Selbstkontrolle gegen den inneren Schweinehund

Obwohl wir es doch besser wissen, entscheiden wir uns oft für Dinge, die uns nicht guttun, und ärgern uns später darüber. Dabei gibt es wirksame Methoden, den inneren Schweinehund in den Griff zu kriegen und die Selbstkontrolle zu stärken: Stupser in die richtige Richtung.

Wir entscheiden uns oft für das kurzfristig bequemere, genussvollere oder attraktivere Angebot statt für das, was langfristig besser für uns ist. Menschen haben biologische, psychologische und soziale Schwachstellen, die zum Beispiel von der Werbung oder bei der Platzierung von Produkten in Läden ausgenutzt werden. Eine verhaltenswissenschaftliche Methode, mit der jeder seine Fähigkeiten zur Selbstkontrolle stärken kann, stellen Prof. Ralph Hertwig, Direktor des Forschungsbereichs Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, und Dr. Samuli Reijula, Philosoph an der Universität Helsinki, vor. Mit dem sogenannten Self-Nudging könne jeder seine unmittelbare Umgebung so verändern, dass gewünschte Entscheidungen leichter fallen, so die Wissenschaftler.

Die Nudges (zu Deutsch: Stupser) helfen uns dabei, selbst gesteckte, langfristige Ziele zu erreichen. Dabei müsse man zunächst verstehen, wie die Gestaltung unserer Umgebung unsere Entscheidungen beeinflusst – zum Beispiel die ständigen Benachrichtigungen von Apps auf unserem Smartphone oder der Inhalt des eigenen Kühlschranks. Im zweiten Schritt gelte es, diese Gestaltung gezielt so zu verändern, dass es uns leichter fällt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir geben uns dadurch selbst Stupser in die gewünschte Richtung.

Die Self-Nudging-Werkzeuge teilen die Forscher in vier Kategorien auf: (1) Erinnerungen und Hinweise für sich selbst platzieren; zum Beispiel das Foto eines Apfels auf der Kühlschranktür oder die Jogging-Schuhe vor dem Bett. (2) Den Entscheidungen einen anderen Rahmen geben (Framing). Beispielsweise können wir die Entscheidung zwischen Joggen oder Nichtjoggen auch als eine Entscheidung zwischen Gesundheit oder Krankheit im Alter framen. (3) Die Zugänglichkeit zu Dingen, die uns schaden können, verringern. Und die Dinge, die wir wollen, leicht erreichbar machen; zum Beispiel die Voreinstellungen in elektronischen Geräten ändern und Benachrichtigungen von Social-Media-Apps ausschalten. (4) Sich etwas Druck und Selbstverpflichtung mittels sozialer Verträge aufbauen. Zum Beispiel etwas Unangenehmes machen müssen, sofern man die Frist für die Abgabe einer Arbeit nicht einhält.

„Wir alle haben in unseren Köpfen und Körpern verschiedene Bedürfnisse und Wünsche, die ständig miteinander in Verhandlung treten. Self-Nudging kann dabei helfen, bewusster mit diesen inneren Verhandlungsprozessen umzugehen“, so Dr. Reijula. Wer erkennt, wodurch seine Selbstkontrolle auf die Probe gestellt wird, entscheidet sich vielleicht, Süßigkeiten in der eigenen Küche ganz hinten im obersten Küchenregal aufzubewahren. – Oder sie erst gar nicht aus dem Laden mit nach Hause zu bringen…


Erstellt am 05.06.2020

Quellen:

  1. https://www.mpib-berlin.mpg.de/pressemeldungen/mit-self-nudging-gegen-den-inneren-schweinehund
  2. Reijula, S., & Hertwig, R. (2020). Self-nudging and the citizen choice architect. Behavioural Public Policy, 1–31. https://doi.org/10.1017/bpp.2020.5

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