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Pressedienst Deutsche Gesundheits-Korrespondenz
dgk, Jg. 51, 9 - 2010

Neues von Masern, Röteln, Grippe und Co.
Die aktuellen STIKO-Empfehlungen mit vielen Neuerungen veröffentlicht
(3.662 Zeichen)

(dgk) Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat im August die aktuellen Empfehlungen für das Jahr 2010 veröffentlicht. Das Wichtigste: Die Impfung gegen Masern, eine der gefährlichsten „Kinderkrankheiten“, wird jetzt auch für Erwachsene empfohlen, und zwar für alle, die nach 1970 geborenen wurden und noch keinen ausreichenden Impfschutz gegen Masern haben. Wer bislang also noch gar nicht oder nur einmal geimpft wurde, sollte jetzt die Impfung erhalten. Und zwar nicht alleine gegen Masern, sondern vorzugsweise mit einem Kombinationsimpfstoff gleichzeitig auch gegen Mumps und Röteln. Diese Empfehlung gilt auch für alle, bei denen unbekannt ist, ob sie überhaupt geimpft wurden und wie oft, zum Beispiel weil das Impfbuch abhanden gekommen ist.

Masern-Ausbrüche verhindern
Immer wieder werden in Deutschland Masern-Ausbrüche gemeldet. Oftmals erkranken dann Jugendliche und jüngere Erwachsene, denn in diesen Altersgruppen bestehen die größten Impflücken. Um den Erreger so wirksam einzudämmen, dass er nicht mehr zirkulieren kann, müssen 95 Prozent der Bevölkerung einen sicheren Schutz besitzen. In manchen Regionen Deutschlands ist dieses Ziel bereits bei den Kindern erreicht. Die aktuelle Empfehlung soll nun dazu beitragen, den Impfschutz auch bei den jüngeren Erwachsenen zu verbessern. Und auch bei Jugendlichen gilt es noch, Impflücken zu schließen und die STIKO-Empfehlung, spätestens bis zum 18. Geburtstag fehlende Masern-Mumps-Röteln-Impfungen nachzuholen, konsequent umzusetzen.

Röteln-Impfung für junge Frauen
Nicht nur eine, sondern zwei Impfungen gegen Röteln sollte ab sofort jede Frau haben, die schwanger werden könnte. Denn Röteln sind für das Ungeborene sehr gefährlich, vor allem wenn eine Frau in den ersten Schwangerschaftsmonaten daran erkrankt. Die aktuelle Empfehlung sieht vor, dass in der Kindheit ungeimpfte Frauen im gebärfähigen Alter und Frauen, bei denen unbekannt ist, ob und wie sie geimpft wurden, zwei Röteln-Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen erhalten sollen. Einmal geimpfte Frauen sollten eine zweite Impfung bekommen; fehlt auch der Mumps- oder Masern-Schutz, wird ein Kombinations-impfstoff empfohlen. Sind zwei Impfungen dokumentiert, ist die Überprüfung des Titers durch eine Blutuntersuchung nicht mehr erforderlich.

Influenza-Impfung für Schwangere empfohlen
Die Grippe-Impfung mit dem üblichen saisonalen Impfstoff wird nun auch allen schwangeren Frauen empfohlen, da sie bei Erkrankung ein deutlich erhöhtes Risiko von Komplikationen haben. Gesunde Schwangere sollen die Impfung vorzugsweise ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel erhalten, für Schwangere mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge einer chronischen Grundkrankheit wird die Impfung bereits ab dem ersten Drittel empfohlen. Die Pandemie („Schweinegrippe“), die vergangenes Jahr die Bevölkerung und die Medien in Atem gehalten hat, ist vorüber. Den Erreger gibt es aber noch, daher wurde er in den normalen saisonalen Impfstoff aufgenommen. Selbstverständlich sollten neben den Schwangeren auch weiterhin alle Risikogruppen – Menschen ab 60 Jahre, Menschen mit chronischen Grundkrankheiten sowie alle mit erhöhter Ansteckungsgefahr durch Kontakt mit vielen Menschen – die jährliche Grippe-Impfung erhalten. Die beste Zeit für die Impfung sind die Herbstmonate.

Das Deutsche Grüne Kreuz bietet zu allen Impfungen Aufklärungsbögen an, die die Impfauf-klärung in der Arztpraxis erleichtern und die derzeit nach den aktuellen STIKO-Empfehlungen vom August 2010 auf den neuesten Stand gebracht werden. Informationen dazu finden interessierte Ärztinnen und Ärzte unter
http://dgk.de/fachleute/impf-aufklaerungsboegen.html

Sind Sie für den Notfall gerüstet?
Eine gut ausgestattete Hausapotheke hilft bei kleinen Verletzungen
(3.468 Zeichen)

(RaIA/dgk) Schürfwunde, Brandblase, Prellung – Verletzungen gehören zum Alltag. Eine gut sortierte Hausapotheke hilft, im Notfall schnell Erste Hilfe leisten zu können, berichtet der „Ratgeber aus Ihrer Apotheke“ in der Ausgabe 9B/2010 (erhältlich ab 15. September).

Immer dann, wenn niemand damit rechnet, passieren Unfälle. Meist sind es kleine Missgeschicke wie ein Schnitt in den Finger beim Gemüseputzen oder eine leichte Prellung bei Spiel und Sport. Sie sind kein Grund zur Panik; trotzdem müssen sie schnell und richtig verarztet werden.

Offene Schnitt-, Schürf- oder Platzwunden brauchen Zeit, um wieder zu verheilen. Bei einem kleinen Kratzer dauert die vollständige Heilung meist nur ein bis zwei Wochen, bei einer größeren Blessur kann der Heilungsprozess auch schon mal mehrere Monate in Anspruch nehmen. In der Regel reicht es aus, die Wunde zu säubern und anschließend ein Pflaster als Wundauflage aufzukleben. Großflächige Wunden sollten allerdings mit einer Kompresse versorgt werden, die mit einer Mullbinde abgedeckt wird. Bei Schwellungen oder Brandwunden eignet sich eine Kühlkompresse. Eine Desinfektion der verletzten Haut ist sinnvoll, wenn die Wunde verschmutzt ist oder ein erhöhtes Entzündungsrisiko besteht, was beispielsweise bei Schürf- oder Bisswunden der Fall ist. Mittlerweile hat sich in Expertenkreisen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Wundheilung unter feuchten Bedingungen schneller und besser abläuft. Der Grund: Enzyme, Botenstoffe und die Immunabwehr arbeiten im feuchten Wundmilieu auf Hochtouren. Deshalb reduziert sich in feucht gehaltenen Wunden auch das Infektionsrisiko. In der Apotheke gibt es moderne Wundauflagen zur feuchten Wundbehandlung.

Bei kleineren Verbrühungen oder Verbrennungen ist die Kaltwasserbehandlung die Erste-Hilfe-Maßnahme der Wahl. Umgehend sollten Betroffene die geschädigte Hautpartie mindestens zehn Minuten lang unter kaltem Wasser (etwa 20 Grad Celsius) kühlen. Möglich ist alternativ auch eine Kühl-Akku-Anwendung (nicht direkt auf die Haut legen, sondern in ein Tuch wickeln). Hausmittel wie Öle oder Puder haben auf verbrannter Haut grundsätzlich nichts zu suchen!

Natürlich können Desinfektionsmittel, Wundheilgele und Co. ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn sie sich tatsächlich in brauchbarem Zustand in der Hausapotheke befinden. Die Hausapotheke sollte sich immer an einem lichtgeschützten, kühlen und trockenen Ort befinden und der Inhalt zweimal im Jahr auf das Haltbarkeitsdatum überprüft werden.

Das gehört in eine gut sortierte Hausapotheke:

Medikamente
•    Brand- und Wundgel
•    Desinfektionsmittel
•    Wund- und Heilsalbe
•    Salbe oder Schmerzpflaster gegen stumpfe Verletzungen
•    Schmerztabletten zum Einnehmen

Verbandzeug
•    Elastische Mullbinde
•    Dreieckstuch
•    Verbandpäckchen
•    Verbandmull
•    Pflasterrolle
•    Verbandschere
•    Brandwunden-Verbandpäckchen
•    Wasserdichtes Fixierband
•    Verbandklammern, Sicherheitsnadel
•    Wundschnellverband
•    Elastische Binden

Außerdem
•    Erste-Hilfe-Anleitung
•    Pinzette
•    Gummihandschuhe
•    Kühlkompresse (im Kühlschrank lagern)
•    Liste mit Notrufnummern

Wichtig: Während kleine Wunden, leichte Verbrennungen und Bagatellverletzungen mühelos auf eigene Faust versorgt werden können, müssen größere Blessuren unbedingt vom Arzt behandelt werden. Dazu zählen tiefere, stark blutende Stich- und Schnittverletzungen, klaffende Wunden, Verletzungen durch Fremdkörper sowie Prellungen, Quetschungen, Verstauchungen und Zerrungen.

GESUNDHEIT FÜR MUTTER & KIND

Vorsicht beim Lakritznaschen in der Schwangerschaft
Hohe Dosis kann zu negativer kognitiver Entwicklung des Kindes oder zu Frühgeburt führen
(2.900 Zeichen)

(dgk) Auch wenn's vielleicht schwer fällt: Werdende Mütter sollten auf größere Mengen Lakritze verzichten. Der häufige Verzehr der Süßholz-Leckerei in der Schwangerschaft könnte der Hirnentwicklung des Ungeborenen schaden. Eine gestörte kognitive Entwicklung des Kindes könnte eventuell eine Spätfolge sein, wie finnische Wissenschaftler in einer Studie herausfanden.

Forscher von der Universität Helsinki hatten 321 Kinder untersucht, deren Mütter während der Schwangerschaft teilweise größere Mengen Lakritze verzehrt hatten. Die Süßigkeit ist in Finnland besonders bei jüngeren Menschen sehr beliebt. Die Wissenschaftler testeten kognitive Fähigkeiten, Wortschatz, Gedächtnis, räumliches Vorstellungsvermögen sowie das Verhalten der Kinder. Dabei fanden sie heraus, dass die Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft viel Lakritz konsumiert hatten, eine geringere Intelligenz aufwiesen. Die Kinder hatten einen geringeren Wortschatz, ein schlechteres erzählerisches Gedächtnis und ein eingeschränktes räumliches Vorstellungsvermögen. Außerdem war ihre Konzentrationsfähigkeit geringer und die Neigung zum Übertreten von Regeln und zum aggressiven Verhalten erhöht.

Eine Erklärung ist nach Ansicht der Wissenschaftler, dass die in der Lakritze enthaltene Glycyrrhizinsäure die Funktion der Placenta beeinträchtigt und die Ungeborenen dadurch verstärkt Stresshormonen der Mutter ausgesetzt sind. Diese wiederum können die negativen Einflüsse auf das Verhalten und die geistigen Fähigkeiten der Kinder hervorrufen, die die finnischen Wissenschaftler bei ihrer Studie festgestellt haben. Die Auffälligkeiten, so die Forscher, ergaben sich bei denjenigen Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft mehr als 500 mg Glycyrrhizinsäure pro Woche zu sich nahmen. Das entspricht etwa 100 Gramm reiner Lakritze. Je höher die Dosis, umso größer waren auch die negativen Einflüsse.  
Eine frühere finnische Studie hatte bereits herausgefunden, dass regelmäßiger starker Lakritzkonsum das Risiko für Frühgeburten erhöhen kann.
Allerdings muss zur Beruhigung gesagt werden, dass der Gehalt an Glycyrrhetinsäure in den üblichen deutschen Erzeugnissen vergleichsweise gering ist und nicht so hoch wie bei-spielsweise in den in skandinavischen Ländern verbreiteten Salmiakpastillen. Ein maßvoller Genuss von Lakritz ist unbedenklich, es kommt auf die Menge an. Gleichwohl befinden sich Schwangere in einer Ausnahmesituation und sollten beim Lakritznaschen vorsichtig sein.

Quellen:
Räikkönen K. et al., Maternal Licorice Consumption and Detrimental Cognitive and Psychiatric Outcomes in Children, American Journal of Epidemiology Advance Access, published online on October 4, 2009, doi:10.1093/aje/kwp272, aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwp272v1

Strandberg T. E. Et al., Preterm Birth and Licorice Consumption during Pregnancy, Am J Epidemiol 2002; 156:803-805, aje.oxfordjournals.org/cgi/content/full/156/9/803


MELDUNGEN

In jeder Klasse sind zwei Kinder ungenügend geimpft
(1.683 Zeichen)

In jeder Schulklasse sind zwei Kinder ungenügend geimpft. Foto: mev(dgk) Einer Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) zufolge sitzen in jeder Schulklasse mit 28 Kindern statistisch zwei Schüler mit ungenügendem Impfschutz. Sie sind nicht ausreichend geimpft gegen Keuchhusten, Tetanus, Masern, Mumps oder Röteln. Die Forsa-Umfrage hat auch die Gründe ermittelt: Acht von zehn Eltern, deren Kinder nicht alle Schutzimpfungen erhalten haben, gaben an, dass sie einige davon für unnötig hielten. Drei Viertel von ihnen haben Angst vor Impfschäden und Nebenwirkungen. Und fast die Hälfte war der Meinung, dass die sogenannten „Kinderkrankheiten“ das Immunsystem stärken. Manche Eltern fürchten auch, dass die von der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) empfohlenen Impfungen das Immunsystem ihres Babys überfordern.

Maik Findeisen, Impfexperte der TK, hält dagegen: „Die Sorge ist unbegründet.“ Diese Meinung vertritt auch Dr. Sigrid Ley-Köllstadt vom Deutschen Grünen Kreuz. Die Impfungen stärken das Immunsystem des Neugeborenen, das sich ab der Geburt generell mit einer Vielzahl von Keimen auseinandersetzen muss. Sie schützen Babys und Kleinkinder vor Infektionen, an denen sie häufig deutlich schwerer erkranken als ältere Kinder oder Erwachsene. Moderne Impfstoffe seien generell sehr gut verträglich und auch die Angst vor einer Belastung des kleinen Köpers durch Mehrfachimpfungen sei unbegründet.

Einen Überblick über alle von der STIKO empfohlenen Impfungen bietet das Internetportal des Deutschen Grünen Kreuzes unter www.dgk.de/auf der Seite Gesundheitsthemen/Impfen & Infektionskrankheiten/Aktuelle STIKO-Empfehlungen.

Quelle:
Pressemitteilung der TK vom 23.07.2010, www.presseportal.de/meldung/


Dufte Idee nicht nur für Fahrradfahrer: Defekte Helme fangen an zu stinken
Besonderer Unfallschutz: Minikapseln verströmen bei Rissen einen alarmierenden Geruch
(2.966 Zeichen)

(dgk) Buchstäblich eine „dufte“ Idee: Wenn Fahrradhelme Risse bekommen und den Träger nicht mehr schützen können, fangen sie an zu riechen. Diesen cleveren Mechanismus haben jetzt Forscher des Fraunhofer-Instituts entwickelt.

Fahrradhelme sollen den Kopf des Trägers schützen, aber nur einwandfreie Helme halten im Notfall, was sie versprechen. Daher empfiehlt es sich, den Kopfschutz nach einiger Zeit auszutauschen. Aber wer erneuert schon gerne auf Verdacht seine Ausrüstung? Künftig werden sich Radler Helme kaufen können, die – einmal beschädigt – „Riechalarm“ geben. Eine neue Methode sorgt dafür, dass Duftöle ausströmen, wenn sich in Kunststoffen Risse bilden.

Entwickelt wurde das neue Verfahren von Forscher des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff-mechanik (IWM) in Freiburg in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen: Sie schufen die Grundlage dafür, dass, wenn sich in Polymerwerkstoffen (Kunststoffen) kleine Risse bilden, sie gleichzeitig zu riechen beginnen. Größere Risse stinken geradezu. Verantwortlich für den Geruch sind Duftöle, die in den Helm verarbeiteten Mikrokapseln verschlossen sind.

„Oftmals werden Helme nach dem Herunterfallen unnötig entsorgt, da man nicht erkennen kann, ob sie tatsächlich beschädigt sind. Das ist mit den Kapseln nicht mehr erforderlich. Bilden sich Risse, werden die Duftstoffe freigesetzt“, sagt Dr. Ing. Christof Koplin, Wissenschaftler am IWM. Die Forscher arbeiten die Kapseln als Zusatzstoff in eine Polypropylenmasse ein, die sie dann im Spritzgussverfahren zum endgültigen Bauteil formen können. Im Innern der Kapsel befindet sich ein poröser, wenig deformierbarer Siliciumdioxid-Kern, der den Duftstoff aufnimmt. Die erforderliche Anzahl der Kapseln errechnen die Ingenieure per Simulation am Computer. Abschließend unterziehen sie das fertige Bauteil Biege- und Ziehtests.

Das Geruchs-Verfahren eignet sich nicht nur für alle schwer auf Defekte zu testenden Teile wie Fahrrad-, Motorrad- oder Bauhelme, es lässt sich auch zum Überprüfen von Druckschläuchen wie Waschmaschinenzuleitungen einsetzen, die verdeckt verbaut sind. Geruchssensoren könnten auch Kunststoffrohre für die Wasser- und Gasversorgung auf kritische Risse überwachen, da sie ausströmende Duftstoffe über weite Entfernungen hinweg registrieren. Bei beschichteten Bauteilen aus Metall wird die Geruchsdetektion bereits eingesetzt. „Wir wenden das Verfahren erstmals auf Polymerwerkstoffe an. Den Radhelm nutzen wir als Demonstrator. Die Kapseln sind fertiggestellt, charakterisierende Tests zur individuellen Auslegung schließen wir gerade ab“, erläutert  Ingenieur Koplin. So könnten in Zukunft auf verschiedenen Feldern eingebaute Geruchskapseln als wertvolles Warnsignal fungieren und somit möglichen Unfällen vorbeugen.

Quelle:
Kopfschutz mit Duftnote, Fraunhofer-Gesellschaft, Mediendienst Juni 2010,
www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/06/kopfschutz-mit-duftnote.jsp



AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Vitamin D fördert kognitive Fähigkeiten
(2.649 Zeichen)

(dgk) Vitamin-D-Mangel ist bei Menschen in Deutschland sehr weit verbreitet. Insbesondere Ältere sind gefährdet, da sie sich in der Regel wenig in der Sonne aufhalten und auch weil bei ihnen die Fähigkeit zur Vitamin-D-Synthese schwindet.
Senioren in Pflegeheimen und Krankenhäusern erhalten deshalb häufig Vitamin-D-Präparate als Ergänzung. Die negativen Auswirkungen eines Vitamin-D-Mangels auf die Gesundheit sind vielfältig. Bekannt ist, dass das Risiko für Osteoporose, Depressionen, Herzkrankheiten und Krebserkrankungen steigt. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel hat außerdem einen negativen Einfluss auf bestimmte Hirnleistungen. Diesen Zusammenhang entdeckten Wissen-schaftler um Katherine Tucker von der Tufts-Universität in Boston.
Ihre Studie bezog mehr als 1.000 Teilnehmer im Alter von 65 bis 99 Jahren ein, die häusliche Pflege erhielten. Die Forscher bewerteten Zusammenhänge zwischen Vitamin-D-Konzentrationen im Blut und neuropsychologischen Tests und schlossen daraus auf die kognitiven Fähigkeiten der Studienteilnehmer.

Kognitive Funktionen lassen sich laut der Arbeitsgruppe zum Beispiel daran messen, wie gut das Gehirn im Stande ist, verfügbare Informationen für Tätigkeiten des täglichen Lebens zu verwenden. Bei der Alzheimerkrankheit, die ungefähr 47 Prozent der Erwachsenen ab dem 85. Lebensjahr betrifft, ist diese kognitive Funktion stark beeinträchtigt.
Die Wissenschaftler entdeckten nun Verstoffwechslungswege des Vitamin D im Hippocampus und in den Kleinhirn-Gebieten, die an der Planung, der Verarbeitung, und dem Formen neuer Erinnerungen beteiligt sind. Die Forscher schließen daraus, dass Vitamin D an kognitiven Prozessen beteiligt ist.

Nur 35 Prozent der Studienteilnehmer hatten ausreichend hohe Konzentrationen von Vitamin D (mehr als 50 nmol/L) im Blut. Sie zeigten bessere kognitive Leistungen in Tests als diejenigen mit einem niedrigeren Vitamin-D-Blutspiegel. Die Unterschiede zeigten sich besonders deutlich in der kognitiven Flexibilität und bei flexiblen Denkprozessen.

Quellen:
Katherine L. Tucker et al, Vitamin D Is Associated With Cognitive Function in Elders Receiving Home Health Services, J Gerontol A Biol Sci Med Sci (2009) 64A (8): 888-895,doi: 10.1093/gerona/glp032, Abstract: biomedgerontology.oxfordjournals.org/content/64A/8/888.abstract  

David J. Llewellyn et al, Vitamin D and Risk of Cognitive Decline in Elderly Persons, Arch Intern Med. 2010;170(13):1135-1141. doi:10.1001/archinternmed.2010.173, Abstract: archinte.ama-assn.org/cgi/content/abstract/170/13/1135

Allain TJ, Dhesi J., Hypovitaminosis D in older adults. Gerontology. 2003;49(5):273-278, Abstract: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12920346

Bauchfett schadet dem Gehirn
(1.560 Zeichen)

Zu viel Bauchfett schadet dem Gehirn. Foto: mev(dgk) Übergewicht gilt seit langem als Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen, vor allem des Herz-Kreislaufsystems, für Bluthochdruck und Diabetes. Dass Menschen mit Übergewicht auch ein gesteigertes Risiko haben, an Demenz zu erkranken, ist ebenfalls aus verschiedenen Untersuchungen bekannt. In jüngster Zeit zeigen immer mehr Studien, dass diese Aussagen konkretisiert werden müssen. Nicht jede Form von Übergewicht macht krank. Gefährlich ist das viszerale Fett, das sind Fettansammlungen um die inneren Organe, auch Bauchfett genannt.

Viszerale Fettansammlungen im mittleren Alter wirken sich negativ auf die geistige Fitness im Alter aus. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler aus Boston nach der Auswertung von Daten der Framingham Offspring Kohorte gekommen. Im Rahmen dieser seit Ende der 1940er Jahre laufenden Studie zur Ermittlung kardiovaskulärer Risikofaktoren waren bei den Teilnehmern unter anderem auch der BMI, Hüftumfang, das Taille-Hüft-Verhältnis, der Anteil von subkutanem und viszeralem Fett ermittelt sowie teilweise MRT-Messungen von Hirnvolumen und Hirndichte vorgenommen worden. Die Analyse der Werte ergab eine inverse Beziehung zwischen dem BMI sowie dem Anteil an viszeralem Fett auf der einen Seite und dem Hirnvolumen auf der anderen. Daraus leiten die Autoren ab: Übergewicht vom viszeralen Typ stellt einen Risikofaktor für eine spätere Demenz dar.

Quelle:
Stephanie Debette et al, Visceral fat is associated with lower brain volume in healthy middle-aged adults, Annals of Neurology, Volume 68, Issue 2, pages 136–144, August 2010


BUCHTIPPS

Essen Sie sich schlau!
Nervennahrung macht wach und hält fit
(2.800 Zeichen)

Flemmer: Nervennahrung(dgk) Nervennahrung – das Wort hört man meist im Zusammenhang mit Süßigkeiten. Aber ist das nicht nur eine Ausrede für Naschkatzen? Richtig! Zucker geht zwar schnell ins Blut und gibt rasch Energie, aber der steil ansteigende Blutzuckerspiegel fällt auch rasch wieder ab. Es folgen Müdigkeit und Heißhunger.

Für einen Geistesblitz mag der kurze Energieschub reichen, wer aber länger konzentriert und leistungsfähig sein will oder muss, für den gibt es bessere Nervennahrung. Welche, das weiß Dr. Andrea Flemmer. In ihrem Buch „Nervennahrung“ beschreibt sie – so der Untertitel – „Das richtige Essen für starke Nerven und ein gutes Gedächtnis“. Die Autorin erläutert, welche Substanzen in unseren Nahrungsmitteln die Gehirnleistung fördern, Konzentration und Lernfähigkeit steigern und die nervliche Belastbarkeit erhöhen. Dabei beschreibt die Diplom-Biologin, die am Institut für Lebensmitteltechnologie der TU München promovierte, sehr genau die Wirkung von Kohlenhydraten, Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren, Pflanzenstoffen und Fettsäuren. Insbesondere die Funktion der essenziellen Aminosäuren und anderer Eiweißbausteine als Neurotransmitter wird anschaulich beschrieben. Um zu verstehen, was Acetylcholin, Tryptophan, Phenylalanin oder Tyrosin bewirken, sind keine Vorkenntnisse nötig. Lediglich etwas Interesse an den Vorgängen im Körper sollte der Leser mitbringen, denn einfache Rezepte à la „Esst mehr Bananen!“ gibt es keine. Die Autorin bereitet Basiswissen und neuere Erkenntnisse aus der Ernährungswissenschaft angenehm leserfreundlich auf. So wird zum Beispiel verständlich, warum komplexe Kohlenhydrate (Vollkornprodukte) besser zur Energiesteigerung geeignet sind als Süßigkeiten, obwohl am Ende beide als Einfachzucker im Gehirn ankommen.

Das Buch enthält eine Fülle von praktischen Tipps für gestresste Eltern, wie sie ihre Sprösslinge zu gesünderem, die Aufmerksamkeit steigerndem Essverhalten erziehen können. Es ist von Anfang an leicht zu erraten, dass Dr. Flemmer selbst Mutter ist und aus dem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen kann. Denn gewidmet ist das Buch „all denjenigen, die unter G8 leiden“. Umso enttäuschender, dass man ein wirklich sinnvolles Register vergeblich sucht. Der vorhandene Index listet nämlich keine Lebensmittel auf, sondern fast nur Vitamine, Aminosäuren, Mineralien und andere Biosubstanzen. Wer also etwas über Bananen, Kakao oder Hülsenfrüchte sucht, muss auf gut Glück alle 128 Seiten durchblättern. Schade – oder ist das eine List? Beim Durchblättern nämlich fallen die wunderbaren Farbfotos ins Auge, die jede Seite zum Augenschmaus werden lassen.

Buchtipp:
Andrea Flemmer: Nervennahrung. Das richtige Essen für starke Nerven und ein gutes Gedächtnis, Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2009, 128 Seiten, 88 Farbfotos, ISBN 978-3-89993-565-3,
12,90 Euro



Stevia: Die Süße bekommt Füße
(1.705 Zeichen)

(dgk) Stevia rebaudiana ist eine unscheinbare Chrysanthemenart, beheimatet in Südamerika. Die Pflanze wird in ihrer Heimat frisch, getrocknet oder als wässriger Auszug traditionell als Süßungsmittel genutzt. Das, was an der Pflanze intensiv süß schmeckt, sind ihre sekundären Pflanzeninhaltsstoffe, die Glykoside. Inzwischen gibt es Züchtungen, die eines dieser Glykoside in hoher Konzentration enthalten. Extrakte aus diesen Pflanzen süßen bis zu 250-fach stärker als Haushaltszucker, sind aber quasi kalorienfrei.

In Europa wird die internationale Stevia-Begeisterung von behördlicher Seite noch mit gerunzelter Stirn beobachtet. Während in einigen Ländern die Zulassung längst erteilt ist – die Schweiz und Frankreich als unsere unmittelbaren Nachbarn haben weniger Berührungsängste – zögert die EFSA noch, eine uneingeschränkte Zulassung als Nahrungszusatz zu erteilen. Einfuhr und Vertrieb finden deshalb unter abstrusen Deklarationen statt.

Dabei steht Stevia nicht mehr nur auf der Basis aus Tradition und Erfahrung, sondern auf soliden wissenschaftlichen Füßen. Der "Vater" aller Stevia-Forschung in Europa, Prof. Jan Geuns von der belgischen Universität Leuven, legt nun mit „Stevia and steviol glycosides“ ein Kompendium vor, das die Pflanze bzw. ihre süßen Inhaltsstoffe von allen Seiten betrachtet. Enthalten sind chemische, biologische, physiologische, sensorische und toxikologische Daten, Studien zum Stoffwechsel der Glykoside bei Mensch und Tier sowie technologische Informationen.

Das 307 Seiten starke, englischsprachige Buch lohnt sich für Fachleute und auch für interessierte Laien.

Buchtipp:
Jan Geuns, „Stevia and steviol glycosides“, erscheint bei euprint, mit der ISBN 9789074253116,
75 Euro.

SERVICE

Bildmaterial:
Die abgebildeten Fotos können kostenlos per E-Mail angefordert werden unter:
anke.rabenau(à)kilian.de


V. i. S. d. P.

Herausgeber:

DEUTSCHES GRÜNES KREUZ

Redaktion:
Dr. med. Sigrid Ley-Köllstadt (verantw.)
Andrea Ulrich

Abdruck honorarfrei
Beleg erbeten an:
Deutsches Grünes Kreuz
Redaktion dgk
Im Kilian / Schuhmarkt 4
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Telefax: 0 64 21 / 2 93 - 187


 

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