Impfschutz für Frauen mit Kinderwunsch

Früh genug dran denken

Frauen, die im gebärfähigen Alter sind, ganz besonders natürlich Frauen, die sich ein Kind wünschen, sollten rechtzeitig auf einen guten Impfschutz achten. Denn für manche Impfungen ist es in der Schwangerschaft zu spät. Impfungen mit sogenannten Lebendimpfstoffen (z. B. gegen Masern, Mumps , Röteln und Windpocken), also mit abgeschwächten, aber noch vermehrungsfähigen Viren, sind dann kontraindiziert.
Erkrankt die werdende Mutter während der Frühschwangerschaft an Röteln, besteht ein hohes Missbildungsrisiko für das Kind. Auch eine Windpockenerkrankung in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln kann Missbildungen beim Ungeborenen verursachen. Bekommt die Mutter kurz vor oder nach der Geburt die Windpocken besteht das Risiko einer tödlichen Infektion ihres Neugeborenen. Hier ist deshalb wichtig, dass bereits vor der Schwangerschaft - also möglichst bei jeder Frau mit Kinderwunsch - untersucht wird, ob ein ausreichender Schutz gegen Röteln und Windpocken vorhanden ist. So kann rechtzeitig vor der Schwangerschaft, am besten mindestens 4 Wochen vorher, geimpft werden.
Ungeschützte Schwangere sind solange vor Röteln und Windpocken sicher, solange niemand sie infiziert. Auch deswegen sollten alle Kinder zweimal gegen Röteln - und zwar gleich in Kombination mit Masern und Mumps -  und gegen Windpocken geimpft werden, wie es den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission entspricht. Bei einer guten Durchimpfung der Bevölkerung, sind alle gefährdeten Personen, die nicht geimpft werden können (wie Schwangere, AIDS-Patienten, Kinder mit Leukämie), geschützt.
Bei Totimpfstoffen gilt in der Schwangerschaft der Leitsatz " So viel wie nötig und so wenig wie möglich". Daher ist es wichtig, vor der Schwangerschaft den Impfschutz zu checken.

Empfohlene Impfungen für Frauen im gebärfähigen Alter

  • Nach erfolgter Grundimmunisierung alle 10 Jahre Auffrischimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus;
  • Die Impfung gegen Keuchhusten sollte im 3. Trimenon der Schwangerschaft gegeben werden, wie die neue Impfempfhelung der STIKO von März 2020 lautet. Siehe dazu mehr hier.
  • Über eine Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung und mindestens eine Auffrischimpfung sollte jede Frau verfügen;
  • MMR: Jede Frau sollte ausreichend gegen Masern, Mumps und natürlich Röteln geimpft sein. Gegen Röteln müssen 2 Impfungen dokumentiert sein:
     
    • Ist nur eine Röteln-Impfung dokumentiert, wird eine weitere gegeben (mit MMR-Impfstoff)
    • ist keine Röteln-Impfung dokumentiert oder ist der Impfstatus unbekannt, werden 2 MMR-Impfungen gegeben
    • Sind 2 Röteln-Impfungen dokumentiert, kann die Titerbestimmung entfallen (Grund: zweimalig geimpfte Frauen haben kein Risiko, dass ihr Kind eine Röteln-Embroypathie bekommt)
  • Frauen mit Kinderwunsch, die die Windpocken noch nicht hatten (Titerbestimmung!) oder noch nicht dagegen geimpft sind, erhalten 2 Impfungen gegen Windpocken im Mindestabstand von 4, besser 6 Wochen

Lebend- und Totimpfstoffe: Abstand zur Schwangerschaft?

Bei Totimpfstoffen (das sind die meisten Impfstoffe) ist kein Abstand zu einer Schwangerschaft einzuhalten. Wenn erforderlich, können diese Impfstoffe fast alle auch während der Schwangerschaft gegeben werden.

Nach der Impfung mit Lebendimpfstoffen (z. B. Masern-Mumps-Röteln oder Windpocken) lautete früher die Empfehlung, eine Schwangerschaft für 3 Monate zu verhüten. Seit 2013 ist diese Frist aber - analog zu den schon lange bestehenden Richtlinien in den USA - auf 4 Wochen reduziert.

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