DGK e.V. -Deutsche Gesundheitskorrespondenz. Jg 48, 10- 2007, Themen: Trichinen-Risiko in Osteuropa, Richtige Zahnpflege: Auf die Putztechnik kommt es an, Besser leben mit Zöliakie, Gähnen: Wachmacher durch Gehirnkühlung, Frauen sind nicht geschwätziger als Männer,
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Deutsche Gesundheitskorrespondenz. Jg 48, 10- 2007, Themen: Trichinen-Risiko in Osteuropa, Richtige Zahnpflege: Auf die Putztechnik kommt es an, Zöliakie, Gähnen: Wachmacher durch Gehirnkühlung, Frauen sind nicht geschwätziger als Männer, DGK-Broschüre über Antibiotika, Neuer Web-Auftritt des Deutschen Grünen Kreuzes, Mehrsprachiges Infoblatt über Meningokokken, Forum Schmerz: Kopfschmerzkliniken, BUCHTIPP: Man(n) kocht sich fit und jung, Warum „brennt“ Scharfes im Mund?, DER REINBEISSER DES MONATS: Kartoffel, Initiative „LOBBY FÜR DAS KIND“: Immun bedeutet verschont, Deutsches Diabetes-Zentrum: Zahnfleischentzündungen erhöhen Risiko für Nierenerkrankung
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Deutsche Gesundheits-Korrespondenz,
dgk, Jg. 48, 10 - 2007

Schweinefleisch aus Osteuropa eignet sich nicht als Souvenir
Von Trichinellose-Ausbruch in Westpommern sind auch Touristen betroffen
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(dgk) Polnische Wurst- und Schinkenspezialitäten sind in der ganzen Welt bekannt und beliebt. Wer im Urlaub nach Polen fährt und sich nicht rein vegetarisch ernährt, kommt kaum umhin, die deftigen Leckereien zu probieren: Krakauer oder schlesische Schinkenwurst, polnischer Bauernschinken, Kielbasa Torunska oder Starowiejska Altpolnische Wurst.

Gerade bei Rohwürsten ist es wichtig, dass das Fleisch zur Wurstherstellung gesundheitlich unbedenklich ist. Eine der zahlreichen, in allen EU-Mitgliedsstaaten gesetzlich vorgeschriebenen Schlachttier-Untersuchungen ist die Trichinenschau bei Schweinen.

In Westpommern ist Anfang Mai 2007 bei acht Schweinen Trichinenbefall festgestellt worden. Die Schweine wurden offenbar wider besseres Wissen weiterverarbeitet, berichtet die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti. In der Folge erkrankten in der Region mehr als 200 Personen an Trichinellose, darunter fünf deutsche Touristen. Westpommern ist eine von deutschen Urlaubern viel besuchte Region, da sie direkt an der Grenze liegt. Der östliche Teil der Insel Usedom gehört zum Beispiel dazu.

Von einem anderen Trichinellose-Ausbruch in Osteuropa waren Anfang des Jahres ebenfalls drei Deutsche betroffen. Sie hatten zu Weihnachten 2006 ihre Verwandten in Rumänien besucht. Anlässlich der Festtage wurde eines der Hausschweine geschlachtet, anschließend wurden Hackfleisch, Speck und Würste verzehrt, in denen sich offenbar Trichinenmaden befanden.

Die Trichinellose ist eine in Deutschland selten gewordene, aber gefährliche Infektionserkrankung. Sie wird durch Nematoden (Fadenwürmer) der Gattung Trichinella verursacht. Die Übertragung auf den Menschen geschieht durch den Genuss von rohem Fleisch oder Rohwurst infizierter Tiere. Hauptsächlich sind Hausschweine von Trichinen befallen, es können aber auch Wildschweine, Bären oder andere fleischfressende Tiere infiziert sein. Diese Tiere sind völlig symptomfrei, sie erkranken selber nicht.

Infizierte Menschen hingegen erkranken in der Regel. Art und Schwere der Symptome hängen stark von der Menge aufgenommener Fadenwurm-Larven ab sowie von der Immun- und Abwehrlage des Einzelnen. Es gibt auch Infizierte, die völlig beschwerdefrei sind. 

Für eine Infektion genügen 70 Larven, die sich schon in fünf Gramm Fleisch oder Rohwurst befinden können. Die Larven siedeln sich im Dünndarm an, schlüpfen dort und vermehren sich. Die im Darm neu geborenen Larven wandern über das Blut und Lymphgefäßsystem in Muskelzellen und kapseln sich dort ein. Erst in dieser Phase, drei Wochen nach der Infektion, treten in der Regel massive Beschwerden auf: Muskelschmerzen und -verhärtungen, Schwellungen im Gesicht und hohes Fieber.    

Eine medikamentöse Therapie ist umso erfolgversprechender, je schneller die Trichinellose diagnostiziert wird. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen mit unklaren Beschwerden (Übelkeit, Fieber, Muskelschmerz) den Arzt über einen zurückliegenden Osteuropa-Aufenthalt oder den Genuss von importierten Wurstwaren in Kenntnis setzen.

Das Vorkommen von Trichinen in Schweinen ist je nach Herkunftsland sehr unterschiedlich. Aus der Schweiz wurde seit mehr als 100 Jahren kein Befall mit Trichinella mehr bekannt. Auch in Deutschland sind Hausschweine bis auf ganz seltene Einzelfälle trichinenfrei. In mehreren osteuropäischen Ländern, besonders in Polen und Rumänien, aber auch in Kroatien, Serbien, Litauen und Lettland sind sowohl Haus- als auch Wildschweine von Natur aus wesentlich häufiger mit Trichinen infiziert.

Bleibt ein von Trichinen befallenes Schwein bei der Fleischbeschau unentdeckt, können die Maden auch nachträglich abgetötet werden. Das Fleisch muss dazu allerdings komplett durchgegart oder über 20 Tage bei mindestens minus 15 Grad tiefgefroren werden. Dabei dürfen die Stücke höchstens 15 Zentimeter dick sein.

Wegen des verbleibenden Restrisikos hat das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin für Touristen die Empfehlung ausgesprochen, in Osteuropa auf den Verzehr von rohem Fleisch, Rohwurst und Rohschinken zu verzichten. Reisende sollten diese Waren auch nicht als Souvenir mit nach Hause nehmen oder verschenken.   

Quellen:
Robert Koch-Institut (Epidemiologisches Bulletin Nr. 21, 25.05.07 und Epidemiologisches Bulletin Nr. 29, 20.07.07), www.rki.de/

Agenturmeldung von RIA Novosti vom 18.06.2007

Bundesinstitut für Risikobewertung, PM Nr. 11/2007, 10.07.07, www.bfr.bund.de/


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Richtige Zahnpflege
Auf die Putztechnik kommt es an
(2.652 Zeichen)

Elektrische Zahnbürsten können die tägliche Zahnpflege erleichtern und erfreuen sich seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit.
Foto: Oral B

(dgk) Während Karies bei den Deutschen dank erfolgreicher Präventionsprogramme und guter zahnärztlicher Versorgung zurückgegangen ist, leiden immer mehr Bundesbürger an Parodontitis. Mehr als 12 Millionen Menschen sind in Deutschland bereits von schweren Formen dieser Entzündung des Zahnhalteapparates betroffen. Bereits über 90 Prozent der 12-Jährigen haben mit der Vorstufe einer Parodontitis, der Zahnfleischentzündung, zu kämpfen – ein deutliches Zeichen dafür, dass bei der Mundhygiene immer noch vieles falsch gemacht wird! Denn sowohl Karies als auch Parodontitis werden hauptsächlich durch bakteriellen Zahnbelag (Plaque) verursacht. Nicht von ungefähr haben über 70 Prozent der Bundesbürger über 35 Jahre bereits eine mehr oder weniger schwere Form der Parodontitis.

Durch eine effektive Zahnpflege zu Hause in Verbindung mit den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen zweimal jährlich durch den Zahnarzt kann man Karies und Parodontitis wirkungsvoll vorbeugen. Bei der Zahnpflege ist richtige Technik entscheidend: Ein zu starker Putzdruck oder heftig ausgeführte Putzbewegungen beispielsweise können Zähne und Zahnfleisch schädigen. Zudem halten viele Menschen die empfohlene Putzzeit von mindestens zwei Minuten nicht ein. „Je nach Karies- und Parodontitisrisiko sind zusätzlich regelmäßige professionelle Zahnreinigungen sinnvoll“, sagt Professor Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie an der Universität Frankfurt am Main.

Einige grundsätzliche Regeln sollte man beachten:

  • zweimal täglich Zähneputzen
  • jeweils mindestens zwei Minuten lang die Zähne gründlich reinigen
  • beim Zähneputzen nie waagrecht schrubben: Kleine rüttelnde Bewegungen lösen den Zahnbelag, anschließend vom Zahnfleisch weg in Richtung der Kauflächen „wischen“
  • immer nach einem festen Schema putzen: zum Beispiel Kauflächen, Außenflä-chen, Innenflächen
  • einmal täglich die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen säubern
  • fluoridhaltige Zahncreme verwenden
  • Zahnbürste oder Bürstenkopf bei elektrischen Zahnbürsten spätestens alle drei bis vier Monate wechseln

Als Alternative zur Handzahnbürste erfreuen sich moderne elektrische Zahnbürsten zunehmender Beliebtheit. „Sie erzielen sehr gute Reinigungsergebnisse und erleichtern die Zahnpflege, weil sie die richtigen Putzbewegungen automatisch ausführen“, erklärt Eickholz. Einige Modelle verfügen zusätzlich über Funktionen, die helfen, die empfohlene Putzzeit einzuhalten und Schäden an Zähnen und Zahnfleisch durch zu starken Putzdruck zu vermeiden.

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die meisten modernen elektrischen Zahnbürsten gegenüber herkömmlichen Handzahnbürsten bessere Putzergebnisse erzielen. Die Gründe dafür liegen in der meist unzureichenden Putztechnik bei der Verwendung von Handzahnbürsten und in der Vernachlässigung der empfohlenen Putzzeit.    

Tipps zur richtigen Putztechnik sowie zu Art- und Anwendung geeigneter Prophylaxe-Hilfsmittel geben der Zahnarzt und sein Team.

Weitere Informationen auf www.rundum-zahngesund.de


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Besser leben mit Zöliakie
Getreide-Eiweiß Gluten ruft die Unverträglichkeit hervor / Speisezettel beachten
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(dgk) Hafer, Weizen, Dinkel, Gerste oder Roggen führen bei manchen Menschen zu Beschwerden. Nicht selten diagnostiziert der Arzt dann eine Zöliakie: Der Körper verträgt das Getreide-Eiweiß Gluten nicht. Wie der „Ratgeber aus Ihrer Apotheke“ in der Ausgabe 11 2007 (1. November 2007) berichtet, verschwinden die Beschwerden mit einer Ernährungsumstellung.

In Japan und China, wo die Ernährung größtenteils aus Reis, Gemüse und Sojaprodukten besteht, ist die Erkrankung so gut wie unbekannt. Bei uns leidet dagegen im Schnitt jeder Tausendste unter einer akuten Zöliakie, auch Sprue genannt. Eine deutlich größere Anzahl Menschen hat untypische oder gar keine Symptome und weiß nichts von der Erkrankung. Sie kann auch erst in späteren Lebensjahren ausbrechen und verläuft chronisch.

Den Betroffenen beschert sie ständige Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen, weil der im Getreide enthaltene Kleber Gluten Entzündungen der Darmschleimhaut verursacht. Dadurch können die Nahrungsmittel nicht ausreichend verarbeitet werden. Es kommt zu Vitamin- und Eiweißmangelerscheinungen, Gewichtsverlust und Blutarmut, die mit ständiger Müdigkeit und Antriebsarmut einhergehen. Bei Kindern führt die gestörte Darmfunktion zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen.

Allergieähnliche Reaktionen

Die erbliche Veranlagung spielt bei der Zöliakie eine wichtige Rolle, aber auch das Immunsystem und Umweltfaktoren beeinflussen das Entstehen. Die Zusammenhänge sind noch nicht vollständig geklärt. Offenbar ruft das Gluten im Getreide eine allergieähnliche Reaktion hervor: Das fehlgeleitete Immunsystem produziert daraufhin Antikörper, die bestimmte Eiweißverbindungen angreifen und dabei die Schleimhaut des Dünndarms zerstören. Das hat ernste Folgen, denn der Dünndarm zerlegt die Nahrung in ihre Bestandteile. Über die Falten (Zotten) des Dünndarms gelangen die Nährstoffe in den Körper. Durch die entzündlichen Prozesse in der Darmschleimhaut bilden sich die Zotten allmählich zurück, und die Oberflä-che des Darms wird immer kleiner. Die Folge sind Mangelerscheinungen trotz normaler Ernährung. Die Zöliakie lässt sich durch eine Darmspiegelung wie auch durch bestimmte Antikörper im Blut eindeutig nachweisen.

Ohne Medikamente beschwerdenfrei

Die schlechte Nachricht zuerst: Zöliakie ist nicht heilbar. Bleibt sie lange unbehandelt, können die chronischen Entzündungen Darmkrebs verursachen. Die gute Nachricht: Medikamente sind zur Behandlung nicht notwendig. Durch eine Umstellung auf glutenfreie Nahrungsmittel verschwinden die Beschwerden bald vollständig. Das erfordert allerdings von Betroffenen ein gründliches Umlernen: In welchen Nahrungsmitteln ist Gluten enthalten, welche sind glutenfrei?

Die Bilanz wirkt zunächst erschreckend: Brot, Kuchen, Pizza, Nudeln, viele Soßen und Suppen, Fertiggerichte und sogar Würzmischungen werden mit glutenhaltigen Getreidesorten oder Getreidestärke hergestellt, übrigens auch Bier. Was bleibt da noch übrig? Obendrein muss man pingelig sein, denn selbst winzige Mengen von Gluten lösen bereits die allergie-ähnlichen Reaktionen aus. Wer pfuscht, bekommt sofort die Quittung. Das bedeutet: im Supermarkt genau die Zutatenliste der Lebensmittel prüfen. Zu Hause streng darauf achten, dass für glutenfreies Brot ein anderes Messer und eine andere Aufbewahrung benutzt wird als für die glutenhaltigen Lebensmittel der anderen Familienangehörigen.

Schlemmen weiterhin möglich

Wer einmal den Bogen raus hat, welche Lebensmittel glutenfrei sind, kann mit ihnen wunderbar kochen und backen. Brot, Brötchen, Nudeln, Pizza, Kuchen und Torten lassen sich auch mit Reismehl, Mais- oder Kartoffelmehl und glutenfreien Getreidesorten wie Ammranth, Buchweizen, Hirse und Quinoa herstellen. Bei Kuchen und Torten kommen gemahlene Haselnüsse und Mandeln verstärkt zum Einsatz. Spezialitäten aus südlichen Ländern wie Polenta-, Reis- und Hirsegerichte bereichern den Speisezettel noch um exotische Noten. Und leckere Soßen haben gute Köche schon immer ohne die berühmtberüchtigte Mehlschwitze angefertigt. Wer nicht alles selber machen will, kann Brot, Teigwaren und Backmischungen auch im Reformhaus oder bei speziellen Herstellern besorgen. Und selbst auf Restaurantbesuche muss niemand verzichten, der einen kritischen Blick auf die Speisekarte wirft und im Zweifelsfall beim Koch nachfragen lässt.

Vorsicht: Gluten!
Gluten ist ein gutes Bindemittel und Trägerstoff für Aromen. Deswegen versteckt es sich in vielen Lebensmitteln wie:

  • gebundenen Soßen
  • Suppen
  • Fertiggerichten
  • Pudding

und kann auch enthalten sein in:

  • Pommes Frites, Kroketten, Kartoffelpuffer
  • Wurst und Würstchen
  • Frischkäse mit Kräutern
  • Eis, Milchprodukten mit Frucht
  • Nuss-Nougat-Cremes
  • fettreduzierten Produkten
  • Ketchup, Senf, auch Gewürzmischungen
  • Schokolade


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AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Gähnen: Wachmacher durch Gehirnkühlung

Wer den Mund weit aufreißt, wird aufmerksamer / Gähnen fördert Wärmeaustausch
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(dgk) Gähnen gilt allgemein als Zeichen der Müdigkeit. Doch gleichzeitig dient es auch der Wachheit, wie jetzt amerikanische Wissenschaftler herausfanden. Demnach hilft Gähnen, den Blutdruck und die Anzahl der Herzschläge zu erhöhen, so dass in der Schädelhöhle der Blutfluss gesteigert wird. Dabei findet ein erhöhter Wärmeaustausch statt und das Gehirn wird gekühlt.

Die amerikanischen Psychologen Andrew Gallup und Gordon Gallup an der Staatsuniversität von New York in Albany berichteten in der Fachzeitschrift Evolutionary Psychology (2007, 5: 92-101), dass sich Probanden je nach Temperatur des Gehirns von in einem Film gezeigten Gähnen anstecken ließen oder nicht. So zeigten sie, dass das Gähnen eine Wärmeaustausch-Funktion besitzt. Durch das Einatmen von kühler Luft beim Gähnen werde der Temperaturhaushalt im Gehirn reguliert, und somit würden die Bedingungen für optimale Leistungsfähigkeit geschaffen.

Bei ihrem Experiment testeten die Wissenschaftler 44 Studenten zwischen 18 und 25 Jahren. Sie untersuchten zunächst, ob unterschiedliche Atemtechniken die ansteckende Wirkung des Gähnens beeinflussen.

Es zeigte sich, dass diejenige Gruppe, die beim Betrachten von verschiedenen, zum Gähnen animierenden Videos nur durch die Nase atmete, während des Versuches nicht gähnte, während in allen anderen Gruppen etwa die Hälfte der Teilnehmer gähnte. Die Forscher erklärten das damit, dass beim Atmen durch die Nase das Blut im Inneren des Organs abgekühlt werde und anschließend durch das Gehirn fließe. So werde keine zusätzliche Kühlung durch das Gähnen notwendig.

In einem zweiten Test-Durchgang ging es nicht mehr um die Atemtechnik, sondern die Probanden mussten ihre Stirn mit einem 46 Grad Celsius warmen beziehungsweise einem vier Grad kalten Beutel temperieren. Von den „heißen Köpfen“ ließen sich mehr als zwei Drittel vom Gähn-Video anstecken, die „gekühlten“ Testpersonen blieben hingegen standhaft.

Gallup und Gallup schließen daraus, dass Gähnen eine wichtige Funktion bei der Regulierung der Temperatur übernimmt: Ist der Kopf zu warm, regt Gähnen den Blutfluss und den Herzschlag an, wodurch die überschüssige Hitze abgeführt wird.
„Gähnen ist nicht, wie man meinen könnte, ein Zeichen von Gelangweilt-Sein oder Schlafen-Wollen. Wir gehen davon aus, dass durch die Temperatur regulierende Funktion des Gähnvorgangs die Aufmerksamkeitsfähigkeit sogar gesteigert wird", meinen die beiden Forscher.

Weitere Experimente haben die zwei Psychologen bereits in Planung: Zum einen wollen sie ihre Vermutung belegen, dass bei hohem Fieber und eisiger Kälte der Gähnreflex ganz abgeschaltet wird, um einen „Temperaturschock“ im Gehirn zu vermeiden. Zum anderen glauben sie, dass Menschen bei starker Kopfarbeit vermehrt gähnen, damit ihr Denkapparat nicht „heiß läuft“.

Herzhaftes Gähnen ist also durchaus verzeihlich, zeigt es doch vielleicht an, dass der Betreffende nur gerade „heftig“ nachgedacht hat.

Quellen:
Studie: Evolutionary Psychology: Yawning as a Brain Cooling Mechanism: Nasal Breathing and Forehead Cooling Diminish the Incidence of Contagious Yawning (pdf-File), unter: www.epjournal.net/filestore/ep0592101.pdf

www.welt.de, 29.6.2007, Gähnen kühlt das Gehirn und macht munter

www.medical-tribune.de, Juli 2007, Wachmacher: Gähnen kühlt das Gehirn



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Frauen sind nicht geschwätziger als Männer
Studie zeigt, dass beide Geschlechter etwa gleich viel reden
(1.545 Zeichen)

(dgk) Also doch: Männer reden genauso viel wie Frauen! Das gilt zumindest für Studenten, wie ein US-amerikanisches Psychologenteam in einer Beobachtungsstudie herausfand. Das Ergebnis räumt mit dem Mythos von angeblich geschwätzigen Frauen und wortkargen Männern auf.

Die neue an der University of Texas in Austin durchgeführte Untersuchung mit 210 Frauen und 186 Männern, die im Juli im Wissenschaftsmagazin „Science" veröffentlicht wurde, ergab, dass Menschen beider Geschlechter etwa gleich gesprächig sind und pro Tag durchschnittlich 16.000 Worte von sich geben.

In den letzten acht Jahren hatten die Forscher für ihre Studie den Electronically Activated Recorder (EAR) entwickelt. Dieses unauffällige Gerät zeichnet digital die Konversationen von Menschen auf. Mit Hilfe des EAR untersuchten die Forscher von 1998 bis 2004 die Sprechgewohnheiten der fast 400 Studenten.

Ergebnis: Hochgerechnet auf einen 17-Stunden-Tag nahmen die Frauen durchschnittlich 16.215 Wörter, die Männer 15.669 Wörter in den Mund. Der geringe Unterschied zwischen den Geschlechtern war dabei nicht signifikant. Die Autoren gehen davon aus, dass die Ergebnisse nicht nur für Universitätsstudenten gelten, sondern sich auch auf andere Bevölkerungsschichten übertragen lassen.

Das alte Stereotyp, dass Frauen fast drei Mal so viel wie Männer sprechen – nämlich 20.000 im Vergleich zu 7.000 Wörter am Tag – entstammt den Angaben einer amerikanischen Neuropsychiaterin von vor 15 Jahren.

Quellen:
Are Women Really More Talkative Than Men?, Matthias R. Mehl, Simine Vazire, Nairán Ramírez-Esparza, Richard B. Slatcher, James W. Pennebaker, in: Science 6 July 2007: Vol. 317. no. 5834, p. 82, DOI: 10.1126/science.1139940,
www.sciencemag.org/

Reden Frauen mehr als Männer?, Deutsches Ärzteblatt 6.7.2007,
www.aerzteblatt.de/



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MELDUNGEN

Was man über Antibiotika wissen sollte

Deutsches Grünes Kreuz e. V. gibt in einer neuen Broschüre Tipps zum richtigen Umgang mit den wertvollen Bakterienkillern
(1.611 Zeichen)

(dgk) Ohne Zweifel zählen Antibiotika zu den wichtigsten medizinischen Errungenschaften des letzten Jahrhunderts. Gerade einmal 100 Jahre ist es her, da schien die Menschheit den Kampf gegen Krankheit erregende Bakterien ein für alle Mal für sich entschieden zu haben. Die großen Seuchen verloren ihren Schrecken, die durchschnittliche Lebenserwartung steigt seither scheinbar unaufhaltsam.

Doch so leicht geben die Bakterien nicht auf. Sie entwickeln ständig neue Strategien, mit denen sie der Antibiotikawirkung entgehen und so ihr Überleben sichern können. Immer öfter müssen Ärzte deshalb heute feststellen, dass die früher erfolgreichen Medikamente nicht mehr so wirksam sind, wie man sich das eigentlich wünschen würde.

Dass der Kampf gegen das Reich der Mikroben trotz der Entwicklung immer neuer Antibiotika zunehmend schwieriger wird, haben wir uns aber zum großen Teil selbst zuzuschreiben. „Antibiotika werden bei zu vielen Menschen angewendet – zur Behandlung der falschen Infektion, in der falschen Dosierung und für eine falsche Behandlungsdauer“, kritisiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Wie man als Patient richtig mit Antibiotika umgehen sollte, damit die Bakterien nicht doch noch die Oberhand gewinnen, dies beschreibt eine neue vom Deutschen Grünen Kreuz e. V. mit Unterstützung namhafter Wissenschaftler herausgegebene Infobroschüre in leicht verständlicher Form. So findet man darin Antworten auf Fragen wie: Was sind Antibiotika überhaupt, gegen welche Mikroben nützen sie etwas, wie lange muss man sie einnehmen, damit sie auch tatsächlich ihre Wirkung entfalten?

Bestellen kann man die Broschüre mit dem Titel „Vom richtigen Umgang mit Antibiotika“ gegen Einsendung eines mit der eigenen Anschrift versehenen und mit 1,45 Euro frankierten DIN A5-Rückumschlags bei:

Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Stichwort: Antibiotika
Schuhmarkt 4
35037 Marburg



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Neues Design und neue Technik für den Web-Auftritt
des Deutschen Grünen Kreuzes
(1.630 Zeichen)

(dgk) Attraktiver und übersichtlicher – es ist nicht zu übersehen: Der Internet-Auftritt des Deutschen Grünen Kreuzes e. V. (DGK) hat ein reizvolles neues Gesicht bekommen. Moderner, klarer und benutzerfreundlicher präsentiert sich seit kurzem die älteste gemein-
nützige Vereinigung zur Förderung der gesundheitlichen Vorsorge und Kommunikation in Deutschland in einem neuen Kleid.

Das frische, nach Informationsbereichen farbig abgestimmte Design erleichtert dem Online-Nutzer die Suche auf den Internet-Seiten von www.dgk.de: Der Gesundheitsbereich erhielt ein ansprechendes Grün, der Bereich für Fachleute ein seriöses Türkis-Blau und der Bereich für Journalisten ein leuchtendes Blau. Das neue Design gibt dem Web-Auftritt des DGK ein deutliches und unverwechselbares Erscheinungsbild. Der User weiß sofort, in welchem Bereich er sich befindet und kann von dort jederzeit in andere Bereiche wechseln. Aber nicht nur das Äußere des DGK-Webs hat sich verändert, auch Inhalte und Struktur sind „aufgeräumt“ worden und werden weiterhin laufend überarbeitet und aktualisiert.

Hinter dem aufwändigen Relaunch, das peu à peu weiter entwickelt werden soll, steckt eine neue umfangreiche Technik: das für die Bedürfnisse des Gesundheits-Webs individuell angepasste Content-Management-System Typo3. Als zeitgemäßes, weit verbreitetes Angebot für die Erstellung und Pflege von Webseiten wird es künftig neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Austauschs mit dem User schaffen. Ein wesentlicher Aspekt von Typo3 ist dabei die barrierefreie Gestaltung, damit die Webseiten für Menschen mit Behinderung besser zugänglich sind.

Durch das neue Design und das neue Content Management System ist das Surfen auf den Online-Seiten des DGK für die Nutzerinnen und Nutzer noch einfacher. Das Angebot wird übersichtlicher und Informationen sind leichter zu finden.
Überzeugen Sie sich: http://www.dgk.de


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Was heißt bakterielle Hirnhautentzündung auf Arabisch,
Russisch oder auf  Türkisch?
(2.748 Zeichen)

Wichtige aktuelle Informationen zum Thema Meningokokken-C-Impfung in der Muttersprache lesen: Ein Service der Arbeitsgemeinschaft Meningokokken (AGMK)

(dgk) Eine Erfahrung, die fast jeder von uns schon einmal gemacht hat: Krank sein in einem Land, dessen Sprache man nicht oder nicht perfekt beherrscht. Wenn es nicht gerade ein Sonnenbrand ist, auf den man zeigen kann, steht man radebrechend in der Apotheke, um zum Beispiel zu erläutern, dass man ein Mittel gegen eine Durchfallerkrankung benötigt.
Oder man sitzt bei einer ernsteren Erkrankungen einem Arzt gegenüber und versucht, die Krankheitszeichen zu beschreiben. Und sollte der Arzt verstanden haben, worum es geht, so steht das nächste Problem bevor: Ärztliche Ratschläge prasseln auf einen ein und man versteht das meiste nicht. Selbst gute Fremdsprachenkenntnisse reichen oft nicht aus, wenn es um medizinische Zusammenhänge geht.

Und wie sieht es im eigenen Land aus? Etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland besitzen nicht die deutsche Staatsangehörigkeit, sie sind also keine Deutsch-Muttersprachler. Das sind etwa acht Prozent der Gesamtbevölkerung. Und wie man weiter beim Statistischen Bundesamt erfahren kann: Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist auf fast acht Millionen gestiegen. Dazu gehören beispielsweise  Eingebürgerte, hier geborene Kinder von Ausländern und Aussiedlern. Jedes vierte in Deutschland geborene Kind hat heute einen Elternteil mit ausländischer Abstammung, jede fünfte Ehe ist binational.

Zu den medizinischen Bereichen, bei denen „richtiges Verstehen“ ebenfalls sehr wichtig ist, gehören Schutzimpfungen. Zu Impfungen gibt es nur wenige fremdsprachliche Informationen. Dr. Sigrid Ley-Köllstadt von der Arbeitsgemeinschaft Meningokokken im Deutschen Grünen Kreuz e. V. betont: „Gerade bei neu empfohlenen Impfungen wie der Schutzimpfung gegen Meningokokken C ist der Informationsbedarf sehr hoch. Wir haben viele Anfragen nach Übersetzungen der aktuellen Empfehlung erhalten und darauf reagiert.“ Im Juli des vergangenen Jahres hatte die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin die Impfung gegen Meningokokken C in den Standard-Impfkalender für Kinder und Jugendliche aufgenommen. Alle Kinder ab einem Jahr sollen eine Impfung erhalten, bei älteren Kindern und Jugendlichen ist der Impfschutz ebenfalls wichtig. Der Hintergrund: Vor allem Kleinkinder und Jugendliche sind in Deutschland durch Meningokokken-Infektionen betroffen. Schwere Erkrankungen wie Sepsis (Blutvergiftung) und Hirnhautentzündung (Meningitis) können die Folgen sein. Meningokokken gehören neben den Pneumokokken zu den häufigsten Erregern einer schweren bakteriellen Meningitis.

Nun hat die Arbeitsgemeinschaft Meningokokken (AGMK) ein laienverständliches Infoblatt zum Thema  „Bakterielle Hirnhautentzündung - Meningokokken-C-Konjugatimpfung schützt Kinder und Jugendliche“ in vier Fremdsprachen übersetzen lassen. Orientierung für die Auswahl der Sprachen waren ihre Häufigkeit und Verbreitung in Deutschland. Den Infotext gibt es in arabischer, russischer, türkischer und englischer Fassung unter www.agmk.de und natürlich auch in einer deutschen Version.

Bakterielle Hirnhautentzündung heißt

auf Arabisch: ???????? ??????? ????????

auf Russisch: ????????????? ????????

auf Türkisch: Bakteriyel Beyin Zar? ?ltihab?


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Service im Forum Schmerz:
Kopfschmerzkliniken – schnell und einfach finden
(434 Zeichen)

(dgk) Menschen, die an Spannungskopfschmerzen oder Migräne leiden, sind oft ratlos und ihre Lebensqualität ist durch die Schmerzen sehr eingeschränkt.
Das Forum Schmerz im Deutschen Grünen Kreuz e. V. bietet für Betroffene jetzt einen neuen Patientenservice im Internet an. Damit lässt sich kompetenter Rat noch schneller finden.
Unter www.forum-schmerz.de/adressen-links/kopfschmerzkliniken.html gibt eine Liste Auskunft darüber, wo sich in Deutschland eine Kopfschmerzklinik oder -Ambulanz befindet.


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BUCHTIPP

Ohne Küchenlatein: Man(n) kocht sich fit und jung
(1.495 Zeichen)

(dgk) Männer sterben im Durchschnitt früher als Frauen. Zum Beispiel weil sie häufiger an Herz-Kreislauferkrankungen und bösartigen Tumoren leiden als Frauen. Der Grund: Ein Lebensstil ohne Rücksicht auf Verluste. Oder fehlt Männern einfach das Wissen, was ihnen gut tut und was ihnen schadet? Oder speichern sie schlicht nicht, was an wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Wirkung von Nahrung und Bewegung auf den Körper in Zeitungen und Magazinen veröffentlicht wird?  

Da ist es besser, alles in der „MännerKüche“ nicht nur nachlesen, sondern auch nachschmecken zu können. Das Buch setzt wissenschaftliche Erkenntnis in praktische Anleitung um: Man(n) erfährt, was verbrauchte Energie zurückbringt – mit Langzeitwirkung und ohne Gefahr für die Körpermitte – und lernt, gegen Verschleiß und alternsbedingte Krankheiten zu essen. Ohne Askese und ohne Lustverlust.

Die 88 köstlichen Rezepte – alle mit Foto – sind nicht nur leicht nachzukochen,  sondern punkten auch mit einem hohen Präventionswert. Was diesen Wert ausmacht, wird übersichtlich und verständlich erklärt. Außerdem gibt es Tipps für den intelligenten Einkauf der Lebensmittel und den geschickten Einsatz am Herd. Das hilft Kücheneinsteigern, die endlich selbst Verantwortung für ihr Wohlergehen übernehmen wollen, und Küchenprofis, die dazulernen wollen.
Das Autorenteam – Fachleute für Urologie und Ernährung, spezialisiert auf Anti-Aging-Strategien für Männer – hat ganze Arbeit geleistet. Und es hat darauf geachtet, dass die Gerichte auch Freundinnen, Ehefrauen und Kindern schmecken.


Prof. Dr. Bernd Schmitz-Dräger et. al.
MännerKüche
VERLAG im KILIAN, 3. Auflage 2005, 176 Seiten
ISBN 978-3-932091-75-9
€ 18,90
Erhältlich im Buchhandel, im Internet oder direkt beim Verlag


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WAS SIE SCHON IMMER WISSEN WOLLTEN

Warum „brennt“ scharfes Essen im Mund?
(1.091 Zeichen)

(dgk) Bei einem exotischen Essen kann es schon mal vorkommen, dass die Speisen schärfer sind als erwartet. Wer zum Beispiel auf eine sehr scharfe Chilischote beißt, spürt sofort ein Brennen im Mund. Wieso eigentlich? Was ist das Feurige an scharfem Essen?

Für süß, salzig und bitter haben wir Geschmacksrezeptoren, für scharf aber nicht. Die Wahrnehmung der Schärfe wird von den Sinneszellen übernommen, die durch hohe Temperaturen ausgelöste Schmerzreize ans Gehirn weiterleiten. Es gibt also genau genommen keinen Geschmack „scharf“, sondern den Sinneseindruck „Schmerz“. So erklärt sich das feurige Brennen im Mund, wenn wir auf eine Chilischote beißen.

Doch was löscht das Feuer im Mund? Ganz gleich, ob in der Chilischote oder in aus Chili hergestellten Würzmitteln wie Tabasco, Sambal oelek oder Cayennepfeffer – für die Schärfe ist der Stoff Capsaicin verantwortlich.
Da Capsaicin nicht wasserlöslich ist, hilft Wassertrinken nicht viel. Eher verteilt sich das Brennen dadurch noch weiter im Mund- und Rachenraum.

Fette wirken besser. In Pflanzenöl oder Milchprodukten löst sich das Capsaicin. Praktisch, dass in der indischen Küche neben scharfen Gewürzen auch Joghurtprodukte einen festen Platz einnehmen. So ist im indischen Restaurant zum Beispiel ein Glas Lassi die Rettung.


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DER REINBEISSER DES MONATS OKTOBER

Kartoffeln

Vom Grundnahrungsmittel zum Gourmetobjekt – kaum ein Tag ohne Knolle
(3.401 Zeichen)

(dgk) Obwohl sie aus Südamerika stammt, ist sie typisch deutsch: die Kartoffel. Dabei mussten die Deutschen fast zu ihrem Glück gezwungen werden. Anfang des 16. Jahrhunderts gelangte das Gemüse nach Europa. Die Botaniker schätzten zunächst nur das Kartoffelkraut und die schöne Blüte. Als wertvolles Nahrungsmittel wurde die Kartoffel erst rund 200 Jahre später entdeckt. Und auch zu diesem Zeitpunkt wollten die Deutschen nicht so recht anbei-ßen: Sie hatten unwissend das Kraut und die rohen Knollen verzehrt und sich den Magen verdorben. Das „Teufelskraut“ war daher unbeliebt.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war die Kartoffel dann schon nicht mehr vom Speiseplan wegzudenken. Der hohe Gehalt an Eiweiß und Kohlenhydraten (Stärke), besonders aber der Anteil an Vitamin C machte die Knolle unverzichtbar und ersetzte einen großen Teil des Getreideanbaus. Die Stärke ist der eigentliche Energieträger der Kartoffel. Erst das Garen macht die Stärke verdaulich. Der Eiweißgehalt der Kartoffel ist mit dem von Getreide vergleichbar. Jedoch enthält die Kartoffel einen größeren Anteil essentieller Aminosäuren. Das sind Eiweißbausteine, die vom Menschen nicht selbst produziert werden können. Die biologische Wertigkeit ist mit 67 Prozent unter den pflanzlichen Lebensmitteln damit am höchsten. Sie kann sogar noch durch die Kombination von Kartoffel und Ei gesteigert werden.

Neben Vitamin C enthält die Kartoffel auch reichlich Vitamine aus der B-Gruppe. Bei den Mineralstoffen bietet die Knolle besonders viel Kalium. Sowohl die Vitamine als auch das Kalium können durch falsche Lagerung und Zubereitung zerstört oder ausgelaugt werden. Kartoffeln mögen es nach der Ernte kühl, trocken und dunkel. Da die meisten Wohnungen heute keine guten Lagerbedingungen für Kartoffeln mehr bieten, sollten immer nur kleine Mengen angeschafft und möglichst zügig verbraucht werden. Das Einlagern können die Landwirte oder Gemüsehändler am besten.

Für die Zubereitung gilt: Je länger die Kartoffel in der Schale „verpackt“ bleibt, je weniger Wasser beim Kochen verwendet wird und je zügiger der Garprozess ist, desto wertvoller die Knolle. Im Dampfgarer zubereitete Pellkartoffeln enthalten also mehr Nährstoffe als klein geschnittene und gekochte Salzkartoffeln.

Abgesehen vom Nährwert der Kartoffel ist die Knolle auch kulinarisch nicht mehr wegzudenken. Die Kartoffel kommt ja nicht nur mit oder ohne Schale gegart auf den Tisch. Sie kann mit Milch zu Brei verarbeitet werden, der dann auch noch überbacken werden kann. Sie macht Eintopf sämig. Frittiert, gebacken oder gebraten schmeckt sie ganz anders. Zu Salat verarbeitet, darf sie beim Grillen nicht fehlen. Kartoffelrezepte füllen ganze Bücher. Und immer wieder kommt eine neue Idee dazu.
Wer die Knolle einmal wieder ganz anders erleben möchte, kann folgendes Rezept ausprobieren.

 

Auch als Fingerfood lecker: Kartoffel im Speck-Salbei-Mantel
Foto: Miele


Hinweis an die Redaktionen:
Abdruck bei Fotovermerk Miele honorarfrei








Kartoffeln im Speck-Salbei-Mantel

Zutaten für 4 Portionen (als Beilage oder Snack):
4 große, längliche Kartoffeln
16 dünne Scheiben durchwachsener Speck
16 Salbeiblätter (alternativ 1 EL getrockneter Salbei)
Pfeffer
Butter oder Öl für die Form

Zubereitung
Kartoffeln schälen, waschen und längs vierteln. Jedes Viertel mit einem Salbeiblatt belegen oder mit etwas Salbei einreiben. Dann mit einer Scheibe Speck umwickeln und mit Pfeffer bestreuen. Die Kartoffel-Viertel in eine gefettete flache Auflaufform legen und zugedeckt garen. Bei Heißluft 180°C beträgt die Garzeit rund 50 Minuten auf der untersten Ebene im Backofen.
Mit Ober-/Unterhitze in die mittlere Schiene geben und 50 Minuten bei 200°C garen. Etwa fünf Minuten vor Ende der Garzeit den Deckel abnehmen, damit die Kartoffeln kross werden.
Werden die Kartoffeln als Beilage gereicht, passen dazu gut ein Steak und ein frischer Salat.

Tipp: Das Rezept können Sie auch im Internet bei www.miele-reinbeisser.de oder unter www.dgk.de herunterladen.


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DIE INITIATIVE „LOBBY FÜR DAS KIND“ INFORMIERT

Immun bedeutet verschont
(3.639 Zeichen)

Säuglinge verfügen von Geburt an über ein funktionsfähiges Immunsystem. Foto: BananaStock

(dgk) An Röteln oder Masern erkrankt man nur einmal im Leben. Man ist nach durchgemachter Krankheit immun: Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet frei, unberührt oder verschont. Höhere Lebewesen verfügen über ein ausgeklügeltes Abwehrsystem, mit dem der Organismus in der Lage ist, den „Dauerbeschuss“ mit Erregern abzuwehren. Bei vielen Erregern, vor allem Viren, genügt der einmalige Kontakt, damit eine dauerhafte Immunität aufgebaut wird. Schon früh in der Entwicklungsgeschichte haben Lebewesen ein Abwehrsystem entwickelt; einige Anteile davon haben sich so bewährt, dass sie auch heute noch Teil unseres Immunsystems sind. Zu dieser angeborenen Immunabwehr gehören Fresszellen und bestimmte Proteine, die quasi Löcher in die Membran von Mikroorganismen „bohren“ können, damit diese absterben.

Das menschliche Immunsystem besteht aus Millionen Abwehrzellen (Leukozyten = weiße Blutkörperchen) und Molekülen, die auf verschiedene Weise wirken und sich gegenseitig regulieren. Die Abwehr von Krankheitserregern ist nur eine Aufgabe, ebenso werden entartete Zellen abgetötet oder auch abgestorbenes Gewebe beseitigt. Dies sind teilweise hoch-komplizierte Prozesse, deren Fehlregulation oder Störungen fatale Folgen haben kann.

Lymphozyten, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, machen den spezifischen Anteil unseres Abwehrsystems aus. Man spricht dabei auch vom erworbenen Immunsystem. Diesen Zellen kommt die Aufgabe zu, Krankheitserreger oder Tumorzellen gezielt zu erkennen. Das heißt, ein bestimmter Lymphozyt ist zum Beispiel nur für das Masernvirus „zuständig“, ein anderer reagiert nur auf Keuchhustenbakterien, ein dritter gegen ein bestimmtes Grippevirus. Und da manche Erreger auch ihre Tricks haben, sich stetig verändern oder gleich von vornherein als mehrere verschiedene Typen vorkommen, ist unser Abwehrsystem immer wieder aufs Neue gefordert.

Faszinierend ist, dass Babys – vorausgesetzt sie sind gesund – schon mit einer funktionstüchtigen Abwehr zur Welt kommen. Säuglinge wissen sich also zu wehren, was sich beispielsweise an der Anzahl der weißen Blutzellen zeigt: Neugeborene besitzen deutlich mehr Leukozyten als Erwachsene. Zudem erhält das Kind in den ersten Monaten seines Lebens Starthilfe. Schon ab dem vierten Schwangerschaftsmonat werden mütterliche Antikörper gegen viele Krankheiten, welche die Mutter durchgemacht hat oder gegen die sie geimpft ist, an das Kind weitergegeben. Am Ende des neunten Schwangerschaftsmonats liegen dann bestimmte Antikörpertypen (IgG) beim Kind sogar in höherer Konzentration vor als bei der Mutter. Frühgeborene bekommen allerdings weniger Antikörper übertragen und sind daher infektanfälliger.

Nach der Geburt nimmt das Kind weitere Antikörper durch die Muttermilch auf. Besonders die erste Milch (Kolostrum) ist sehr reich an Immunglobulin A (IgA). Diese Immunglobuline bleiben lange im Darm des Säuglings stabil und schützen ihn vor Darminfektionen. Andere Immunglobulintypen sind in deutlich geringeren Mengen in der Muttermilch vorhanden und werden außerdem im Darm abgebaut, so dass sie keinen Schutz vor Infektionen bieten können. Die von der Mutter übertragenen Antikörper werden ebenfalls im Laufe der Zeit abgebaut. Ein Tiefpunkt wird im sechsten Lebensmonat erreicht. Danach bildet das Kind zunehmend eigene Antikörper gegen die Keime, mit denen es in Kontakt kommt.

Wenn der mütterliche Schutz nachlässt, häufen sich die Infekte, vor allem solche der oberen und unteren Atemwege. Aber auch immer wiederkehrende fieberhafte Infekte, oft ohne erkennbare Ursache, sind nicht selten.

Bis zu zwölf solcher „banalen“ Infekte im Jahr sind normal. Tatsächlich liegen nur in sehr seltenen Fällen Immunstörungen vor. Wenn das Kind chronisch krank ist, schlecht gedeiht, ungewöhnliche Infekte mit schweren Verläufen wiederholt auftreten und diese auch schlecht zu behandeln sind, bedarf das natürlich einer Abklärung. Sollte die Immunabwehr tatsächlich durch einen genetischen Fehler oder eine andere Ursache geschädigt sein, bietet rechtzeitiges Erkennen die Möglichkeit zur Therapie. Bei einigen Immundefekten kann dem Patienten relativ einfach mit Immunglobulinpräparaten, die große Mengen an Antikörpern enthalten, geholfen werden. 

Hinweis für Redaktionen:

Die Initiative LOBBY FÜR DAS KIND hat sich die Information von (werdenden) Eltern über die Gesundheit ihres Kindes im Mutterleib und in der ersten Lebensphase zum Ziel gesetzt. In den letzten Monaten haben wir Sie mit Themen rund um eine gesunde Schwangerschaft und Geburt versorgt. Im zweiten Teil der Kampagne werden wir Sie in den nächsten Monaten über das gesunde Wach-sen und Gedeihen des Kindes in der ersten Lebensphase informieren.  
Die Initiatoren dieser Kampagne sind die Initiative des Kinderzentrums München, die Klinik für Ge-burtsmedizin der Charité Berlin, die Stiftung für das behinderte Kind und das Deutsche Grüne Kreuz e. V. (DGK). Helfen Sie uns mit Ihrer Veröffentlichung, alle Eltern zu erreichen.
Internet: www.lobby-fuer-das-kind.de, E-Mail: lobby.kind(à)kilian.de


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NEUES AUS DEM DEUTSCHEN DIABETES-ZENTRUM (DDZ)

Zahnfleischentzündungen erhöhen das Risiko für eine Nierenerkrankung

(3.167 Zeichen)

(dgk/DDZ)Typ-2-Diabetiker mit einer unbehandelten Parodontitis – das heißt mit einer Entzündung des Zahnhalteapparates – entwickeln häufiger eine schwere Nierenerkrankung als Diabetiker mit gesunden Zähnen und gesundem Zahnfleisch. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie aus den USA.

Die Parodontitis oder Parodontose ist ein häufiger Befund beim Diabetes. Eine gute Mundhygiene und der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt sind deshalb in dieser Patientengruppe besonders wichtig. In den letzten Jahren wird verstärkt über einen direkten Zusammenhang zwischen der Parodontose bei Diabetikern und dem gehäuften Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen diskutiert. In verschiedenen Studien gingen ausgeprägte und wiederkehrende Zahnfleischentzündungen mit einer höheren Rate an Herzgefäßerkrankungen einher. Umgekehrt gibt es Hinweise, dass eine intensive Parodontosebehandlung – oder besser noch das Vermeiden von Zahnfleischproblemen durch eine gute Mundhygiene – möglicherweise das Herzkreislauf-Risiko senken kann. In einer aktuellen Studie aus den USA sind Wissenschaftler der Frage nachgegangen, ob die Parodontitis auch das Risiko für Nierenerkrankungen beeinflusst. Die diabetische Nephropathie, die bis zur Dialysepflicht und zum Nierenversagen führen kann, ist eine häufige Folgeerkrankung bei einem unzureichend eingestellten Diabetes und eng mit dem Auftreten von Herzkreislauf-Erkrankungen verknüpft.

In die Untersuchung wurden 529 Typ-2-Diabetiker aus dem US-Bundesstaat Arizona eingeschlossen und über einen Zeitraum von bis zu 22 Jahren beobachtet. Bei Studieneinschluss waren alle Teilnehmer mindestens 25 Jahre alt und wiesen noch keine Anzeichen für eine Nierenerkrankung auf. 20 Prozent der Patienten waren zu Beginn der Studie nicht oder nur ganz leicht von einer Parodontitis betroffen, 38 Prozent wiesen mäßig ausgeprägte Entzündungen am Zahnfleisch auf, 22 Prozent hatten eine schwere Parodontitis und die restlichen 20 Prozent waren Gebissträger.

Zum Ende der Beobachtungszeit wurde bei 193 Patienten eine Makroalbuminurie (= stärkere Eiweißausscheidung im Urin als Hinweis auf eine fortgeschrittene Nierenschädigung) und bei 68 Teilnehmern eine schwere Nierenerkrankung mit drohendem Nierenversagen dokumentiert. Nachdem die Wissenschaftler andere mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Diabetesdauer, Body-Mass-Index und Rauchen aus den Ergebnissen herausgerechnet hatten, zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Parodontitis zu Studienbeginn und der Entwicklung einer Nierenerkrankung in den Folgejahren: Typ-2-Diabetiker mit Entzündungen des Zahnhalteapparates waren im Durchschnitt zweimal häufiger von Nierenschäden betroffen als Diabetiker mit gesunden Zähnen und Zahnfleisch. Insgesamt lag das Risiko für spätere Nierenschäden umso höher je ausgeprägter die Parodontitis zu Studienbeginn war.

Das Fazit der Autoren: Entzündungen im Mundraum können einen Einfluss auf den gesamten Körper haben. So ist bei Typ-2-Diabetikern mit Parodontitis das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und für Nierenschäden erhöht. Ob umgekehrt eine bessere Mundhygiene und
die rechtzeitige Behandlung der Parodontitis das Risiko für eine spätere Nierenerkrankung senkt, muss in weiteren Studien geklärt werden.
 
Die Autorin, Dr. med. Anja Lütke, ist freie Mitarbeiterin von Diabetes-Deutschland.de, Deutsches Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: Shultis WA, Weil EJ, Looker HC et al. Effect of periodontitis on overt nephropathy and endstage renal disease in type 2 diabetes. Diabetes Care 2007; 30: 306-311


Informationen finden Sie im Internet unter www.diabetes-deutschland.de
Für Rückfragen zu dieser Presseinformation wenden Sie sich bitte an:
Prof. Dr. med. Werner A. Scherbaum,
Ärztlicher Direktor des Deutschen Diabetes-Zentrums DDZ und
Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie
des Universitätsklinikums Düsseldorf,
Leibniz-Institut an der Heinrich-Heine-Universität,
Auf'm Hennekamp 65, 40225 Düsseldorf,
Telefon: 02 11 / 33 82 - 2 00, Fax: 02 11 / 33 69 103,
E-Mail: scherbaum(à)ddz.uni-duesseldorf.de


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