Neue Impfindikationen: bei häufigem Tierkontakt – arbeitsbedingt oder auch privat – soll gegen Influenza geimpft werden

Zwei Neuerungen gibt es der kommenden Influenza-Saison 2025/2026. Zunächst einmal sind alle Impfstoffe trivalent – den Empfehlungen der WHO angepasst. Grund für diese Entscheidung ist, dass die Influenza-B-Yamagata-Linie weltweit in den letzten Jahren nur noch vereinzelt nachgewiesen wurde. Da das Virus nicht mehr zirkuliert, konnte diese Komponente aus den Influenza-Impfstoffen herausgenommen werden. Die Aufklärungsbogen des Deutschen Grünen Kreuzes sind bereits alle den neuen Impfstoffen angepasst.
Am 17. Juli 2025 hat außerdem die Ständige Impfkommission eine Erweiterung der Indikations- und beruflichen Indikationsempfehlung für die saisonale Influenza-Impfung veröffentlicht.
Anlass dazu gab die aktuelle Situation (2024/2025) mit der weltweit starken Ausbreitung von hochpathogenen Influenza-A(H5Nx)-Viren unter Geflügel, Wasservögeln und anderen Wildvögeln sowie den vermehrten Nachweisen von H5Nx in diversen Säugetierklassen (Kühe, Nerze, Füchse, Katzen, Robben etc.).
Folgende neue Impfindikationen beinhaltet die erweiterte STIKO-Empfehlung:
- Personen, die im privaten Umfeld häufigen, regelmäßigen und direkten Kontakt zu z. B. Schweinen, Geflügel sowie Wildvögeln (frei und gehalten) und Robben haben;
- Personen einschließlich Auszubildenden, Praktikantinnen und Praktikanten, Studierenden und ehrenamtlich Tätigen, die arbeitsbedingt einen häufigen, regelmäßigen und direkten Kontakt zu z. B. Schweinen, Geflügel, Wildvögeln (frei und gehalten) und Robben haben und tätig sind in z. B.: Nutztierhaltung, Zoos oder Tierparks, Tierheimen oder Auffangstationen, Tierarztpraxen, Schlachthöfen
Die STIKO erläutert in ihrer wissenschaftlichen Begründung die Intentionen zur Empfehlungserweiterung folgendermaßen:
Eine Impfung mit saisonalen Influenza-Impfstoffen erfolgt nicht zum Schutz vor Infektionen durch Vogel- oder Schweinegrippeviren, sie kann jedoch Doppelinfektionen mit humanen saisonalen Influenza-Viren und aviären oder porcinen Influenzaviren reduzieren. Bei Doppelinfektionen können genetische "Mischviren" (Reassortanten) mit pandemischen Potential entstehen. Daher dient die saisonale Grippeimpfung nicht ausschließlich um den Individualschutz der Geimpften, sondern zusätzlich um den Bevölkerungsschutz.
Ein sekundäres Ziel der saisonalen Influenza-Impfung von Personen, die im Arbeitskontext häufigen und direkten Kontakt zu Nutztieren haben, ist die Verhinderung von Anthropozoonosen.
Da Schweine ein klassisches mixing vessel für humanpathogene und tierpathogene Influenzaviren darstellen und Reassortments von Influenzaviren in Schweinen in der Vergangenheit zu Pandemien geführt haben, soll die Impfung die Wahrscheinlichkeit von Einträgen saisonaler humaner Influenzaviren in Schweinebestände reduziert werden.
Als geeigneter Impfzeitpunkt wird vom Robert Koch-Institut Oktober bis Mitte Dezember genannt. Sollte die Impfung in diesen Monaten versäumt werden, kann sie auch zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle noch sinnvoll sein.
Erstellt: 04.09.2025
Quellen:
- RKI/STIKO: Epidemiologisches Bulletin 29/2025 vom 17. Juli 2025; Epidemiologisches Bulletin 31/2024 vom 01. August 2024;
- RKI, FAQs Influenza
