Geburten in den Zeiten von Corona

Erstellt am 30.03.2020

Empfehlungen der Dt. Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

Seit Wochen bestimmt das Coronavirus unseren Alltag. Besonders verunsichert sind sicherlich Schwangere, die sich um die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes sorgen. Zugleich machen sie sich Gedanken, wie die Versorgung im Krankenhaus in Zeiten von Corona sein wird. Hierzu hat die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburts-hilfe e.V. ausführliche Empfehlungen veröffentlicht – auf Grundlage der Information und Anweisungen der WHO und des Robert Koch-Instituts.

Bekanntlich löst das Coronavirus eine Infektion der Atemwege aus, die bei den meisten Menschen nur zu einer leichten Erkrankung führt. Aber ungefähr 14 Prozent der mit SARS-CoV-2 Infizierten leiden an einer schweren Krankheit (COVID-19), die Krankenhausaufent-halt und Sauerstoffunterstützung erfordert. Etwa fünf Prozent der Erkrankten müssen auf der Intensivstation versorgt werden.

Bisher gibt es nur wenige Daten zu COVID-19 bei Kindern und schwangeren Frauen. Bei Kindern mit COVID-19 sind die Symptome normalerweise weniger schwerwiegend als bei Erwachsenen und treten hauptsächlich als Husten und Fieber auf. Es wurden relativ wenige Fälle von Säuglingen gemeldet. Derzeit ist bei schwangeren und nicht schwangeren SARS-CoV-2-infizierten Frauen im gebärfähigen Alter kein Unterschied bekannt, was den Krank-heitsverlauf anbelangt. Bislang geht man davon aus, dass das Coronavirus nicht von der Schwangeren auf ihr ungeborenes Kind übergeht.

Eine Schwangere mit Verdacht auf Coronavirus-Infektion sollte im Krankenhaus sofort getestet werden, eine medizinische Maske (Mund-/Nasenschutz) erhal-ten und in einen separaten Bereich kommen. Weiter empfiehlt die Dt. Gesellschaft für Gynäkologie und Ge-burtshilfe e.V., dass die Patientin auf das Abstandhal-ten, das richtige Verhalten beim Husten und Niesen und Handhygiene hingewiesen wird. Ihre Bewegungs-freiheit wird begrenzt auf den Kreißsaal und das Zim-mer mit eigener Nasszelle, im Idealfall ein Isolierzimmer mit Schleuse/Vorraum. Außerhalb ihres Zimmers trägt sie eine medizinische Maske. Eine gemeinsame Isolierung mehrerer Patientinnen ist unter bestimmten Bedingungen möglich.

Das Personal schützt sich durch Standardvorkehrungen, wie zum Beispiel Händehygiene, und die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung bei indirektem und direktem Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten und nicht intakter Haut der Patientin.

Die Schwangere darf im Kreißsaal von maximal einer Person begleitet werden, wechselnde Begleitpersonen unter der Geburt sind nicht erlaubt. Eine Begleitung, die positiv auf Corona getestet ist (auch Partner, Kind), ist im Kreißsaal und auf der Station nicht erlaubt. Vor Betre-ten des Kreißsaals werden schriftliche Fragen zur Adresse, Aufenthalte in Risikogebieten, Infektionsverdacht etc. gestellt.

Säuglinge, die von Müttern mit vermutetem, wahrscheinlichem oder bestätigtem COVID-19 geboren wurden, sollten – wie alle Kinder – innerhalb einer Stunde nach der Geburt zum Stillen angelegt werden. Alle Mütter sollen praktische Unterstützen bekommen, um Still-schwierigkeiten zu bewältigen. Das ausschließliche Stillen sollte sechs Monate lang fortge-setzt werden. Wie bei allen bestätigten oder vermuteten COVID-19-Fällen sollten Mütter, die stillen oder Haut-zu-Haut-Kontakt (Känguru-Mutterpflege) praktizieren, einen Mundschutz verwenden – auch während des Stillens. Wenn eine schwere Krankheit bei einer Mutter mit COVID-19 oder anderen Komplikationen sie daran hindert, sich um ihr Kind zu kümmern, oder zu stillen, sollten Mütter ermutigt und unterstützt werden, Milch abzupumpen und dem Kind während der Anwendung sicher Muttermilch zu geben. Mütter und Säuglinge sollten in die Lage versetzt werden, kontinuierlich zusammen zu bleiben und Hautkontakt durchzufüh-ren – Tag und Nacht, insbesondere unmittelbar nach der Geburt, während des Stillens und unabhängig davon, ob sie oder ihre Kinder, COVID-19 vermutet, wahrscheinlich oder bestä-tigt bekommen haben. Eine Mutter mit bestätigtem COVID-19 sollte alle möglichen Vorkeh-rungen treffen, um eine Ausbreitung des Virus auf ihr Kind zu vermeiden, einschließlich Händewaschen vor dem Berühren des Kindes und Tragen einer medizinischen Maske.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.: Empfohlene Präventionsmaßnahmen für die geburtshilfliche Versorgung in deutschen Krankenhäusern und Kliniken im Zusammenhang mit dem Coronavirus, 19.03.2020

https://www.dggg.de/fileadmin/documents/Weitere_Nachrichten/2020/COVID-19_DGGG-Empfehlungen_fuer_Kreissaele_20200319_f.pdf

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