Impffragen aus der Praxis kompetent beantwortet

Pneumokokkenimpfung nach Pneumonie

Autor: Dr. Jan Leidel / 8.10.2019

Frage: Kann man einen 68-jährigen Patienten entsprechend der STIKO-Empfehlung gegen Pneumokokken impfen, wenn er vor 3 Jahren bereits eine Pneumokokken-Pneumonie durchgemacht hat? Ich habe gehört, dass die Nebenwirkungen dann verstärkt sind? Und wirkt die Impfung überhaupt?


Eine verstärkte lokale Reaktogenität ist nach einer durchgemachten Pneumokokkenerkrankung in der Vergangenheit durchaus möglich. Ein wichtiges Kriterium ist, dass die Patientin/der Patient wieder genesen sind. Ähnliche Reaktionen sieht man ja auch nach einer Wiederimpfung, vor allem, wenn sie zu frühzeitig gegeben wird.

Wenn es zu einer verstärkten Impfreaktion kommt, kann die Impfstelle ggf. gekühlt und/oder ein Schmerzmittel wie Ibuprofen gegeben werden, wenn die Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind.

Folgende Empfehlung findet man in der S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie und Prävention – Update 2016:  [1]

"10.3.5 Impfungen nach stattgehabter ambulant erworbener Pneumonie
Daten zur Effektivität der Impfungen (Influenza und Pneumokokken) nach ambulant erworbener Pneumonie liegen nicht vor. Es gibt jedoch keinen Grund, eine andere Effektivität der Impfungen nach einer Pneumonie-Episode anzunehmen. Die entsprechenden Impfungen können ca. vier Wochen nach Ausheilung der Pneumonie gegeben werden. Dies gilt auch nach einer durchgemachten Pneumonie durch Pneumokokken, die eine Immunität nur gegenüber einem Serotyp hinterlässt.
"

Natürlich müssen Kontraindikationen berücksichtigt werden, das sind aber – auch z. B. laut CDC – nur schwere Allergien gegen Impfstoffbestandteile bzw. eine schwere allergische Reaktion wir z. B. ein anaphylaktischer Schock nach einer vorherigen Dosis des Impfstoffs.

Beim CDC findet man außerdem konkrete Angaben zu „falschen Kontraindikationen“. Das wäre im besprochenen Fall eine invasive Pneumokokken-Erkrankung bzw. eine Pneumokokken-Pneumonie (s. hier).

Experten des CDC beantworten ebenfalls regelmäßig derlei schwierige Impffragen, folgende Aussage wird in Bezug auf eine vorangegangene Pneumokokken-Pneumonie getroffen (s. hier):

"My patient has had laboratory-confirmed pneumococcal pneumonia. Does he/she still need to be vaccinated with PCV13 and/or PPSV23?
Yes. There are more than 90 known serotypes of pneumococcus (13 serotypes in the conjugate vaccine and 23 serotypes in the polysaccharide vaccine). Infection with one serotype does not necessarily produce immunity to other serotypes. As a result, if the person is a candidate for vaccination, s/he should receive it even after one or more episodes of invasive pneumococcal disease."

Quellen:

  1. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, Epid. Bulletin Nr. 34/2019
  2. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2019/Ausgaben/34_19.pdf?__blob=publicationFile 
  3. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-020.html (gültig bis 30.12.2020; Zugang am 02.10.19)
  4. https://www.cdc.gov/vaccines/hcp/acip-recs/general-recs/contraindications.html Zugang am 02.10.19)
  5. https://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/rr6002a1.htm#Tab6 Zugang am 02.10.19)

[1] herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie, der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, des Kompetenznetzwerks CAPNETZ, der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin und der Schweizerischen Gesellschaft für Pneumologie