Neu: Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Pertussis für schwangere Frauen

März 2020

Säuglinge profitieren davon, wenn ihre Mütter in der Schwangerschaft über ausreichenden Impfschutz gegen verschiedene Krankheiten verfügen. Da über die Plazenta Antikörper von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden, sind Säuglinge in ihren ersten Lebensmonaten gegen diejenigen Krankheiten geschützt, gegen die die Mutter durch Impfung oder durchlebte Infektion Antikörper gebildet hat: Das ist der sogenannte Nestschutz. Das ist besonders wichtig, da Säuglinge gegenüber Infektionskrankheiten besonders gefährdet sind, da sie noch nicht genügend Schutz selbst aufbauen konnten. Nestschutz funktioniert aber nur dann, wenn die Mütter in ausreichenden Mengen Antikörper weitergeben können.

Zu besonders schweren Krankheitsverläufen kann eine Keuchhusten-Infektion bei Säuglingen unter 6 Monaten führen:  Komplikationen wie Atemstillstand, Lungen- und Ohrenentzündung, Schädigungen des Gehirns (Enzephalophatien) und Lungenhochdruck drohen.

Studien zeigen, dass bei der Mehrzahl schwangerer Frauen in westlichen Ländern die Antikörperkonzentration gegen Keuchhusten (Pertussis) sehr niedrig ist, so dass ein Nestschutz ihrer Neugeborenen vor Pertussis in den ersten Lebensmonaten sehr unwahrscheinlich ist. Impft man jedoch Mütter während der Schwangerschaft, führt das zu hohen Antikörperkonzentrationen bei der Mutter und damit auch beim Neugeborenen.

Diese Tatsache hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) veranlasst, eine Impfempfehlung für Schwangere gegen Pertussis auszusprechen:  

  1. Die STIKO empfiehlt die Impfung gegen Pertussis für schwangere Frauen zu Beginn des 3. Trimenons. Wenn die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt erhöht ist, sollte die Impfung im 2. Trimenon erfolgen.
  2. Die Impfung soll unabhängig vom Abstand zu vorher verabreichten Pertussis-Impfungen und in jeder Schwangerschaft erfolgen.
  3. Die Impfung sollte mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff durchgeführt werden. Dieser Kombinationsimpfstoff vermittelt Schutz gegen Tetanus (T), Diphtherie (d) und  Pertussis (ap; azellulärer Pertussisimpfstoff).

Die empfohlene Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft soll die Zahl der Erkrankungen, Hospitalisierungen und Todesfälle durch Infektionen mit dem Bakterium Bordetella pertussis bei Neugeborenen und jungen Säuglingen verringern.

Erstellt am 30.03.2020

Quelle:
RKI: Epidemiologisches Bulletin 13 / 2020, 26. März 2020