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September 2001
Kuschelbär hilft Opa
Tipps für die Betreuung bei Verhaltensstörungen
(dgk) Bei Fortschreiten der Demenz-Erkrankung werden Verhaltensstörungen immer offensichtlicher. Der Patient wird unruhiger, aggressiver oder missmutiger, launiger und insgesamt immer unselbständiger. Er braucht zunehmend Hilfe bei der Körperpflege, beim Essen und ganz alltäglichen Handgriffen. Für den Umgang mit den Erkrankten gibt es keine Patentlösungen. Wer seine Angehörigen mit Verhaltensstörungen zu Hause betreut, sollte möglichst kreativ und anpassungsfähig sein. Denn was an einem Tag funktioniert, kann schon am nächsten fehlschlagen. Überprüfen Sie also laufend, was dem Kranken momentan gut tut. Entwickeln Sie Ihre ganz persönlichen Methoden, auf ihn einzugehen. Und denken Sie auch an sich selbst.
- Geregelter Tagesablauf: Sinn macht es vor allem, einen geregelten Tagesablauf beizubehalten. Lassen Sie den Kranken so viel wie möglich selbst machen und im Haushalt mithelfen. Schimpfen Sie nicht, wenn etwas daneben geht oder beim Kartoffelschälen wenig von der Knolle übrig bleibt.
- Werte vermitteln: Pflichtgefühl, Gerechtigkeitssinn, Pünktlichkeit und Genauigkeit sind Werte, die auch bei Demenz-Kranken noch tief verwurzelt sind und zum Handeln motivieren. Benutzen Sie daher alte Sprichwörter und Lebensweisheiten ("ohne Fleiß kein Preis"). Indem Sie häufiger den Be-griff "man" verwenden ("das macht man so", "dann fühlt man sich besser"), können Sie dem Kranken das Gefühl vermitteln, "dass da jemand so redet, wie er selbst empfindet".
- Bewegungsübungen: Selbst mit einfachen Dingen des täglichen Lebens lassen sich Finger- oder gymnastische Übungen vollziehen, die den Betroffenen nicht nur körperlich, sondern auch geistig anregen. Es reichen ein paar bunte Luftballons, Bälle oder Tücher, mit denen man Spiele veranstalten kann. Üben Sie auch mit Zahlenreihen, einfachen Rechenaufgaben oder dem Aufzählen von Lieblingsschauspielern oder -filmen.
- Kreativität fördern: Halten Sie immer Buntstifte und Papier bereit. Auch ein Kartenspiel mit großen Zahlen oder ein Puzzle mit großen Teilen (für Kleinkinder) können die Kreativität des Kranken anregen und ihn sinnvoll beschäftigen. Ein Buch mit Kurzgeschichten für jeden Tag ist etwas, auf das sich der Kranke immer wieder freuen kann.
- Musik weckt alte Erinnerungen: Alte Volkslieder mögen den jüngeren Familienmitgliedern auf die Nerven gehen, aber für den Demenz-Patienten ist das Singen alter Weisen eine gute Übung nicht nur für das Gedächtnis. Oft tut es auch eine CD mit Schlagern, die der Kranke gerne mag.
- Checklisten und Notizen: Arbeiten Sie mit Gedächtnisstützen, beispielsweise einem Tagesplan am Badezimmerspiegel, auf dem alles - vom Zähneputzen bis hin zum kompletten Ankleiden für den Spaziergang - vermerkt ist. Beschriften Sie Türen und Schränke mit Hinweisen darauf, was sich dahinter verbirgt.
- Kuschelbär und Co: Jeder Mensch braucht etwas Weiches zum Anschmiegen und Kuscheln. Dies spricht den Hegetrieb an, der in vielen von uns weckbar ist. Gönnen Sie einem Demenz-Kranken eine Schmusepuppe oder ein Kuscheltier, wenn er sich dadurch wohler fühlt. Werten Sie dies nicht als "kindisch" ab, sondern denken Sie daran, dass in uns allen nach wie vor ein Stück Kind steckt.
- Flüsternd Aufmerksamkeit erwecken: Flüstern Sie doch einmal mit dem Demenz-Kranken. Häufig erzeugt dies Nähe, Vertrautheit und Aufmerksamkeit.
- Tiere: Haustiere wie Hunde und Katzen beruhigen möglicherweise nicht nur manchen Demenz-Kranken, sondern auch den Betreuer. Tiere lenken nämlich auch deren Aufmerksamkeit auf sich. Auffälliges Patientenverhalten verliert dann an Stellenwert. Auch unangenehme Erlebnisse mit dem Kranken werden schneller vergessen.
- Bitte freundlich lächeln: Nicht nur Gesunde leben besser, wenn ihre Umwelt freundlich ist. Ein liebes sich Bedanken, ein Lob oder ein einfaches Anlächeln entspannen und bereichern den Alltag Kranker, damit sie sich als geschätzte Mitglieder der Gesellschaft fühlen. Viel zu oft müssen die Betroffenen böse und genervte Blicke ertragen sowie Kritik und Vorschriften anhören.
- Lieblingskleid in mehrfacher Ausfertigung: Viele Kranke werden stur, uneinsichtig und eingefahren und tragen am liebsten immer nur noch "die rote Strickjacke". Das ist aus hygienischen Gründen jedoch nicht möglich. Schaffen Sie daher das Lieblingskleidungsstück in mehrfacher Ausfertigung oder mehrere gleichartige Lieblingsstücke an.
- Rund-um-Pflege: Achten Sie darauf, dass sich der Erkrankte in seiner Haut wohl fühlt. Dazu gehört nicht nur die tägliche Körperpflege, sondern auch der Besuch beim Friseur. Wichtig sind zudem eine ausgewogenen Ernährung und ausreichend Flüssigkeit.
- Deutliche Sprache und Nerven behalten: Einfache, klar und deutlich gesprochene Sätze gegenüber Erkrankten erleichtern das Miteinander. Auch Gesten und Mimik unterstützen das Verstehen. Bei Diskussionen lassen Sie auch mal Fünf gerade sein, bleiben Sie gelassen und regen sich nicht darüber auf, wenn sich der Betroffenen zu Unrecht über irgendetwas erbost oder Sie beschimpft. Der demente Verwandte lebt in einer anderen Welt. Akzeptieren Sie das und die Person, so wie sie ist, und das Zusammenleben wird für beide Seiten erträglicher.
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