Hauptnavigation
- 1: Individuelle Prävention.
- 2: Presse.
- 2.1: Deutsche Gesundheits-Korrespondenz (dgk).
- 2.2: das gesunde Kind (pgk) .
- 2.3: Schmerz Report aktuell (sra).
- 2.4: sicher-gesund-lebendig (sgl).
- 2.5: Umwelt und Gesundheit (smog).
- 2.6: Tier und Gesundheit (animal).
- 2.7: Ernährung, Forschung, Gesundheit (efg).
- 2.8: Infektion und Prävention für Laien (IPL).
- 2.9: Informationsdienst Infektion und Prävention Spezial.
- 2.9.1: 2000 bis 2004 - Jahrgänge 6 bis 10.
- 2.9.1.1: IPS, Jg. 10, 1 - 2004.
- 2.9.1.2: IPS, Jg. 9, 2 - 2003.
- 2.9.1.3: IPS, Jg. 9, 1 - 2003.
- 2.9.1.4: IPS, Jg. 8, 2 - 2002.
- 2.9.1.5: IPS, Jg. 8, 1 - 2002.
- 2.9.1.6: IPS, Jg. 7, 3 - 2001.
- 2.9.1.7: IPS, Jg. 7, 2 - 2001.
- 2.9.1.8: IPS, Jg. 7, 1 - 2001.
- 2.9.1.9: IPS, Jg. 6, 4/5 - 2000.
- 2.9.1.10: IPS, Jg. 6, 3 - 2000.
- 2.9.1.11: IPS, Jg. 6, 2 - 2000.
- 2.9.1.12: IPS, Jg. 6, 1 - 2000.
- 2.9.2: 1996 bis 1999 - Jahrgänge 2 bis 5.
- 2.9.1: 2000 bis 2004 - Jahrgänge 6 bis 10.
- 2.10: Informationsdienst impfBlick.
- 2.11: Presseservice Naturmedizin (pnm).
- 2.12: Sonderpressedienst.
- 2.13: Sondermeldungen.
- 2.14: TV/Radio.
- 3: Podcast.
Auszeichnungen / Qualitätssiegel


Wir befolgen den HONcode Standard.
Kontrollieren Sie dies hier.

Service-Content
Aktuelle Pressedienste
Deutsche Gesundheits-
Korrespondenz
dgk März 2010
Das gesunde Kind
pgk Dezember 2009
Tier und Gesundheit
animal 2 - 2009
Textanfang / Content
IPS, Jg. 6, 3 - 2000
Bundesverdienstkreuz für Frau Dr. Mikulicz (2647 Zeichen)
(dvv) Am 29. Mai 2000 ist Frau Dr. Ursula Mikulicz in Würdigung ihres außerordentlichen Engagements für andere Menschen das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen worden. Die 65-Jährige hat 16 Jahre in Afrika verbracht und war dann 19 Jahre lang Leiterin der Tropenmedizinischen Untersuchungsstelle (TMU) der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn.
Ursprünglich als Kinderärztin ausgebildet, begleitete sie 1964 ihren Ehemann nach Afrika. Schon bald engagierte sie sich für die Menschen dort, wurde außerdem Vertrauensärztin der Lufthansa und der Deutschen Botschaft und schließlich Leiterin des universitären Gesundheitsdienstes der Elfenbeinküste. Sich immer einsetzend und weit über das forderbare Maß hinaus für die Menschen engagiert, ist sie in dieser Zeit zum Ehrenhäuptling eines Stammes im Banko-Forest ernannt worden und hat von der Regierung der Elfenbeinküste den Orden eines "Officier de L'ordre National de Santé de la Cote d'Ivoire" erhalten.
1980 übernahm sie dann die Leitung der Tropenmedizinischen Untersuchungsstelle der GTZ. Zu ihren Aufgaben gehörten unter anderem tropenmedizinische Untersuchungen vor, nach und während Auslandsaufenthalten, Beratungen bei Notfällen im Ausland, betriebsärztliche Beratungen und die Organisation von Rettungsflügen. Mehr als 200 solcher Luftrettungsaktionen hat sie im Laufe der Jahre zusammen mit ihrem Team durchgeführt, auch für Mitarbeiter anderer Organisationen und Firmen. Freundlich, entscheidungsfreudig und Tag und Nacht einsatzbereit hatte die Tropenmedizinerin auch für die privaten Probleme ihrer Mitarbeiter stets ein offenes Ohr.
Auf internationalen Kongressen, in der ärztlichen Fortbildung oder als Leiterin des Ausschusses für Reise- und Arbeitsmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) sowie bei vielen anderen Gelegenheiten hat die dynamische Ärztin ihr Wissen weitergegeben und wird das auch weiterhin tun. Die medizinischen Fachkenntnisse, die sie durch ihr langjähriges Engagement erworben hat, werden dabei immer ergänzt durch eine gute Portion Menschenkenntnis. Seit zehn Monaten befindet sich Frau Dr. Mikulicz offiziell im Ruhestand. Aber wer sie kennt, weiß, dass es nur ein "Unruhestand" sein kann, der weiterhin vom Einsatz für andere Menschen geprägt sein wird. So ist sie beispielsweise weiterhin Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Infektion & Prävention.
Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V. und das Deutsche Grüne Kreuz e. V. danken Frau Dr. Mikulicz für ihre Arbeit und wünschen ihr für ihr weiteres Wirken alles Gute!
Von Tripper-Clippern und Sexbombern (2048 Zeichen)
(dvv) Es sind nicht nur die Insassen der so genannten Sexbomber, die Geschlechtskrankheiten und Aids vorbeugen müssen. Die "schönste Nebensache der Welt" ergibt sich in gelöster Stimmung auch ganz spontan. Zu einer umfassenden Reiseberatung durch den Arzt gehört deshalb immer auch der Rat, eine Packung geprüfter Kondome mit in den Koffer zu packen. Die folgenden Fakten können dabei helfen, auch zögernde Patienten zum Vorsorgegedanken zu "bekehren":
- Gonorrhoe steht nach Diarrhoe, Malaria, akuten fieberhaften Atemwegsinfektionen und Hepatitis A an fünfter Stelle der "Hitliste" von Gesundheitsproblemen bei Reisen in Entwicklungsländer (Steffen et al. 1999).
- Aids und andere sexuell übertragbare Krankheiten (z. B. Gonorrhoe, Hepatitis B, Syphilis, Lymphogranuloma inguinale) sind in vielen Ländern außerhalb Europas erheblich stärker verbreitet als bei uns.
- Man darf nicht einfach dem äußeren Anschein trauen: Die meisten Infizierten sehen gesund aus und lassen keine Krankheitssymptome erkennen. Trotzdem besteht ein hohes Ansteckungsrisiko. Oft wissen die Betroffenen selbst nicht, dass sie eine Geschlechtskrankheit übertragen können.
- Außerhalb Europas gibt es Kondome manchmal nicht in der gewohnten Qualität. Ein Vorrat für alle Fälle wiegt nicht viel und schützt vor einem "geplatzten" Date.
- Natürlich wäre der beste Schutz völlige Enthaltsamkeit. Aber sexuelle Enthaltsamkeit folgt ähnlichen Gesetzen wie Fasten: Ist der Wille nicht stark genug, führt der Hunger möglicherweise zu einer unkontrollierten Nahrungsaufnahme.
Das Zitat
"Ganz besonders hat sich der Ankömmling in der heißen Zone, in welcher der Trieb des Fleisches mächtiger als der gute Vorsatz zu sein pflegt, vor geschlechtlichen Excessen in Acht zu nehmen; Mäßigkeit im Genuß und Beständigkeit in der Wahl der Gefährtin sind hier vor allem geboten, wenn nicht bald durch Erschlaffung oder Ansteckung die Reue als hinkender Bote folgen soll."
Aus: "Rathgeber zur Reise in die Tropen" von Dr. Carl Ernst Bock, 1883
DVV rät: Impfserien vor Last-minute-Reisen auf jeden Fall beginnen! (1084 Zeichen)
(dvv) Wenn vor dem Abflug nur noch eine Woche Zeit bleibt, können viele Impfserien nicht mehr abgeschlossen werden. Trotzdem sollte mit ihnen begonnen werden, rät die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V. So kann zumindest mit einem Teilschutz gerechnet werden und bei einer Infektion ggf. mit einem abgeschwächten Krankheitsverlauf. Falls im Reiseland die Gelbfieberimpfung Pflicht ist, muss allerdings von der Reise abgeraten werden. Der Impfschutz setzt erst 10 Tage nach erfolgter Impfung ein und die internationale Impfbescheinigung ist nur gültig, wenn mindestens 10 Tage vor Einreise gegen Gelbfieber geimpft wurde. Davon abgesehen, sollten auf jeden Fall die Basisimpfungen (Tetanus, Diphtherie und gegebenenfalls auch Poliomyelitis) aufgefrischt werden. Als typische Reiseimpfungen kommen die Schutzimpfungen gegen Hepatitis A und Typhus in Frage, bei Trekking- oder Rucksackurlaubern kann es erforderlich sein, zusätzlich gegen Tollwut oder Hepatitis B zu immunisieren.
Optimaler Schutz vor Mückenstichen: Haut und Kleidung behandeln (792 Zeichen)
(dvv) "Den besten Schutz vor Mückenstichen in den Tropen erreicht man, indem nicht nur die Haut mit Repellent eingerieben, sondern gleichzeitig die Kleidung mit Mückenschutzmittel imprägniert" wird, erklärte Dr. Christian Schönfeld vom Institut für Tropenmedizin, Berlin, im Gespräch mit "Infektion & Prävention". Gut geeignet sind dafür Pyrethrum-Sprays. "Sie dürfen allerdings nicht über die Kleidung gesprüht werden, wenn man sie schon anhat, denn Pyrethrum wird von der Haut schnell aufgenommen und kann dann Allergikern Probleme bereiten", erläuterte der Berliner Tropenmediziner. Derzeit sind diese Sprays nur über die internationale Apotheke zu beziehen. "Aber bei hohem Malariarisiko lohnt dieser Aufwand sicherlich."
Entwarnung in der Dominikanischen Republik (1202 Zeichen)
Neues zur Malariaprophylaxe
(dvv) In der Dominikanischen Republik war vor einiger Zeit auch in den Touristengebieten im Südosten des Landes (Provinz La Altagracia; Touristenzentrum um Punta Cana, Playa Juanillo, Playa Bavaro) eine Chemoprophylaxe gegen Malaria empfohlen worden (Chloroquin). Diese Empfehlung haben nun die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die CDC (Centers for Disease Control and Prevention) wieder zurückgenommen. Wie das Robert Koch Institut (RKI) berichtet, stellen die meisten europäischen Berater eine Chemoprophylaxe jedoch vorerst noch anheim. Risikopatienten sollte auf jeden Fall noch eine Chemoprophylaxe angeboten werden. Weiterhin gilt, dass vor allem in ländlichen Gegenden der westlichen Provinzen, z. B. Castanuelas, Hondo Valle und Pepillo Salcedo das ganze Jahr über ein Malariarisiko besteht. Für einen Badeurlaub im Norden und Nordosten, so das RKI, reiche weiterhin eine Expositionsprophylaxe (Schutz vor Mückenstichen) aus, die allen Reisenden in die Dominikanische Republik zu empfehlen sei.
Quellen:
Weekly Epidemiological Record 75, Nr. 16: 126, 12. April 2000;
Epidemiologisches Bulletin 19: 155, 12. Mai 2000
Denguefieber: Serologie frühestens nach einer Woche! (2172 Zeichen)
(dvv) Bei Verdacht auf Denguefieber sollte der serologische Nachweis trotz deutlicher Symptomatik frühestens nach sechs Tagen durchgeführt werden. Erst dann ist sicher mit Antikörpern zu rechnen.
Krankheitsbild
Denguefieber ist in der Regel eine schmerzhafte Erkrankung mit zweigipfligem Fieberverlauf, die in wenigen Tagen ausheilt. Die Krankheit beginnt mit plötzlichem Fieberanstieg sowie Kopf-, Muskel-, Kreuz-, Knochen-, und Gelenkschmerzen ("breakbone fever"). Charakteristisch, aber nicht immer vorhanden, ist ein rötlicher Hautausschlag. Zu Krankheitsbeginn tritt er besonders im Gesicht und an der Brust auf, geht dann zurück und erscheint bei erneutem Anstieg der Körpertemperatur wieder als scharlach- oder masernartiges Exanthem, wobei die Extremitäten zuerst betroffen sind. Gleichzeitig kann es zu einer allgemeinen Lymphknotenschwellung kommen. Meist bestehen eine ausgeprägte Leuko- und Thrombozytopenie mit aktivierten Lymphozyten (keine Acetylsalicylsäure!). Die Patienten erholen sich nur sehr langsam. Selten kommt es zu lebensgefährlichen Blutungen im Magen-Darm- Trakt. Hämorrhagisches Denguefieber (DHS) bzw. Dengueschocksyndrom (DSS) treten dort auf, wo die Bevölkerung mehreren Virustypen gleichzeitig oder nacheinander ausgesetzt ist. Ohne sofortige medizinische Hilfe stirbt etwa die Hälfte der Erkrankten.
Es werden vier Serotypen des Denguevirus unterschieden (Typ 1, 2, 3 und 4). Während in Ostasien und der Karibik alle vier Virustypen vertreten sind, herrschen in Mittelamerika, den USA und Ostafrika (Kenia und Mosambik) die Typen 2 und 3 vor. In Westafrika (Nigeria, Elfenbeinküste, Senegal) treten die Typen 1 und 2 auf, und in der Pazifikregion (Polynesien) ist Typ 2 verbreitet.
Der Mensch ist Hauptwirt des urbanen Denguefiebers. Hauptvektor ist Aedes aegypti. Bestimmte Aedes-Spezies können das Virus auch vertikal weitergeben, ihre Eier werden bei der Ablage infiziert. Zumindest in Südostasien wurde auch ein Dschungelkreislauf zwischen Affen und Stechmücken beobachtet. Zur Vorbeugung einer Infektion eignen sich alle Maßnahmen zum Schutz vor Insektenstichen.
Fieber nach Tropenaufenthalt - Differentialdiagnose (1781 Zeichen)
(dvv) Etwa zwei Prozent der Tropenreisenden erkranken an einer Infektion, die hochfieberhaft verläuft. Damit ist Fieber neben Diarrhoe eine der häufigsten Gesundheitsstörungen nach oder während Tropenreisen. Der niedergelassene Arzt ist in der Regel erster Ansprechpartner für erkrankte Urlauber. Im Zweifelsfall sollte möglichst sofort Rat bei einem reisemedizinisch versierten Kollegen geholt werden, damit nicht eventuell kostbare Zeit verloren geht.
Als erste Verdachtsdiagnose ist immer die Malaria abzuklären. Zunächst in der Anamnese: Wurde ein Endemiegebiet besucht? Wann trat erstmals Fieber auf? Vergingen weniger als sieben Tage zwischen erster Exposition und ersten Krankheitszeichen, ist eine Malaria extrem unwahrscheinlich. Weitere Symptome einer Malaria sind grippeartige Beschwerden und evtl. Splenomegalie. An Laboruntersuchungen sind zunächst ein dicker Tropfen und ein Ausstrich zu machen, des Weiteren ist auf Thrombopenie und Hämolysezeichen (Anämie) zu testen. Zusätzlich sollte an ein in der Beurteilung von Malaria-Ausstrichen erfahrenes Labor als Eilsendung ein dicker und dünner Ausstrich (luftgetrocknet, unfixiert und ungefärbt!) zusammen mit 3 ml EDTA-Blut zur erweiterten labordiagnostischen Abklärung eingeschickt werden.
Differentialdiagnostisch sind Typhus und andere Salmonellen-Infektionen, Denguefieber, andere Arbovirosen, Leberamöbenabszess, Tuberkulose, Brucellose, Rickettsiose und Leptospirose abzuklären. Bei einer Inkubationszeit von mehr als 10 Tagen nach Exposition sind Denguefieber und Arbovirosen unwahrscheinlich.
Treten neben Fieber auch pathologische Leberwerte auf, spricht dies eher für eine Hepatitis im Initialstadium, eine Brucellose oder einen Amöbenabszess.
Erwerb von Geschlechtskrankheiten und der HIV-Infektion auf Fernreisen (6762 Zeichen)
(dvv) Jedes Jahr verreisen mindestens zwei Millionen Bundesbürger in die Tropen. Entweder in dem Bestreben, ihren Urlaub in sonnigen Klimazonen zu verbringen oder um neue Eindrücke in bislang unbekannten Kulturgebieten zu gewinnen oder auch aus beruflichen Gründen. Beliebte Ziele liegen vor allem in Afrika und Asien, seltener wird Lateinamerika besucht. Dabei sind die Reisenden natürlich auch unbekannten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Ein großer Prozentsatz erleidet während des Aufenthaltes in tropischen Gebieten eine Durchfallepisode, die in der Regel jedoch gutartig verläuft. Einige erwerben eine Malaria, die allerdings oft erst nach Rückkehr aus den Tropen ausbricht und den behandelnden Arzt vor nicht unerhebliche diagnostische Probleme stellt. Außerdem hatten gemäß einer Erhebung etwa 8,5 Prozent aller Tropenreisenden über 14 Jahren Sexualkontakte verbunden mit den entsprechenden Infektionsrisiken.
Schutz geben durch Beratung und Diagnose
Eine sorgfältige, kompetente ärztliche Beratung bezüglich des geeigneten Verhaltens vor Ort könnte speziell Durchfallerkrankungen verhindern - oder zumindest so beeinflussen, dass sie die Urlaubsfreuden nicht längere Zeit beeinträchtigen. Auch der Malaria kann zum Teil ihr Schrecken genommen werden, wenn alle Prophylaxevorschriften sorgfältig eingehalten werden und im Falle einer Erkrankung die Diagnose schnell gestellt wird. Immer noch versterben in Deutschland jährlich bis zu 20 Malariapatienten, die meisten, weil die Diagnose nicht rechtzeitig gestellt wurde.
Vom Ignorieren und Infizieren
Neben Durchfallerkrankungen und Malaria gibt es aber noch eine Gefahr, der sich die meisten Reisenden leider nicht bewusst sind: der mögliche Erwerb von Geschlechtskrankheiten einschließlich HIV-Infektion. Jährlich sind etwa 100.000 - 200.000 deutsche Sextouristen unterwegs, Personen beiderlei Geschlechts, die vor allem nach Thailand und in einige Länder Schwarzafrikas reisen. Von diesen Sextouristen abgesehen, haben auch viele andere Reisende im tropischen Ausland mehr oder weniger zufälligen sexuellen Kontakt mit Einheimischen. Dabei riskieren sie oft, sich mit Erregern von Geschlechtskrankheiten aller Art zu infizieren. Herpes genitalis, Syphilis, Ulcus molle, Gonorrhoe, Lymphogranuloma inguinale u. a. sind außerhalb Europas in höherem Maße verbreitet. Diese im Ausland erworbenen Infektionen sind häufig nur schwer zu behandeln, weil die Keime gegen die meisten gebräuchlichen Antibiotika hoch resistent sind. Bei weiblichen Patienten kommt hinzu, dass z. B. eine Gonokokken-Infektion in der Regel zunächst fast unbemerkt verläuft und erst dann diagnostiziert wird, wenn sie aufsteigend zu einer Salpingitis geführt hat - mit unter Umständen dauerhaften Folgen.
HIV-Durchseuchung bis zu 80 Prozent
Die größte Gefahr liegt natürlich in dem Erwerb einer HIV-Infektion. Viele Bundesbürger sind sich nicht der hohen HIV-Prävalenz in einem Großteil der Reiseländer bewusst, d. h. der Tatsache, dass schon die "Normalbevölkerung" in einem nicht unerheblichen Maße Träger einer HIV-Infektion ist. Daraus folgt, dass man z. B. bei notwendig werdenden Injektionen oder Blutentnahmen unbedingt auf die Verwendung von Einmalspritzen und -kanülen achten soll. Dieser Hinweis soll aber nicht davon ablenken, dass natürlich der größte Teil aller HIV-Infektionen durch Sexualkontakt erfolgt.
Bei Prostituierten der in diesem Zusammenhang interessierenden Reiseländer findet man eine HIV-Durchseuchung von bis zu 80 Prozent. Damit ist zumindest bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr (d. h. ohne Kondom) der Erwerb einer HIV- Infektion in hohem Maße möglich. In diesem Lichte gesehen, erscheint es besonders Besorgnis erregend, dass gemäß einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums aus dem Jahre 1992 von den etwa 8,5 Prozent aller Reisenden über 14 Jahren, die Sexualkontakte (pro Reise 12-13 Kontakte, meist mit mindestens zwei bis drei einheimischen Partnern) in Tropenländern hatten, 31 Prozent nie Kondome, 24 Prozent gelegentlich und nur 45 Prozent immer Kondome verwendet hatten! Die Erfahrung lehrt, dass Frauen bei ungeschütztem vaginalem Sexualkontakt mit HIV- Infizierten ein besonders hohes Ansteckungsrisiko haben. Leider bestehen laut Erhebung gerade sie noch seltener darauf, dass Kondome benutzt werden, als männliche Touristen.
Fazit
Aus zuvor Ausgeführtem sind m. E. insbesondere zwei Folgerungen abzuleiten:
1. Die Möglichkeit, bei entsprechenden Sexualkontakten im Rahmen von Fernreisen eine Geschlechtskrankheit und insbesondere eine HIV-Infektion zu erwerben, muss unbedingt wieder mehr in das Bewusstsein der Fernreisenden gerückt werden. Jeder Arzt sollte bei der Beratung vor Reiseantritt seine Patienten eindringlich darauf hinweisen - auch auf die Tatsache, dass die zuverlässige Benutzung eines intakten Kondoms zwar weitgehend, aber nicht vollständig davor schützt, eine Geschlechtskrankheit (insbesondere eine HIV-Infektion) zu erwerben.
2. Stellt der behandelnde Arzt bei einem/r Rückkehrer/in von einer Fernreise eine Geschlechtskrankheit fest (oder entnimmt er nach Befragung, dass während der Tropenreise flüchtige Sexualkontakte stattgefunden haben), sollte unbedingt auch die Möglichkeit einer HIV-Infektion in Betracht gezogen werden. Dabei sollte der Arzt wissen: Die so genannte akute HIV-Krankheit tritt - wenn überhaupt - etwa ein bis drei Wochen nach der Infektion auf. Symptome sind vor allem Fieber, Lymphknotenschwellungen, Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, Muskel- und Gelenkbeschwerden und Pharyngitis. In etwa 70 Prozent der Fälle ist ein makulöses Exanthem zu beobachten. Dauer der Symptomatik: 5-10 Tage. Der serologische Nachweis von HIV-Antikörpern gelingt in der Regel frühestens sechs bis acht Wochen nach erfolgter Infektion; bei 95 Prozent der frisch Infizierten sind HIV-Antikörper nach drei Monaten nachzuweisen; in Ausnahmefällen treten sie aber auch erst später auf. Der Nachweis von HIV-spezifischen Antikörpern im ELISA-Test muss dann immer durch eine Bestätigungsreaktion, z. B. Immunoblot kontrolliert werden.
Jeder Arzt sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass die schnelle und zuverlässige Diagnose einer erworbenen Geschlechtskrankheit und/oder einer HIV-Infektion nicht nur für den Patienten von hoher Bedeutung ist. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist nämlich anzunehmen, dass die betroffenen Patienten auch nach ihrer Rückkehr in Deutschland weiterhin Sexualkontakte haben und damit eine Infektionsquelle für Sexualpartner darstellen - eine Möglichkeit, die es unbedingt zu vermeiden gilt!
Dr. Ursula Mikulicz,
Leiterin i. R. der Tropenmedizinischen Untersuchungsstelle der GTZ, Eschborn
Vernachlässigt: Sicherer Schutz vor Nadelstichverletzungen bei medizinischem Personal (975 Zeichen)
(dvv) Nadelstichverletzungen durch das Wiederaufstecken der Kappe können weitestgehend vermieden werden - indem ein Kanülensammler verwendet wird. Damit ist es möglich, die Kanüle von einer Spritze zu entfernen, ohne sie zu berühren. Es gibt diese Behälter zwar schon seit vielen Jahren, sie werden aber leider noch längst nicht überall eingesetzt, weil sie entweder nicht bekannt sind oder als "zu teuer" gelten. Für Frau Dr. Mikulicz, Leiterin i. R. der Tropenmedizinischen Untersuchungsstelle der GTZ, ist diese Vorstellung absurd: "Wenn man die Häufigkeit von Nadelstichverletzungen und die damit verbundene Gefahr von Übertragungen (z. B. Hepatitis B und C, HIV) bedenkt sowie deren mögliche Folgekosten, ist das eine sehr kurzsichtige Überlegung!" Die Einwegbehälter fassen bis zu 500 Kanülen und kosten zwischen DM 3,- und DM 6,-. Bestellt werden können sie wie Laborartikel.


