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Zufrieden ist man nie: Wer brünett ist, möchte lieber blond sein, wer schwarze Haare hat, lieber rote, und graue findet kaum einer schön. Doch die Natur will es so: Der Alterungsprozess macht auch vor der Haarfarbe nicht Halt.
Haare wachsen in asynchronen Zyklen. Zyklisch bedeutet, das Kopfhaar sprießt aus einem Haarfollikel bzw. -balg, es wächst über drei bis fünf Jahre, ruht kurze Zeit und fällt schließlich aus, und bald bringt der gleiche Balg wieder ein neues Haar hervor. Im asynchronen Zyklus geschieht das versetzt, also nicht - wie bei der Mauser der Vögel - mit allen Haaren gleichzeitig. Deshalb ergrauen auch nicht alle Haare auf einmal; der Prozess dauert Jahre und beginnt meist an den Schläfen.
Ergrauen ist ein irreführender Begriff, die Haare erhalten keinen grauen Farbstoff. Vielmehr sind die Haarfollikel von Pigmentzellen umgeben, die irgendwann erschöpft sind und keinen Farbstoff mehr an das Haar abgeben können. Das nun pigmentlos weiterwachsende Haar wirkt, umgeben von den dunkleren, "normalfarbigen" Haaren, grau. Seine tatsächlich fast weiße Farbe wird durch die Haarsubstanz - Mark und Rinde, bestehend aus dem Keratin verhornter Zellen - bestimmt. Erst wenn der Alterungsprozess die gesamte Kopfhaut erfasst hat, erscheinen die Haare weiß. Und je mehr Luft in ihnen eingelagert ist, umso stärker die Reflexion des Lichts: Das Haar glänzt schön silbern.
Grauwerden ist Veranlagungssache, deshalb ergrauen manche Menschen früher als andere. In Europa beginnt das Ergrauen bereits mit 35 Jahren, im Alter von 50 Jahren sind dann die Hälfte aller Haupthaare betroffen.
Von "frühzeitigem Ergrauen" spricht man, wenn die Entwicklung vor dem zwanzigsten Lebensjahr beginnt. Meist sind schwere Erkrankungen die Ursache. Rasches Ergrauen, das "über Nacht grau werden", kann beispielsweise nach einem traumatischen Erlebnis vorkommen. In diesen Fällen ist die internistische und oder dermatologische Abklärung sinnvoll.
(aus: Deutsche Gesundheits-Korrespondenz (dgk), Jg. 45, 1/2 - 2004)

