DGK e.V. -Natürlich kann es sein, dass eine Störung im Immunsystem (Immundefekt) die Ur-sache von häufigen Infekten ist. Experten gehen jedoch davon aus, dass die große Mehrzahl der Patienten ein normales Abwehrsystem hat.
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Infektanfälligkeit, Immundefekt, Erkältungen, Nestschutz, Immunsystem, angeborener Immundefekt, erworbener Immundefekt
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Normale Infektanfälligkeit oder Immundefekt?
Foto: Imaginis-Fotolia

(Oktober 2014) Mit dem Beginn der kalten Jahreszeit rollt regelmäßig die erste Erkältungswelle über das Land. Dann hört man das Schniefen und Husten allerorts. Eine Erkältung im Jahr können die meisten gut wegstecken, doch manchen trifft es auch mehrmals im Jahr, und die Frage taucht auf, ob das normal sei. Unter Laien ist die Vorstellung verbreitet, eine Infektion könne der Ausdruck einer Abwehrschwäche sein, insbesondere dann, wenn mehrere Infekte hintereinander auftreten. Wie viele Erkältungen im Jahr sind eigentlich normal? Wann steckt ein Immundefekt dahinter?

Bis zu acht Infekte im Jahr sind bei Kleinkindern normal

Erkältungen sind ganz normale Infektionen, die bei Erwachsenen ebenso in unregelmäßigen Abständen vorkommen wie bei Kindern. Durchschnittlich zwischen zwei bis fünf Erkältungen jährlich deuten bei erwachsenen Menschen auf keine außergewöhnliche Immunschwäche hin, bei Kindern gelten bis zu acht „kleine Infekte“ (wie z. B. Erkältungen, Mandelentzündungen oder Magen-Darm-Infekte) als normal.

„Wenn die mütterliche Leihimmunität, der Nestschutz, nachlässt, sind Kleinkinder natürlicherweise anfälliger für Infekte. Ihr Immunsystem muss sich nun selbstständig mit den Erregern auseinandersetzen und damit fertig werden“, erklärt Dr. Ute Arndt, Immunologin beim Deutschen Grünen Kreuz e.V. Das ist ein Lern- und Reifungsprozess. Mit zunehmendem Alter werden die Infekte laut Arndt dann seltener.

Infektionen: abhängig von körperlicher Verfassung, Erreger und Umwelt

Verschiedene Parameter haben einen Einfluss darauf, wie häufig man sich tatsächlich mit kleineren Infekten rumschlagen muss. Einer davon ist die körperliche Verfassung. So ist bekannt, dass Rauchen, Schlafmangel oder chronischer Stress die Infektanfälligkeit erhöhen. Aber auch die Ansteckungsfähigkeit der Erreger spielt eine Rolle: Zirkulieren gerade hochansteckende Keime in der Bevölkerung, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst erkrankt, ebenfalls erhöht.

Kleine Kinder stecken sich oft im Kindergarten an. Kein Wunder also, dass die Infekte bei den Kleinen mit Eintritt in den Kindergarten sprunghaft ansteigen – und in den Weihnachtsferien regelmäßig deutlich zurückgehen. Kinderärzte merken dies: In den Wochen um Weihnachten kommen spürbar weniger kleine Patienten wegen Atemwegsinfekten zu ihnen als in den übrigen Wintermonaten.

Immundefekte sind selten

Wer häufiger unter Erkältungen oder anderen Infektionen leidet ist schnell verunsichert: „Stimmt vielleicht etwas mit meinem Immunsystem nicht?“ Mit dieser Frage werden viele Ärzte konfrontiert. Natürlich kann es sein, dass eine Störung im Immunsystem (Immundefekt) die Ursache von häufigen Infekten ist. Experten gehen jedoch davon aus, dass die große Mehrzahl der Patienten ein normales Abwehrsystem hat. „Angeborene Immundefekte sind relativ selten. Amerikanische Studien legen nahe, dass unter 10.000 Neugeborenen eins bis fünf der Babys eine solche Störung aufweisen“, weiß Arndt.

 

Hellhörig sollte man allerdings werden, wenn
- sich bei Kleinkindern mehr als acht, bei Erwachsenen mehr als fünf „kleinere Infektionen“ (s. o.) pro Jahr zeigen.
- diese Infektionen einen schweren Verlauf nehmen.
- die Infekte chronisch werden.
- Restsymptome nach der Genesung zurückbleiben.
- es Rückfälle mit dem gleichen Erreger gibt.
- ein eigentlich harmloser Keim die Ursache für eine Erkrankung ist.

 

In solchen Fällen sollte ein Arzt die Funktion des Immunsystems unter die Lupe nehmen, um die Ursache abzuklären. Gibt es dann ärztlicherseits einen dringenden Verdacht, ist eine weitere Beratung zum Beispiel in einem der zehn Immundefektzentren in Deutschland sinnvoll. „Steht die Diagnose fest, stehen durchaus Therapien zur Verfügung, auch Schutzimpfungen spielen dann eine überaus wichtige Rolle, um den Patienten bestmöglich zu versorgen.“, erläutert die Immunologin abschließend.

Immundefekt
Sammelbegriff für unterschiedliche Erkrankungen des Immunsystems, die gekennzeichnet sind durch eine vorübergehende oder dauerhafte Schwächung der Abwehrfunktion. In der Folge ist die Fähigkeit, Krankheitserreger abzuwehren, verringert.

Angeborener Immundefekt
Besteht die Immunschwäche aufgrund eines Gendefektes oder einer Fehlbildung schon seit der Geburt, spricht man von einem angeborenen Immundefekt. Beispiel: Der Körpers hat nicht die Fähigkeit, auf eingedrungene Keime mit einer ausreichenden Bildung von Antikörpern zu reagieren (Antikörpermangelsyndrom).

Erworbener Immundefekt
Eine Immunschwäche kann sich auch erst im Laufe des Lebens entwickeln (erworbener Immundefekt). Der weltweit häufigste erworbene Immundefekt ist AIDS, hervorgerufen durch das HI-Virus. Ein Immundefekt kann auch z. B. durch eine Leukämie, bestimmte Medikamente oder eine Mangelernährung entstehen.



Nestschutz

Neugeborene Kinder und Säuglinge sind durch Antikörper der Mutter vor vielen Keimen geschützt. Dies wird als „Nestschutz“ oder „Leihimmunität“ bezeichnet. Die Antikörper der Mutter werden vor der Geburt über die Plazenta auf den Nachwuchs übertragen. Diese Abwehrstoffe werden im Verlauf der ersten Lebensmonate abgebaut, während gleichzeitig die eigene Immunabwehr des Kindes auf Touren kommt.

 

Quellen:
(1)
Baumann, Ulrich:  Physiologische Infektanfälligkeit oder Immundefekt? Fortbildung in pädiatrie: Kinder- und Jugendmedizin hautnah, Ausgabe 2014/S1 publiziert am: 11.9.2014 DOI: 10.1007/s15014-014-0462-9
(2)
Farmand S, Baumann U, von Bernuth H, Borte M, Foerster-Waldl E, et al. Interdisciplinary AWMF guideline for the diagnostics of primary immunodeficiency. Klin Padiatr. 2011 Nov;223(6):378–85. 

 

 

 

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