Infektionen & Impfen

COVID-19: Impfraten wie bei der Masernimpfung nötig?

RKI appelliert an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen!

Gegen Masern müssen 95 Prozent durch zweimalige Impfung immun sein, um die hochansteckende Erkrankung zu eliminieren. Nur so kann in der Bevölkerung erreicht werden, dass das Virus kaum noch auf empfängliche Personen trifft und die Zirkulation unterbrochen wird. Die Ansteckungsfähigkeit eines Erregers ist einer der wichtigen Parameter, der bei der Errechnung der notwendigen Impfquoten für eine Herdenimmunität berücksichtigt werden muss. So genügt z. B. bei der weniger ansteckenden Diphtherie eine 80-prozentige Impfrate.

 

Gerade jetzt interessiert natürlich, wie hoch die Impfquoten gegen COVID-19 sein müssen, um eine Herdenimmunität zu erzielen. Sind ausreichend viele Menschen geimpft, kann das Virus nicht mehr zirkulieren. Und so lassen sich auch die Menschen schützen, die nicht selbst geimpft werden oder aufgrund einer Therapie, die das Immunsystem unterdrückt (z. B. Behandlungen gegen Krebs oder Autoimmunerkrankungen) nicht ausreichend auf eine Impfung reagieren können.

 

Ging man zu Beginn der Pandemie von Impfraten von etwa 70 Prozent aus, müssen die Zahlen wegen der sehr viel ansteckenderen Virusvarianten von COVID-19 (z. B. die Delta-Variante) entsprechend angepasst werden. Mit einer zunehmenden Dominanz der Delta-Variante ist in den kommenden Wochen zu rechnen. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht aufgrund von Berechnungen aktuell von einer Zielimpfquote (Impfschutz durch vollständige Impfung) von 85 % für die 12 - 59-Jährigen sowie von 90 % für Personen ab dem Alter von 60 Jahren aus. Dies kommt den Vorgaben für die Masernelimination schon relativ nahe. Diese COVID-Impfquote sei auch erreichbar, so das RKI. Und bei einem rechtzeitigen Erreichen dieser Quote scheine eine ausgeprägte 4. Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich zusätzlich zur Impfung weiter an die Basis-Hygienemaßnahmen hält.  Eine weitere Voraussetzung ist, dass ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stehen und der Sommer genutzt wird, die Impfangebote wahrzunehmen. Die Erfahrung des vergangenen Herbstes hat ja gezeigt, dass die Herbst- und Wintermonate mit einem Anstieg der Infektionszahlen einhergehen können.

 

Bis Mitte Juni 2021 haben sich in Deutschland bereits ca. 85 % der ab 60-Jährigen mindestens einmal gegen COVID-19 impfen lassen. Wenn die Impfquoten aber gerade auch bei den Jüngeren bei 75 oder gar nur 65 Prozent stagnieren und gleichzeitig eine komplette Öffnung stattfindet, besteht ein erhöhtes Risiko: Je niedriger im Herbst die erreichten Impfquoten sind, desto weniger sind bei Dominanz der Delta-Variante die Basis-Hygienemaßnahmen ausreichend, und weitere kontaktreduzierende Maßnahmen wären notwendig, so das RKI.

 

Der Sommer sollte daher dringend genutzt werden, um eine Impfquote von 85 Prozent (vollständige Impfung) bei den 12 - 59-Jährigen und 90 Prozent bei den ab 60-Jährigen möglichst schnell zu erreichen, appelliert das RKI. Um dieses Ziel zu erreichen, muss insbesondere unter den jungen Erwachsenen weiter über die Impfung aufgeklärt werden, heißt es weiter. Denn gerade in dieser Altersgruppe gibt es noch einen größeren Anteil

(17,1 %), der aktuell hinsichtlich der Impfung unentschlossen ist. Und trifft die bisher ansteckendste Virusvariation auf viele nichtimmune Personen, kann sich die Delta-Variante sehr schnell weiter ausbreiten.

 

Quellen:

Robert Koch-Institut, Epid. Bulletin 27/2021 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2021/27/Art_01.html;jsessionid=DB2516054F1167412DB0EF725E1F559E.internet102

Arndt U, Ley-Köllstadt S, Impffibel für medizinische Berufe, Deutsches Grünes Kreuz e. V. 2018