Erreger, Krankheitsbild, Infektionsweg

Der Erreger

Das Cytomegalie-Virus (CMV) gehört zu den Herpesviren. Wie alle Herpesviren besitzt das CMV die Fähigkeit, nach einer Infektion lebenslang im Organismus zu verbleiben. Es bleibt außerhalb des Körpers je nach Oberfläche und Temperatur weiterhin infektiös.

Stabilität von CVM auf feuchter Oberfläche (nach AWMF-Leitlinie):

MaterialDauer der Infektiosität
Metall / Holz1 Stunde
Glas / Plastik3 Stunden
Gummi / Kleidung / Keks6 Stunden

 Stabilität von CMV bei verschiedenen Temperaturen (nach AWMF-Leitlinie):

TemperaturDauer der Infektiosität
20° Cca. 1 Tag
50° Cca. 10 Minuten

Krankheitsbild

Infiziert sich ein gesunder Mensch, bemerkt er das normalerweise gar nicht. Die meisten Erstinfektionen verlaufen, gerade bei Kindern und Jugendlichen, ganz ohne oder mit nur wenigen allgemeinen Krankheitszeichen, wie grippeartigen  Symptomen, Abgeschlagenheit, Fieber oder Husten. Machmal wird man zufällig auf die Infektion aufmerksam, z. B. durch die speziellen Blutuntersuchungen vor dem Blutspenden. Auch Frauen, die sich während der Schwangerschaft mit CMV infizieren, weisen mehrheitlich (ca. 75%) keine Symptome auf.

Wenn eine werdende Mutter sich erstmalig mit CMV ansteckt, kann der Erreger in einigen Fällen auf das Kind übergehen. Symptome bei den Kindern können ein geringes Geburtsgewicht und eine Trinkschwäche sein, sie leiden unter einer Vergrößerung von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie), an Gelbsucht, Lungenentzündungen und neurologischen Störungen wie Krämpfen. Abweichungen vom Blutbild in Form von Anämie (Blutarmut), Einblutungen in die Haut durch eine erniedrigte Zahl von Blutplättchen (Thrombozytopenie), ein zu kleiner Kopf (Mikrozephalie), Verkalkungen im Gehirn, geistige Behinderung, Entwicklungsverzögerung sowie Schädigungen von Auge und Gehör werden beobachtet.

Nicht jedes Kind, dessen Mutter sich mit CMV infiziert hatte, kommt mit Krankheitszeichen zur Welt: 67 Prozent der Kinder werden scheinbar gesund geboren. Doch 10 bis 15 Prozent davon entwickeln im Laufe der ersten drei Lebensjahre Spätschäden. Am häufigsten werden Hörstörungen festgestellt, es kann aber auch zu Krampfanfällen, Sprachstörungen, Hörverlusten und Lähmungserscheinungen kommen. Eltern, die von der Infektion ihres Kindes wissen oder aber eine CMV-Infektion vermuten, sollten genau auf mögliche Symptome achten bzw. einen Spezialisten zur Abklärung aufsuchen, damit dem Kind möglichst umfassende Unterstützung zuteilwerden kann.

Bei Patienten nach einer Organtransplantation bzw. unter einer immunsuppressiven Therapie (z. B. Chemotherapie), also Behandlungen, die die Immunabwehr schwächen, sowie bei AIDS-Patienten führt eine CMV-Infektion gehäuft zu schwereren Krankheitsverläufen. Lungenentzündungen, Leber- und Darm- und Speiseröhre-Entzündungen gehören ebenso dazu wie Entzündungen der Aderhaut und der Netzhaut oder Fieber. Je stärker die Immunsuppression, desto schwerer ist der Verlauf.

Auch die Reaktivierung einer latenten Infektion, die bei Immungesunden meist ganz unbemerkt bleibt, kann bei den oben genannten Patienten zu ähnlichen Krankheitszeichen führen wie eine Erstinfektion, allerdings im Allgemeinen schwächer ausgeprägt.

Infektionsweg: Wie steckt man sich an?

Das Cytomegalie-Virus wird von Mensch zu Mensch durch Schmier- und Tröpfcheninfektionen übertragen. Es ist in Urin, Tränen, Blut, Speichel, Genitalsekret und Muttermilch enthalten. Durch Kontakt mit diesen Körpersekreten wird das Virus von einem zum andern weitergegeben, z. B. durch Stillen, Küssen, Sexualkontakte, aber auch durch Blutprodukte und Organtransplantate.

Außerdem kann das CMV von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden, wenn sich eine Schwangere erstmals damit ansteckt - auch wenn die Frau nichts von der Infektion merkt. Frauen, die engen Kontakt mit kleinen Kindern haben, sind besonders ansteckungsgefährdet.

Auch durch Bluttransfusionen – in Deutschland werden Blutspender allerdings regelmäßig auf CMV getestet – und Organtransplantationen kann das Virus übertragen werden.