DGK e.V. -Vortrag Dr. Bernd Hähle
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Dr. Bernd Hähle

Hörgeräte-Akustiker, Cottbus

Moderne Qualitätsstandards der Hörgeräte-Akustiker

Voraussetzung für eine hohe Qualität der Versorgung mit modernen Hörsystemen ist eine qualitativ hochwertige und umfassende Ausbildung, eine geregelte Weiterbildung sowie eine regelmäßige Fortbildung des Hörgeräte-Akustikers (s. hierzu Anlage 1).

Seine berufliche Qualifikation versetzt den Hörgeräte-Akustiker in die Lage, mit der Anpassung die Basis für den Erfolg einer Versorgung mit Hörsystemen zu legen. Zur Hörgeräteanpassung, bei der am Ende die bestmögliche Ausnutzung des Resthörens des Schwerhörigen stehen soll, sind mehrere Besuche beim Hörgeräte-Akustiker notwendig.

Während des ersten Kundenbesuchs findet ein intensives Vorgespräch darüber statt, was heute gegen Schwerhörigkeit unternommen werden kann und welche Hörgerätearten und technischen Hilfen es gibt.

Es folgt eine eingehende Anamnese, bei der alle wichtigen Daten zur Hörminderung aufgenommen werden und besonders auf das soziale Umfeld eingegangen wird. Die Anamnese wird vollständig dokumentiert.

Bei der anschließenden Otoskopie ist die genaue Betrachtung der äußeren Ohren einschließlich der Gehörgänge und der Trommelfelle unerlässlich. Dies ist Voraussetzung für die Ermittlung der akustischen Kenndaten des Gehörs und die Herstellung der Otoplastiken (Ohrpassstücke). Auch diese Daten werden vollständig dokumentiert.

Die akustischen Kenndaten des Gehörs werden über die Audiometrie, zunächst die Tonaudiometrie, erhoben. Sie umfasst die Bestimmung der Luftleitungsschwelle, gegegebenfalls die Vertäubung bei der Luftleitungsmessung, die Bestimmung der Knochenleitungsschwelle mit Vertäubung und die Ermittlung der Unbehaglichkeitsschwelle.

Als zusätzliche Prüfung wird die Sprachaudiometrie eingesetzt. Sie ermittelt den Hörverlust für Sprache, der in dB angegeben wird und aussagt, um wie viel dB der Schalldruckpegel gegenüber einem Normalhörenden bei mehrsilbigen Zahlwörtern verschoben ist.

Der Diskriminationsverlust sagt aus, zu wie viel Prozent einsilbige Wörter nicht verstanden werden. In besonders schwierigen Fällen wird dieser Test auch mit ganzen Sätzen durchgeführt, wie zum Beispiel beim Marburger Satzverständnistest. Diese Tests müssen eventuell auch über die Knochenleitung vorgenommen werden. Zusätzlich wird noch die Unbehaglichkeitsschwelle für Sprache ermittelt. Dabei wird es immer wichtiger, die Tests auch im Störgeräusch zu messen, da dies die alltägliche Hörsituation besser wiedergibt. Solche Tests helfen, die Vorteile digitaler Signalverarbeitung in modernen Hörgeräten zu untersuchen.

Aufschluss über das veränderte Lautheitsempfinden des Hörgeminderten im Vergleich zum Normalhörenden gibt die Hörfeldskalierung, die sich in den vergangenen Jahren in der Anpassungsarbeit des Hörgeräte-Akustikers zunehmend etabliert hat.

Für die Optimierung des Übertragungsverhaltens des Hörgerätes liefern Insitu-Messungen wesentliche Informationen. Die Kombination von Audiometrie und Insitu-Messungen erleichtert die Auswahl der infrage kommenden Hörgeräte. Außerdem ist es möglich, die Anpassung für den Kunden individuell an den wirklichen akustischen Gegebenheiten zu orientieren.

Der nächste Schritt in der Versorgung besteht in der Abformung der äußeren Ohren. Die Ergebnisse aller vorangegangenen Arbeiten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse lassen Rückschlüsse auf die Art und Form der Otoplastik zu.

In der Zeit zwischen dem ersten und zweiten Kundenbesuch werden die Otoplastiken angefertigt.

In der Regel sind dies Maßohrmulden für Taschengeräte oder secret ears für Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO´s) in Schalen- oder Ringform. Der Akustiker entscheidet auch über Sonderformen, wie zum Beispiel secret ears in offener Ausführung für besondere Hochtonversorgungen und CROS-Halterung für CROS-Versorgung.

Bei In-dem-Ohr-Geräten (IdO´s) werden die entsprechenden IdO-Schalen zur Aufnahme der Geräte angefertigt. Abhängig von den akustischen Kenndaten des Gehörs und den zu erprobenden Hörgeräten sind Zusatz- oder Ausgleichsbohrungen oder frequenzbeeinflussende Maßnahmen notwendig.

Als nächstes werden die halbfertigen Hörgeräte – mindestens vier – ausgewählt, nach Maßgabe der vorliegenden Schwerhörigkeit, der anatomischen Verhältnisse, der Kundenwünsche und des persönlichen Umfeldes. Für die ausgewählten Geräte werden die notwendigen Otoplastiken, IO-Schalen oder Gehäuse vorbereitet und nach dem benötigten Frequenzverhalten zur Korrektur der vorliegenden Hördefizite mit verschiedenen Verfahren in geeigneten Messgeräten voreingestellt. Grundlage hierfür sind die Ergebnisse und Umsetzungen aus der Tonaudiometrie und der Insitu-(in-vivo)-Messung. Dieser Arbeitsgang wird als die Frequenzanpassung bezeichnet.

Die anschließende Dynamikanpassung zielt auf Begrenzungen und Regelungen von Verstärkung und Dynamik ab. Hierbei sind besonders die Ergebnisse aus der Hörfeldskalierung zu berücksichtigen. Alle für die Vorauswahl gewählten Hörgeräte müssen in ihrer Grundeinstellung die gleichen akustischen Messergebnisse haben, die in einer schriftlichen und grafischen Dokumentation festgehalten sind.

Beim zweiten Kundenbesuch werden zunächst die Otoplastiken ausprobiert und darauf geprüft, ob sie Druckempfindlichkeiten hervorrufen.

Mit jedem der voreingestellten Hörgeräte-Typen, die mit der Otoplastik verbunden sind, wird eine vergleichende Hörgeräteanpassung durchgeführt. Die Messungen erfolgen für Zahlen, Wörter und/oder Sätze, wobei die Wünsche des Probanden berücksichtigt und entsprechende Korrekturen an den Einstellungen vorgenommen werden. Nach einem Toleranztest werden die Geräte mit dem subjektiv und objektiv besten Ergebnis ausgewählt.

Im nächsten Schritt folgt die erste Einweisung. Es wird die Bedienung und Handhabung erklärt und geübt, wobei das Erlernen des richtigen Einsetzens der Otoplastik oft zeitaufwändig ist. Danach wird ein Termin zur Vorstellung beim HNO-Arzt vereinbart.

Nach etwa 14 Tagen findet die vertiefte Einweisung statt. Alle Übungen zur Gerätenutzung werden wiederholt und das Einsetzen der Otoplastiken trainiert. Auch die Reinigung der Geräte und Otoplastiken sowie Gebrauch und Anwendung von Zusatzgeräten werden erläutert und die möglichen Veränderungen der akustischen Übertragungseigenschaften für verschiedene akustische Situationen sowie die Handhabung einer Fernbedienung erklärt.

Danach beginnt die zum Teil langwierige Feinanpassung der Hörgeräte. Sie dient der Korrektur etwaiger Fehleinstellungen, die auf Schwankungen des Gehörs und der Wahrnehmung des Kunden beruhen können. Dabei spielen unter anderem Alter, Anpassungsfähigkeit und Ansprüche des Kunden eine Rolle ebenso wie die Zeitspanne, die nach Auftreten der Hörminderung vergangen ist. Zur Feinanpassung gehören außerdem Informationen, wie ein Hörtraining mit einfachen Mitteln zu Hause durchgeführt werden kann, sowie Einführungen in die Hörtaktik. Außerdem wird der Umgang mit den Energiequellen (Batterie oder Akkus) erklärt.

Schließlich beginnt die mehrjährige Phase der Nachbetreuung, d. h. die regelmäßige Wartung der Hörgeräte und des Zubehörs, die Kontrolle der Otoplastik auf Sitz und Dichtigkeit sowie Reparaturen an Hörgeräten, Zubehör und Ohrpassstücken.

Fazit: Auf den hier beschriebenen Qualitätsstandard hat jeder mit Hörsystemen zu versorgende Hörgeminderte Anspruch.

Die Versorgung hörgeschädigter Menschen mit Hörgeräten ist eine sehr intensive, auf das Individuum eingehende, zeitaufwändige und verantwortungsvolle Tätigkeit. Sie gehört in die Hand einer Berufsgruppe, die sich modernen Qualitätsstandards stellt. Dies gilt insbesondere angesichts der ständigen Weiterentwicklung der Hörgerätetechnologie und deren Anpassverfahren.

 

Aus-, Weiter- und Fortbildung der Hörgeräte-Akustiker Voraussetzung für eine hohe Qualität der Versorgung mit modernen Hörsystemen ist eine qualitativ hochwertige und umfassende Ausbildung, eine geregelte Weiterbildung sowie eine regelmäßige Fortbildung des Hörgeräte-Akustikers.

In der Bundesrepublik Deutschland werden Hörgeräte-Akustiker in einer dreijährigen dualen Ausbildung zum einen in den mehr als 3.200 handwerklichen Betriebsstätten mit rund 9.000 Beschäftigten und zum anderen in der einzigartigen Landesberufsschule und Akademie für Hörgeräteakustik geschult. Bemerkenswert ist, dass in unserem Berufsstand etwa 56 Prozent der Betriebsstätten ausbilden. Auch das Verhältnis der Auszubildenden zu den Gesamtbeschäftigten im Berufsstand (ca. 18 Prozent) liegt wesentlich über den Branchenzahlen des Handwerks (ca. 10 Prozent) bzw. der Wirtschaft (4 Prozent). Im Moment werden etwa 1.600 junge Leute ausgebildet.

Die Weiterbildung zum Hörgeräte-Akustiker Meister erfolgt in der Regel in den verschiedenen Kursen der Akademie für Hörgeräte-Akustiker in Lübeck (Jahres- sowie Teilkurse, die in verschiedenen Regionen unter der Regie der Akademie angeboten werden).

Neu und den europäischen Verhältnissen angepasst ist die Möglichkeit die Hörakustik in einem sechssemestrigen Bachelor Studiengang im Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften an der FH Lübeck in Kooperation mit der Bundesinnung für Hörgeräteakustik (BIHA), Mainz, zu absolvieren. Der Studiengang Hörakustik enthält zu etwa gleichen Teilen technische und mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen, hörakustische und medizinisch-audiologische Lehrveranstaltungen sowie einen betriebswirtschaftlichen Teil.

Somit ist eine qualitativ hochwertige und für alle Beschäftigten im Berufsstand niveaugleiche Ausbildung sichergestellt. Im Übrigen erfolgte die Anerkennung der Qualität der Ausbildung zum Hörgeräte-Akustiker Meister von den führenden Berufsverbänden Europas in diesem Jahr in einer gemeinsamen Erklärung. Eine niveauvolle Fortbildung wird neben den Kursen der Akademie in einem über Jahrzehnte angebotenen System von Seminaren, Landestagungen in den vier Regionen, Sonderveranstaltungen und dem inzwischen zum weltweit wichtigsten Hörgeräte-Akustiker-Kongress der Europäischen Union der Hörgeräte-Akustiker e.V. sichergestellt. In dieser vom fachwissenschaftlichen Verband der Hörgeräte-Akustiker organisierte Fortbildungsreihe können entsprechende Fortbildungspunkte erworben werden, die bei Erreichen einer bestimmten Anzahl zur Erteilung eines Fortbildungszertifikates führen. Somit hat der Endverbraucher die Möglichkeit, sich von der Qualität der Aus- und Fortbildung seines Akustikers zu überzeugen. Die hervorragende Aus-, Weiter- und Fortbildung des Hörgeräte-Akustikers, gepaart mit dem Einsatz von Hörsystemen mit Qualitätssiegel der VHI-Firmen (14 führende Hersteller von Hörsystemen Deutschlands), führt zu einer hohen Qualität der Versorgung und der über vier bis sechs Jahre vereinbarten Nachsorge der durchgeführten Hörgeräteanpassungen. Die in der Heil- und Hilfsmittelrichtlinie geforderte Verbesserung der Sprachverständlichkeit von mindestens 20 Prozent wird bei Versorgungen in den Hörgeräte-Akustiker-Fachbetrieben in der Regel um ein Vielfaches übertroffen, und bietet somit den Endverbrauchern bereits heute die Gewähr für eine auf einem hohen Qualitätsstandard basierende Hörsystemversorgung.

Das gemeinsame Bestreben des Berufsstandes zur zukünftigen Lieferung höchster Qualität ist in den „Qualitätsleitlinien des Hörgeräteakustiker-Handwerks“ formuliert.



zum Download: Startet den Datei-DownloadVortrag_Dr_Haehle.pdf

Weitere Informationen:

Lebenslauf + Foto

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