Windpocken

Windpocken (Varizellen) sind eine weltweit verbreitete, sehr ansteckende Krankheit, die durch das Varicella-Zoster-Virus hervorgerufen wird.

Gefährliche „Luftpost“

Die Viren gelangen mit dem Atem in die Luft und können über einige Meter „fliegen“. Daher auch der Name „Windpocken“. 90 Prozent derjenigen, die mit den Viren in Kontakt kommen, erkranken auch.

Bei ansonsten gesunden Kindern sind schwerwiegende Komplikationen wie eine Gehirn- oder Lungenentzündung eher selten. Demgegenüber haben Jugendliche und jüngere Erwachsene ein höheres Risiko, schwer zu erkranken. Schutz bietet eine zweimalige Impfung.

Ungeborenen drohen Fehlbildungen

Besonders gefährlich sind Windpocken jedoch für Schwangere, die bisher weder an Windpocken erkrankt waren noch eine Windpockenimpfung erhalten haben. Bei Infektionen bis zur 21. Schwangerschaftswoche können schwere Fehlbildungen beim Ungeborenen auftreten. Dazu gehören neurologische Schädigungen, Augenschäden, Skelettanomalien und andere Fehlbildungen. Allerdings kommt es „nur“ bei 1-2 Prozent der akut mit Varizellen infizierten Schwangeren zu einer transplazentaren Übertragung auf das Kind. Zu Virus-Übertragungen in der 21. bis 24. Schwangerschaftswoche gibt es nur Einzelfallberichte.

Lebensbedrohlich für Neugeborene und Frühgeborene

Erkrankt die Mutter um den Geburtstermin (zwei Wochen vor bis zwei Tage nach Entbindung), können Windpocken beim Neugeborenen lebensbedrohlich verlaufen. Auch für Frühgeborene geschützter Mütter ist die Krankheit in den ersten 6 Lebenswochen bedrohlich, weil vor der Geburt nicht genügend Antikörper von der Mutter aufs Kind übertragen wurden. Die meisten Antikörper gehen erst in den letzten Wochen der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind über.

Häufigere Komplikation bei Schwangeren

Auch für die werdende Mutter selbst kann eine Windpocken-Erkrankung gefährlich werden, denn bei Schwangeren kommt es häufiger zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Komplikationen wie einer Lungenentzündung (Varizellenpneumonie).

Varizellen-Impfung und Kinderwunsch

Frauen mit Kinderwunsch, die die Windpocken noch nicht hatten (Titerbestimmung!) oder noch nicht dagegen geimpft sind, sollen 2 Impfungen gegen Windpocken im Mindestabstand von 4, besser 6 Wochen erhalten.

Die Effektivität der Varizellenimpfung ist nach zwei Dosen signifikant höher als nach einer Dosis. Frauen mit Kinderwunsch, die nur einmal geimpft sind, sollen eine zweite Impfung erhalten.

Nicht in der Schwangerschaft impfen

Während einer Schwangerschaft wird keine Varizellen-Impfung vorgenommen, da theoretisch auch das Impfvirus auf das Kind im Mutterleib übertragen werden könnte. Aus dem gleichen Grund ist für die Dauer von mindestens 1 Monat nach der Impfung eine Schwangerschaft zu vermeiden. Sollte jedoch zufällig eine Schwangere geimpft worden sein, zum Beispiel weil die Schwangerschaft noch nicht festgestellt wurde, besteht kein Anlass zu einem Schwangerschaftsabbruch, weil in solchen Fällen bislang keine Schädigungen beim Kind beschrieben worden sind.

Schwanger und ungeschützt?

Ungeschützte Schwangere sollen den Kontakt zu Windpocken- und Gürtelrose-Erkrankten und Verdachtsfällen meiden. Falls weitere Familienmitglieder, vor allem Kinder, ungeimpft sind, soll bei diesen der Impfschutz komplettiert werden.

Kommt eine ungeimpfte Schwangere mit Windpockenerkrankten in Kontakt, so ist eine passive Immunisierung verfügbar (Varicella-Zoster-Immunglobulin), die innerhalb von 96 Stunden nach Exposition verabreicht werden sollte.
Als Exposition gelten

  • ein Aufenthalt mit einer an Windpocken erkrankten Person über eine Stunde oder länger in einem Raum,
  • ein Haushaltskontakt
  • sowie ein „face-to-face“ Kontakt.
  • Bei Gürtelrose (Herpes zoster) besteht eine geringe Gefahr einer Virusübertragung, da nur die virushaltige Bläschenflüssigkeit infektiös ist (Schmierinfektion).