Aus Angst vor COVID-19 Medikamente mit immunsuppressiver oder -modulierender Wirkung nicht absetzen!

Erstellt am 14.05.2020

Die aktuelle Corona-Pandemie verunsichert viele Menschen mit chronischen Erkrankungen, die immunsuppressive oder -modulierende Medikamente einnehmen. Sie fragen sich, ob sie durch die Medikation anfälliger gegenüber dem SARS-CoV-2 sind. Manche setzen ihre Medikamente ohne Rücksprache mit ihren Fachärzten ab und bringen sich dadurch womöglich in einen gesundheitlich schlechteren Zustand.

Laut Robert Koch-Institut haben Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf für Covid-19. Dies gilt auch für Patienten, die wegen Einnahme von Medikamenten (z. B. Cortison) eine unterdrückte Immunabwehr haben. Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, deren Funktion einschränken oder modulieren, können - je nach Präparat und Dosierung - den Organismus tatsächlich anfälliger gegenüber Infektionen machen. Es gibt aber bislang keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass durch eine Immunsuppressive Therapie eine erhöhte Infektionsgefahr für SARS-CoV-2 bestünde. Eine gut eingestellte Therapie eigenständig abzubrechen kann aber zur deutlichen Verschlechterung der Erkrankung und somit insgesamt zur Verschlechterung des Gesundheitszustands der betroffenen Person führen.

So raten verschiedene Fachgesellschaften für Autoimmunerkrankungen, die medikamentöse Therapie nicht abzusetzen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt, die medikamentöse Therapie nicht abzusetzen, solange keine Infektion mit dem Virus nachgewiesen ist, und die Patienten keine Symptome einer COVID-19-Erkrankung aufweisen.

Der Lungeninformationsdienst von Helmholtz Zentrum München berichtet darüber, dass für die Asthma-Therapie während der Corona-Epidemie drei Fachgesellschaften eine gemeinsame Erklärung herausgegeben haben. Mehrere Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie, Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin) raten Menschen mit Asthma bronchiale, ihre Medikamente unverändert einzunehmen, die Inhalationstherapie mit Cortison-Spray sollte unbedingt fortgeführt werden. Die Anwendung von cortisonhaltigen Asthmasprays oder auch Allergie-Nasensprays führt nicht zu einer Unterdrückung des gesamten Immunsystems, sondern wirkt ganz vorwiegend lokal.

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Wie können sich Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf schützen, was sollten sie beachten?

Das Robert Koch-Institut rät für die größtmögliche Reduktion des Risikos einer Infektion folgendes:

  • die allgemeine Verhaltensregel befolgen (regelmäßig die Hände waschen, Abstand halten, Mundschutz tragen);
  • soziale Kontakte meiden;
  • sich über das Krankheitsbild genau informieren, was bei der frühzeitigen Erkennung von Symptomen helfen kann;
  • bei Erkrankung rasch telefonisch Kontakt zur Hausarztpraxis oder zu anderen beratenden Stellen aufnehmen;
  • wenn in der näheren Umgebung (z.B. im privaten oder beruflichen Umfeld) Fälle von COVID-19 bekannt werden, sollte dies ebenfalls entsprechend mitgeteilt werden, um gezielte diagnostische Maßnahmen zu beschleunigen.

Die Corona-Pandemie wird uns vermutlich länger begleiten. Sind sie wegen ihrer Medikation verunsichert, setzen Sie ihre Medikamente nicht eigenständig ab, sondern lassen Sie sich von Ihrem Facharzt beraten!


Erstellt am 13.05.2020

Quellen und Links:

Robert Koch-Institut: Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf. Stand: 8.5.2020
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Deutsche Gesellschaft Neurologie
Deutsche Myasthenie Gesellschaft
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft
Lungeninformationsdienst Helmholtz Zentrum München

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