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Presseinformation Langversion

Gut hören ist kein Zufall

Hörsysteme: anspruchsvolle Anpassung als Voraussetzung für optimales Hören

(dgk) Die Bedeutung des Hörens für zwischenmenschliche Beziehungen und auch für unsere Orientierung innerhalb der Umwelt ist enorm. Wenn das Hörvermögen vermindert ist, bedeutet das eine massive Belastung für die Betroffenen – sowohl im Privatleben als auch im Beruf. Dank leistungsfähiger Hörsysteme ist es vielen Menschen mit Hörminderung heutzutage möglich, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Doch High-Tech-Hörgeräte können nur dann optimalen Nutzen bringen, wenn ein hohes Anpassungsniveau gewährleistet ist. Dabei spielen die ärztliche Diagnose, handwerkliches Geschick, psychologisches Einfühlungsvermögen und vor allem Geduld bei der Anpassung individuell zugeschnittener technischer Lösungen eine große Rolle. Bei einem Pressegespräch des Deutschen Grünen Kreuzes e. V. am 8. Oktober 2004 in Berlin beschäftigten sich Experten mit der Qualität der Hörsystem-Versorgung.

„Je früher Hörminderungen erkannt und behandelt werden, desto besser.“ Das stellte Professor Dr. med. Dr. h. c. Roland Laszig, Geschäftsführender und Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hals-Nasen-Ohrenklinik Freiburg, klar. Ein flächendeckendes Hörscreening für alle Neugeborenen und regelmäßige Hörtests bei Kindern und Erwachsenen seien die Grundlage dafür. Unbehandelte Hörminderungen führen bei Kindern unter anderem zu Sprachproblemen und bei Erwachsenen zu vielfältigen Schwierigkeiten bis hin zur sozialen Isolation. Laszig plädierte dafür, die Technik zu nutzen. Und zwar „nicht erst nach Jahren, sondern sobald das Hören zum Problem wird“. Denn wer sich erst nach langer Hör-Entwöhnung entschließe, mit der Verordnung des HNO-Arztes zum Hörakustiker zu gehen und Hörgeräte anpassen zu lassen, so Laszig, müsse das normale Hören erst wieder lernen. „Je früher Hörgeräte angepasst werden, desto problemloser ist das Eingewöhnen.“

HNO-Ärzte sollten Patienten mit Hörproblemen empfehlen, zum Hörgeräte-Akustiker zu gehen und Hörgeräte auszuprobieren. Das könne durchaus auch schon dann angeregt werden, wenn die Indikationsgrenze noch gar nicht erreicht ist, so Laszigs Vorschlag. „Ausschlaggebend ist hier nicht die Messung, sondern das subjektive Empfinden des Betroffenen.“

Professor Dr. med. Karin Schorn, HNO-Klinik in Großhadern/München, sieht in der guten Zusammenarbeit zwischen HNO-Arzt und Akustiker die Voraussetzung für eine optimale Anpassung. „Der Hals-Nasen-Ohrenarzt hat nicht nur die Aufgabe, vor der Hörgeräteanpassung Hörtests anzufertigen, er muss auch Vorurteile ausräumen, die Motivation abchecken und beraten. Er sollte deutlich machen, dass komfortables Hören wichtiger ist als kosmetische Aspekte.“ Beim Hörgeräte-Akustiker sei es unverzichtbar, bei der Anpassung Geräte verschiedener Herstellerfirmen und unterschiedlicher Qualität und Preisgestaltung zu vergleichen. Genauso wichtig sei das Nachjustieren nach dem Probetragen und die schrittweise Nachregulierung nach Wochen. „Jeglicher Alleingang des Akustikers oder des Hals-Nasen-Ohren-Arztes“, so Schorn, „ist zum Scheitern verurteilt.“

Über die psychischen Belastungen, die eine Hörminderung mit sich bringt, sprach Dr. Werner Richtberg, Leitender Psychologe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Frankfurt. „Wer schlecht hört, stößt – selbst mit modernster Medizin und Hörgerätetechnologie – in einer geräuschbelasteten Umgebung an seine Grenzen. Den verstehenden Kontakt zur Situation zu verlieren, kann zum sozialen Rückzug, zu Niedergeschlagenheit und chronischer Erschöpfung führen.“ Wer den eigenen Sinnen nicht mehr trauen könne und an seinen Wahrnehmungen zweifele, der verliere zunächst Risikobereitschaft und bald auch Lebensmut.

Die psychologischen Hilfen bei Schwerhörigkeit setzen demnach bei der gezielten Anleitung zur Selbsthilfe an. Richtberg erläuerte: „Dazu zählen Bewältigungsstrategien auf der Verhaltensebene, wie Hörtaktik oder Kommunikationstraining. Eine sachliche Aufklärung über das eigene Hördefizit und über die Leistungsmöglichkeiten und -grenzen des Hörgerätes baut Ängste ab. In diese Aufklärung sollte man auch die Angehörigen mit einbeziehen. Diese wichtigen Hilfen leisten vor allem Hörgeräte-Akustiker.“

Dr. Bernd Hähle, Hörgeräte-Akustiker-Meister aus Cottbus stellte dar, welchen Beitrag Hörgeräte-Akustiker leisten, um aus Hörsystemen Lebensqualität werden zu lassen. Als Voraussetzung nannte er die qualitativ hochwertige und umfassende Ausbildung, eine geregelte Weiterbildung sowie regelmäßige Fortbildungen. Er stellte die vielschichtigen Aufgaben dar, die Hörakustiker in mehreren Sitzungen gemeinsam mit dem Kunden bewältigen, um das bestmögliche Hör-Ergebnis zu erreichen. „Die Versorgung hörgeschädigter Menschen mit Hörgeräten ist eine sehr intensive, auf das Individuum eingehende, zeitaufwändige und verantwortungsvolle Tätigkeit“, so Hähle. Neben vielen Messungen, der Ohrabformung, intensiver Beratung, dem Abwägen unterschiedlicher Möglichkeiten, dem Ausprobieren verschiedener Geräte-Typen, der exakten Einstellung der gewünschten Geräte und der Einführung in die Handhabung hat der Hörakustiker eine weitere wichtige Aufgabe: Er ist Ansprechpartner bei allen eventuellen Problemen mit dem Hören und der Technik – nicht nur während der Anpassung, sondern auch in den nachfolgenden Jahren bei der Nachbetreuung und beim Service.

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