Tollwut

Das Krankheitsbild der Tollwut

Die Tollwut ist eine akute Erkrankung des Zentralnervensystems, die durch eine Infektion mit dem Tollwutvirus hervorgerufen wird. Der Mensch infiziert sich hauptsächlich über den Speichel eines infizierten Wild- oder Haustieres nach Biss- oder Kratzverletzungen, nach Belecken verletzter Hautstellen durch das Tier oder wenn Speichel eines infizierten Tieres auf Schleimhäute von Augen, Mund und Nase gelangen.

Während die in Nordamerika und Europa vorherrschende Wildtiertollwut durch die Impfung der Füchse stark zurückgedrängt wurde, stellt die in Afrika, Asien und Lateinamerika noch weit verbreitete Haustiertollwut mit dem Hund als Hauptüberträger eine große Gefährdung der Menschen dar. Jährlich kommt es in diesen Regionen zu mehreren tausend Todesfällen beim Menschen, darunter in Einzelfällen auch bei Reisenden.

Ist das Tollwutvirus in den menschlichen Organismus gelangt, wandert es langsam entlang der Nervenbahnen bis in das Rückenmark und das Gehirn, wo es sich vermehrt und sich schließlich weiter im Körper ausbreitet. Die Zeit vom Anstecken bis zum Ausbruch der Krankheit dauert zehn Tage bis viele Monate, manchmal sogar Jahre.

Es gibt keine erfolgreiche Behandlung. Eine einmal ausgebrochene Tollwuterkrankung endet immer tödlich. Der einzige Schutz vor einer Erkrankung besteht in einer rechtzeitig durchgeführten Tollwut-Impfung:
Man unterscheidet zwischen der vorbeugenden Impfung und der Impfung nach Tollwut- Exposition, das heißt nach Biss- und Kratzverletzung oder Kontakt mit dem Speichel tollwütiger oder tollwutverdächtiger Tiere.

Die Tollwut-Impfung

Die zur Verfügung stehenden Impfstoffe enthalten abgetötete Tollwut-Viren, die beim Impfling eine Immunität hervorrufen. Die Viren wurden entweder in Kulturen menschlicher Zellen vermehrt oder in Bindegewebszellen vom Huhn.

Präexpositionelle Grundimmunisierung

Die sog. präexpositionelle (vor der Exposition) Grundimmunisierung beinhaltet drei Impfstoffdosen an den Tagen 0, 7, 21 oder 28 (je nach Impfsstoff).
Auffrischimpfungen werden erforderlich, wenn weiterhin oder erneut die Gefahr einer Ansteckung besteht.

In vielen Entwicklungsländern werden weiterhin Tollwut-Impfstoffe angewandt, die eine wesentlich geringere Wirksamkeit und auch mehr Nebenwirkungen haben, als die bei uns ausschließlich verfügbaren Zellkultur-Impfstoffe. Findet eine Tollwut-Exposition im Reiseland bei ungeimpften Personen statt, sollten sich Urlauber erkundigen, welche Impfstoffe verwendet werden und notfalls den Aufenthalt abbrechen und zur Impfbehandlung oder Wiederholung der Impfung nach Deutschland zurückkehren.

Impfung nach Exposition (postexpositionelle-Impfung)

Einer unverzüglichen Impfbehandlung sollten sich alle Personen unterziehen, die von tollwutverdächtigen oder tollwütigen Tieren gebissen oder gekratzt wurden, oder Personen, bei denen durch Kontakt mit Speichel dieser Tiere eine Tollwut-Infektion nicht auszuschließen ist.

Zunächst sind alle Wunden und mit Speichel des Tieres in Berührung gekommene Körperstellen mit Seife oder einer Geschirrspülmittellösung mindestens 15 Minuten zu reinigen, mit Wasser gründlich zu spülen und nachfolgend - wenn möglich - mit 70 %-igem Alkohol oder einer Jodtinktur zu desinfizieren. Mit Speichel in Berührung gekommene Schleimhäute von Augen, Mund und Nase sind gründlich mit Wasser zu spülen.
Je nach Art der Infektionsgefährdung und eventueller Vorimpfungen erfolgt anschließend eine alleinige Impfung oder eine kombinierte Impfbehandlung, wobei zusätzlich Tollwut-Immunglobulin verabreicht wird, ein spezielles menschliches Serum, das Abwehrstoffe gegen Tollwut enthält.

Auch Personen die eine vollständige Tollwut-Grundimmunisierung hatten, müssen weitere zwei Impfstoffdosen im Abstand von drei Tagen bekommen, falls ihre Haut oberflächliche Kratzer oder Hautabschürfungen (nicht blutende) bekommen hat und an diesen Stellen ein tollwutverdächtiges Tier geleckt oder geknabbert hat.

Wer soll vorbeugend gegen Tollwut geimpft werden?

  • Reisende in Länder, in denen die Tollwut stark verbreitet ist, vor allem bei Aufenthalt in ländlichen Gebieten oder beruflichem Umgang mit Tieren, bei Rucksack-, Abenteuer- und Trekkingreisen und bei Reisen in Länder, wo keine ausreichende medizinische Versorgung zu erwarten ist.
  • Personen, die in Regionen mit neu aufgetretener Wildtiertollwut auf Grund ihrer Tätigkeit besonders infektionsgefährdet sind, wie Tierärzte, Jäger, Forstpersonal, Personen, die Umgang mit Wildtieren oder Impfködern haben, sowie Personal in Laboratorien mit Tollwutrisiko.
  • Personen mit beruflichem oder sonstigem engen Kontakt zu Fledermäusen

Wer soll nicht vorbeugend gegen Tollwut geimpft werden?

  • Personen, die an einer akuten Krankheit mit Fieber leiden
  • Personen, die auf Bestandteile des Impfstoffes allergisch reagieren; bei Personen mit einer nachgewiesenen Überempfindlichkeit gegen Hühnereiweiß soll die Impfung mit einem Tollwut-Impfstoff erfolgen, der auf Kulturen aus menschlichen Zellen gezüchtet wurde.
  • Schwangere; bei ihnen sind Nutzen und Risiko der vorbeugenden Impfung sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

Für die Impfung nach Tollwut-Exposition gelten keinerlei Hinderungsgründe. Wegen des tödlichen Ausgangs einer Tollwut muss die Impfung in diesen Fällen stets unverzüglich durchgeführt werden.

Besondere Hinweise

  • Auch bei bereits früher geimpften Personen sind bei erneuter Tollwut-Exposition eine Behandlung mit Wundreinigung (mindestens 15 Minuten lang mit Seife unter fließendem Wasser), Desinfektion (mit 70 %-igem Alkohol) und Auffrischimpfungen und eventuell ein bis zwei weitere Impfungen erforderlich. Deshalb suchen Sie bei einer Bissverletzung in jedem Fall einen Arzt auf.
  • Infolge eines defekten Immunsystems kann der Impferfolg eingeschränkt oder in Frage gestellt sein. In diesen Fällen berät sie der Impfarzt über Möglichkeiten des Schutzes.
  • Bei Kontakt mit der Impf-Flüssigkeit eines Impfstoff-Köders zur Tollwut-Impfung der Füchse mit frisch verletzter Haut oder mit Schleimhäuten von Augen, Mund und Nase wird in gleicher Weise wie nach Tollwut-Exposition verfahren.

Aktualisiert: am 22.09.2020

Quellen:

  1. Epidemiologisches Bulletin 34/2020
  2. RKI-Ratgeber: Tollwut