Zecken & Zeckenstiche

Was tun bei Zeckenstichen?

Zecken können Krankheiten wie Borreliose oder FSME übertragen. Saugende Zecken müssen daher entfernt werden. Ein Tipp vorweg: Dass man eine saugende Zecke möglichst bald entfernt, ist wichtiger als die Art, wie es umgesetzt wird.

  • Womit Zecke entfernen?
    Am besten lassen sich Zecken mit einer Splitterpinzette, einer Zeckenzange oder einer Zeckenkarte entfernen. Stehen keine passenden Instrumente zur Verfügung, kann man die Fingernägel zur Hilfe nehmen.
  • Wie entfernen?
    Günstig ist es, die Zecke so nahe wie möglich an der Haut zu greifen und langsam gerade nach hinten aus der Haut zu ziehen. Eine bestimmte Drehrichtung hat beim Herausziehen entgegen landläufiger Meinung keine Bedeutung. Wichtig ist vielmehr, dass der Hinterleib möglichst nicht geknickt oder gequetscht wird. So vermeidet man, dass möglicherweise vorhandene FSME-Viren aus den Speicheldrüsen oder Borrelien aus dem Darm vermehrt in die Wunde gelangen.
  • Stichstelle behandeln
    Die Stichstelle sollte nach Möglichkeit desinfiziert werden. In der Haut verbleibende Mundwerkzeuge der Zecke („Kopf“) werden binnen Tagen von allein abgestoßen. Entzündet sich die Stichwunde, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
  • Beobachten
    Die Einstichstelle sollte in den nächsten vier bis sechs Wochen beobachtet werden. Eine kreisförmig sich vergrößernde Hautrötung um die Einstichstelle herum kann auf eine Borreliose hinweisen. Das Auftreten grippeartiger Symptome kann ein Hinweis auf eine Borreliose oder eine FSME sein.

Es wird davon abgeraten, in der Haut sitzende Zecken mit Hilfe von Öl, Alkohol, Nagellack oder Klebstoff abzutöten. Möglicherweise fördert dieses Vorgehen das Übertragen von Krankheitserregern.

Zeckenstichen vorbeugen

Der einfachste Weg, Infektionen durch Zeckenstiche zu vermeiden, wäre, sich grundsätzlich von den Lebensräumen der Zecken fernzuhalten. Doch das ist weder immer möglich noch wünschenswert. Bewegung in der freien Natur fördert auf vielfältige Art das Wohlbefinden und die Gesundheit. Richtig ist es daher, sich über Risiken in heimischen Gefilden oder am Urlaubsort zu informieren und vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Neben der FSME-Impfung zählt dazu das Vermeiden von Zeckenstichen. Die FSME-Impfung schützt nicht vor Borreliose. Einzige prophylaktische Maßnahme in Bezug auf Borreliose ist daher das Vermeiden von Zeckenstichen:

  • Bevorzugte Lebensräume der Zecken meiden
    Meiden Sie im Freiland Stellen, an denen sich Zecken ganz besonders wohl fühlen. Zecken benötigen mindestens 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Daher sind sie in der Krautschicht des Waldes oder in Gewässernähe besonders häufig zu finden. Achten Sie in solchen Gebieten darauf, dass Sie beispielsweise beim Joggen oder Wandern nicht an hohen Gräsern oder Kräutern entlang streifen.
  • Tragen von langer Kleidung
    Zecken wird dadurch das Auffinden einer geeigneten Stichstelle zumindest erschwert. Die Schuhe sollten geschlossen sein, die Hosenbein in die Stümpfe gesteckt werden.
  • Zeckenschutzmittel auftragen
    Kleidung allein hält die Parasiten nicht sicher ab. Denn auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle geraten die Tiere auch unter die Kleidung. Daher sollten zumindest Arme und Beine großflächig mit einem wirksamen Zeckenschutzmittel eingerieben werden, auch unter den Kleidern. Die Wirkung hält etwa zwei Stunden an und muss dann wiederholt werden
  • Körper nach Zecken absuchen
    Nach Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach Zecken abgesucht werden. Zecken stechen besonders gerne dort zu, wo die Haut feucht und dünn ist, also beispielsweise in Kniekehlen oder Leisten. Kopf, Ohren und der Rücken sollten bei der Inspektion nicht vergessen werden. Bei Kindern befinden sich Zecken häufig an Kopf oder Hals. Achten Sie beim Absuchen auch auf die winzigen Larven, die häufig übersehen werden. Zudem sollten Sie die Kleidung sorgfältig ausschütteln oder in den Wäschetrockner stecken. In der Kleidung versteckte Zecken sterben durch trockene Hitze ab. Festgesogene Zecken sofort entfernen.

Biologie der Zecke

In Deutschland gibt es etwa 20 verschiedene Zeckenarten. Die weitaus häufigste und relevanteste Art ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der über die ganze Bundesrepublik bis in Höhenlagen von 1.500 m verbreitet ist. Da die Tiere eine Luftfeuchtigkeit von mindestens 80 Prozent benötigen, sind sie im Wald, in Gewässernähe oder auf feuchten Wiesen besonders häufig zu finden. Auch in Gärten und Parks können Zecken vorkommen.

Üblicherweise werden die Tiere im März/April ab einer Temperatur von 7 bis 8 Grad Celsius aktiv und begeben sich ab Oktober/November in eine Winterstarre.

Die Kurve des jahreszeitlichen Verlaufs der Zeckenaktivität zeigt, dass sich die Tiere im Frühjahr/-sommer und dann noch mal im Herbst besonders wohl fühlen und aktiv sind. Den trocken-heißen August mögen sie  nicht so gerne, da für sie dann Gefahr durch Austrocknung besteht. Doch die Parasiten sind Überlebenskünstler: Wenn es zu trocken wird, ziehen sie sich in die Laubstreuschicht des Bodens zurück. Sobald die Luftfeuchtigkeit wieder steigt, kommen sie wieder hervor. Trotz kurzer möglicher "Pausen": Gefahr durch Zecken besteht im gesamten Zeitraum von März bis Oktober.

Zecken, die gerade nicht aktiv sind, leben verborgen in der Streuschicht des Bodens oder der Vegetation direkt darüber. Dort verbringen sie auch den Winter.

Die zu den Spinnentieren gehörenden Tiere ernähren sich vom Blut verschiedenster Wirbeltiere. Als Wirte kommen Mäuse, Igel, Hasen, Reh- und Rotwild, Haustiere, Vögel, Reptilien und Menschen in Frage.

Zum Auffinden eines Wirtes erklimmen Zecken Gräser und andere Pflanzen bis in eine Höhe von maximal 1,5 Metern, wo sie in Lauerposition mit ausgestreckten Klauen warten.

Aufgrund bestimmter Signale wie der Buttersäure im Schweiß erkennen die Tiere, dass ein potentieller Wirt in der Nähe ist. Entgegen landläufiger Meinung lassen sie sich nicht von Bäumen oder Sträuchern fallen, sondern müssen vom Tier oder Mensch abgestreift werden. Bereits ein für Sekundenbruchteile bestehender Kontakt reicht der Zecke aus, um mit Hilfe ihrer Klauen auf den Wirt zu gelangen.

Ist ihr dies gelungen, sucht sie nach einem geeigneten Ort für die Blutmahlzeit. Bevorzugt werden warme, feuchte, gut durchblutete, dünne Hautpartien. Die Suche kann unter Umständen mehrere Stunden dauern – eine gute Gelegenheit, die Zecke vorher zu entdecken und zu entfernen.

Zecken besitzen stechend-saugende Mundwerkzeuge, womit sie innerhalb von 5 bis 15 Minuten die Haut aufschneiden und sich mit dem stachelbesetzten Saugorgan in der Haut verankern. Wegen der betäubenden Wirkung des Zecken-Speichels ist der Stich schmerzlos.

Bei Zecken handelt es sich um so genannte Poolsauger. Das heißt, sie stechen nicht ein kleines Blutgefäß an, sondern schaffen eine Wundhöhle, die Blut, verdaute Wände der kleinsten Blutgefäße, aufgelöste Zellen und Gewebesaft enthält. Der Saugakt dauert je nach Zeckenstadium zwei bis acht Tage. Während des Saugens produzieren die Tiere große Mengen an Speichel, der über den Stichkanal in den Wirt gelangt. Mit dem Speichel können daher Krankheitserreger übertragen werden. Andererseits kann die Zecke mit der Blutmahlzeit auch Krankheitserreger vom Wirt aufnehmen.

In dieser Abbildung sind die verschiedenen Entwicklungsstadien von Zecken dargestellt. Für diesen Entwicklungszyklus brauchen die Tiere, je nach Nahrungsangebot, zwei bis drei Jahre. Für jeden einzelnen Entwicklungsschritt benötigen die Tiere eine Blutmahlzeit.

Ein Zeckenweibchen legt ca. 2000 Eier in den Boden ab. Daraus schlüpfen die

  • Larven: Diese sind nur etwa 0,5 mm groß. Nach der Blutmahlzeit häutet sich die sechsbeinige Larve und wird zur
  • Nymphe: Die achtbeinigen Nymphen sind etwa 1 mm groß. Nach der Blutmahlzeit und Häutung bezeichnet man sie als
  • Adultus: Die erwachsenen Tiere haben ein Körpergröße von bis zu etwa 4 mm. Die vollgesogenen Weibchen können bis zu 1,2 cm groß sein.

Quellen:

  1. Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, Zeckenstich, Infektion, Stand: 06.03.2018
  2. Süss, Jochem: Zecken - Was man über FSME und Borreliose wissen muss. Irisiana 2008