Impfschutz für Menschen ab 60

Im Alter lässt die Immunabwehr häufig nach. Dadurch können sowohl akute als auch chronische Infektionskrankheiten an Zahl und Schwere zunehmen. Senioren benötigen daher einen ausreichenden Impfschutz.

Grundimmunisierung vollständig?

Jeder Erwachsene in Deutschland sollte eine vollständige Grundimmunisierungl gegen Diphtherie, Tetanus (Wundstarrkrampf) und Poliomyelitis (Kinderlähmung) erhalten haben. Fand diese Grundimmunisierung nicht oder nur teilweise im Kindesalter statt, sollte sie dringend vervollständigt werden. Dies gilt für jedes Lebensalter.

Auffrischimpfungen nicht vergessen

Nach der Grundimmunisierung im Kindesalter soll der Impfschutz gegen Diphtherie und Tetanus bei Erwachsenen alle 10 Jahre aufgefrischt werden. Gerade ältere Menschen haben oft keinen Schutz gegen Diphtherie und Tetanus mehr, weil sie Auffrischimpfungen vergessen.
Gegen Poliomyelitis sollte mindestens noch eine Auffrischimpfung gegeben worden sein, steht eine Reise in ein Risikogebiet in Afrika oder Asien an, sollte der Impfschutz überprüft werden.

Keuchhusten: Von den Großeltern auf die Enkel?

Mit der nächsten fälligen Impfung sollte gleichzeitig auch gegen Pertussis (Keuchhusten) geimpft werden, denn auch ältere Menschen können daran erkranken. Vor allem Erwachsene, die Kontakt zu Babys haben, sollten auf einen guten Impfschutz achten, denn für Säuglinge kann Keuchhusten lebensbedrohlich verlaufen. In 50 bis 70 Prozent der Fälle werden die Kleinsten von Eltern oder Großeltern angesteckt. Die Immunität nach der Keuchhusten-Impfung oder nach Erkrankung hält maximal 10 Jahre an.

Zusatzschutz gegen Influenza und Pneumokokken

Zusätzlich wird allen Menschen ab 60 Jahre die Impfung gegen Influenza und gegen Pneumokokken empfohlen. Beide Impfungen schützen vor den schweren Komplikationen dieser Erkrankungen, wie zum Beispiel Lungenentzündungen, die bei alten Menschen oft lebensgefährlich verlaufen können.

Influenza

Influenza ist nicht nur eine schwere Viruskrankheit, die oft mit sehr hohem Fieber und wochenlangem Krankheitsgefühl einhergeht. Häufig bereitet die Virusgrippe den Boden für bakterielle Lungenentzündungen. Dabei "helfen" sich die Krankheitserreger anscheinend gegenseitig: Zum einen können sich Bakterien auf dem durch die Influenzaviren zerstörten Lungengewebe gut vermehren und in tiefere Gewebeschichten eindringen, zum anderen scheinen bestimmte Substanzen der Bakterien wiederum das Freisetzen neu gebildeter Virusteilchen zu fördern. Diese Doppelinfektionen sind der Hauptgrund dafür, dass während der "Grippewelle" überdurchschnittlich viele Personen, vor allem Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen, im Krankenhaus behandelt werden müssen oder sogar sterben.

Mittlerweile gibt es einen adjuvantierten (wirkverstärkten) Grippeimpfstoff, der speziell zur Impfung für Personen ab 65 Jahren zugelassen ist.

Pneumokokken

Pneumokokken rufen eine Vielzahl von Erkrankungen hervor: Lungen- und Hirnhautentzündung, Nebenhöhlen- und Mittelohrentzündung sowie lebensbedrohliche Blutvergiftung. Bei Menschen über 50 Jahre, vorallem ab 60 Jahren, führen Pneumokokken oft zur Lungenentzündung. Diese ist für Senioren auch deshalb besonders gefährlich, weil Lungenentzündungen leicht übersehen werden können, denn typische Krankheitssymptome wie plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten und eitriger Auswurf sind im Alter seltener.

Pneumokokken gehören zu den häufigsten Erregern von Lungenentzündungen im Erwachsenenalter. In Deutschland gehen etwa 100.000 bis 150.000 Lungenentzündungen pro Jahr auf das Konto dieser Bakterien. Schwere Pneumokokken-Infektionen führen trotz Behandlung bei jedem zehnten Betroffenen zum Tod. Mehr als 5.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland durch Pneumokokken-Infektionen, weltweit sind es etwa zwei Millionen, schätzt die WHO.

Gürtelrose (Zoster)

Prinzipiell kann jeder, der an Windpocken erkrankt war, auch an Herpes zoster erkranken. Die Krankheit tritt in allen Altersgruppen auf, am häufigsten sind über 50-Jährige betroffen. Die jährliche Erkrankungsrate liegt im Alter von 50 Jahren bei etwa 6 pro 1.000 Personen und steigt bis zum Alter von 90 Jahren auf 13 Fälle pro 1.000 Personen an. In Deutschland sind zwei unterschiedliche Impfstoffe gegen Herpes zoster für Personen ab 50 Jahren zugelassen und verfügbar, ein Lebend- und ein Totimpfstoff.

Die Impfung mit dem Herpes-zoster-Lebendimpfstoff wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) derzeit nicht als Standardimpfung empfohlen, zur Impfung mit dem Totimpfstoff liegt noch keine abschließende Bewertung durch die STIKO vor.

Weitere aktuelle Informationen dazu finden Sie auf der Seite vom Robert Koch-Institut.