Meningokokken-Erkrankungen

Bildquelle: ECDC
Themen
Erreger, Übertragung, Vorkommen
Meningokokken Serogruppenverteilung Deutschland
Invasive Meningokokken-Erkrankungen in Deutschland
Meningitis-Gürtel in Afrika
Krankheitsbilder
Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (WFS)
Risikofaktoren für eine Meningokokken-Infektion
Impfempfehlung der STIKO gegen Meningokokken
Was tun bei Verdacht auf Meningitis?
Erreger, Übertragung, Vorkommen
Erreger
Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind Bakterien, die Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen (Sepsis) hervorrufen können. Etwa 10 Prozent der europäischen Bevölkerung trägt diese Bakterien im Nasenrachenraum, ohne dabei krank zu sein. Es gibt verschiedene Untergruppen, sogenannte Serogruppen, von denen A, B, C, W und Y die bedeutsamsten sind.
Übertragung
Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch beim Anhusten, Niesen, aber auch Küssen übertragen. Vor allem wenn das Immunsystem, etwa durch andere Infektionen, geschwächt ist, können sich die Bakterien vermehren, die Schleimhäute durchdringen und Erkrankungen hervorrufen.
Vorkommen
Meningokokken-Erkrankungen treten weltweit auf, wobei die verschiedenen Serogruppen weltweit unterschiedliche Verteilung zeigen. Im sogenannten „Meningitisgürtel“ der Subsaharazone und in Asien kommt es immer wieder zu Epidemien, bedingt in erster Linie durch Meningokokken der Serogruppe A, aber auch W und X.
In Europa sind die Serogruppen B, Y, W und C am stärksten verbreitet. Betroffen sind vor allem die Altersgruppen der 0 - 4 Jährigen, die der 15 - 24 Jährigen und ältere Menschen ab 70 Jahre.
In Deutschland wird die Mehrzahl der Erkrankungen durch die Serogruppe B verursacht. Die Gesamtzahl der Meningokokken-Infektionen (alle Serogruppen zusammen) in Deutschland liegt bei etwa 300 Fälle pro Jahr. Ungefähr 10-13 % der an invasiver Meningokokken-Infektion Erkrankten sterben. Die Zahl der invasiven Meningokokken-Erkrankungen nimmt in Deutschland seit über 10 Jahren kontinuierlich ab. Im Jahr 2024 gab es 256 gemeldete Fälle. Siehe Abbildung unten.
Invasive Meningokokken-Erkrankungen Deutschland / Serogruppen B, Y, W und C - 2025
Fallzahl B, Y, W und C insg.: 220, Datenstand: 4.11.2025
Krankheitsbilder
Das Krankheitsbild reicht von leichten Verläufen mit spontaner Abheilung bis hin zu einer sogenannten invasiven Meningokokken-Erkrankung. Über eine invasive Infektion spricht man, wenn die Bakterien sich in normalerweise sterile Körperflüssigkeiten wie Blut, Gehirn- und Rückenmarkflüssigkeit (Liquor) eindringen und sich so im gesamten Organismus ausbreiten.
Ungefähr zwei Drittel der invasiven Meningokokken-Erkrankungen verlaufen als Hirnhautentzündung (Meningitis). Etwa ein Drittel der Fälle verläuft als Sepsis (Blutvergiftung). Die Sepsis führt bei 10 % bis 15% der Erkrankten zum schweren septischen Schock (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom), das durch eine sehr hohe Sterblichkeit (Letalität) gekennzeichnet ist.
Meningitis
Die Meningitis beginnt mit starkem Krankheitsgefühl wie Abgeschlagenheit, hohem Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen, Krämpfen oder Bewusstseinsstörungen. Als typisches Zeichen einer Hirnhautentzündung tritt die Nackensteifigkeit auf.
Bei Säuglingen kann neben dem fast immer auftretenden Fieber die Symptomatik zunächst wenig eindeutig sein: Apathie oder Unruhe, Schreien, Nahrungsverweigerung und Berührungsempfindlichkeit. Die Fontanelle kann sich vorwölben, die Nackensteifigkeit kann fehlen. Bei einer Meningokokken-Meningitis liegt die Sterblichkeit in Deutschland bei ca. 1%.
Sepsis
Septische Verlaufsformen können schwere Komplikationen mit sich bringen wie z. B. Gewebsnekrosen an Gliedmaßen, die eine Amputation erforderlich machen. Bewusstseinstrübung, punktförmige Hautblutungen und Kreislaufkollaps sind Hinweise auf einen lebensbedrohenden Krankheitsverlauf. In schweren Fällen tritt der Tod schon innerhalb weniger Stunden ein. Bei einer Sepsis liegt die Letalität in Deutschland bei ca. 13% und bei der schweren Form der Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei ca. 33%.
Im Krankheitsfall ist entscheidend ist eine möglichst frühe Behandlung mit Antibiotika. Vorbeugend ist eine Schutzimpfung für gefährdete Personen, z. B. Kinder.
Waterhouse-Friderichsen-Syndrom
Bei dem nach Rupert Waterhouse und Carl Friderichsen benannten Syndrom handelt es sich um eine durch Bakterien verursachte, sehr schnell und meist tödlich verlaufende Infektion. Meningokokken sind – neben Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Pneumokokken und Staphylokokken – die Hauptverursacher. 5 bis 10 Prozent aller Meningokokken-Erkrankungen verlaufen als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom (WFS). Das WFS ist damit ein relativ seltenes, aber sehr schweres Krankheitsbild. Die sich über den ganzen Körper ausbreitende Infektion (Sepsis) führt unter Schocksymptomen zu einer Zerstörung der Nebennieren, zu schweren Gerinnungsstörungen und Multiorganversagen.
Anzeichen
· Plötzlich einsetzendes hohes Fieber
· Plötzliches Erbrechen
· Kopfschmerzen
· Bewusstseinseintrübungen
· Nackensteifigkeit (dabei kann das Kinn nicht zur Brust bewegt werden)
· Hauteinblutungen
· Rasch einsetzendes Kreislaufversagen
Bei Kleinkindern:
· Zunächst “nur” Erbrechen und Fieber
Bei Säuglingen:
· ggf. aufgetriebene Fontanelle
Diagnose
Eine Erkrankung wird anhand der eintretenden Symptome (zum Beispiel Hauteinblutungen) und der Komplikationen diagnostiziert. Entscheidend ist auch der Nachweis der Erreger aus den Hautläsionen, Blut oder auch Liquor. Nachfolgend kann eine molekularbiologische Untersuchung genauen Aufschluss über den Erreger geben.
Krankheitsverlauf
Ein WFS beginnt aus voller Gesundheit heraus. In sehr kurzer Zeit bekommt der Patient plötzlich hohes Fieber. Er fühlt sich matt, ist apathisch. Nach zwei Stunden zeigen sich kleine rote Flecken (erst Punktgröße, später größere Flächen) auf der Haut, die sich nicht wegdrücken lassen (Wasserglastest). Das sind Hauteinblutungen, die bei jedem Erkrankten nachweisbar sind! Nach weiteren zwei Stunden wird der Patient bewusstlos, der Puls und der Blutdruck werden schwächer. Nach weiteren vier bis 10 Stunden tritt der Tod ein.
Risikofaktoren für eine Meningokokken-Infektion
Meningokokken werden nur direkt von Mensch zu Mensch weitergegeben. Außerhalb des menschlichen Körpers überleben diese Bakterien nicht lange. Für die Übertragung ist ein enger Kontakt zwischen Menschen notwendig.
Ein höheres Risiko sich anzustecken herrscht auch überall dort, wo viele Menschen eng zusammen kommen, zum Beispiel in Gemeinschaftsunterkünften, in einem vollen Bus, in einer vollen Diskothek oder bei großen Menschenansammlungen. Nicht anstecken kann man sich in der Regel durch Begegnungen ohne engen Kontakt, wie etwa im Schwimmbad oder auf einer öffentlichen Toilette.
Gesundheitlich gefährdete Personen
Ein erhöhtes Infektionsrisiko haben Menschen mit bestimmten Defekten des Immunsystems, wenn zum Beispiel die Milz fehlt (Aspleniker), bei Sichelzellanemie oder wenn zu wenig Antikörper gebildet werden (Hypogammaglobulinämie). Auch Personen, die unter immunsuppressiver Therapie stehen, haben ein erhöhte Gefahr sich mit Meningokokken zu infizieren.
Reisende
Reisende in Länder, in denen die Meningokokken-Infektionsgefahr erhöht ist, besonders bei engem Kontakt zu der einheimischen Bevölkerung, sind besonders gefährdet. Zu ihnen gehören z. B. EntwicklungshelferInnen, KatastrophenhelferInnen, Medizinisches Personal oder Reisende bei Langzeitaufenthalt. Reisende sollten die Hinweise der WHO beachten.
Impfempfehlung der STIKO gegen Meningokokken
Impfung gegen Meningokokken A, C, W, Y
Seit 2025: MenACWY-Standardimpfung statt MenC
Aufgrund der geänderten epidemiologischen Lage wird die Meningokokken-C-Standardimpfung für Kleinkinder nicht weiter empfohlen. Die STIKO empfiehlt für alle älteren Kinder und Jugendlichen, unabhängig vom Impfstatus, im Alter von 12 bis 14 Jahren die Impfung gegen MenACWY mit einem quadrivalenten (4-fach) Konjugatimpfstoff als Standardimpfung. Es soll eine Impfstoffdosis eines altersgerecht zugelassenen Impfstoffs gemäß Fachinformation verabreicht werden. Es stehen drei MenACWY-Konjugatipfstoffe zur Verfügung. Die Impfung kann zeitgleich mit den anderen für diese Altersgruppe von der STIKO empfohlenen Impfungen (Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Poliomyelitis (4-fach-Impfstoff) und Impfung gegen HPV) z. B. bei der J1-Untersuchung gegeben werden. Die MenACWY-Nachholimpfungen sollen bis zum Alter von < 25 Jahren erfolgen (bis zum 25. Geburtstag).
Quelle: Beschluss und wissenschaftliche Begründung zur Evaluation einer quadrivalenten Meningokokken-Impfung für Kleinkinder sowie ältere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene / Epid. Bull. 44/2025
Impfung gegen Meningokokken B
In Deutschland sind zwei sog. Proteinimpfstoffe gegen die Meningokokken der Serogruppe B verfügbar. Ein Impfstoff ist ab 2 Lebensmonaten, der andere ab 10 Jahren zugelassen. Seit August 2015 empfiehlt die STIKO die Meningokokken-B-Impfung für besonders gefährdete Personen als Indikationsimpfung.
Seit Januar 2024 empfiehlt die STIKO allen Säuglingen ab 2 Monaten die Imfung gegen Meningokokken B mit dem Impfstoff Bexero® :
Zurzeit werden in Deutschland die meisten invasive Meningokokkenerkrankungen von der Serogruppe B verursacht. Da am stärksten Kinder unter 5 Jahren betroffen sind, insbesondere die unter 1-jährigen, wird eine frühzeitige Impfung empfohlen. Die Grundimmunisierung soll mit 3 Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 12 Monaten erfolgen. Die Impfung kann mit den anderen empfohlenen Kinderimpfstoffen (z. B.6-fach-, Pneumokokkenimpfstoff) zeitgleich gegeben werden. Nachholimpfungen sollen bis zum 5. Geburtstag gegeben werden. Ab dem Alter von 5 Jahren wird die MenB-Impfung nur für bestimmte Indikationsgruppen empfohlen. Zur Vermeidung von Fieber oder Schmerzen nach der MenB-Impfung wird Kinder unter 2 Jahren eine prophylaktische Paracetamol-Gabe empfohlen.
Quelle: Epidemiologisches Bulletin 44/2025 und 4/2025 https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/44_25.pdf?__blob=publicationFile&v=3 oder https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/04_25.pdf?
Indikationsimpfungen gegen Meningokokken ACWY und B:
Für gesundheitlich gefährdete Personen, einschließlich Säuglingen und Kleinkindern mit angeborener oder erworbener Immundefizienz, wird eine Meningokokken-Impfung mit dem 4-valenten Konjugatimpfstoff gegen die Serogruppen A, C, W und Y und / oder Serogruppe B empfohlen.
Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko gegenüber Meningokokken:
- Personen mit Immundefekten (angeboren, erworben oder durch Medikamente bedingt) oder fehlender bzw. funktionsuntüchtiger Milz.
- Gefährdetes Laborpersonal (bei Arbeiten mit dem Risiko eines N. meningitidis-Aerosol).
- Reisenden in Gebiete, in denen Meningokokken-Infektionen häufig auftreten und mit längerem Aufenthalt in ländlichen Gebieten oder engem Kontakt zur Bevölkerung. Bei Pilgerreisen (Hadj) nach Saudi-Arabien ist die Impfung Pflicht.
- Vor Langzeitaufenthalten, besonders Kinder und Jugendliche sowie Personen in Studium oder Ausbildung) Impfung gegen Meningokokken ACWY und B entsprechend den Empfehlungen der Zielländer.
- Bei Ausbrüchen oder regionalen Häufungen auf Empfehlung der zuständigen Gesundheitsbehörden.
- Zusätzlich zur Chemoprophylaxe für bisher ungeimpfte Kontaktpersonen (Haushaltskontakte oder enge mit hauhaltsähnlichem Charakter) eines Erkrankten mit einer impfpräventablen invasiven Meningokokken-Infektion sobald wie möglich nach dem Kontakt.
Was tun bei Verdacht auf Meningitis?
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind oder Sie selbst an Meningitis leiden, warten Sie nicht. Suchen Sie sofort einen Arzt oder eine Klinik auf!
Teilen Sie bei der Anmeldung mit, dass Sie eine Meningitis vermuten und bestehen Sie darauf, dass schnell untersucht wird. Wenige Stunden können über Leben und Tod, über Unversehrtheit oder bleibende Behinderungen entscheiden.
Eine Meningokokken-Erkrankung wird sofort mit Antibiotika behandelt. Alle Personen, die engen Kontakt mit dem Erkrankten hatten, erhalten ebenfalls vorsorglich Antibiotika. Das sind zum Beispiel Familienangehörige, Spielkameraden im Kindergarten, Banknachbarn in der Schule, Intimpartner von Jugendlichen und Erwachsenen.
Für andere Kontaktpersonen, zum Beispiel Mitschüler an derselben Schule, Arbeitskollegen, weitere Gruppenmitglieder oder beim Babyschwimmen, besteht nur selten ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.
Aktualisiert am 26.08.2026
Quellen:
- Epidemiologisches Bulletin 44/2025
- Epidemiologisches Bulletin 3/2024
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Meningokokken
- Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Meningokokken: Häufig gestellte Fragen und Antworten
- SurvStat, Robert Koch-Institut
- ECDC, European Centre for Disease Prevention and Control, Invasive meningococcal disease - Annual Epidemiological Report for 2024


