DGK e.V. -Informationsdienst impfBlick, Jahrgang 2, Ausgabe 1/2 - 2003 Meningitis - Hirnhautentzündung - Gefahr für Leib und Leben
Gesundheitsinformationen zu:
Deutsches Grünes Kreuz, C-Menigokokken, Mumps, schwerhörig, Beinschmerzen, Hirnhautentzündung, Masern, Infektionen, Meningitis-Zeit, Warnzeichen, Krankheiten, Nutzen, Schaden, Impfungen, Schutz, Meningitis, Milz, Zecke, Krankheitsüberträger, Erste Nationale Impfwoche, Wartezimmer-Version
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Informationsdienst impfBlick, Jg 2, 1/2 - 2003
Meningitis - Hirnhautentzündung - Gefahr für Leib und Leben

STATEMENT:
Ärzte und Eltern wissen zu wenig

Todesfall nach Pneumokokken-Meningitis (5.561 Zeichen)
 

Prof. Dr. med. Christel Hülße

Direktorin des Landesgesundheitsamtes Mecklenburg-Vorpommern, Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) und des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Grünen Kreuzes e. V.

(dgk) Im vergangenen Jahr ist in Mecklenburg-Vorpommern ein kleines Kind an einer Pneumokokken-Infektion gestorben (siehe Kasten 1). Der Tod des Dreijährigen hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Als ich wenige Tage später einen Vortrag vor Ärzten hielt, stellte ich fest, dass einige Kollegen nicht ausreichend informiert waren, welche Babys und Kleinkinder mit dem neuen Konjugatimpfstoff gegen Pneumokokken geschützt werden können. Dabei gibt es bereits seit Juli 2001 dazu eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Bundesweit ist derzeit nur rund ein Drittel aller besonders gefährdeten Kleinkinder auch tatsächlich geimpft. Das darf nicht so bleiben, denn bei ihnen verlaufen Pneumokokken-Infektionen oft dramatisch.

Der Junge aus Mecklenburg-Vorpommern war kerngesund, dennoch überlebte er nicht. Bislang ist in Deutschland empfohlen, nur Kinder mit besonderen gesundheitlichen Risiken gegen Pneumokokken zu impfen, nicht also gesunde Kinder. Wir haben aber den Tod des Jungen zum Anlass genommen, noch einmal darüber nachzudenken, welche Kinder unbedingt gegen Pneumokokken-Infektionen geimpft werden sollten.

Es stellte sich heraus, dass die Empfehlungen der STIKO in ihrer jetzigen Form von Ärzten und Eltern nicht ausreichend umgesetzt werden. Wir haben deshalb für unser Bundesland die Risikogruppen noch deutlicher beschrieben und mit Beispielen unterlegt (siehe Kasten 2). Die Krankenkassen sind bereit, die Impfungen für diese Risikokinder zu finanzieren. Darüber hinaus laufen an unseren Kinderkliniken jetzt Vorträge für Kinderärzte über den neuen Konjugatimpfstoff, um die Impfung noch mehr publik zu machen.


Kasten 1
 

Im vergangenen Jahr starb in Mecklenburg-Vorpommern ein dreijähriger Junge an einer Pneumokokken-Infektion. Er erkrankte zunächst mit hohem Fieber (bis 40,4 Grad Celsius), Bauchschmerzen und Erbrechen. Ein zu Rate gezogener Arzt stellte fest, dass Rachen und Mandeln gerötet waren. Er verordnete Penicillin, ein Antibiotikum, das gegen die meisten Bakterien wirkt. Nach 36 Stunden ging es dem Jungen plötzlich deutlich schlechter. Noch während der Notarzt ihn behandelte, ließ die Atmung des Dreijährigen nach, und er erlitt einen Kreislaufschock. Das todkranke Kind wurde schnellstens ins Krankenhaus gebracht. Obwohl es sofort intensivmedizinisch behandelt wurde und die Ärzte 40 Minuten lang versuchten, es wiederzubeleben, starb es. Die Pneumokokken-Bakterien waren über das Blut ins Gehirn gelangt und hatten eine Hirnhautentzündung (Meningitis) ausgelöst.


Gelingt es Pneumokokken, in den Körper eines Babys oder Kleinkindes einzudringen, verläuft die Infektion oft dramatisch. Seit kurzem gibt es jedoch einen Impfstoff, der auch Kinder unter zwei Jahren gegen die wichtigsten Pneumokokken- Typen schützt, einen so genannten Konjugatimpfstoff, den die STIKO für besonders gefährdete Risikokinder im ersten und zweiten Lebensjahr empfiehlt. Die STIKO weist aber darauf hin, dass weitere Impfindikationen möglich sind, wenn dies in einer individuellen Situation sinnvoll erscheint. Eltern, die ihr gesundes Kind gegen Pneumokokken impfen lassen wollen, sollten sich demnach mit dem Arzt beraten.


Kasten 2
 

Pneumokokken-Impfung für Kinder im 1. und 2. Lebensjahr
Empfehlungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern (vereinfacht)


1. Ehemalige Frühgeborene (geboren vor der 38. Schwangerschaftswoche)

2. Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht (unter 2.500 g)

3. Kinder mit gestörtem Immunsystem durch

    • angeborene oder erworbene Immundefekte
    • fehlende oder nicht funktionierende Milz
    • Erkrankungen der blutbildenden Organe (z. B. Leukämie, Morbus Hodgkin, nach Knochenmarktransplantation)
    • Krebs (wenn es die Krankheit und ihre Behandlung zulassen)
    • chronischen Infektionen, z. B. durch HIV, Epstein-Barr-Virus, Zytomegalie-Virus
    • sowie Kinder vor Organtransplantation und vor anderen Behandlungen, die das Immunsystemschwächen


4. Kinder mit chronischen Krankheiten

    • Herz-Kreislauf Erkrankungen, z. B. angeborene Herzfehler und Herzerkrankungen anderer Art
    • Erkrankungen der Atmungsorgane, z. B. Infektanfälligkeit, chronisch-wiederkehrende Bronchitis, Asthma bronchiale sowie chronisch-wiederkehrende Infektionen des Nasen-Rachen-Raums und der Ohren
    • Stoffwechselerkrankungen, z. B. Mukoviszidose, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Nierenerkrankungen
    • Lebererkrankungen
    • Erkrankungen des Nervensystems (z. B. Anfallsleiden wie Epilepsie oder Kinder, die mit "offenem Rücken" geboren werden)
    • neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. Muskelschwund)
    • Autoimmunerkrankungen, zu denen z. B. viele rheumatische Erkrankungen zählen


5. Kinder mit Gedeihstörungen

Als Gedeihstörung gilt eine verzögerte körperliche (und meist auch psychosoziale) Entwicklung, die sich aus den Wachstums- und Gewichtskurven ablesen lässt:

Neben den unter Punkt 3 und 4 genannten organischen Ursachen für eine Gedeihstörung sind weitere zu nennen:

    • andere angeborene Störungen, z. B. durch Alkoholismus der Mutter während der Schwangerschaft
    • Chromosomenschäden (z. B. Down-Syndrom)
    • hormonale Störungen, (z. B. Unterfunktion der Schilddrüse)


Zu den nicht organischen (psychosozialen) Ursachen gehören z. B.:

    • gestörte Nahrungsaufnahme (über längere Zeit)
    • Fehlernährung bei alternativer Ernährung
    • mangelnde Fürsorge.

 

 Prof. Dr. med. Christel Hülße Foto: © DGK

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Anfragen an: Frau Anke Rabenau, Tel.: (0 64 21) 2 93 - 1 20,

E-Mail: anke.rabenau(à)kilian.de


AKTUELLES:
Oberfranken im Februar: Kind starb durch C-Meningokokken (1.581 Zeichen)

 

(dgk) Im Kreis Forchheim in Franken ist am 3. Februar, ein anderthalb Jahre altes Mädchen an bakterieller Hirnhautentzündung gestorben. Ursache war laut Gesundheitsamt einen Infektion mit Meningokokken des Typs C. Das ist besonders tragisch, weil in diesem speziellen Fall eine Impfung das Kind geschützt hätte.

Das Mädchen hatte noch am Tag vor seinem Tod mit den Eltern einen Kinderfasching besucht. In-zwischen wurden die Festteilnehmer vom Gesundheitsamt aufgerufen, einen Arzt aufzusuchen und sich gegebenenfalls vorbeugend mit Antibiotika behandeln zu lassen. Meningokokken verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion. Das heißt schon durch wenige Tropfen, die beim Husten oder Niesen durch die Luft geschleudert werden, können sich andere anstecken.

Das Mädchen bekam am Abend nach dem Fest hohes Fieber. Die Eltern gaben dem Kind Fieberzäpfchen und suchten am nächsten Morgen den Arzt auf. Da zeigte das Kind schon Hautblutungen. Der Zustand verschlechterte sich dramatisch und das Kind starb noch am Morgen. So schnelle Verläufe sind typisch für Meningokokken- Erkrankungen. Beim geringsten Verdacht auf Hirnhautentzündung ist es deshalb lebenswichtig, schnell einen Arzt aufzusuchen.

Treten in einer Region gehäuft Meningokokken-Fälle auf, können die Gesundheitsämter den betroffenen Bevölkerungsgruppen eine Impfung empfehlen, wenn es sich wie in diesem Fall um einen Bakterienstamm handelt, gegen den man impfen kann.

Weitere Informationen zu aktuellen Meningokokken-Fällen und zur Impfung
unter www.agmk.de .


Norditalien impft gegen Hirnhautentzündung (665 Zeichen)
 

(dgk) In der Region um Magenta (bei Mailand) werden seit dem 20. Januar 2003 Reihenimpfungen durchgeführt. Etwa 10.000 Kinder und Jugendliche werden mit Konjugatimpfstoff gegen Meningokokken vom Typ C geschützt. Obwohl in der Lombardei bereits im September 2002 ein Impfprogramm lief, kam es in Magenta innerhalb von 45 Tagen zu sechs Fällen bakterieller Hirnhautentzündung (Meningitis). Insgesamt verzeichneten die Gesundheitsbehörden der Lombardei im vergangenen Jahr 187 Meningitis-Fälle. In den vergangenen neun Jahren waren Pneumokokken und Meningokokken Hauptverursacher bakterieller Hirnhautentzündungen in Italien.


Mumps macht schwerhörig (1.773 Zeichen)
 

(dgk) Jeder denkt bei Mumps sofort an "dicke Backen". Das klassische Krankheitssymptom ist die Entzündung der Ohrspeicheldrüse, durch deren Schwellung die typischen Hamsterbacken entstehen. In 10 bis 15 Prozent der Fälle entzünden sich die Hirnhäute, es kommt zur Meningitis. Eine Mumps-Meningitis bedeutet zudem Gefahr für das Gehör. Mumps ist auch heutzutage noch eine der häufigsten Ursachen für bleibende Schwerhörigkeit bei Kindern; in seltenen Fällen bleibt das Ohr sogar taub. Um das zu verhindern, werden für alle Kinder unter zwei Jahren zwei Mumps-Impfungen empfohlen, in Kombination mit der Masern- und der Röteln-Impfung.

Auch die Bauchspeicheldrüse und die Geschlechtsdrüsen können vom Mumps-Virus befallen werden. So kommt es bei jedem vierten jugendlichen und erwachsenen Mann zu einer Schwellung und Entzündung der Hoden, bei jungen Mädchen und Frauen können die Eierstöcke betroffen sein. Grund genug dafür zu sorgen, dass alle Jugendlichen tatsächlich sicher vor Mumps geschützt sind. Das Robert Koch-Institut berichtet aber, dass nur jeder fünfte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren einen ausreichenden Impfschutz gegen Mumps hat. Wer also als Jugendlicher noch nicht über die beiden Masern-, Mumps- und Röteln-Impfungen (MMR) verfügt, sollte dies dringend nachholen. Geimpft sein sollten auch alle Beschäftigten in der Kinderheilkunde, Kinderheimen und Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter, die noch nicht gegen Mumps immun sind. Nach Kontakt zu einem Mumpskranken kann noch innerhalb von drei Tagen geimpft werden. Geimpft werden sollte am besten mit mit einem Masern-Mumps-Röteln- Kombinationsimpfstoff, so die Ständige Impfkommission - unabhängig davon, ob eine der Infektionen bereits durchgemacht worden ist.


Lachende Kinder Foto: © DGK

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Beinschmerzen - Zeichen einer Hirnhautentzündung? (1.441 Zeichen)
 

(dgk) Klagt Ihr Kind über Schmerzen in Beinen oder Armen, hat es Fieber und will nicht laufen? Seien Sie auf der Hut: Schmerzen in den Extremitäten können frühzeitig auf Meningokokken-Erkrankungen hinweisen. Auch bei Patienten, bei denen sonst noch kein Verdacht auf eine solche Krankheit vorliegt, können sie ein erstes Warnsignal sein.

Jeder sechste Patient unter 20 Jahren mit schwerer Meningokokken-Infektion hat Schmerzen in Armen oder Beinen. Dies zeigt eine kalifornische Studie, die von 1985 bis 1996 Daten aus drei Kinder-Zentren ausgewertet hat. In diesem Zeitraum erkrankten in Kalifornien 274 Kinder und Jugendliche an einer Meningokokken- Infektion. 45 der Patienten (16 Prozent) klagten vor oder zum Zeitpunkt der Diagnose über schmerzende Ex-tremitäten oder weigerten sich zu laufen. Vor allem ältere Kinder waren betroffen. Das Fieber war im Schnitt um 0,4 Grad Celsius geringer als bei Kindern ohne entsprechende Schmerzen.

Bei etwa einem Viertel der Patienten lag vor der Diagnose kein Verdacht auf eine Meningokokken-Infektion vor. Fünf von ihnen (sieben Prozent) hatten zum Zeitpunkt der Diagnose Schmerzen an Armen oder Beinen.
Meningokokken-Infektionen können sehr schwer verlaufen und bei einer Hirnhautentzündung zu dauerhaften Schäden am zentralen Nervensystem oder zum Tod führen. Wichtig ist eine frühe Diagnose, um die Erkrankten schnell mit Antibiotika zu behandeln.


Mutter mit Junge auf dem Arm Foto: © DGK

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Finnland frei von Masern (2.793 Zeichen)
 

(dgk) Bereits in der PISA-Studie hatte Finnland gut abgeschnitten. Jetzt stellt ihm auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorragende Noten aus. Seit sechs Jahren ist Finnland frei von Masern - zehn Jahre früher als vorgesehen. Bis zum Jahr 2007 sollen die Masern in ganz Europa "eliminiert" sein, lautet das Ziel der WHO. Das heißt, es gäbe nur noch eingeschleppte Fälle, das Masern-Virus zirkulierte nicht mehr in der einheimischen Bevölkerung.

Finnlands Weg zum Erfolg begann 1982. Auf freiwilliger Basis und kostenlos wurde für alle Kinder die zweifache Masern-, Mumps- und Rötelnimpfung (MMR-Impfung) angeboten. Die erste Impfung fand mit 14 bis 18 Monaten statt, die zweite im Alter von 6 Jahren. Den Jahrgängen dazwischen wurde ebenfalls gezielt die Impfung empfohlen. So gelang es, in Finnland innerhalb von vier Jahren eine Impfrate von 81 Prozent zu erreichen. Gleichzeitig sank die Anzahl der Masernkranken pro Jahr um 93 Prozent. Weitere Maßnahmen halfen das Erreichte noch zu verbessern: Der Impfschutz wurde zu verschiedenen Anlässen (etwa bei Eintritt in den Wehrdienst) überprüft und vervollständigt. Eltern nicht geimpfter Kinder wurden auf die fehlende Impfung aufmerksam gemacht, eine Aufklärungskampagne ging durch die Medien, und seit 1987 wird jeder Masernverdacht im Labor überprüft. Die Impfrate konnte so auf 96 Prozent erhöht werden. Ein Jahr nachdem die Masern eliminiert waren, gelang dies auch für Mumps und Röteln.

Deutschland bekennt sich ebenfalls zum Ziel der WHO, die Masern bis 2007 zu eliminieren. Ob es dieses Ziel erreichen wird, ist jedoch ungewiss. Die Durchimpfungsraten lassen noch viel zu wünschen übrig. Die Masernimpfung wurde in beiden Teilen Deutschlands unabhängig voneinander zu Beginn der 70er-Jahre eingeführt. Seit 1991 ist die MMR-Impfung Bestandteil des Impfkalenders. Heutzutage wird sie für alle Kinder ab einem Alter von 11 Monaten zwei Mal innerhalb eines Jahres empfohlen. Vergleichbare Impfraten wie in Finnland erreichen allerdings nur die neuen Bundesländer: Hier haben die Erstklässler zu fast 95 Prozent mindestens die erste MMR-Impfung erhalten. In den alten Bundesländern sind es knapp unter 90 Prozent. Da die Masern sehr ansteckend sind, ist das aber zu wenig: Für einen sicheren Schutz sind zwei Impfungen notwendig. Die zweite MMR- Impfung haben in Deutschland aber im Schnitt nur ein Fünftel der Erstklässler erhalten. Masern können schwere Komplikationen nach sich ziehen, wie Lungen- oder Hirnentzündung. Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind diese Komplikationen häufiger als bei Kleinkindern. Schutz bietet nur die rechtzeitige Impfung. Diese sollte vor-zugsweise mit einem Masern-Mumps-Röteln- Kombinationsimpfstoff erfolgen, auch wenn eine der Infektionen bereits durchgemacht worden ist.


Infektionen des zentralen Nervensystems in Niedersachsen (1.404 Zeichen)
 

(dgk) Besonders Kinder und Jugendliche sind durch Hirnhaut- oder Hirnentzündungen gefährdet. Rund zwei Drittel aller in Niedersachsen gemeldeten Infektionen des zentralen Nervensystems betrafen Kinder unter 15 Jahren. Dies berichtete aktuell das Niedersächsische Landesge-sundheitsamt. Die Daten stammen aus einem besonderen Meldesystem. Im Zeitraum von Juli 1998 bis Dezember 2000 meldeten 22 Gesundheitsämter insgesamt 628 Fälle, davon 25 mit Todesfolge - meist nach Infektion mit Bakterien.

Häufigste bakterielle Erreger waren Meningokokken (23 Prozent), gefolgt von Pneumokokken (17 Prozent) und Borreliose-Erreger (16 Prozent). Sie verursachten mehr als die Hälfte (56 Prozent) aller gemeldeten bakteriellen Hirnhautentzündungen.

Waren Viren Auslöser einer Entzündung der Hirnhäute beziehungsweise des Gehirns, handelte es sich zu zwei Dritteln um bestimmte, durch Schmierinfektion übertragene Viren (Enteroviren). Virale Infektionen traten vor allem bei unter 16- Jährigen, am häufigsten bei 1- bis 10-Jährigen auf.

Nur wenige Fälle von Infektionen mit Haemophilus influenzae Typ b (Hib) wurden gemeldet. Der Grund: Mehr als 85 Prozent der niedersächsischen Kinder sind gegen diese Bakterien geimpft, wodurch diese Erkrankung zurückgedrängt wurde. Seit Einführung der Impfung 1990 sind Erkrankungen mit diesen Bakterien bundesweit selten geworden.


Januar bis März ist Meningitis-Zeit
Schnelles Handeln rettet Leben (3.167 Zeichen)

 

(dgk) Meningokokken sind Bakterien, die Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung verursachen. Am häufigsten erkranken Kleinkinder und Jugendliche - in Deutschland etwa 800 im Jahr. Von Januar bis März haben Meningokokken Hochkonjunktur. 30 bis 40 Prozent aller Erkrankungen treten in dieser Zeit auf. Übertragen werden die Keime durch Tröpfcheninfektion, also durch Anhusten und Niesen sowie beim Küssen oder Schmusen. Eine Meningokokken-Infektion kann glimpflich verlaufen, aber auch innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Trotz Behandlung treten bei jedem fünften Erkrankten Komplikationen und Spätfolgen wie Hörverlust oder Krampfleiden bis hin zur Amputation auf. Bei jedem zehnten Patienten kommt jedoch jede Hilfe zu spät: Er stirbt. Für Eltern und Jugendliche ist es deshalb wichtig, die Krankheitszeichen früh zu erkennen.


Warnzeichen einer Meningokokken-Infektion
(bei Jugendlichen und Erwachsenen) (2.268 Zeichen)

 

  • hohes Fieber
  • Erbrechen
  • Kopfschmerzen
  • Schüttelfrost
  • Benommenheit bis hin zu Bewusstseinsstörungen
  • plötzlich schweres Krankheitsgefühl
  • Lichtempfindlichkeit
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Nackensteifigkeit
  • rot-violette Hautflecken


Diese Warnzeichen müssen nicht alle gleichzeitig auftreten, sie können sich auch innerhalb weniger Stunden oder Tage entwickeln. Manche Anzeichen können auch fehlen.

Verdacht auf Meningitis?

Wenn Sie den Verdacht haben, ein Kind oder Jugendlicher leide an Meningitis, suchen Sie sofort einen Arzt oder eine Klinik auf! Wenige Stunden können jetzt über Leben und Tod entscheiden. Teilen Sie deshalb bei der Anmeldung mit, dass Sie eine Meningitis vermuten und bestehen Sie darauf, dass schnell untersucht wird.

Vorbeugen

Eine Meningokokken-Erkrankung wird sofort mit Antibiotika behandelt. Alle Personen, die engen Kontakt mit dem Erkrankten hatten, erhalten ebenfalls vorsorglich Antibiotika. In Deutschland herrschen Erkrankungen mit Meningokokken vom Typ B vor, gefolgt von C-Erkrankungen mit etwa 20 Prozent. Im Süden sind C- Meningokokken häufiger. Gegen Typ B gibt es keinen Impfstoff, gegen Typ C gibt es jetzt Konjugat-Impfstoffe, die langfristigen Schutz bieten. Gegen weitere Erregertypen (A, C, W135 und Y), die hierzulande aber selten sind, werden so genannte Polysaccharid-Impfstoffe eingesetzt. Sie werden zum Beispiel für Reisen nach Afrika oder Saudi-Arabien (Mekka) empfohlen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen Schülern und Austauschstudenten die Imp-fung mit Meningokokken-C-Konjugat-Impfstoffen, die zum Beispiel Aufenthalte in Großbritannien, Irland, den Niederlanden, den drei Pyrenäen-Departements Frankreichs, Spanien, Griechenland oder den flämischen Provinzen Belgiens planen. Hier herrschen Infektionen mit dem Meningokokken-Typ C vor, weshalb dort Impfprogramme mit den neuen konjugierten Meningokokken-C- Impfstoffen durchgeführt werden. Weiter wird die Impfung mit diesen Impfstoffen Personen empfohlen, die aufgrund einer Erkrankung des Immunsystems besonders gefährdet sind. Bei Reisen außerhalb Europas, etwa in die USA oder nach Saudi- Arabien (Mekka), wird mit einem Vierfach-Meningokokken-Impfstoff geimpft.


Meningokokken stark vergrößert
Foto: © Chiron Behring GmbH & Co., Marburg

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Ein anderer Typ macht sich breit
Meningokokken-Typ W135 in Afrika (785 Zeichen)

 

(dgk) In Burkina Faso starben im Februar vergangenen Jahres 1.400 Menschen an einer Meningitis durch Meningokokken Typ W135. Dieser Typ war in Afrika bisher nur selten aufgetreten. Meist verursachten Meningokokken der Serogruppen A und C die jährlichen Epidemien, die in der Trockenzeit im so genannten Meningitisgürtel von Senegal bis Äthiopien auftreten. Experten befürchten, der Serotyp W135 werde sich ausbreiten. Jährlich sterben weltweit rund 170.000 Menschen an Hirnhautentzündung, die meisten von ihnen in Afrika. Reisenden in den Meningitisgürtel, die voraussichtlich engen Kontakt zur Bevölkerung haben, wird daher ein Impfstoff empfohlen, der gleichzeitig gegen Meningokokken vom Typ A, C, W135 und Y schützt.


Kinderkrankheiten - Nutzen oder Schaden? (3.187 Zeichen)
 

(dgk) Die 41-jährige Anna S. kennt die Sorgen der Eltern, wenn es um das Impfen der Kinder geht. Sie kann die Angst vor möglichen Impfschäden und die Vorurteile vieler nicht nachvollziehen. Anna S. musste am eigenem Leib erfahren, wie gefährlich eine scheinbar harmlose Kinderkrankheit verlaufen kann - denn als sie ein Kind war, wurde noch nicht gegen Mumps geimpft. Ein Erfahrungsbericht:

Durch meinen Beruf als Arzthelferin lerne ich oft besorgte Eltern kennen, die vor der Entscheidung stehen, ihr Kind impfen zu lassen oder nicht. "Ich habe aber gelesen, dass Kinderkrankheiten ganz harmlos sind und es viel gefährlicher ist, Kinder impfen zu lassen, da es zu Impfschäden kommen kann" oder "Ich habe gehört, dass das Durchmachen von Kinderkrankheiten die Entwicklung des Kindes fördert" sind häufige Äußerungen. An die-ser Stelle möchte ich nun als ehemals Betroffene diesen Vorurteilen entgegentreten und dazu beitragen, dass solche Aussagen in Zukunft seltener werden.

Im Alter von sechs Jahren erkrankte ich an Mumps. Eine Impfung gab es damals noch nicht. Der Mumps verlief "harmlos", das heißt nur mit einer leichten Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, geringen Schmerzen und ohne Fieber. Die Folgen allerdings waren schlimm. Ich erkrankte an einer so genannten Mumps-Meningitis, einer Hirnhautentzündung, die im Zuge der Krankheit auftreten kann und in den allermeisten Fällen ohne bleibende Schäden abheilt. Medizinisch gesehen ist das sicher richtig. Geblieben ist mir jedoch die Erinnerung an eine unglückliche und schmerzvolle Zeit sowie eine lebenslange, tiefsitzende Angst, erneut an einer Meningitis - gleich welcher Ursache - zu erkranken.

Die Zeit der Krankheit habe ich - soweit ich bei Bewusstsein war - als eine der schlimmsten Erfahrungen meines Lebens verbucht: Ich hatte permanent hämmernde Kopfschmerzen, konnte meinen Kopf im Liegen nicht heben, geschweige denn aufstehen. Jede Bewegung führte zu heftiger Übelkeit und Erbrechen. Ich habe phantasiert, war nicht ansprechbar, konnte nichts essen und lag nur, von Schmerzen gepeinigt, apathisch im Bett. Erst nach etwa zwei Wochen trat eine Besserung ein, und ich zeigte langsam wieder Interesse an meiner Umgebung. Spielen oder Bücher anschauen konnte ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht.

Ich kann nicht verstehen, wie sich immer noch so nachhaltig der Glauben hält, Kinderkrankheiten seien harmlos. Ich hätte auf diese Erfahrung jedenfalls gut verzichten können. Sie hat mich auch nicht "weitergebracht", sondern mich sechs Wochen Ausfall in der Schule gekostet, von allen anderen Unannehmlichkeiten ganz zu schweigen.

Daher kann ich allen Eltern nur empfehlen, sich von ihrem Kinderarzt oder einer Impfberatungsstelle gründlich informieren zu lassen und das Für und Wider einer Impfung ausreichend zu bedenken - bevor sie sich gegen eine Impfung ihres Kindes entscheiden. Nicht immer geht es so glimpflich ab wie in meinem Fall. Daher meine Bitte an alle verunsicherten Eltern: Überlegen Sie genau, was Sie Ihrem Kind ohne eine Impfung möglicherweise antun. Heutzutage kann eine Impfung Schlimmes verhindern. Damals wäre ich froh gewesen über einen solchen Schutz.


ÜBERSICHT:
Impfungen zum Schutz vor Meningitis (2.521 Zeichen)
 

Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut vom Juli 2002

Impfung gegen

Wer wird geimpft?

Impfstoffe

FSME*

Personen, die in einem Risikogebiet für FSME (innerhalb Deutschlands oder im Ausland) von Zecken gestochen werden könnten (z. B. Wanderer, Camper, Förster)

ab 1 bis 11 Jahre: Kinderimpfstoff

ab 12 Jahren bzw. ab 16 Jahren: Erwachsenenimpfstoffe je nach Impfstoff

Haemophilus influenzae Typ b (Hib)

alle Säuglinge und Kleinkinder
3 oder 4 Mal mit 2 bis 14 Monaten
Personen, deren Milz fehlt oder nicht funktioniert

Konjugat-Impfstoff kombiniert mit anderen Säuglings-Impfstoffen

Konjugat-Impfstoff

Masern

alle Säuglinge und Kleinkinder
möglichst früh; 2 Mal mit 11 bis 23 Monaten
bisher nicht oder unvollständig geimpfte Jugendliche

Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff

Mumps

alle Säuglinge und Kleinkinder
möglichst früh; 2-Mal mit 11 bis 23 Monaten
bisher nicht oder unvollständig geimpfte Jugendliche

Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff

Meningokokken

 

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Störungen im Immunsystem (z. B. ohne Milz)

 

 

 
Reisende in Länder mit vielen Meningokokken-fällen besonders bei engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung

 

 

 
Vor Pilgerreise nach Saudi-Arabien (Hadsch)

 

 
Schüler/Studenten vor Langzeit-Aufenthalten in Ländern mit Impfempfehlungen für diese Altersgruppe
bei Ausbrüchen oder regionalen Häufungen in Deutschland

unter 2 Jahren: Konjugat-Impfstoff gegen Typ C, ab 2 Jahren ergänzt durch eine Impfung mit Polysaccharid-Impfstoff gegen die Typen A, C, W135, Y

ab 2 Jahren: Polysaccharid-Impfstoffe gegen die Typen A, C oder A, C, W135, Y

unter 2 Jahren: Konjugat-Impfstoff gegen Typ C (bei Bedarf auch ältere Kinder und Erwachsene)**

Polysaccharid-Impfstoff gegen die Typen A, C, W135, Y

 

 

entsprechend den Empfehlungen der Zielländer (z. B. England, Irland, die Niederlande, Spanien)

entsprechend den Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

Pneumokokken

alle Personen über 60 Jahre
Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Störungen im Immunsystem (z. B. ohne Milz) oder chronischen Krankheiten (z. B. Herz-Kreislauf, Diabetes)
Kinder, die zu früh oder zu leicht geboren werden, an Entwicklungsverzögerungen oder Krankheiten des Nervensystems leiden

ab 2 Jahren: Polysaccharid-Impfstoff

unter 2 Jahren: Konjugat-Impfstoff, ab 2 Jahren gefolgt von einer Impfung mit Polysaccharid-Impfstoff

* Frühsommer-Meningoenzephalitis

** Dieser Impfstoff ist auch dann sinnvoll, wenn nicht nur ein kurzfristiger Schutz gegen den Typ C erreicht werden soll.


MELDUNGEN:
Ohne Milz geboren: Häufig führen erst schwere Pneumokokken-Infektionen auf die Spur (1.433 Zeichen)
 

(dgk) Erkranken Kinder an einer Blutvergiftung (Sepsis) durch Pneumokokken-Bakterien, sollte per Bluttest und Ultraschall untersucht werden, ob die Milz vorhanden ist. Zu diesem Schluss kommen Forscher an der Unite de Genetique Clinique in Limoges-Cedex, Frankreich. Das angeborene Fehlen der Milz ist in mehr als der Hälfte der bisher beschriebenen Fälle erblich bedingt und somit familiär gehäuft.

Kinder, die ohne Milz geboren werden, zeigen zunächst keine Krankheitszeichen. Sie sind aber sehr anfällig für Infektionen mit bestimmten Bakterien: Besonders Pneumokokken breiten sich ungehindert aus. Gelangen sie ins Blut, kann diese Sepsis schnell lebensbedrohlich werden. Die Bakterien können eitrige Entzündungen der Hirnhäute verursachen, an denen jeder fünfte Patient stirbt. Viele Überlebende tragen Dauerschäden an Hirn und Nerven davon.

Fehlt die Milz, sollte den lebensgefährlichen Bakterieninfektionen mit Antibiotika vorgebeugt werden. Langfristig schützt eine Impfung gegen Pneumokokken.

Genauso gefährdet sind auch Menschen, deren Milz nicht funktioniert oder denen, beispielsweise nach einem Unfall, die Milz entfernt wurde. Sie benötigen ebenfalls einen ausreichenden Impfschutz gegen Pneumokokken und eventuell eine Antibiotika-Prophylaxe. Auch gegen Meningokokken und Hib (Haemophilus influenzae Typ b) sollten sie sich impfen lassen.


Blutabnahme

Foto: © DGK

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Typische Zeichen - oder auch nicht!
Klassische Zeichen bei der Diagnose Meningitis nicht eindeutig (1.281 Zeichen)

 

(dgk) Zu den klassischen Anzeichen für eine Meningitis zählen die Nackensteifigkeit sowie das Kernig- und das Brudzinski-Zeichen. Nackensteifigkeit liegt vor, wenn der Arzt den Kopf des liegenden Patienten anheben will und der Erkrankte sich aufgrund von Schmerzen widersetzt. Zieht dieser dabei die Beine an, ist das Brudzinski- Zeichen positiv. Wenn ein sitzender Patient die Knie nicht gerade strecken kann, ist das Kernig-Zeichen positiv.

Mediziner der Yale-Universität in den USA gingen der Frage nach, wie genau und hilfreich diese drei klassischen Anzeichen für die Diagnose einer Meningitis sind. Sie untersuchten deshalb vier Jahre lang insgesamt 297 Patienten ab 16 Jahren, die sich mit Meningitis-Symptomen in der Notaufnahme vorgestellt hatten. Bei allen wurde eine Lumbalpunktion vorgenommen; dabei gewinnt der Arzt Gehirn- Rückenmark-Flüssigkeit aus dem Rückenmarkskanal in Höhe der Lendenwirbel.

Das Fazit der Studie lautet: Bei der Diagnose der Meningitis sind das Kernig- und das Brudzinski-Zeichen sowie die Nackensteifigkeit insgesamt nicht hilfreich. Zum Beispiel war bei vier Patienten mit schwerer Meningitis allein das klinische Zeichen Nackensteifigkeit vorhanden.


HINTERGRUND:
Wenn der Nacken steif wird
Meningitis - lebensgefährliche Entzündung der Hirnhäute (3.371 Zeichen)

 

(dgk) Entzündete Hirnhäute (Meningen) führen zu Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteife. Auch Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleiten eine Meningitis. Bei Meningokokken-Meningitis treten außerdem in drei Viertel der Fälle Hautausschläge auf. Bei Säuglingen können wichtige Krankheitszeichen fehlen, jedoch zeigen sie typischerweise eine vorgewölbte, pralle Fontanelle. An dieser Stelle ist die Schädeldecke noch nicht geschlossen.

Bakterielle Meningitis


Bakterien verursachen bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Tuberkulose-Erreger) eitrige Hirnhautentzündungen, die sofort mit Antibiotika behandelt werden müssen, da Dauerschäden oder Tod drohen. Je nach Erreger sterben zwischen 5 und 20 Prozent der Erkrankten. 1999 wurden in Deutschland 1.955 Fälle einer bakteriellen Meningitis gemeldet, 718 davon wurden durch Meningokokken hervorgerufen, im Jahr 2001 waren es sogar 782.

Bei Säuglingen, Kleinkindern und Erwachsenen rufen Pneumokokken am häufigsten Hirnhautentzündungen hervor, während Meningokokken besonders Kinder und Jugendliche betreffen. Neugeborene sind vor allem durch Gruppe-B-Streptokokken gefährdet.

Virusbedingte Meningitis


Virusbedingte Hirnhautentzündungen verlaufen meist weniger schwer und heilen normalerweise vollständig aus, auch wenn dies manchmal länger dauern kann. So entzünden sich bei jedem zehnten Mumpskranken die Hirnhäute, meist jedoch ohne Komplikationen. Demgegenüber ist eine kombinierte Gehirn- und Hirnhautentzündung (Enzephalomyelitis) die schwerste Komplikation der Masern. Etwa 15 Prozent der Betroffenen sterben, Überlebende zeigen häufig Persönlichkeitsveränderungen und Lähmungen. Weitere Erreger sind vor allem Enteroviren wie Coxsackie- und ECHO-Viren und die in bestimmten Gebieten von Zecken übertragene FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis).

Sonstige Hirnhautentzündungen


Pilze, Einzeller und andere Keime können ebenfalls Meningitis hervorrufen; ebenso kommen Bleivergiftungen, Strahlen (auch Sonne!), Tumore und eine Reihe anderer Krankheiten als Ursache in Frage.

Vorbeugung


Antibiotika werden eingesetzt, wenn Personen in der engsten Umgebung an einer bakteriellen Meningitis erkrankt sind.

Impfstoffe zeigen langfristig Erfolg: Das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b (Hib) war der häufigste Erreger von Meningitis bei Säuglingen. Seitdem dagegen geimpft wird, gibt es kaum noch Fälle.
In Deutschland tritt am häufigsten die Serogruppe B der Meningokokken auf. Gegen diese Gruppe gibt es keinen Impfstoff. Geimpft werden kann aber gegen Erkrankungen durch Meningokokken C. Ab einem Alter von zwölf Monaten reicht eine einzige Impfung mit den neuen Konjugat-Impfstoffen aus. Meningokokken- Impfstoffe gegen die Gruppen A, C, Y und W135 sind vor allem für Auslandsreisende wichtig. Sie werden aber auch bei Menschen mit Immunschwäche oder ohne Milz angewendet, die besonders durch bakterielle Meningitis gefährdet sind. In diesen Fällen wird zunächst mit Konjugat-Impfstoff vorgeimpft. Außerdem sollten diese Personen sowie chronisch Kranke, Frühgeborene, Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht, Entwicklungsverzögerungen oder neurologischen Krankheiten auch gegen Pneumokokken geimpft werden.
Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung schützt sowohl vor der Mumps-Meningitis als auch der gefährlicheren Entzündung des Gehirns durch Masernviren.


Krankheit verschwunden: Hib-Meningitis (2.573 Zeichen)
 

(dgk) Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts ist es gelungen, eine Gruppe Kranker fast vollständig aus den Krankenhäusern verschwinden zu lassen: Kinder mit eitriger Hirnhautentzündung durch das Hib-Bakterium.

Krankheitsbild


Krankheiten, die Haemophilus influenzae Typ b (Hib) verursacht, gehören zu den schwersten bakteriellen Infekten der ersten fünf Lebensjahre. Am gefährlichsten ist der Erreger für Kinder zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat. Was als fieberhafte Infektion des Nasen-Rachen-Raums beginnt, kann zur Bronchitis, Mittelohr-, Nasennebenhöhlen- und Lungenentzündung führen. Gefürchtet ist die eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis). Ohne ärztliche Hilfe sterben 60 bis 90 Prozent der daran Erkrankten. Aber auch wenn frühzeitig Antibiotika gegeben werden, sterben mehr als fünf Prozent der Patienten. Bis zu 30 Prozent der Überlebenden behalten Schäden am Nervensystem wie Hör-- und Sehstörungen und geistige Beeinträchtigungen zurück. Weitere Komplikationen einer Hib-Infektion können plötzlich einsetzende Kehldeckel-Entzündung mit Erstickungsgefahr sowie Brustfell-, Gelenk- oder Knochenhautentzündung und Blutvergiftung sein.

Daten und Fakten


Eine Meldepflicht für Hib-Erkrankungen gibt es erst seit dem Jahr 2001. Experten schätzen, dass vor 1990 in den alten Bundesländern jedes Jahr etwa 1.500 bis 2.000 Hib-Erkrankungen auftraten. Jährlich starben zwischen 65 und 200 Kinder an Hirnhautentzündung. Seit März 1990 wurde für Säuglinge die Hib-Impfung empfohlen. Bereits zwei Jahre später waren Hib-Infektionen und ihre Komplikationen um 80 Prozent zurückgegangen. Dabei waren die meisten Kinder unter fünf Jahren noch gar nicht und viele nur unvollständig geimpft. Forscher vermuten, dass ein positiver Nebeneffekt zu Hilfe gekommen ist: Geimpfte Kinder tragen weniger oder keine Hib-Bakterien mehr im Rachen. Das heißt, sie verbreiten sie auch nicht mehr weiter. In den vergangenen fünf Jahren werden jährlich nur etwa 20 Hib-Fälle bei Kindern unter zehn Jahren festgestellt.

Impfempfehlung


Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Hib-Impfung für Säuglinge ab zwei Monaten. Sie sollten möglichst früh vollständig geimpft sein, denn die Bakterien sind vor allem für die Kleinsten (6. bis 18. Lebensmonat) gefährlich. Impfschutz benötigt außerdem jeder, dessen Milz nicht (mehr) funktioniert - auch Erwachsene. Säuglinge erhalten die Hib-Impfung heute meist in einer Spritze zusammen mit anderen Kinderimpfungen. Wird später geimpft (ab dem 18. Lebensmonat), reicht für den Impfschutz eine Injektion.


FSME - die Zecke als Krankheitsüberträger (3.060 Zeichen)
 

(dgk) Zecken sind weltweit verbreitete blutsaugende Parasiten.
Zweifelhafte Berühmtheit erlangten sie als Überträger von Krankheiten auf Mensch und Tier. Ist eine Zecke mit Krankheitserregern infiziert, so kann ein an und für sich harmloser Zeckenstich zur Gefahr für den Menschen werden.

In Deutschland haben vor allem zwei durch Zecken übertragbare Erkrankungen Bedeutung: die von Bakterien ausgelöste Lyme-Borreliose und die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Diese beiden Krankheiten werden oft miteinander verwechselt.

Im Gegensatz zur weltweit verbreiteten Lyme-Borreliose besteht die Gefahr einer FSME-Erkrankung durch Zeckenstich nur in bestimmten Regionen - in so genannten Endemiegebieten. In Deutschland treten jährlich rund 250 FSME-Fälle auf (laut Robert Koch-Institut (RKI) 254 Erkrankte in 2001), und zwar meistens in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. In den übrigen Bundesgebieten werden nur vereinzelt Erkrankungen an Frühsommer- Meningoenzephalitis registriert. Diese gelten nicht als FSME-Risikogebiete. Ende Juni 2002 aktualisierte das RKI die FSME-Risikogebiete Deutsch-lands. Insgesamt wurde damit 74 Kreise ausgewiesen: 29 in Baden-Württemberg, 40 in Bayern, 3 Kreise in Hessen und je 1 Kreis in Rheinland-Pfalz und Thüringen. Weitere Endemiegebiete gibt es in vielen Ländern Europas, etwa in Finnland, Schweden, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Russland, der Schweiz, Slowenien, Österreich und Ungarn. Eine untergeordnete Bedeutung hat FSME in Frankreich, Griechenland und Italien. Indes wurde in Großbritannien, Portugal, Spanien und den Beneluxländern das Virus bislang nicht nachgewiesen.

FSME-Viren werden mit dem Speichel einer stechenden Zecke, die selbst infiziert ist, übertragen. Warmblütige Wild- und Haustiere beherbergen das Virus. Von ihnen nimmt die Zecke es beim Blutsaugen auf. Bevorzugte Einstichstellen beim Menschen sind die behaarte Kopfhaut, Ohren, Hals, Arm- und Kniebeugen, die Leistenregion sowie Hände und Füße.

Nach einer Inkubationszeit von 5 bis 14 Tagen beginnt bei knapp 30 Prozent der Infizierten die zweiphasige Krankheit mit grippeähnlichen, unspezifischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Fieber, Schnupfen. In dieser Zeit endet die Krankheit, wenn der Organismus Antikörper bildet.

Bei ungefähr jedem dritten Patienten kommt es jedoch nach etwa einer Woche erneut zu Fieber. Der Erreger verursacht Infektionen der Hirnhaut, des Gehirns und des Rückenmarks (Hirnhaut-Entzündung: Meningitis; Entzündung des Gehirns: Enzephalitis). Von diesen Patienten sterben etwa ein Prozent, und jeder Zehnte wird dauerhaft geschädigt. Je älter der Patient, desto schwerer verläuft die Krankheit.

Die Zahl der Erkrankungen ist abhängig von klimatischen Schwankungen. In Jahren mit mäßig kaltem Winter ist die Zecken-Aktivität im Frühsommer und damit die Virusübertragung hoch. Je wärmer die Sommer sind, desto häufiger halten sich die Menschen im Freien auf und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch Zeckenstiche.


Karte der FSME-Gebiete in Süddeutschland
Foto: © Robert Koch-Institut, Berlin

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Anfragen an: Frau Anke Rabenau, Tel.: (0 64 21) 2 93 - 1 20,
E-Mail: anke.rabenau(à)kilian.de



SERVICE:
Erste Nationale Impfwoche 5. bis 11. Mai 2003 (1.223 Zeichen)
 

(dgk) Mit Hilfe ehrenamtlicher Mitträger und Aktionspartner werden vom 5. bis zum 11. Mai 2003 bundesweit Veranstaltungen und Aktionen zum Thema Impfen stattfinden. Begleitet werden diese Aktivitäten von einem Sonderzug, dem "Zug fürs Impfen". Dieser Zug wird während der Impfwoche sieben Bahnhöfe ansteuern (Berlin, Leipzig, München, Frankfurt/M., Hamburg, Köln und Potsdam), wo jeweils ein spezielles Impfthema im Mittelpunkt steht. Dazu gibt es Impfberatungen, Live-Talks mit prominenten Gästen, Gewinnspiele und vieles mehr. Die Erste Nationale Impfwoche wird ausgerichtet vom Deutschen Grünen Kreuz e. V. und steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung.

Weitere Informationen unter www.nationale-impfwoche.de. Dort finden alle Interessierten auch einen Anmeldebogen, Termine und Materialien rund um die Impfwoche.

Hotline ab Mitte März

Die Hotline der Ersten Nationalen Impfwoche startet bereits am 17. März 2003 und steht bis zum 16. Mai 2003 zur Verfügung. Unter der Nummer 08 00 / 0 11 21 18 können Sie unsere Experten am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr und am Mittwoch von 14 bis 16 Uhr erreichen.


Erste Nationale Impfwoche

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