DGK e.V. -Pressedienst Deutsche Gesundheits-Korrespondenz, dgk, Jg. 50, 12 - 2009, Silvesterknaller schaden Gehör, Weihnachtsgebäck naschen dürfen auch Diabetiker, Zähneknirschen, Kampf gegen Allergien, Immuntherapie, Neue Leitlinien zur Hyposensibilisierung, Petition für Gebärmutterhalskrebs-Prävention, Arzneimittelrückstände belasten das Abwasser, Bienenwachs statt Paraffin, Vitamin A schützt möglicherweise vor Hörminderung im Alter, Rheumakranke sollten auf Zahngesundheit achten, 2. Auflage von Glaukom-Buch, Efeu „Arzneipflanze des Jahres“ 2010
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Pressedienst Deutsche Gesundheits-Korrespondenz 12 - 2009, Silvesterknaller, Gehör, Weihnachtsgebäck, Diabetiker, Zähneknirschen, Allergien, Immuntherapie, Hyposensibilisierung, Petition, Gebärmutterhalskrebs-Prävention, Arzneimittelrückstände, Abwasser, Bienenwachs, Paraffin, Vitamin A, Hörminderung, Rheumakranke, Zahngesundheit, Glaukom-Buch, Efeu, Arzneipflanze des Jahres
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Pressedienst Deutsche Gesundheits-Korrespondenz
dgk, Jg. 50, 12 - 2009

Silvesterknaller: Ohrfeigen für unser Gehör
Feuerwerkskörper-Lärm kann zu dauerhaftem Hörschaden führen / Jährlich 8.000 Betroffene
(2.543 Zeichen)

Feuerwerk, Foto: DGK / Nittner
Foto: DGK / Nittner

(dgk) Bald haben Feuerwerkskörper, Raketen, Böller und Signalpistolen wieder Konjunktur. HNO-Ärzte allerdings auch! Nach altem Brauch wird an Silvester zünftig und auch lautstark gefeiert. Das soll böse Geister vertreiben und das neue Jahr willkommen heißen. Doch Vorsicht! Die lauten Explosionen können Ohrensausen oder gar dauerhafte Hörschäden verursachen. So sind zu Jahresbeginn die HNO-Praxen besonders voll: Rund 8.000 Innenohrverletzungen sind jedes Jahr nach Silvester zu beklagen.

Silvesterböller erreichen eine Lautstärke, die höher liegt als die eines Presslufthammers oder einer Motorsäge. Tückischerweise wird das subjektiv gar nicht so laut empfunden. Doch wer den Knallern zu nahe kommt, schädigt sein Gehör!

Knall- und Explosionstraumata durch Feuerwerkskörper werden durch Impulslärm, d. h. durch Lärm mit hohen Schalldruckspitzen, hervorgerufen. Schallimpulse von Feuerwerkskörpern – gezündet in einem Abstand von zwei Metern – können Spitzenpegel von 145 bis über 160 Dezibel (dB) erreichen (zum Vergleich: ein Düsenflugzeug liegt bei ca. 150 dB). Bei öffentlichen Feuerwerken werden in unmittelbarer Umgebung Spitzenpegel von bis zu 190 dB und in weiterer Entfernung noch circa 150 dB gemessen. Signal- und Schreckschusspistolen erreichen Pegel bis maximal 181 dB. Solcher Impulslärm durch Knaller und Böller ist fürs Gehör gefährlicher als Dauerlärm, warnen Experten.

In einer von Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Zenner (HNO-Universitätsklinik Tübingen) geleiteten Untersuchung wurden zum Jahreswechsel 1999/2000 deutschlandweit Daten von Patienten mit Gehörschäden durch Silvester-Feuerwerkskörper erhoben. Nach Hochrechnung der erfassten Daten schätzten die Mediziner eine Gesamtzahl von 8.160 hörgeschädigten Patienten in der Silvesternacht. Übrigens waren Männer dreimal häufiger betroffen als Frauen, und fast 60 Prozent der Patienten waren unter 25 Jahre alt. In 84 Prozent aller Fälle war Tinnitus begleitendes oder Hauptsymptom. Jeder Zwanzigste trug einen Trommelfellschaden davon.

Tipps, damit das Gehör keinen Schaden nimmt

  • Lesen Sie die Anleitung der einzelnen Produkte gründlich durch und befolgen Sie die Warnhinweise genau. Halten Sie ausreichenden Abstand zu Böllern & Co!
  • Achten Sie darauf, dass keine Knallkörper oder Schreckschusspistolen in Ohrnähe abgefeuert werden!
  • Verwenden Sie sicherheitshalber einen Gehörschutz – einfache Ohrstöpsel tun's auch.
  • Und: Böller gehören nicht in die Hände von Kindern! Sie unterschätzen die Gefahr. Außerdem gefährden sie sich und andere, weil sie häufig unachtsam sind.


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Weihnachtsgebäck naschen – das dürfen auch Diabetiker
Menschen mit Diabetes müssen nicht auf Plätzchen verzichten
(5.110 Zeichen)

Weihnachtsgebäck, Foto: mev
Foto: mev

(dgk) Weihnachtsplätzchen? Die passen für viele Diabetiker nicht in ihren Ernährungsplan. „Zuckerkrank“ zu sein bedeutet aber nicht, gänzlich auf das leckere Gebäck verzichten zu müssen. Nur bei den Zutaten sollten Diabetiker die richtige Wahl treffen.

Zucker ist längst nicht mehr tabu
Zucker ist für Diabetiker längst nicht mehr tabu. Allerdings sollte von bestimmten Zuckerarten so wenig wie möglich verzehrt werden. Dazu gehört in erster Linie Fruchtzucker (siehe Infokasten). Beim Backen kann der Diabetiker also getrost auf Fruchtzucker verzichten. Aus demselben Grund sollte er auch mit Zutaten wie Honig, Sirup, Marzipan, Sultaninen, Zitronat, Orangeat, Datteln und Feigen sparsam umgehen. Plätzchen können zwar auch komplett mit kalorienfreien Ersatzstoffen gebacken werden, einfacher und kostengünstiger aber ist es, weniger Zucker zu verwenden, als im Rezept steht. Übrigens ist brauner Rohrzucker keine gesündere Alternative zur weißen Raffinade. In beiden Fällen handelt es sich um 100 Prozent Saccharose.  

Bei Schokolade gilt: je mehr Kakao, desto besser
Butter, Schokolade und Nüsse sind stark vertreten in der Weihnachtsbäckerei. Hier heißt es leider: Maß halten. Denn besonders Typ-2-Diabetiker sollten auf ihr Gewicht achten und solche fetten Kalorienbomben nur in kleinen Mengen verzehren. Allerdings haben Nüsse und dunkle Schokolade (mindestens 70 Prozent Kakao) auch positive Effekte auf die Gesundheit. Die in Nüssen enthaltenen Omega-3-Fettsäuren schützen das Herz-Kreislauf-System vor Ablagerungen in den Blutgefäßen. Die Nussfette sind in der Lage, den Gehalt an schlechtem LDL-Cholesterin zu senken und damit Arterienverkalkungen vorzubeugen. Und der Kakao in der Schokolade enthält wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidativ und zellschützend wirken. Über Butter lassen sich zwar bisher solche guten Nachrichten nicht vernehmen, aber beim Backen gilt: Wenn Fett, dann Butter oder Kokosfett. Gesunde, mehrfach ungesättigte Fettsäuren halten nämlich die hohen Temperaturen im Backofen nicht aus, sie oxidieren und verwandeln sich in äußerst gesundheitsschädliche Transfettsäuren.  

Vollkorngebäck muss nicht trocken und hart sein

Komplexe Kohlenhydrate, wie sie das volle Korn liefert, lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen, und außerdem sättigen sie besser als Gebäck aus Weißmehl. Im Vollkornmehl stecken alle Spurenelemente, Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe des ganzen Korns. Vollkornmehl ist also eindeutig der Vorzug zu geben bei der Weihnachtsbäckerei. Doch Achtung: Die Ballaststoffe des Vollkornmehls quellen nach der Teigbereitung auf, deshalb benötigen solche Teige mehr Flüssigkeit. 20 Prozent mehr Milch oder Wasser verhindern, dass Vollkornplätzchen zu hart werden. Enthält das Rezept keine Flüssigkeit, muss man ein bisschen „ausprobieren“; die zusätzliche Flüssigkeitsmenge muss dann (leider) durch mehr Eier oder Fett erzielt werden. Fett einsparen lässt sich durch die Verwendung von Backpapier, dadurch entfällt das Einfetten des Backbleches.

Fruchtzucker – für Diabetiker nicht geeignet
Das mag manchen überraschen, galt doch früher die umgekehrte Devise. In den sogenannten Diabetikerlebensmitteln, die nun endlich abgeschafft werden sollen, wird zum Süßen fast immer Fruktose eingesetzt. Man nahm an, dass der Fruchtzucker mit seinem niedrigen glykämischen Index (20 im Vergleich zu 59 bei Haushaltszucker und 100 bei Traubenzucker) den Blutzuckerspiegel in Balance hält und die Bauchspeicheldrüse entlastet. Was man lange Zeit übersah: Fruchtzucker löst – anders als Traubenzucker – kein Sättigungsgefühl aus. Während Insulin die Aufnahme von Traubenzucker in die Zellen reguliert und das Signal „Nahrungsaufnahme stoppen“ an das Gehirn weitergibt, überschwemmt Fruchtzucker die Zellen ungehindert. Da wir über keine Fruktosespeicher verfügen, sind wir gezwungen, den Zucker sofort abzubauen. Die Leber wandelt diesen daher direkt in Fett um. Über einen längeren Zeitraum kommt es so zu einer verstärkten Fettneubildung, und die Entstehung von Übergewicht ist programmiert. Statt der Bauchspeicheldrüse wird nach Fruktosezufuhr vor allem die Leber belastet, was Funktionsstörungen, Fettleber und anderes nach sich zieht. In hohen Mengen kann Fruktose zudem selbst die Insulinunempfindlichkeit der Zellen verstärken und dadurch die Entstehung eines Diabetes begünstigen.

Gewarnt werden soll hier übrigens lediglich vor Fertiggerichten, Diätprodukten (z. B. Diabetikerplätzchen) und Fruchtsaftgetränken, denen Fruktose zugesetzt wurde. Das Problem: Solche Lebensmittel werden häufig in größeren Mengen verzehrt, weil man sie für unbedenklich hält. Achten Sie auf Verpackungshinweise wie  „ohne Kristallzuckerzusatz“ oder „nur mit natürlicher Fruchtsüße“, und Sie werden beim Lesen der Zutatenliste sicher ganz oben die Fruktose finden. Unbedenklich sind die Mengen an Fruchtzucker, die man beim Obstessen zu sich nimmt. Es sei denn, man verschlingt kiloweise stark fruchtzuckerhaltige Früchte wie Trockenobst, Weintrauben, Birnen oder Kirschen. Stattdessen sollten Diabetiker lieber zu Zitrusfrüchten, Papayas, Melonen oder Pfirsichen greifen.

Quellen:
Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e. V., PM vom 17. April 2009
Die PTA in der Apotheke, November 2009

Studien:
Johnson RJ et al.: “Potential role of sugar (fructose) in the epidemic of hypertension, obesity and the metabolic syndrome, diabetes, kidney disease, and cardiovascular disease.” Am J Clin Nutr, 87(4), 1062:1063-1065: 2008
Lane MD, Cha SH: “Effect of glucose and fructose on food intake via malonyl-CoA signaling in the brain.” Biochem Biophys Res Commun, 382(1):1-5: 2009


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Zähneknirschen: Jeder Dritte zermalmt nachts seine Sorgen
(2.662 Zeichen)

(dgk) Zahnexperten schätzen: Beinahe jeder dritte Deutsche knirscht im Schlaf mit den Zähnen. Viele Knirscher bemerken aber gar nicht, was sich nachts in ihrem Mund abspielt. Sie spüren am nächsten Morgen lediglich einen leichten Muskelkater in den Kiefergelenken. In der Urzeit hatte das Zähneknirschen die Funktion der Warnung und Abwehr von Feinden. Heutzutage ist das Zähnepressen und Zähneknirschen eher Ausdruck des Stressabbaus und findet hauptsächlich in der Nacht statt.

Tagsüber werden im Durchschnitt normalerweise alle zehn Minuten einmal die Zahnreihen aufeinander gepresst. Das Kauorgan ist auf diese Durchschnittsbelastung normalerweise eingerichtet. Ist das Aufeinanderpressen jedoch ein häufiger und vor allem andauernder Vorgang, dann liegt eine Funktionsstörung vor.

Mindestens acht Prozent der Bevölkerung leiden wenigstens einmal die Woche unter Bruxismus – wie Zähneknirschen von Medizinern genannt wird. Durch die mechanische Belastung kann es zu Absplitterungen von kleinen Zahnteilen bis hin zu Schäden an Plomben, Inlays und Kronen kommen. Auch treten oft Schmerzen aufgrund der Überbelastung der Muskulatur rund ums Kiefergelenk auf.

Das Zähneknirschen im Schlaf beziehungsweise das „Zähnezusammenpressen“ in Phasen höchster Konzentration ist ungesund. Denn beim Knirschen stehen die Zähne unter enorm großem Druck: Bis zu 100 Kilo pro Quadratzentimeter können beim Zusammenbeißen der Zähne aufeinander treffen. Unter diesem Druck kann das Gebiss abschleifen, das Zahnfleisch zurückgehen und der Kiefer überlastet werden. Weitere Folgen können auch Verspannungen im Hals-Kopf-Bereich sowie Gesichts- und Kopfschmerzen sein. Wer durch das Knirschen dauerhaft seine Kaumuskeln und Kiefergelenke überbeansprucht, bei dem können irreparable Schäden am ganzen Kauapparat auftreten.

Was hilft? Damit das Knirschen keine Auswirkungen auf Zähne und Kausystem hat, empfehlen Zahnexperten das Einschleifen der Zähne und eine „Knirscherschiene“. Diese Schiene wird aus Kunststoff hergestellt und vom Knirscher nachts wie eine Schutzkappe auf die Zähne aufgesetzt. So haben die Zähne keinen direkten Kontakt miteinander und eine Abnutzung kann vermieden werden.

Besonders wichtig ist aber, den Ursachen für das Zähneknirschen auf den Grund zu gehen. Manchmal liegt die Ursache in einer Zahnfehlstellung oder einem nicht richtig passenden Zahnersatz, was der Zahnarzt beheben kann. Häufig ist das Zähneknirschen auch Folge von persönlichem und beruflichem Stress, starker Anspannung, hoher Konzentration, Überforderung oder anderen psychischen Belastungen. Hier können schon Entspannungsübungen wie beispielsweise Autogenes Training oder Yoga helfen.


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Kampf gegen Allergien: Immuntherapie nimmt zentrale Stellung ein
Fachgesellschaften veröffentlichen neue Leitlinien zur Hyposensibilisierung
(5.102 Zeichen)

(dgk) Etwa jeder vierte Bundesbürger leidet unter einer Allergie. Triefende Nase, leichtes Asthma, Hautreizungen, Empfindlichkeit gegenüber Pollen, Insektengift  oder Tierhaaren – die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich. Doch die Hilfen für Betroffene werden immer besser,  die Therapieformen immer ausgereifter. Beispiel: die spezifische Immuntherapie, kurz SIT oder Hyposensibilisierung genannt, bei der mittels Spritze, Tropfen oder Tabletten das Immunsystem lernen soll, nicht mehr auf bestimmte Allergene überzureagieren. Die Therapieerfolge der letzten Jahre schlagen sich auch in den medizinischen Leitlinien der zuständigen Fachgesellschaften nieder. So haben jetzt sämtliche deutschsprachigen Allergiegesellschaften (1) gemeinsam mit österreichischen und schweizerischen Allergie-Experten fachliche Empfehlungen zur spezifischen Immuntherapie aktualisiert.

Bei einer  Allergie reagiert das Abwehrsystem überempfindlich auf bestimmte Substanzen – die Allergene –, die eigentlich für den Körper keine Gefahr darstellen. Doch der betroffene Organismus produziert Antikörper, um sich vor der vermeintlichen Gefahr zu schützen, was wiederum Entzündungsreaktionen auslöst, die zu allergischen Beschwerden führen mit Symptomen von allergischem Schnupfen, Bindehautentzündung bis zu allergischem Asthma.

Bei einer spezifischen Immuntherapie / Hyposensibilisierung wird dem Körper wiederholt die allergieauslösende Substanz in steigender Dosierung zugeführt, bis die überschießende Immunreaktion nicht mehr eintritt und das Abwehrsystem das Allergen toleriert. Die Antikörperproduktion wird reduziert oder gestoppt. So kann eine Hyposensibilisierung im Idealfall die Krankheitssymptome stark reduzieren oder ganz beseitigen. Unter Forschern war lange umstritten, ob die Hyposensibilisierung tatsächlich einen Nutzen für den Patienten hat. Inzwischen konnte aber die Wirksamkeit nachgewiesen werden, und es liegen zahlreiche wissenschaftliche Studien vor, die belegen, dass die spezifische Immuntherapie gut wirkt und kaum Nebenwirkungen hat.

Üblicherweise läuft eine spezifischen Immuntherapie über drei Jahre, wobei der Arzt bei der klassischen Therapieform die Allergene in regelmäßigen Abständen unter die Haut spritzt. Das Immunsystem gewöhnt sich dadurch an den Allergieauslöser und wird wieder unempfindlicher. Die Erfolgsraten liegen sehr hoch, bei einer Gräserpollenallergie zum Beispiel bei über 80 Prozent. Außerdem kann eine spezifische Immuntherapie das Risiko vermindern, neue Allergien zu entwickeln.

Für die klassische Allergenbehandlung mit Injektionen (medizinisch: SCIT) gibt es neue Erkenntnisse und wirksame Verfahren, so der Koordinator der neuen Leitlinie, Dr. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin: Allergischer Schnupfen und leichtes Asthma durch Pollen- und Hausstaubmilbenallergien können nach Ansicht der Experten damit langfristig kuriert werden, auch sommerliche Schimmelpilzallergien und Beschwerden durch Tierbestandteile lassen sich im Einzelfall mildern (allerdings sollte das verursachende Tier nicht mehr zu Hause gehalten werden). Außerdem gebe es neue Regelungen und Leitlinien der europäischen Zulassungsbehörde (EMEA), die neue Maßstäbe für die Qualität der verwendeten und zunehmend besser werdenden Präparate setzten.
Wie Dr. Kleine-Tebbe erläutert, können die Allergen-Injektionen der spezifischen Immuntherapie – drei Jahre lang entweder einmal monatlich oder nur einige Spritzen vor der Pollensaison – bereits ab dem Schulalter gegeben werden, und nach oben gebe es heutzutage praktisch keine Altersbeschränkung mehr. Ferner sei es möglich, damit einem Bronchialasthma mit Entzündung der unteren Atemwege und zusätzlichen Allergien vorzubeugen.

Die Fachgesellschaften stellen in der neuen S2-Leitlinie weiter fest, dass die  Verabreichungsform der Allergene unter die Zunge (medizinisch: sublinguale SIT oder kurz SLIT) mittels Tropfen oder Tabletten besonders bei einer Gräserpollenallergie wirksam ist: Sowohl Symptome als auch der Verbrauch antiallergischer Medikamente nehmen nach einigen Monaten Behandlung deutlich ab, so Dr. Kleine-Tebbe. Erste Daten zu einer anhaltenden Wirkung nach dem Ende einer dreijährigen Behandlung seien vielversprechend. Auch für Kinder mit Gräserpollenallergie seien seit kurzem bestimmte SLIT-Präparate zugelassen, die angewandt werden, wenn eine Spritzenbehandlung nicht infrage kommt. Abgesehen von häufigen, oft vorübergehenden Beschwerden in der Mundhöhle (Juckreiz, leichte Schwellungen) würden diese Präparate gut vertragen. Diese Hyposensibilisierungform sei zwar für Pollenallergiker geeignet, bei Hausstaubmilbenallergie oder der Diagnose „Asthma" allerdings sei sie kein Ersatz für die Spritzen.

So nehme die Immuntherapie mit Allergenen mittlerweile eine zentrale Bedeutung für die Behandlung allergischer Erkrankungen ein, konstatiert die neue Leitlinie der Fachgesellschaften. Das allerdings sei noch zu wenig bekannt: „Wären die betroffenen Allergiker besser informiert, könnten viel mehr Patienten von einer Hyposensibilisierung profitieren“, ist sich Dr. Kleine-Tebbe sicher.
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(1) Allergie-Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz:
Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA); www.aeda.de
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI); www.dgaki.de
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA); www.gpaev.de
Österreichische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI); www.oegai.org
Schweizerische Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (SGAI); www.ssai-sgai.ch

Quellen:
Kleine-Tebbe J, Bufe A, Ebner C, Eigenmann P, Friedrichs F, Fuchs T, Huttegger I, Jung K, Klimek L, Kopp M, Lässig W, Merk H, Niggemann B, Rabe U, Saloga J, Schmid-Grendelmeier P, Sitter H, Virchow J-C, Wagenmann M, Wedi B, Worm M. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. S2-Leitlinie von DGAKI, ÄDA, GPA, ÖGAI und SGAI. Allergo Journal 2009;18:508-37.
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Unterschriftensammlung für besseren Gesundheitsschutz
Das DGK unterstützt die Petition für optimale Gebärmutterhalskrebs-Prävention in Europa
(2.903 Zeichen)

(dgk) Jedes Jahr erkranken in Europa 60.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs; 30.000 Frauen sterben daran. Hauptursache für diese Krebsrat ist eine Infektion mit Humanen Papil-lomviren (HPV). Effektive Vorsorgeprogramme könnten fast jeden dieser Fälle verhindern. Mit der „STOP Cervical Cancer Petition“, die jeder Europäer unterzeichnen kann, werden das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und alle nationalen Regierungen in Europa aufgefordert, effektive und organisierte Gebärmutterhalskrebs-Vorbeugungsprogramme einzuführen. Die Petition will erreichen, dass alle Frauen in Europa optimal gegen Gebärmutterhalskrebs geschützt werden.

Die von der Europäischen Gesellschaft gegen Gebärmutterhalskrebs (ECCA), der Europäischen Krebsorganisation, der Gesellschaft Europäischer Krebsgesellschaften und der Internationalen Union gegen Krebs entworfene Petition basiert rechtlich auf dem Vertrag von Lissabon, der am 1. Dezember 2009 in Kraft trat. Danach zwingt jedes Bürgerbegehren mit 1 Million oder mehr Unterschriften die Europäische Kommission zum Handeln. Bisher sind rund 626.0000 Unterschriften zusammengekommen. Im Vergleich mit den anderen europäischen Mitgliedsstaaten hat Deutschland bisher gemessen an der Bevölkerungszahl nur sehr wenige Unterschriften gesammelt. Länder wie Portugal, die Tschechische Republik, Griechenland und sogar das bevölkerungsarme Island übertreffen die Zahl der deutschen Unterzeichner um ein Vielfaches.
 
Welches Land liegt vorn?
Unter http://www.cervicalcancerpetition.eu/ ist der aktuelle Stand einsehbar. Und von dort kann man mit einem Klick auf die gewünschte Sprache zur Petitionsunterzeichnung gelangen.

Was bedeutet ECCA?   
ECCA steht für die Anfangsbuchstaben von „European Cervical Cancer Association“, zu deutsch: Europäische Gesellschaft gegen Gebärmutterhalskrebs. Sie wurde 2002 von 15 verschiedenen Organisationen aus ganz Europa gegründet. Ihr Ziel ist die Einführung eines europaweiten Aufklärungsprogramms, um die Öffentlichkeit stärker auf Gebärmutterhalskrebs und die Möglichkeiten der Krebsvorbeugung aufmerksam zu machen.

Was ist das Ziel der Petition?

Mit seiner Unterschrift kann jeder Europäer seinen Einsatz für eine optimierte Gesundheitsvorsorge dokumentieren. Der Unterzeichner fordert das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und alle nationalen Regierungen in Europa auf, effektive und organisierte Gebärmutterhalskrebs-Vorbeugungsprogramme einzuführen, welche den optimalen Schutz gegen Gebärmutterhalskrebs für alle Frauen in Europa bieten.

Wie kann ich die Petition unterstützen?
Im Internet unter der Adresse www.petitionstopgebaermutterhalskrebs.eu finden Sie die vollständige Fassung der Petition sowie ein online-Formular zum Ausfüllen. Wenn Sie mehr über die Petition, die Europäische Woche der Gebärmutterhalskrebs-Prävention oder die ECCA wissen möchten, informieren Sie sich unter http://www.ecca.info/de.

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UMWELT UND GESUNDHEIT

Arzneimittelrückstände belasten das Abwasser
Experten halten Vermeidung für sinnvoller als die nachträgliche Reinigung
(2.445 Zeichen)

(dgk) Medikamentenrückstände im Trinkwasser sind bislang nach einhelliger Expertenmeinung für die Gesundheit des Menschen ungefährlich. Pharmazeutische Wirkstoffe wurden nur vereinzelt und in sehr geringen Konzentrationen gefunden. Unbestritten ist aber, dass diese Substanzen, wie andere Chemikalien auch, nicht ins Trinkwasser gehören. Außerdem wurden die möglichen langfristigen Folgen der jahrzehntelangen Aufnahme geringer Dosen verschiedener Substanzen noch nicht untersucht.

Da also Gesundheitsrisiken nicht auszuschließen sind, untersuchen nationale und internationale Behörden und Forschungseinrichtungen, wie die Gewässerbelastung verringert werden könnte. Eine Möglichkeit ist die Optimierung der Abwasserklärung. Doch selbst in modernen Kläranlagen können nicht alle der schätzungsweise 3.000 in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe gefiltert werden. In Städten mit veralteter Kanalisation erreichen außerdem nur 70 Prozent des Abwassers die Filterungen, der Rest versickert ungeklärt ins Erdreich.

Das europäische Projekt PILLS (Pharmaceutical input and elimination from local sources) beschäftigt sich unter anderem mit den Abwässern von Kliniken. Zwar stammen nur zehn bis 20 Prozent der Arzneistoffe in kommunalen Abwässern aus Krankenhäusern, aber die Konzentration einzelner Wirkstoffe kann zehnmal höher sein, erläutert Dr. Issa Nafo von der Abteilung Strategisches Flussgebietsmanagement bei der Emschergenossenschaft. Der PILLS-Projektleiter hält es für effizienter, konzentrierte Abwässer zu reinigen als verdünnte. Daher sei eine eigene, spezielle Kläranlage für einzelne Kliniken eine sinnvolle Einrichtung.
 
Am besten sei es, so meinen zum Beispiel Experten der Bundesanstalt für Gewässerkunde, wenn Arzneistoffe erst gar nicht ins Wasser gelangen. Wie kann dieses Ziel erreicht werden? Zum einen müssten die Verbraucher ihre Medikamente umweltbewusster entsorgen. Nur 29 Prozent der Deutschen bringen solche Arzneimittel stets zur fachgerechten Entsorgung in die Apotheke. Die große Mehrheit schüttet Tropfen und Säfte in die Toilette oder wirft Tabletten und Kapseln in den Hausmüll. Da aber auch mit den natürlichen Ausscheidungen Rückstände ins Abwasser gelangen, müssten effektive Vermeidungsstrategien bereits bei der Produktion der Arzneimittel beginnen. Zwar müssen Arzneimittelhersteller neue Präparate auf ihre Umweltverträglichkeit testen, eine schlechte Öko-Bilanz hat aber keinen Einfluss auf die Zulassung.

Quellen:
Martina Janning: Pharmarückstände: Klinikabwässer auf Abwegen, in: kma report 09, Sonderheft bauen und planen, November 2009, S. 26-29
Florian Keil: Arzneimittelrückstände im Trinkwasser, in: Technikfolgenabschätzung – Theorie und Pra-xis, hsrg. vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Nr. 3 – Dezember 2008, S. 66-70
Emschergenossenschaft: Interview mit Dr. Issa Nafo, Abteilung Strategisches Flussgebietsmanagement bei der Emschergenossenschaft, im Rahmen des Symposiums „Arzneimittel im Wasser“ am 06.11.2009 im Kirchlichen Bildungszentrum für Gesundheitsberufe im Revier GmbH, Gelsenkirchen


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Es brennt ein Kerzlein ...
Bienenwachs statt Paraffin
(2.254 Zeichen)

Weihnachtskerze
Foto: Gerolf Nittner/DGK

(dgk) Wer seinen Adventskranz oder das Weihnachtsgesteck mit Kerzen bestücken möchte, sollte darauf achten, dass diese aus reinem Bienenwachs und nicht aus schnell abbrennendem Paraffin sind. Der Grund: Schmilzt der Kunstwachs, können giftige Stoffe freigesetzt werden, darunter auch krebserregendes Benzol. Das ergab eine aktuelle US-Studie, die auf der 28. Jahrestagung der American Chemical Society (ACS) präsentiert wurde.

Der Grundstoff Paraffin wird aus Erdöl hergestellt. Die von der Kerzenflamme erreichte Hitze genügt nicht, um die in Paraffin enthaltenen Stoffe vollständig zu verbrennen. Wie die Forscher um Amid Hamidi von der South Carolina State University beim Abbrennen solcher Kerzen in geschlossenen Räumen feststellten, entweichen stattdessen etliche bedenkliche Substanzen in die Raumluft, darunter Alkane, Alkene, Ketone, Toluol oder Benzol.

Auf romantischen Kerzenschein muss aber zukünftig nicht vollständig verzichtet werden. Wer nur gelegentlich eine Paraffinkerze anzündet, wird die Emissionen wohl nicht beeinflussen. Wer allerdings jahrelang täglich sehr viele Kerzen in sehr kleinen und ungenügend belüfteten Räumen brennen lässt, könnte gesundheitliche Probleme wie allergische Ekzeme, Asthma oder Irritationen der Atemwege bis hin zu Lungenkrebs bekommen.

Dumm ist: Konventionelle Bienenwachskerzen sind oft auch mit Pestiziden und Arzneimitteln belastet, die durch Abbrennen freigesetzt werden. Auch Stearinkerzen sind nicht bedenkenlos einzusetzen, wenn man nicht genau weiß, ob sie rein aus pflanzlichen Fetten gewonnen sind, da es auch Kerzen gibt, deren Stearin aus Rindertalg und Schlachtabfällen hergestellt wird. Oft besitzen Stearin- und Bienenwachskerzen doch einen hohen Paraffinanteil, was auf den ersten Blick nicht auffällt.

Neben guten Bienenwachskerzen empfehlen die Forscher auch Kerzen aus Sojaöl. Zusätzlich sollte der Docht der Kerze immer kurz gehalten werden, um Rußentwicklung zu vermeiden. Aus demselben Grund sollte eine Kerze immer gelöscht werden, indem man den Docht kurz in das flüssige Wachs drückt.

Neu ist die Erkenntnis der amerikanischen Wissenschaftler nicht: Die Abteilung für Luftverschmutzung der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA warnte bereits 2002 vor Bleiemissionen durch Kerzen.

Quellen:
American Chemical Society, news release, Aug. 19, 2009: Romantic, candle-lit dinners: An unrecog-nized source of indoor air pollution, Opens external link in new windowhttp://portal.acs.org/portal/
Wasson SJ, Guo Z, McBrian JA, Beach LO. , Lead in candle emissions.  US Environmental Protection Agency, National Risk Management Research Laboratory, Air Pollution Prevention and Control Divi-sion, Research Triangle Park, NC 27711, USA. Sci Total Environ. 2002 Sep 16;296(1-3):159-74.
Bayerisches Landesamt für Umweltschutz, Umweltberatung Bayern, Weihnachts- und Silvesterartikel, Nov. 2004
Wallner, K. Kerzen aus Bienenwachs – ein Risiko. Die Bienenpflege: 296-298, 1998
Report on the Ökometric Wax and Emissions Study, 2007: Opens external link in new windowwww.kerzentest.de/eca-candles/pdf/Oekometric-Wax-1797_NCA_NL_42908.pdf
Die Qualitätskerze,Opens external link in new window www.kerzentest.de

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AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Studie: Vitamin A schützt möglicherweise vor Hörminderung im Alter
(1.666 Zeichen)

(dgk) Besser hören mit Vitamin A und anderen Antioxidantien? Eine neue japanische Studie legt diesen Zusammenhang nahe. Vitamin A – auch Retinol genannt – ist vor allem für seine wichtige Funktion beim Sehvorgang bekannt. Möglicherweise bedeutet ein hoher Serumspiegel dieses fettlöslichen Vitamins und ähnlicher Substanzen aber auch, dass der Hörverlust im Alter gebremst wird.

Ein Forscherteam um Yuji Nishiwaki vom Department of Preventive Medicine and Public Health, School of Medicine, der Keio University in Tokio untersuchte 762 Einwohner von Kurabuchi, die 65 Jahre und älter waren, und maßen bei ihnen mittels Flüssigkeitschromatographie unter anderem den Serumgehalt im Blut an Retinol (Vitamin A), und Provitamin A-Karotinoiden. Außerdem legten sie eine Definition für das noch vorhandene Hörvermögen der Probanden fest. Ergebnis: Je höher der gemessene Serumspiegel an den genannten Stoffen war, desto geringer war die  (altersbedingte) Hörverschlechterung bei den Studien-teilnehmern. Die Ursachen für dieses Phänomen wurde in der Studie allerdings nicht untersucht.

Von Bedeutung sind diese Ergebnisse zur wahrscheinlich schützenden Wirkung von Vitamin A bezüglich des Hörvermögens auch deshalb, weil die früher üblichen Lebensmittel-Hauptquellen – Lebertran und Leber – heute kaum noch verzehrt werden und bei zunehmend mehr  Menschen die Gefahr einer Vitamin-A-Unterversorgung besteht. Wer Leberprodukte nicht oder nur noch selten isst, sollte deshalb versuchen, seinen Vitamin-A-Status über einen hohen Nahrungsanteil von karotinhaltigen Nahrungsmitteln wie Karotten oder Spinat (Vitamin-A-Vorstufen) oder eine gezielte Nahrungsergänzung zu optimieren.

Quelle:
Michikawa T, Nishiwaki Y, Kikuchi Y, Hosoda K, Mizutari K, Saito H, Asakura K, Milojevic A, Iwasawa S, Nakano M, Takebayashi T, Serum levels of retinol and other antioxidants for hearing impairment among Japanese older adults, J Gerontol A Biol Sci Med Sci. 2009 Aug; 64(8): 910-5.
biomedgerontology.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/64A/8/910


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Rheumakranke sollten auch auf ihre Zahngesundheit achten
Neuere Studien belegen Zusammenhang zwischen Parodontitis und rheumatoider Arthritis
(4.578 Zeichen)

(dgk) In den vergangenen Jahren hat die Forschung immer neue Zusammenhänge zwischen der Zahngesundheit und der Allgemeingesundheit entdeckt. Das gilt besonders für Patienten mit Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates). Wer seine Zähne nicht pflegt, riskiert nicht nur, seine „Beißer“ zu verlieren, sondern unter Umständen andere Krankheiten zu bekommen oder zu verschlimmern. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes, mögliche Frühgeburten – das sind nur einige der möglichen Folgen für Parodontitis-Patienten. Eine – wenn auch nicht ursächliche – Wechselbeziehung besteht offenbar auch zu rheumatoider Arthritis: Die eine Krankheit kann die andere beeinflussen und umgekehrt.

Es hat sich herausgestellt, dass Patienten mit einer rheumatischen Systemerkrankung ein deutlich erhöhtes Risiko für eine Parodontitis aufweisen. Auch bei Rheuma im Kindes- und Jugendalter besteht eine erhöhte Gefahr, eine Parodontitis zu entwickeln. Eine im Sommer dieses Jahres veröffentlichte rumänische Studie (1) zeigte, dass mehr als die Hälfte der untersuchten Patienten mit rheumatoider Arthritis auch unter einer Parodontitis litt und zudem einen wesentlich schlechteren Zahnstatus als die gesunde Kontrollgruppe aufwies. Außerdem war bei der Gruppe die Aktivität ihrer rheumatischen Beschwerden signifikant erhöht gegenüber den Rheuma-Patienten ohne Zahnhalteapparatsentzündungen. Und nach einer sechsmonatigen Behandlung ihrer rheumatische Erkrankung besserte sich bei 80 Prozent die Parodontitis signifikant.

Eine Studie der Universitätsklinik Pittsburgh (USA) (2) – auch aus diesem Jahr – hat ebenfalls belegt, dass ein Zusammenhang zwischen Entzündungen des Zahnfleischs und Rheuma besteht. An der Untersuchung nahmen 40 Patienten teil, die sowohl starkes Rheuma als auch ausgeprägte Parodontitis hatten. Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) und die Behandlung der Infektionen im Mundraum kamen nicht nur der Zahngesundheit zugute, sondern linderten gleichfalls sowohl die Schmerzen als auch die Zahl der geschwollenen Gelenke und die morgendliche Steifheit der Rheumapatienten.

Parodontitis und rheumatoide Arthritis haben gemeinsam, dass bei beiden eine Entzündung vorliegt. Einmal betrifft sie den Zahnhalteapparat, im anderen Fall die Gelenke – wobei von einer rheumatoiden Arthritis auch andere Organsysteme betroffen sein können. Autoimmun bedingtes Rheuma wird durch viele Faktoren beeinflusst: Neben Alter, Geschlecht, genetischen Voraussetzungen oder Rauchen sind es auch Infektionen, die zum Beispiel durch Bakterien entstehen. Und eine bakterielle Infektion ist auch Hauptursache der Parodontitis. Dabei bildet sich ein Biofilm auf der Zahnoberfläche, der durch die Bakterien direkte und durch eine überschießende Immunantwort indirekte Schädigungen hervorruft, die zum schleichenden Abbau des Zahnhalteapparates und schließlich zu Zahnverlust führen können.

Ein Bakterium, das beim Entstehen und Fortschreiten einer Parodontitis eine wesentliche Rolle spielt, ist Porphyromonas gingivalis, das sich anscheinend direkt auch auf die Ausprägung von Rheumaerkrankungen auswirkt. Parodontitis-Bakterien können laut Experten also möglicherweise rheumatische Erkrankungen verstärken.

Tipps zur Vorbeugung gegen Parodontitis

  • Putzen Sie sich mindestens zweimal täglich die Zähne, vor allem abends vor dem Schlafengehen. Denn während des Schlafes ist die Speichelproduktion im Mund reduziert, weshalb sich die positive remineralisierende Wirkung des Speichels nicht optimal entfalten kann. Essen Sie nach dem Zähneputzen und vor dem Schlafengehen nichts mehr.
  • Zu einer sorgfältigen Mundhygiene gehört auch der regelmäßige Einsatz von Zahnseide und bei größeren Zahnzwischenräumen eines Interdentalbürstchens.
  • Benutzen Sie auch einen Zungenreiniger, denn viele gesundheitsschädliche Keime in der Mundhöhle finden sich auf der Zunge.
  • Die tägliche Mundhygiene zu Hause reicht aber meist nicht aus. Hartnäckige Ablagerungen und bakterielle Beläge an schwer zugänglichen Stellen können nur der Zahnarzt oder seine Prophylaxeassistentin mit speziellen Instrumenten bei einer professi-onellen Zahnreinigung (PZR) entfernen. Zudem erhalten Sie dabei wichtige Hinweise zur Optimierung der häuslichen Mundhygiene. Wie oft eine professionelle Zahnreini-gung notwendig ist, hängt vom individuellen Erkrankungsrisiko ab.
  • Gehen Sie regelmäßig zur Kontrolle zum Zahnarzt – mindestens zweimal im Jahr. Er kann Ihnen auch individuelle Tipps für eine effektive Zahnpflege und Mundhygiene zur Vorbeugung einer Parodontitis sowie Informationen zur Behandlung geben.


Quellen
(1) C. Ancuta et al.,  University of Medicine and Pharmacy, IASI, Romania. Periodontal status in pa-tients with rheumatoid arthritis, FRI0171
abstract.mci-group.com/cgi-bin/mc/printabs.pl=

(2) P. Ortiz et al., Periodontal Therapy Reduces the Severity of Active Rheumatoid Arthritis in Patients Treated With or Without Tumor Necrosis Factor Inhibitors, 2009, Vol. 80, No. 4, Pages 535-540 , DOI 10.1902/jop.2009.080447 (doi:10.1902/jop.2009.080447)
www.joponline.org/doi/abs/10.1902/jop.2009.080447=

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie, 15.10.2009, Bei Rheumapatienten auf Mundhygiene ach-ten?, dgrh.de/fileadmin/media/Die_DGRH/Newsletter/dgrh_newsletter_03_2009_internet.pdf

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MELDUNGEN

Aufgrund großer Nachfrage: 2. Auflage von Glaukom-Buch
(2.168 Zeichen)

(dgk) Als Auslöser für Erblinden steht das Glaukom, auch „Grüner Star“ genannt, weltweit an dritter Stelle. Es ist daher nicht erstaunlich, dass dieses Thema auf großes Interesse stößt – bei Fachleuten wie bei Laien. Das zeigt auch die Tatsache, dass nach nicht einmal einem Jahr eine 2. Auflage des im VERLAG im KILIAN erschienenen Handbuches für Ärzte und Patienten „Glaukom – mehr als ein Augenleiden“ notwendig wurde.

Da ein Glaukom im Anfangsstadium normalerweise keinerlei Symptome zeigt, kann es früh-zeitig nur durch eine augenärztliche Untersuchung entdeckt werden, der sich jeder ab 40 regelmäßig unterziehen sollte. Nur der Augenarzt kann beurteilen, welche der verschiedenen Glaukomvarianten vorliegt, und die entsprechende Therapie einleiten, meist mit Tropfen, die den erhöhten Augeninnendruck senken. Rechtzeitig und richtig behandelt, werden die meisten Patienten vor dem Erblinden gerettet. Um dieses Ziel sicher zu erreichen, ist jedoch oft das Zusammenwirken mehrerer medizinischer Disziplinen erforderlich. Denn als „multifaktorielle Erkrankung“ steht das Glaukom fast immer in Verbindung mit anderen Leiden eines Patienten. Und das muss bei der Therapie berücksichtigt werden, etwa bei der Auswahl der Medikamente.

Das aktuelle, überarbeitete Werk von Prof. Dr. Ilse Strempel bietet eine schnelle und sichere Orientierung über die oft unüberschaubare Fülle an Detailinformationen zu den Zusammenhängen der Augenkrankheit Glaukom mit internistischen, neurologischen und anderen Leiden. Die Autorin ist seit mehr als 30 Jahren Expertin in der interdisziplinären Erforschung und Behandlung von Glaukomerkrankungen. Sie wendet sich an Augenärzte und Kollegen anderer Fachdisziplinen, aber auch direkt an Glaukompatienten, damit diese ebenfalls wissen, was ihnen nützt oder schadet.

Strempel: GlaukomProf. Dr. med. Ilse Strempel
Glaukom – mehr als ein Augenleiden
Handbuch für Ärzte und Patienten
-    Krankheitsbild und Begleiterkrankungen
-    Konventionelle und ergänzende Therapien
-    Medikamente und Mikronährstoffe
-    Tipps für den Alltag
VERLAG im KILIAN; Marburg 2009,
ISBN 978-3-941770-09-4, 204 Seiten, 32 Euro

>> Weitere Informationen finden Sie unter Opens external link in new windowwww.kilian.de

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Kletterpflanze Efeu zur „Arzneipflanze des Jahres“ 2010 gekürt
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Efeu - Arzneipflanze des Jahres 2010
Foto: Gerolf Nittner / DGK

(dgk) Er wächst in fast jedem Garten, bedeckt Mauern oder klettert an Bäumen hinauf: der Efeu. Kaum jemand allerdings weiß, dass Efeu heilende Wirkungen hat. Wissenschaftler haben ihn darum zur „Arzneipflanze des Jahres 2010“ gekürt.

Bereits die Ärzte der Antike nutzten Efeublätter und -früchte als Schmerzmittel oder – in Salben verarbeitet – bei Verbrennungen. Heute kommt ein Extrakt aus den Blättern des Efeus zur Linderung von Beschwerden bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen und bei akuten Entzündungen der Atemwege zum Einsatz. Auch bei Keuchhusten wird Efeu eingesetzt. Die hauptverantwortlichen Inhaltsstoffe für diese in zahlreichen klinischen Studien belegten gesundheitsfördernden Wirkungen sind die sogenannten Saponine.

Allerdings gibt es eine Kehrseite: Der Efeu hat auch gefährliche Wirkungen. Frische Efeu-blätter und ihr Saft können nach Kontakt mit der Haut allergische Entzündungen verursa-chen. Und an den Beeren der Pflanze können sich besonders Kinder vergiften; Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sind die Folgen.

Seit 1999 wählt der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg die „Arzneipflanze des Jahres“. Der Studienkreis besteht aus Medizin-historikern, Ärzten, Apothekern und Biologen; zum Teil wirken auch Studierende und Dozen-ten an der Auswahl mit.
Die Wahl soll dazu animieren, sich mit den Möglichkeiten der Verwendung von Phytophar-maka zu beschäftigen. Jedes zur „Arzneipflanze des Jahres“ gewählte Gewächs soll eine interessante Kultur- und Medizingeschichte aufweisen und in gut belegten oder viel verspre-chenden pharmakologischen und klinischen Studien überprüft sein.

Quelle:
Efeu ist Arzneipflanze des Jahres 2010, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 19.11.2009,
idw-online.de/pages/de/news344881

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