Gebährmutterhalskrebs

Aktualisiert am 04.06.2020

Gebärmutterhalskrebs

Der Gebärmutterhals ist der Teil der Gebärmutter, der sich in die Vagina öffnet. Wenn Zellen des Gebärmutterhalses abnorm geworden sind und sich unkontrolliert vermehren, kann Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entstehen. Bis sich aus diesen abnormen Zellen eventuell Gebärmutterhalskrebs entwickelt, dauert es oft viele Jahre, und im Frühstadium können die Zellveränderungen meist einfach und erfolgreich behandelt werden. Da allerdings im Frühstadium keine Beschwerden auftreten, ist die Früherkennungsuntersuchung die einzige Möglichkeit für eine sichere Diagnose und rechtzeitige Therapie.

Im Jahr 2014 erkrankten in Deutschland nach Angaben der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister (www.gekid.de) und des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert Koch-Institut (www.krebsdaten.de) 4.540 Frauen an einem Zervixkarzinom, für 2018 werden 4.300 Neuerkrankungen erwartet. Insgesamt sterben in Deutschland jedes Jahr etwas mehr als 1.500 Frauen an diesem Tumor.

Der Tumor wird in fast 100 Prozent der Fälle von Viren ausgelöst, die vorwiegend beim Geschlechtsverkehr übertragen werden: den Humanen Papillomviren (HPV). Das haben deutsche Ärzte am Heidelberger Krebsforschungszentrum bereits in den 1970er-Jahren herausgefunden. Viele sexuell aktive Frauen tragen das Virus in sich, was bei einigen zu gutartigen Veränderungen führt, die schnell wieder heilen – nur bei den wenigsten entsteht über lange Zeit eine krebsartige Veränderung.

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Größte Zahl der HPV-Infektionen heilt aus - aber nicht alle!

Es gilt heute als wissenschaftlich gesichert, dass Infektionen mit den beiden gefährlichsten HPV-Typen (HPV 16 und 18) für zumindest 70 Prozent der Krebserkrankungen am Gebärmutterhals verantwortlich sind. Die meisten der weltweit jährlich über 470.000 Fälle (Quelle: WHO 2006) treten in Entwicklungsländern auf, wo die medizinische Versorgung schlechter ist als in Industrieländern.

Etwa 75 bis 90 Prozent aller Frauen (Quelle: Cervical Cancer Consortium Europe) machen im Verlauf ihres Lebens mit dem Virus "Bekanntschaft", doch weit über Prozent der Infektionen heilen im Lauf der Zeit wieder aus. Bei einer kleinen Minderheit der Infizierten schafft es das Virus aber, die Immunabwehr zu überwinden. Diese Frauen können - oft erst Jahrzehnte später - an Gebärmutterhalskrebs erkranken und daran sterben.

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Nicht nur Zahlen

Hinter den nüchternen, oft zitierten Zahlen „4.500 Erkrankungsfälle an Gebärmutterhalskrebs pro Jahr“ und „1.500 Todesfälle“ verbergen sich ebenso viele, oft sehr tragische Einzelschicksale. Das wird in der allgemeinen Diskussion um das Thema Humane Papillomviren (HPV) häufig vergessen.

1. Patientinnen-Schicksal

Christina* F. , 44 Jahre alt, (29 Jahre alt bei der Erstdiagnose, verheiratet, 1 Kind)

Bei einer Routineuntersuchung wurde vor 15 Jahren ein auffälliger PAP-Befund erhoben, es waren bereits stark veränderte Zellen nachgewiesen. Die Ursache war eindeutig eine HPV-Infektion. Die Behandlung bestand in einer Konisation, d. h., ein Teil des Muttermundes wurde operativ entfernt.

Ein Jahr später, die Patientin war nun 30 Jahre alt, kam es zu einem Rezidiv, d. h. es wurden erneut auffällige Zellen (Krebsvorstufen) entdeckt, die Gebärmutter musste nun vollständig entfernt werden. In den folgenden Jahren musste die Patientin noch mehrfach behandelt werden, unter anderem mit Lasertherapie und mit Operationen an der Scheide (Vagina), die ebenfalls krebsverdächtige Veränderungen zeigte.

Trotz dieser Therapien haben sich die Tumorzellen weiter ausgebreitet, 2008 wurde ein Karzinom an der Vagina gefunden, das bereits in den Darm ausstrahlte. Eine weitere große Operation wurde notwendig, die Scheide und befallenen Lymphknoten mussten vollständig entfernt werden. Eine künstliche Scheide musste angelegt werden und vorübergehend auch ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter). Die Patientin musste sich außerdem einer belastenden Chemotherapie und Bestrahlungen unterziehen. Die heute 44-Jährige ist harn- und stuhlinkontinent, ein normales Sexualleben kann sie nicht mehr führen, und sie ist im Alltag massiven Einschränkungen ausgesetzt.

2. Patientinnen-Schicksal

Anna* S., 35 Jahre alt, (28 Jahre bei Erstdiagnose, ledig, keine Kinder, aber Kinderwunsch)

Vor sieben Jahren wurde bei der jungen Frau ein Vulvakarzinom (Krebserkrankung der äußeren Geschlechtsorgane) festgestellt, das durch Humane Papillomviren ausgelöst war. Eine Operation wurde nötig. Wenige Jahre später wurden jedoch bei der Nachsorge, die die Frau regelmäßig wahrnahm, befallene Lymphknoten entdeckt. Die Patientin erhielt eine belastende Strahlentherapie.

Dennoch kam es vor zwei Jahren zu einem Rezidiv, dieses Mal war der Bereich zwischen der Gebärmutter und dem Dickdarm betroffen. Wieder musste operiert und ein künstlicher Darmausgang (Anus praeter) angelegt werden. Doch der Krebs wuchs weiter, er befiel kurz darauf die Knochen (Knochenmetastasen), wieder musste die Patientin sich einer speziellen Bestrahlungstherapie unterziehen.

Aktuell weisen Tumormarker wieder auf ein neues Geschehen hin... Die Leidensgeschichte der Patientin geht also weiter. Obwohl sie sich in ständiger ärztlicher Nachsorge und Überwachung befand und therapiert wurde, konnte dem Tumorgeschehen kein Einhalt geboten werden.

Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

Neuerungen bei der Früherkennung seit Januar 2020

Alle 5 Jahre werden nun gesetzlich versicherte Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren von ihrer Krankenkasse kontaktiert und über mögliche Früherkennungsprogramme informiert, denn nicht jede Frau geht regelmäßig zu einer gynäkologischen Kontrolle.

Pap-Abstrich jährlich zwischen 20 und 34 Jahren
Der jährliche Pap-Abstrich (benannt nach dem griechischem Arzt Papanicolaou, der diese mikroskopische Untersuchungsmethode entwickelt hat) wird bei Frauen zwischen 20 und 34 Jahren weiterhin durchgeführt. Er dient dazu, Zellveränderungen am Gebärmutterhals aufzuspüren. Für die Untersuchung werden Schleimhautzellen an Gebärmutterhals und Muttermund abgestrichen und unter dem Mikroskop begutachtet. Ein sicherer "Krebstest" im engeren Sinn ist der Pap-Abstrich zwar nicht: Man sieht aber, ob Zellen gesund und normal aussehen oder nicht. Damit steigt die Chance, Krebsvorstufen zu erkennen und zu behandeln - noch bevor Gebärmutterhalskrebs entsteht. Bei einem verdächtigen Befund schließen sich weitere Untersuchungen an.

Ab 35 Jahre Kombinationstest HPV- und Pap-Test alle drei Jahre
Statistisch gesehen kommen bei jungen Frauen HPV-Infektionen zwar häufiger vor, diese heilen aber schneller und ohne schwere Folgen aus. Bei älteren Frauen kann ein positiver HPV-Test allerdings ein Hinweis auf eine langanhaltende HPV-Infektion sein. Deshalb entfällt neuerdings der jährliche Pap-Test bei Frauen ab 35 Jahren. Stattdessen wird alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung bestehend aus einem HPV- und Pap-Test angeboten.

Heilungschancen im Frühstadium bei nahezu 100 Prozent

Früherkennung rettet Leben: Bei kaum einer anderen Krebsart hat die Früherkennung einen so hohen Stellenwert wie beim Zervixkarzinom. Die Heilungschancen liegen im Frühstadium bei fast 100 Prozent! Daher ist die Teilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen unerlässlich.


Erstellt am 26.3.2019, aktualisiert am 04.06.2020

Quelle:
Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum: Gebärmutterhalskrebs

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