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Alzheimer-Patienten kommen zu kurz
Neue Studie deckt katastrophale Unterversorgung auf
Elmauer Expertenrunde zur Alzheimer-Demenz 2005
(dgk) Der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit ist für den denkenden Menschen eine der schlimmsten Bedrohungen, die ihm in seinem Leben widerfahren kann. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind bereits von Demenz betroffen, davon leiden ca. 70 Prozent an einer Alzheimer-Demenz. Eine neue Untersuchung kommt nun zu dem Schluss, dass nur etwa jeder achte Alzheimerkranke hierzulande so behandelt wird, wie es die medizinischen Therapie-Leitlinien vorsehen.
Jedes Jahr erkranken rund 120.000 Bundesbürger neu an Alzheimer. Das Risiko wächst mit dem Alter. Geheilt werden kann die Krankheit derzeit nicht, wohl aber ist es möglich, das Fortschreiten der Symptome wie Gedächtnisverlust, Orientierungslosigkeit und geistiger Leistungseinschränkungen durch spezielle Medikamente, so genannte Antidementiva, zu verzögern.
In den Leitlinien der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft werden für Alzheimer-Patienten mit leichten bis mittelschweren Formen der Erkrankung Acetylcholinesterasehemmer empfohlen.
In der vom Verband der forschenden Arzneimittel-Hersteller (VfA) in Auftrag gegebenen Studie wurde nun die für alle Alzheimer-Patienten nötige Menge an Antidementiva mit der tatsächlich verordneten Menge dieser Medikamente für das Jahr 2002 verglichen. Das Ergebnis: Um alle 600.000 in einer gesetzlichen Krankenkasse versicherten Alzheimer-Patienten den Leitlinien entsprechend zu versorgen, hätten 220 Millionen Arzneimittel-Dosen aufgewandt werden müssen. In Wirklichkeit waren es jedoch nur 28 Millionen.
Diese Medikamenten-Menge reicht gerade einmal für ca. 13 Prozent der Alzheimerkranken aus. Mehr als 520.000 Patienten erhalten demnach keine Medikamente oder solche mit nicht nachgewiesenem Nutzen. Auswirkungen hat dies nicht nur für die Erkrankten selbst. Ihnen wird die Chance vorenthalten, mit wirksamen Medikamenten das geistige Leistungsvermögen noch einige Zeit aufrecht zu erhalten. So wurde beispielsweise für den Schneeglöckchen-Wirkstoff Galantamin (Reminyl) nachgewiesen, dass er den Abbau der Hirnleistung bis zu vier Jahre verzögern kann. Die Unterversorgung belastet indirekt aber auch die Familienangehörigen, die zu 80 Prozent die Pflege- und Betreuungsarbeit leisten. Eine angemessene und frühzeitige Therapie mit wirksamen Antidementiva kann den täglichen Zeitaufwand für die Pflege eines Alzheimerkranken um fast eine Stunde verkürzen. Diese Zeit gewinnen die Angehörigen für die eigene Erholung.
Die Ursachen für die bestehenden Versorgungslücken sehen Experten wie die beiden Nürnberger Psychiater Dr. Dr. Günther Niklewski und Dr. Klaus-Christian Steinwachs von der Initiative Altern in Würde vor allem im nach wie vor bei vielen niedergelassenen Haus- und Allgemeinärzten anzutreffenden Ausbildungsdefizit. Ohne regelmäßige Fortbildung im Demenzbereich fehle es den Ärzten einfach an Kenntnissen darüber, was mit modernen Medikamenten erreicht werden könne. Ein weiterer Grund für die Therapie-Zurückhaltung sei sicher auch das immer enger geschnürte Budget-Korsett und der Zwang zu Einsparungen.
Diese Grafik können Sie telefonisch ( 0 64 2 1 / 293 - 150) oder per E-Mail (roswitha.seim(à)kilian.de) anfordern.

