Toxoplasmose

Die Erreger der Toxoplasmose sind einzellige Parasiten (Toxoplasma gondii), deren Hauptwirte Katzen sind. Sie scheiden die Eier mit dem Kot aus. Durch den direkten Kontakt mit dem Kot einer infizierten Katze können die Erreger auf den Menschen übertragen werden. Auch rohes Fleisch von Weidetieren, die die Eier aufgenommen haben, und durch Katzenkot kontaminiertes Gemüse ist infektiös.

Infektion wird oft nicht erkannt

Eine Toxoplasmose verläuft häufig subklinisch, also ohne Symptome, und wird entsprechend selten erkannt. Nue etwa zehn Prozent der Infizierten zeigen Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen.

Schwangere: Nur Erstinfektion gefährlich

Bei Toxoplasmose ist nur die Erstinfektion der Schwangeren gefährlich für das Kind. Zwischen 46 und 66 Prozent der werdenden Mütter haben in Deutschland noch keinen Kontakt mit dem Erreger gehabt und sind daher für eine Erstinfektion empfänglich. Schwangere, die noch keine Antikörper gegen T. gondii entwickelt haben und sich während der Schwanger­schaft infizieren, können den Erreger auf das Un­ge­borene übertragen. Dies kann, abhängig vom Zeitpunkt der Infektion, u. a. zu schweren bleibenden neurologischen Schäden und zu schweren Beein­trächtigungen des Sehvermögens führen.

Hohe Übertragungsrate

Bei einer Erstinfektion der Schwangeren mit Toxoplasmose ist die Übertragungsrate auf das ungeborene Kind sehr hoch: In der ersten Hälfte der Schwangerschaft liegt sie bei 4 bis 15 Prozent, in der zweiten Hälfte liegt sie bei etwa 60 Prozent. Je später die Infektion während der Schwangerschaft stattfindet, desto seltener wird das Kind schwer geschädigt.

Mögliche Folgen für das Kind

Eine im ersten Drittel der Schwangerschaft eingetretene, unbehandelte Infektion der Mutter kann u. U. den Embryo schwer schädigen oder zum Abort führen. Eine mütterliche Erstinfektion im zweiten oder dritten Drittel der Schwangerschaft kann sich beim Neugeborenen unterschiedlich auswirken. Es kann zu einer Entzündungen der Ader- und Netzhaut des Auges, zu Verkalkungen im Gehirn und zur Ausbildung eines Hydrozephalus ("Wasserkopf") kommen.
Heute wird jedoch laut Robert Koch-Institut angenommen, dass die Mehrzahl der im Mutterleib infizierten Kinder in Deutschland ohne klinische Symptome geboren werden. Zeigen sie klinische Symptome, überwiegen Entzündungen der Ader- und Netzhaut des Auges (Retinochorioiditis). Diese Entzündung kann sich auch bei nach der Geburt unauffälligen Kindern Monate oder Jahre später noch entwickeln. (1)

Wie häufig sind erstmalige Infektionen in der Schwangerschaft?

Im Jahr 2016 erschien eine Studie zu Vorkommen und Bedeutung von Toxoplasma gondii in Deutschland. Laut Schätzungen der Forscher kommt es hierzulande jährlich bei fast  6.400 Frauen während der Schwangerschaft zu einer Serokonversion, d. h. zu einer Erstinfektion. Das betrifft also etwa 1,0 Prozent aller Schwangeren und 1,3 Prozent unter allen seronegativen Schwangeren. Daraus resultieren annähernd 1.300 fötale Infektionen durch die Übertragung der Infektion von der Mutter auf das Kind, und damit jährlich 345 Neugeborene mit klinischen Symptomen (angenommenen wurde eine Rate von 27 Prozent in der Ausbildung von Symptomen). (2)

Frühzeitige Diagnose und Therapie können Schäden mindern

Nach aktuellem Wissensstand kann davon ausgegangen werden, dass bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie die Erstinfektion in der Schwangerschaft effizient behandelt und Schäden beim Kind vermindert werden können. Auch bei einem bereits infizierten Neugeborenen kann eine Chemotherapie helfen.

Toxoplasmose-Test in der Schwangerschaft

In Deutschland ist eine serologische Diagnostik auf Toxoplasmose nicht Bestandteil der normalen Schwangerenvorsorge, sondern nur bei "begründetem Verdacht" einer Toxoplasma-Infektion vorgesehen. Dennoch bieten viele Frauenärzte Schwangeren Blutuntersuchungen zur Bestimmung von Toxoplasmose-Antikörpern als Selbstzahlerleistung an. Einige Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten.

In Österreich und Frankreich werden alle Schwangeren und in Dänemark alle Neugeborenen untersucht. Die Untersuchung der Neugeborenen ist sicher kostengünstiger als die ggf. mehrmalige Untersuchung der Schwangeren, lässt jedoch nicht die Möglichkeit zu, bereits während der Schwangerschaft einzugreifen, um eine Infektion des Kindes zu verhindern oder die Folgen zu mindern.

    Vorbeugende Maßnahmen in der Schwangerschaft

    Zur Vorbeugung einer möglichen Infektion sollten alle Schwangeren, die noch nicht mit Toxoplasmen infiziert sind, folgende Präventionsmaßnahmen beachten:

    • Keine rohen oder nicht ausreichend erhitzten, gefrosteten oder durch andere Verfahren adäquat behandelten Fleischprodukte essen.
    • Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen.
    • Waschen der Hände vor dem Essen.
    • Waschen der Hände nach dem Zubereiten von rohem Fleisch, nach Garten-, Feld- oder anderen Erdarbeiten und nach dem Besuch von Sandspielplätzen.
    • Bei Halten einer Katze in der Umgebung der Schwangeren sollte diese mit Dosen- und/oder Trockenfutter ernährt werden. Die Kotkästen sollten täglich durch andere Personen mit heißem Wasser gereinigt werden.

    Quellen

    1. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Toxoplasmose
    2. Robert Koch-Institut: Vorkommen und Bedeutung von Toxoplasma gondii in Deutschland: Ergebnisse der serologischen Untersuchungen innerhalb der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland DEGS; Erläuterungen zu einer Veröffentlichung in Scientific Reports vom 3.3.2016