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April 2001
Ist eine Allergie-Karriere vermeidbar? (2938 Zeichen)
(dgk) Jeder fünfte Bundesbürger leidet an einer Allergie und die Patienten werden immer jünger. Unter den Kindern ist bereits jedes Dritte betroffen und viele haben schon eine regelrechte Allergie-Karriere hinter sich. Angefangen mit einer Nahrungsmittelallergie im Säuglingsalter über eine Allergie auf Hausstaubmilben beim Kleinkind bis hin zum Asthma im Schulalter.
"Wer im Alter von zwei oder drei Jahren gegen Hausstaubmilben oder Tiere allergisch ist, der hat leider auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, Asthma zu entwickeln", erklärt Dr. Frank Friedrichs, Kinderarzt und Allergologe aus Aachen. Die so genannte Allergie-Karriere, die Experten auch als "atopischen Marsch" bezeichnen, beginnt jedoch zumeist schon früher. Studien belegen, dass ca. sechs Prozent der Säuglinge eine Hühnereiweiß-Allergie ausbilden. Von diesen Kindern reagieren 46 Prozent im Alter von drei Jahren allergisch auf Hausstaubmilben. Als Fünfjährige leiden dann 40 Prozent von ihnen an Asthma bronchiale. Angesichts der Tatsache, dass die meisten Kinder nicht nur eine, sondern im Laufe ihres Lebens mehrere allergische Erkrankungen durchmachen und man einen Teil dieser Neusensibilisierungen verhindern könne, sei es sinnvoll, so Dr. Friedrichs, möglichst rechtzeitig eine Allergie nachzuweisen.
Besteht also der Verdacht, dass ein Kind eine Allergie hat, sollte möglichst bald der Gang zum Allergiespezialisten (Allergologen) für Klarheit sorgen. Neben den herkömmlichen Hauttests, für die zehn bis zwölf Allergene (allergieauslösende Substanzen) auf den Unterarm des Patienten gegeben werden und an diesen Stellen die Haut oberflächlich angeritzt wird, gibt es auch die Möglichkeit eines Allergie- Labortests. Diese Bluttests werden vor allem bei den kleinen Patienten häufig als Eingangsuntersuchung eingesetzt, denn der einmalige Piks zur Blutabnahme ist weniger unangenehm als der Hautallergietest und vollkommen ungefährlich. Die Genauigkeit im Ergebnis, das zum Beispiel auch von der Einnahme von Medikamenten nicht beeinflusst wird, macht die Bluttests jedoch auch zu einem wichtigen Diagnose-Verfahren für ältere Allergie-Patienten.
Im Labor wird die Blutprobe auf die häufigsten Allergieauslöser in der Luft und in Nahrungsmitteln hin analysiert. Der Arzt erfährt anhand der Ergebnisse nicht nur, welche Allergene die Erkrankung auslösen, er kann sogar den wahrscheinlichen Krankheitsverlauf vorhersehen und mit geeigneten Gegenmaßnahmen oft Schlimmeres verhindern. Der Allergie-Experte Friedrichs gibt Eltern von Kindern, die erste Anzeichen für eine allergische Überempfindlichkeit haben, also z. B. an Neurodermitis leiden, folgende Ratschläge:
· keine felltragenden Haustiere anschaffen
· im Schlafbereich des Kindes auf eine Hausstaubmilben-feindliche Umgebung achten, d. h. idealerweise wischbare Fußböden sowie Bettmaterialien, die über 60 Grad waschbar sind und milbendichte Matratzenüberzüge
· die Kinder nicht Passivrauch aussetzen.
6 Prozent 46 Prozent 40 Prozent
Studien belegen, dass ca. 6 % der Säuglinge eine Hühnereiweis-Allergie ausbilden. Von diesen Kindern reagieren 46 % im alter von drei Jahren allergisch auf Hausstaubmilben. Als Fünfjährige leiden dann 40 % von ihnen an Asthma bronchiale.
Allergien sind oft 'Familiensache' (2624 Zeichen)

(dgk) Je häufiger Allergien in der Familie vorkommen, desto größer ist das Risiko für allergische Erkrankungen in den nachfolgenden Generationen. Zwar können auch Umweltfaktoren und Stress bei der Entwicklung von Allergien eine Rolle spielen, sicher sind sich die Experten jedoch vor allem darin, dass die erbliche Veranlagung ein wichtiger Risikofaktor für Heuschnupfen, Asthma & Co. ist.
Es kommt zwar kein Kind mit einer Allergie auf die Welt - denn hierzu bedarf es erst einer Phase des Kontakts mit der allergieauslösenden Substanz - doch wissenschaftliche Tests weisen darauf hin, dass es bereits im Mutterleib sensibilisierende Prozesse geben kann. Die Studien zeigen, dass Kinder, die im Verlauf der Kindheit eine Nahrungsmittelallergie entwickeln, im Nabelschnurblut schon andere Zellreaktionen zeigen als nichtallergische Kinder. Experten sehen in diesen Studien auch eine mögliche Erklärung dafür, warum die mütterlichen Allergien, also z. B. das Asthma der Mutter, sich auf die Allergieneigung des Kindes ungünstiger auswirken als die allergischen Erkrankungen des Vaters.
Wann ist nun das Risiko, eine Allergie zu entwickeln, für den Sprössling besonders hoch? Wenn beide Eltern Allergiker sind, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit 40-60 Prozent, dass auch das Kind eine Allergie bekommen wird. Leiden die Eltern womöglich unter derselben allergischen Erkrankung, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf 60-80 Prozent. Ist ein Geschwister allergisch, liegt das Allergierisiko bei 25-35 Prozent. Sind innerhalb der Familie keine Allergien bekannt und gibt es auch keine Anzeichen auf allergische Reaktionen in der persönlichen Krankengeschichte, liegt die Wahrscheinlichkeit, eine Allergie zu entwickeln, immerhin noch bei 5-15 Prozent.
Anhand der "familiären Allergie-Belastung" kann der Kinderarzt also bereits eine erste Einschätzung vornehmen, ob auch der Nachwuchs ein mutmaßlicher Allergiker ist. Um ganz sicher zu sein, wird ein Allergietest, z. B. eine Blutanalyse im Labor oder ein Hauttest, durchgeführt. Welches Verfahren hier zum Einsatz kommt, entscheidet der Allergologe, ein auf Allergien spezialisierter Arzt. Bei Säuglingen und Kindern wird bevorzugt der Allergie-Labortest eingesetzt, denn sie müssen für die Blutabnahme nicht lange still halten. Außerdem ist ein Nadelpiks leichter zu ertragen als der Hauttest auf dem Unterarm mit zehn bis zwölf allergieauslösenden Substanzen. Der Labortest ist vor allem aufgrund seiner Genauigkeit jedoch auch bei erwachsenen Allergie-Patienten vorteilhaft. Denn das Ergebnis wird z. B. selbst durch die Einnahme von Medikamenten nicht verfälscht.
Allergie-Diagnostik ist in jedem Alter durchführbar und sinnvoll (3683 Zeichen)
Interview mit Dr. med. Frank Friedrichs, Kinderarzt und Allergologe aus Aachen
DGK: Allergien entwickeln sich zunehmend zu einer Volkskrankheit. Wie hoch ist hierzulande der Anteil der Allergiker in der Bevölkerung?
Dr. Frank Friedrichs: Wir können davon ausgehen, dass jedes dritte Kind mittlerweile positive Allergietests hat, und da man Allergien bzw. die Sensibilisierung für ein Allergen (allergieauslösende Substanz) normalerweise im Laufe des Lebens nicht verliert, steigt die Zahl der Erwachsenen mit allergischen Erkrankungen immer weiter an.
DGK: Lässt sich vorhersehen, wie hoch das Allergie-Risiko eines Kindes ist?
Dr. Frank Friedrichs: Die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Allergien hängt von vier Faktoren ab. Von der erblichen Veranlagung, von der Potenz des Allergens, d. h. das Katzenallergen ist für uns ein problematischeres Allergen als das Wellensittichallergen. Es werden mehr Menschen und in kürzerer Zeit gegen Katzen allergisch als gegen andere Tiere. Der dritte Faktor ist die Dauer des Kontakts mit dem potenten Allergen. Denn es macht einen Unterschied, ob ich einmal im Jahr bei meiner Tante zu Besuch bin, die eine Katze hat, oder Zuhause zwei Katzen gehalten werden. Und der vierte Punkt sind die Begleitfaktoren; da gehört alles dazu, was man als "westliche" Lebensbedingungen bezeichnet - ohne dass wir so recht wissen, was genau die Allergie auslöst.
DGK: Ab welchem Alter ist ein Allergietest sinnvoll?
Dr. Frank Friedrichs: Grundsätzlich ist es so, dass die oft von Ärzten geäußerte Behauptung, man könnte keine Allergietests unter dem Alter von zwei Jahren oder unter dem Alter von vier Jahren durchführen, nicht haltbar ist. Es gibt durchaus Kinder, die im Alter von drei Monaten oder sechs Monaten bereits positive Allergietests auf bestimmte Nahrungsmittel haben, und es gibt eine Reihe von Kindern, die im Alter von einem Jahr bereits positive Allergietests auf Hausstaubmilben oder Gräserpollen haben. So dass also eine Allergiediagnostik, wenn sie denn vernünftig gemacht wird, in jedem Alter durchführbar und auch sinnvoll ist.
DGK: Es gibt verschiedene Verfahren zur Allergie-Diagnose. Welches wird bei der Eingangsuntersuchung eingesetzt?
Dr. Frank Friedrichs: Welches Verfahren man anwendet, ist nicht zwingend vorgeschrieben. Es gibt viele Kinderärzte, die sagen, dass unter vier bis fünf Jahren die Blutabnahme mit einem Piks für ein Kind weniger traumatisierend ist als der Allergietest auf dem Unterarm mit zehn oder zwölf Allergenen; dem würde ich mich auch anschließen. Das heißt wir führen in der Regel, wenn es sich um eine Eingangsuntersuchung handelt, die Blutuntersuchung durch.
DGK: Wie wichtig ist die rechtzeitige Diagnose für die Allergiebehandlung?
Dr. Frank Friedrichs: Angesichts der Tatsache, dass die meisten Kinder nicht nur eine, sondern im Laufe ihres Lebens mehrere allergische Erkrankungen durchmachen und wir einen Teil dieser Neusensibilisierungen durch Allergenvermeidung sowie durch Hyposensibilisierung verhindern können, ist es sinnvoll, möglichst rechtzeitig eine Allergie nachzuweisen.
DGK: Sind Allergien heilbar?
Dr. Frank Friedrichs: Ja, allergische Erkrankungen sind heilbar, aber das bedeutet nicht, dass Sensibilisierungen verschwinden. Längst nicht jedes Kind, das im Schulalter unter allergischem Asthma leidet, ist auch ein Erwachsener mit Asthma. Ein Teil dieser Kinder und Jugendlichen kann seine Asthma-Symptome unter einer entsprechenden Therapie und Allergenvermeidung, vielleicht auch mit Hilfe der Hyposensibilisierung wieder verlieren.
Herr Dr. Frank Friedrichs ist Kinderarzt und Allergologe,
außerdem Vorstandsmitglied von
· pina, Präventions- und Informationsnetzwerk Allergie/Asthma e.V.
· der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin
Jetzt fliegen sie wieder: Pollen lassen Millionen Deutsche leiden (3257 Zeichen)
Heuschnupfen gehört zu den häufigsten Allergien
(dgk) Mit dem Frühling beginnt die Leidenszeit und Millionen Deutsche haben wieder Grund zum Heulen, denn die Heuschnupfen-Saison hat begonnen: Tränende Augen und laufende Nasen sind neben Niesanfällen und Juckreiz symptomatisch für Heuschnupfen.
Heuschnupfen (medizinisch auch "saisonale allergische Rhinitis" genannt) gehört zu den häufigsten Allergien: Rund zwölf Prozent der Bundesbürger sind betroffen, darunter auch schon jedes vierte Schulkind. Wenn ein Schnupfen unvermittelt, ohne andere Erkältungszeichen und jedes Jahr etwa zur selben Zeit auftritt, liegt der Verdacht auf eine Allergie nahe. Noch viel zu häufig, kritisieren Experten, wird ein Heuschnupfen jedoch nicht ernst genommen. Dabei entwickeln etwa 30 Prozent der Heuschnupfen-Geplagten durch einen "Etagenwechsel" in die Lunge im Laufe von zehn Jahren ein Asthma bronchiale. Und Asthma kann tödlich verlaufen.
Eine frühzeitige Diagnose und gezielte Behandlung ist daher sehr wichtig. Der bekannteste Allergie-Test ist ein Hauttest, und zwar der "Prick-Test". Allergieverdächtige Stoffe werden auf die Haut aufgetragen und die Haut an dieser Stelle oberflächlich angeritzt. Die Hautreaktion und damit auch die Stärke der allergische Reaktion wird nach dem Auftreten von Rötung, Juckreiz und Quaddeln beurteilt. Dieser Test, den bereits so mancher Erwachsene als unangenehm empfindet, kann für Kinder eine noch größere Belastung sein. Aber es gibt eine schonende Alternative zum Hauttest: den Allergie-Labortest. Alles, was der Arzt hierfür benötigt, ist eine Blutprobe seines Patienten. Im Labor wird das Blut dann auf Immunglobulin E untersucht, einen Abwehrstoff, den das Immunsystem bildet, um die vermeintlich "feindlichen Eindringlinge" wie zum Beispiel Blütenpollen zu bekämpfen. Die Ergebnisse des Labor-Bluttests klären, auf welche speziellen Substanzen der Patient allergisch reagiert. Der Arzt kann so durch eine geeignete Therapie nicht nur das Ausmaß der Allergie lindern, sondern auch beispielsweise der Entwicklung von allergischem Asthma vorbeugen.
Zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen gehört natürlich die Vermeidung der allergieauslösenden Pollen (so weit das möglich ist). Viele Heuschnupfen-Geplagte nehmen, um die Beschwerden so gering wie möglich zu halten, Medikamente, so genannte Antiallergika. Waren diese bisher häufig mit Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Konzentrationsschwäche verbunden, gibt es seit kurzem einen neuen Wirkstoff, der eine gute Besserung der Beschwerden erzielt und sich dabei nicht negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirkt. Diese neue Substanz ist bislang die einzige, nach deren Einnahme das Autofahren noch erlaubt ist bzw. Maschinen am Arbeitsplatz bedient werden dürfen. Gute Erfolge lassen sich aber auch mittels einer Hyposensibilisierung erreichen. Hierbei wird die allergieauslösende Substanz über einen gewissen Zeitraum z. B. als wässriges Extrakt unter die Haut gespritzt, so dass sich der Körper langsam an sie gewöhnt und nicht mehr überreagiert. Bei einer Pollenallergie wird die Hyposensibilisierung in der Regel drei Jahre lang durchgeführt. Danach sind 85 Prozent der Heuschnupfen-Patienten weitgehend beschwerdefrei. Eine frühzeitige Hyposensibilisierung kann den Etagenwechsel zum Asthma deutlich reduzieren.
'Allergien bei Kindern' (957 Zeichen)
Neue DGK-Broschüre klärt auf: Früherkennung ist wichtig
(dgk) Allergien entwickeln sich zunehmend zu einer Volkskrankheit. Betroffen sind auch immer mehr Kinder: Bereits jedes dritte Schulkind hat einen positiven Allergietest. Eine neue Broschüre des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK) in Marburg informiert über Allergien in der Kindheit, ihre häufigsten Auslöser sowie die Bedeutung der Früherkennung. Denn viele Kinder durchlaufen in den ersten Lebensjahren nicht nur eine, sondern gleich mehrere Allergien.
Welche Verfahren zur Allergiediagnostik gibt es? Was genau passiert beim Allergie- Labortest? Wie kann ich einer "Allergie-Karriere" bei meinem Kind vorbeugen? Antworten auf all diese Fragen enthält die neue DGK-Broschüre "Allergien bei Kindern. Auf die Früherkennung kommt es an". Sie können die Broschüre gegen Einsendung eines adressierten und mit 1,50 DM frankierten DIN-A5-Rückumschlags anfordern bei: Deutsches Grünes Kreuz e. V., Postfach 12 07, Stichwort "Allergien bei Kindern", in 35002 Marburg.

