektion für Säuglinge in der Regel kein hohes Risiko in sich birgt. Bei 50 Prozent der betroffenen Kinder treten nur milde Infektionszeichen (Ausschlag, geringe oder keine Temperaturerhöhung, Lymphknotenschwellung) auf, und bei der anderen Hälfte der Kinder verlaufen Röteln sogar ganz ohne Symptome. Eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft bedeutet demgegenüber ein hohes Risiko für Schädigungen beim Ungeborenen, das um so größer ist, je früher in der Schwangerschaft die Infektion erfolgt (ca. 60% im ersten Schwangerschaftsmonat, ca. 10% im vierten). Bei Neugeborenen besteht diese Gefahr nicht mehr.

Wichtig ist bei der hier besprochenen Fragestellung außerdem, dass es bislang keinen Hinweis darauf gibt, dass Masern- oder Mumps-Impfviren auf gestillte Kinder übertragen werden. Demnach sind auch keine Erkrankungen beschrieben.

Noch ein wichtiger Punkt: Möglicherweise hat die Mutter durch die nur einmalig erfolgte MMR-Impfung auch keinen Schutz gegen Masern aufgebaut und deshalb ihrem Kind auch keinen Nestschutz mitgegeben. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Mutter erneut auch gegen Masern immunisiert wird, denn dadurch kann ihr Kind zumindest vor einer Infektion durch die Mutter bewahrt werden. Das Baby kann ja im Regelfall frühestens mit 9 Monaten die erste MMR-Impfung bekommen und muss davor durch die ausreichende Immunität in der Umgebung geschützt sein, also durch die sogenannte Herdenimmunität. Erkrankt ein Säugling aber an Masern, geht nicht nur eine unmittelbare Gefahr eines komplizierten Verlaufes davon aus, sondern zusätzlich ist das Risiko für eine unheilbare Gehirnerkrankung (SSPE) erhöht, die erst Jahre nach der eigentlichen Maserninfektion auftritt und immer zum Tod führt.

Angst vor einer „Überimpfung“ muss man übrigens auch bei der MMR-Impfung nicht haben. Gesetzt den Fall, jemand ist bereits durch nur eine Impfung gegen Masern immun, kann eine weitere Impfung, die man eben z.B. aus Gründen des fehlenden Rötelnschutzes nochmals geben muss, ohne Gefahr verabreichen. Hat die- oder derjenige schon genügend Masern-Antikörper, werden die Masern-Impfviren einfach neutralisiert.

Quellen:

  1. Empfehlungen der STIKO 2017/2018. Epidem. Bull. Nr. 34/2017
  2. S2k-Leitlinie Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen
  3. Fachinformationen der MMR.-Impfstoffe