Impffragen aus der Praxis

Update: Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft

Autor: Dr. Jan Leidel / 27.04.2020

Bereits Ende 2017 habe ich an dieser Stelle die Frage nach der Pertussis-Impfung während der Schwangerschaft diskutiert. Ich hatte die Frage damals so beantwortet, dass ich persönlich einer Schwangeren angesichts der zu beobachtenden Zunahme von Pertussis und der schwerwiegenden Erkrankung im frühen Säuglingsalter nach ausführlicher Aufklärung eher zur Impfung raten würde. 2017 wurde die Impfung Schwangerer gegen Pertussis in Deutschland – anders als z. B. in den USA, UK oder der Schweiz – noch nicht empfohlen, sondern ausschließlich die sog. „Kokon-Strategie“, d. h. die Impfung der Kontaktpersonen eines Neugeborenen, also auch der Mutter vor der Schwangerschaft oder im Wochenbett, zum indirekten Schutz des Kindes. 

Nun hat Ende März 2020 (1) die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung aller Schwangeren gegen Keuchhusten empfohlen. Die Kokon-Strategie soll flankierend bestehen bleiben, also die Impfung älterer Geschwister, des Vater, der Großeltern und anderer enger Kontaktpersonen.  

Das beinhaltet die neue STIKO-Empfehlung
Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Pertussis für schwangere Frauen zu Beginn des
3. Trimenons. Bei erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt sollte die Impfung ins
2. Trimenon vorgezogen werden.

Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu vorher verabreichten Pertussisimpfungen und in jeder Schwangerschaft erfolgen.

Das Ziel der Pertussisimpfungin der Schwangerschaft ist die Reduzierung von Erkrankungen, Hospitalisierungen und Todesfällen durch Infektionen mit Bordetella pertussis bei Neugeborenen und jungen Säuglingen. Diese haben das höchste Risiko für schwere Verläufe in der gesamten Bevölkerung.

Es kann bei ihnen zu Apnoen, Pneumonien, Otitiden, Enzephalopathien und einer extremen Lymphozytose mit der Gefahr des Lungenhochdruck kommen. Säuglinge unter 6 Monaten haben das höchste Risiko für Krankheitskomplikationen, bei Säuglingen, die jünger als 2 Mo-nate sind, sieht man den höchsten Anteil von schweren und letalen Verläufen.

Da durch eine durchgemachte Erkrankung der Mutter und auch eine Impfung vor der Schwangerschaft kein ausreichender Nestschutz gegen Pertussis erreicht wird, können sich Neugeborene sofort nach der Geburt infizieren. Die STIKO erläutert in ihrer Begründung,  dass ohne eine Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft bei der Mehrzahl der schwangeren Frauen in westlichen Ländern die Pertussis-spezifischen Antikörperkonzentrationen – so die aktuelle Studienlage - sehr niedrig sind, so dass ein Schutz ihrer Neugeborenen vor Pertussis durch diaplazentare Antikörperübertragung in den ersten Lebensmonaten sehr unwahrscheinlich ist. Eine Impfung während der Schwangerschaft führt dagegen zu hohen Antikörperkonzentrationen bei der werdenden Mutter und dem Neugeborenen und zu deren Schutz.

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Quelle:
1. Epid. Bulletin 13/2020: Wissenschaftliche Begründung für die Empfehlung der Pertussisimpfung mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff in der Schwangerschaft https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/13_20.pdf?__blob=publicationFile

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