Krankheitsbild Gürtelrose

Gürtelrose tut weh! Der äußerst schmerzhafte und in der Regel regional begrenzte Hautausschlag wird durch das Varicella-zoster-Virus (VZV) verursacht, dasselbe Virus, welches auch Windpocken (Varizellen) auslöst. Die Gürtelrose, auch Zoster genannt, tritt demnach nur bei Menschen auf, die bereits früher einmal Windpocken hatten. Aktuell kann man davon ausgehen, dass fast jeder in Deutschland aufgewachsene Erwachsene im Alter ≥ 50 Jahren in seinem Leben an Windpocken erkrankt war. In Deutschland wird die Zahl der jährlichen Erkrankungen auf 300 000 geschätzt.

Der Name Gürtelrose geht auf den Befall von Nerven zurück, die von der Wirbelsäule ausgehen und (halb)gürtelförmig um den Rumpf verlaufen.

Was passiert?

Beim ersten Kontakt im Leben mit dem Varicella-Zoster-Virus (VZV) bekommt derjenige die Windpocken, die in einigen Fällen auch gänzlich unbemerkt verlaufen. Wenn die Windpocken ausheilen, verbleiben einige Viren in Nervenknoten (Ganglien) entlang des Rückenmarks und am Gehirn. Sie bleiben dort, ohne Krankheitssymptome zu  verursachen, und zwar ein Leben lang.

Wer bekommt Zoster?

Das Risiko, eine Gürtelrose zu bekommen, steigt ganz allgemein mit zunehmendem Alter. Zunehmendes Lebensalter bedeutet in diesem Fall ab 50 Jahre, ein Alter, in dem sich die allermeisten keineswegs „so alt“ fühlen, sondern beruflich und in der Familie mitten im Leben stehen und sehr aktiv sind. Der Grund ist, dass unser Immunsystem natürlicherweise nicht mehr so perfekt funktioniert wie in jüngeren Jahren. Die jährliche Erkrankungsrate liegt im Alter von 50 Jahren bei ca. 6 pro 1.000 Personen und steigt bis zum Alter von 90 Jahren auf 13 Fälle pro 1.000 Personen an.

Zoster tritt zudem häufiger bei Personen mit geschwächtem Immunsystem auf (angeborene oder erworbene Immundefekte oder durch Medikamente bedingt), oder wenn besondere Stresssituationen vorliegen wie etwa nach Infektionskrankheiten oder Operationen.

Krankheitszeichen bei Gürtelrose

Die erneute Aktivierung der VZV-Infektion führt im Vorfeld oft zu Abgeschlagenheit oder leichtem Fieber, dann im Versorgungsgebiet des betroffenen Nerven zu den typischen Symptomen eines Zoster:

  • Missempfindungen,
  • Bläschenbildung auf einem begrenzten Areal geröteter Haut,
  • Schmerzen, meist stark ausgeprägt,
  • am häufigsten sind der Stamm oder das Gesicht betroffen,
  • in der Regel ist nur eine Körper- oder Gesichtshälfte betroffen.
  • Gefürchtet ist der Zoster ophthalmicus (Auge), Zoster oticus (Gehör und Gleichgewicht betreffend).

Im Normalfall trocknen die Bläschen innerhalb von einer Woche bis zwölf Tagen ab, die Haut ist nach zwei bis drei Wochen abgeheilt.

Komplikationen

Am häufigsten klagen die Patienten, auch nachdem die Bläschen abgeheilt sind, über heftige Nervenschmerzen, man spricht von einer postherpetischen Neuralgie (PHN). Diese kann über Wochen und Monate anhalten und ist nur sehr schwer zu behandeln.

Mögliche Komplikationen im akuten Stadium:

  • zusätzliche Infektionen mit Bakterien der Haut (Staphylokokken, Streptokokken etc.)
  • Lähmungen, z. B. im Gesicht (Fazialisparese), Zwerchfell
  • Innere Organe sind mitbetroffen, z. B. Lunge, Herz, Bauchspeicheldrüse
  • Rückenmarks-, Hirnhaut- oder Hirnentzündung, sehr selten
  • Zoster generalisatus (über den ganzen Körper), sehr selten, bei abwehrgeschwächten Patienten

Mögliche Komplikationen im chronischen Verlauf:

  • postherpetische Neuralgie, mit zunehmendem Alter steigt das Risiko
  • Narbenbildung
  • bei Zoster ophthalmicus: Bindehaut-, Hornhaut- oder Regenbogenhautentzündung oder Augenmuskellähmungen

Meist tritt der Zoster nur einmal im Leben auf, bei schweren Erkrankungen, zum Beispiel bei Krebs und notwendiger Chemotherapie, auch mehrfach.

Die Gürtelrose selbst wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen, jedoch können an Gürtelrose Erkrankte die Windpockenviren auf empfängliche (nicht immune) Personen übertragen, z. B. von Großeltern auf Enkelkinder. Diese bekommen dann die Windpocken. Beim Zoster kann die Übertragung der Viren nur durch Schmierinfektion über den Bläscheninhalt erfolgen, nicht auch über Husten und Niesen, wie es bei den Windpocken der Fall ist.

Kann ein Gürtelrose-Patient andere anstecken?

Das Varizella-Virus ist äußerst infektiös. Nach einer Erstexposition durch Windpocken erkranken über 90 von 100 empfänglichen Personen selbst an Windpocken. Bei Gürtelrose besteht dagegen eine geringe Ansteckungsgefahr, da nur die virushaltige Bläschenflüssigkeit infektiös ist. Durch Abdecken der Bläschen kann bei einer Gürtelrose die Ansteckungsfähigkeit deutlich reduziert werden.
Personen, die noch keine Varizellen durchgemacht haben und nicht gegen Varizellen geimpft sind, können sich bei Kontakt mit den Bläschen eines Gürtelrose-Patienten mit dem Virus anstecken und an Varizellen erkranken - in diesm Falle würde dies zu einer Windpocken-Erkrankung führen. Um die Übertragung auf nicht-immune Personen zu verhindern, sollten die Zoster-Bläschen bis zum Verkrusten sorgfältig abgedeckt werden.

Ein Patient mit einer Gürtelrose kann andere nicht mit "Gürtelrose anstecken". Wenn eine Kontaktperson ebenfalls einen Zoster entwickelt, ist dies Zufall. Es besteht ein zeitlicher, aber kein ursächlicher Zusammenhang. Ein Zoster entsteht immer „von innen heraus“, ist keine Neuinfektion. Wenn bei einer Person nach Kontakt zu einem Windpocken-Patienten eine Gürtelrose auftritt, ist dies ebenfalls Zufall!