DGK e.V. -Deutsche Gesundheits Korrespondenz (dgk), Jg. 46, 12 - 2005 - Themen: Ohren, taub, hören, künstliches Innenohr, Cochlear-Implantate, gehörlos, Säuglinge, Naturmedizin, Apotheke, pflanzliche Arzneimittel,Schlafstörungen, Schlaf, schlafen, Früherkennung, Ost
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Deutsche Gesundheits-Korrespondenz
dgk, Jg. 46, 12 - 2005

Taub und trotzdem hören mit künstlichem Innenohr
Mit Cochlear-Implantaten kann schon gehörlosen Säuglingen geholfen werden

(dgk) Ohne technische Hilfe hätte die damals vier Monate alte Marlene aus dem südbadischen Teningen nie mehr hören können. Nach einer durch Bakterien verursachten Hirnhautentzündung wäre das Mädchen unwiederbringlich ertaubt. Ärzte des Implant Centrums der Universitätsklinik Freiburg (ICF) haben Anfang 2004 dem Säugling im Alter von nur 123 Ta-gen ein Cochlear-Implantat (CI) eingesetzt. Marlene ist damit nach Angaben der Ärzte weltweit das jüngste Kind, dem die Hightech-Prothesen in beide Innenohren implantiert wurden.

Etwa 15 Millionen Bundesbürger sind von leichten bis schweren Hörschäden betroffen, rund 200.000 sind taub, davon etwa 80.000 von Geburt an. „Jeden Tag werden in Deutschland im Schnitt ein bis zwei Kinder geboren, die von Geburt an taub sind“, sagt Prof. Dr. med. Roland Laszig, Ärztlicher Direktor der Hals-, Nasen- und Ohrenklinik an der Universität Freiburg und Präsident der Sektion Hören im Deutschen Grünen Kreuz e. V. Hinzu kommen einige hundert Kinder pro Jahr, die zwar gesund geboren werden, aber nach einer Gehirnhautentzündung oder einer anderen Infektion am Ohr erkranken und nicht mehr hören können. Doch es gibt technische Möglichkeiten, die verloren gegangene Reizübertragung der Sinneszellen in der Gehörschnecke (Cochlea) zu ersetzen: mit einer technischen Hörhilfe, einem Cochlear-Implantat (CI).

Das CI besteht aus dem Implantat und dem getrennten Sprachprozessor mit Mikrofon. Ein winziger Computer bereitet die durch das Mikrofon am Ohr empfangenen Tonsignale auf. Als elektrische Impulse werden sie dann an den Hörnerv übermittelt. Das Gerät wird dem Patienten unter die Haut gesetzt, die damit verbundenen Elektroden werden ins Innenohr geführt. Das CI ermöglicht das Hören fast aller Frequenzen. Auch die Frequenzen der Sprache, die im mittleren Bereich liegen, werden übermittelt. Da das Implantat meist nur in ein Ohr eingesetzt wird, sind Geräusche ausschließlich auf diesem Ohr zu hören.

Jedes Jahr werden nach Angaben der Freiburger bundesweit rund 1.000 derartige Hörhilfen implantiert, bei Kindern und Erwachsenen. Die Technik wird seit 1984 angewandt. Freiburg ist eine von wenigen Kliniken in Deutschland, die sich darauf spezialisiert haben.

Normalerweise werden die Geräte bei Kindern im Alter von 12 bis 16 Monaten eingesetzt. Doch bei Marlene musste es schneller gehen. Das gesund geborene Mädchen erkrankte an einer Hirnhautentzündung, die nach Angaben der Mediziner lebensbedrohlich war. Die dadurch verursachte Taubheit setzte die Mediziner unter Zugzwang: „Ein späteres Einsetzen der Hörhilfe wäre nicht möglich gewesen, weil der Gehörgang dann zu stark verhärtet gewesen wäre“, sagt Oberärztin Dr. Antje Aschendorff. Marlene wäre dann ihr Leben lang gehörlos geblieben.

Bei regelmäßigen Nachsorgeterminen werden die Geräte neu eingestellt. In den ersten fünf Jahren muss Marlene alle zwei bis drei Monate in die Klinik kommen. Später reichen dann zwei Termine pro Jahr. Doch der Aufwand lohnt sich, meint Vater Jürgen Ehrler (32): „Marlene kann schon wieder toll lächeln“, freut er sich. Und sie führt ein Leben mit Geräuschen und Sprache.

Die Statistik belegt dies: „Rund die Hälfte der Kinder mit Cochlear-Implantat kann problemlos hören und sprechen, die Kinder besuchen eine Regelschule“, sagt Professor Laszig. Das erste Kind, dem 1987 in Freiburg eine technische Hörhilfe eingesetzt wurde, spreche heute drei Fremdsprachen und habe im Alltag keinerlei Probleme.

Cochlear Implantate ermöglichen Kindern, die gehörlos geboren werden oder später ertauben, ein relativ normales Leben. Wie bei allen technischen Geräten können natürlich auch beim CI Fehler auftreten. Dies ist wie bei allen komplexen Geräten auf die Vielzahl möglicher Fehler-quellen zurückzuführen: Die Batterie kann erschöpft sein, möglicherweise sitzt die Spule zu locker, es können Kabelbrüche auftreten und es besteht die Möglichkeit, dass das Mikrophon verschmutzt ist oder wegen eingetretener Feuchtigkeit aussetzt. Erkennbar sind technische Funktionsstörungen daran, dass die elektrische Stimulation trotz ausreichender Schalleinwirkung unterbrochen ist oder ganz ausbleibt. Für den erwachsenen CI-Träger ist es kein Problem, das Ausbleiben der Höreindrücke festzustellen. Tritt eine Funktionsstörung hingegen bei dem CI eines Kleinkindes auf, so bedarf es der aufmerksamen Beobachtung durch Eltern oder Erzieher, dies eindeutig festzustellen.

Cochlea-Implantate werden nach den höchsten Sicherheitsstandards für Langzeitzuverlässigkeit, Beständigkeit und Leistung gefertigt. Die Aufgabe der Prothesen besteht darin, die Funktion des Innenohres zu ersetzen. Weil jedoch das Innenohr sehr kompliziert ist, kann seine technische Nachbildung nicht vollkommen sein. Die technischen Systeme können trotz aller Sorgfalt Störungen aufweisen. Zuverlässigkeit und Funktionssicherheit sind zentrale Gesichtspunkte für Ärzte, Patienten und Fachkräfte. Bisher wurden von den verschiedenen Herstellern und Implantat-Centren unterschiedliche Definitionen für Störung und Zuverlässigkeit verwendet. Diese Situation machte jeglichen Vergleich zwischen verschiedenen Geräten unmöglich. Um nun in diesem Zusammenhang eine einheitliche Definition des Begriffs Störung zu finden und darüber zu entscheiden, wie diese Störungen gemeldet werden sollten, trafen sich am 10. Juni 2005 im Rahmen des 1. Deutschen CI-Tages alle Experten, Vertreter der führenden Cochlear-Implantat-Centren, Gerätehersteller sowie Vertreter zuständiger Behörden aus ganz Europa in Frankfurt am Main. Das Ergebnis: Ein Konsensuspapier über Cochlear-Implantat-Systemfehler und deren zukünftige Dokumentation.

Unter anderem sollen alle Geräteausfälle in Zukunft an die zuständige Behörde gemeldet und in die Berechnung der Gesamthaltbarkeit der Geräte (cumulative survival rate, CSR) einbezogen werden. Berichte der Hersteller über Gerätestörungen und -fehler sollen ausnahmslos die Datenquelle, den Untersuchungszeitraum und den Umfang der Stichproben beinhalten. Diese Dokumentation soll helfen, einen besseren Überblick über die möglichen Störungen zu bekommen, um sie verringern zu können. So kann die Lebensqualität der CI-Träger, vor allem auch der ganz jungen, weiter verbessert werden.

Quellen:
European Consensus Statement of Cochlear Implant Failures and Explantations www.mhh-hno.de/download/european.pdf
Laszig R: Fehler und Gefahren bei der Kochleaimplantation. 2004 (75. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie, Bad Reichenhall 19.-23.05.04)

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Foto: Fördergemeinschaft Gutes Hören


Naturmedizin aus der Apotheke hilft
Unterschiedliche Zusammensetzungen und Zubereitungen bei pflanzlichen Arzneimitteln

Naturmedizin hilft(dgk) Immer mehr Patienten entscheiden sich, pflanzliche Medikamente anzuwenden. Sind diese doch auf Grund ihrer meist sehr guten Verträglichkeit hervorragend für eine Eigenbehandlung geeignet. „Rein pflanzlich“ und „natürlich“ dürfen aber nicht generell mit „harmlos“ gleichgesetzt werden. Pflanzliche Arzneimittel können genauso wie synthetische auch unerwünschte Effekte oder Wechselwirkungen verursachen.

Leider tummeln sich auf diesem Gebiet inzwischen so manche Produkte, die entweder wirkungslos oder aber schädlich, und sogar in Deutschland verboten sind oder auch nicht deklarierte stark wirksame, verschreibungspflichtige Bestandteile wie Kortison enthalten. Verbraucher lassen sich aus Unwissenheit leicht von den vermeintlich günstigeren Preisen oder lockenden Heilversprechen blenden. Supermarktregal und Einkaufswagen im Internet sprechen nicht! Als Laie ist es daher kaum möglich, aus dem unübersichtlichen Markt das geeignete Produkt herauszufiltern. Deshalb gehört auch Naturmedizin in die Hand entsprechend ausgebildeter, erfahrener Fachleute, nämlich Apotheker und Arzt – zur Sicherheit Ihrer Gesundheit.

Eine gleiche Inhaltspflanze beispielsweise ist bei verschiedenen Produkten keineswegs Garant für eine gleiche Wirksamkeit. So kann die Pflanze biologisch von einer anderen Art abstammen oder der verwendete Pflanzenteil variieren. Bereits Standort, Bodenbeschaffenheit, Erntezeitpunkt oder Schwankungen von Jahr zu Jahr führen zu sehr unterschiedlichen Zusammensetzungen, wie jeder selbst bei Obst und Gemüse durch verändertes Aussehen und Geschmack feststellen kann.

Auch die Art der Zubereitung und das Auszugsmittel spielen eine große Rolle. Ein klassischer Teeaufguss enthält beispielsweise lediglich die in Wasser löslichen Wirkstoffe. Die Höhe ihres im Auszug enthaltenden Gehalts ist wiederum von der Menge des eingesetzten Ausgangsmaterials, wie in unserem Beispiel der Anzahl der Teelöffel, abhängig. Um besonders viel Wirkstoff zu gewinnen und auch weniger wirksame oder ungünstige Bestandteile aus einer Pflanze zu verringern, verwenden manche Hersteller für ihre Produktion nur noch spezielle Züchtungen und ausgeklügelte Herstellungsverfahren. Zum Teil aufwändige Studien belegen mittlerweile die Wirksamkeit dieser Produkte.

Verwirrend sind allein schon die vielen Produktklassen, die von den so genannten rationalen und traditionellen Phytopharmaka zu Medizinprodukten, diätetischen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln reichen und sich sehr wohl in ihrer Qualität und Wirksamkeit unterscheiden. Ein Weißdornmittel beispielsweise kann je nachdem nur „traditionell zur Stärkung der Herzfunktion“, also allenfalls vorbeugend, oder aber therapeutisch „bei bereits bestehender Herzkrankheit“ geeignet sein.

Mit seiner fundierten Fachkompetenz findet der Pharmazeut, ähnlich wie der Arzt, mit dem Patienten im Gespräch heraus, welches Mittel für ihn persönlich empfehlenswert ist. Der Rat kann aber auch lauten, lieber einen Arzt aufzusuchen, wenn eine Selbstbehandlung als nicht geeignet erscheint.

Darüber hinaus gewährleistet die Institution Apotheke ein hohes Maß an Sicherheit. Tees müssen beispielsweise nach den Anforderungen der Arzneibücher überprüft werden. Fertigprodukte unterliegen einer regelmäßigen, stichprobenweisen Kontrolle. Bei drohender Gefahr wird ein rasches Warnsystem in Gang gesetzt, das betroffene Mittel beispielsweise sofort aus dem Verkauf genommen und der Verbraucher so vor Schaden geschützt.

An den vom Deutschen Grünen Kreuz e. V. (DGK) initiierten Aufklärungswochen „Naturmedizin hilft“ vom 24. Oktober bis 19. November 2005 nahmen mehr als 4.000 Apotheken teil. Nutzen auch Sie künftig dieses Angebot und lassen sich persönlich beraten: in Ihrer Apotheke.

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Foto: Klosterfrau

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Foto: Engelhard Arzneimittel

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Foto: Steiner Arzneimittel


Schlafstörungen
Früherkennung verhindert Spätfolgen

(dgk) Schlafstörungen zählen zu den häufigen Beschwerden. So klagen 25 Prozent der Be-völkerung über Schlafstörungen, und 11 Prozent erleben ihren Schlaf als „häufig oder dauerhaft nicht erholsam“. Schlafstörungen oder anhaltender Mangel an Schlaf beeinträchtigen nicht nur die nächtliche Erholung. Die Schlafforschung hat in den vergangenen Jahren zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen psychiatrischen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Schlafstörungen erkannt.

Neben den unmittelbaren Folgen für die Betroffenen verursachen Schlafstörungen häufig auch hohe gesellschaftliche Kosten, beispielsweise durch Unfälle, Leistungseinschränkung, Krankschreibung und Frühverrentung. So passieren Fehler in der Produktion und durch Versagen bei Steuer- und Überwachungstätigkeiten. Durch Einschlafen am Steuer entstandene Schäden betragen allein in Europa mehrere Milliarden Euro jährlich. Darauf weist das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem neuen Themenheft der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE) hin.

„Den meisten Betroffenen können Ärzte ohne apparativen Aufwand effektiv helfen“, heißt es aus dem RKI. Durch gezielte Befragungen ließen sich Schlafstörungen identifizieren, die ihre Ursache in Verhaltensweisen haben, die den Schlaf-Wach-Rhythmus oder den erholsamen Nachtschlaf stören oder die auf der Einnahme von den Schlaf beeinträchtigenden Substanzen beruhen. Auch psychiatrische oder organische Erkrankungen könnten Schlafstörungen verursachen. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Betroffenen ist eine Untersuchung im Schlaflabor erforderlich.

Eine der häufigsten und folgenschwersten Schlafstörungen ist das Schlafapnoe-Syndrom. Vermutlich leiden hierzulande fünf bis acht Prozent der Bevölkerung an dieser Erkrankung, die meisten ohne es zu wissen. Die Schlafapnoe ist damit so weit verbreitet wie die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Begünstigend für das Schlafapnoe-Syndrom ist nach Expertenangaben unter anderem Übergewicht, Alkohol und Nikotin.

Zu den Symptomen zählen lautes und unregelmäßiges Schnarchen, vermehrte Tagesmüdigkeit sowie Verminderung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit und Konzentrationsschwäche. Mehrere hundert Mal pro Nacht kann es zu Atemstillständen kommen. Ein unbehandeltes Schlafapnoe-Syndrom kann verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen, verursachen. Die Betroffenen haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Unbehandelt führt Schlafapnoe nicht nur zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität, sondern auch zu einer Verkürzung der Lebenserwartung.

Starke Schnarcher sind besonders gefährdet, an Schlafapnoe zu erkranken. Mehr als 50 Prozent der Männer über 40 Jahre und der Frauen über 50 Jahre schnarchen.

Beschwert sich Ihr Partner über nächtliches „Sägen“? Sind Sie häufig müde? In diesem Fall sollte eine ärztliche Abklärung angestrebt werden. Von einer chronischen Schlafstörung wird gesprochen, wenn Sie mehr als sechs Monate drei bis vier Nächte in der Woche schlecht schlafen und sich tagsüber erschöpft, antriebslos und in Ihrer Leistungsfähigkeit einge-schränkt fühlen. Auch dann sollten die Ursachen der Störung ärztlich abgeklärt werden.

Quelle:
Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 27. Schlafstörungen. www.rki.de
Auf knapp 50 Seiten behandelt das Themenheft Grundlagen des normalen und gestörten Schlafs und gibt einen Überblick über Prävention, Diagnostik und Therapie der schlafmedizinischen Erkrankungen.

Tipp:
Ausführliche Informationen zum Thema Schlaf, Schlafapnoe und weiteren Schlafstörungen, Hinweise zu Ursachen von Schlafstörungen und den Behandlungsmöglichkeiten finden Sie unter www.schlaf.de

Schlafstörungen Foto: PhotoDisc


Osteoporose: Drei Dinge braucht der Mensch

(dgk) Volkskrankheit Osteoporose: Alle sieben Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Wirbelbruch aufgrund des Leidens; rund 400.000 Frakturen von Wirbelkörpern, Oberschenkel oder Unterarm wegen einer Osteoporose wurden im Jahr 2004 gezählt.

Ein solcher Knochenbruch ist häufig das erste Symptom – im Laufe der Erkrankung wird Knochenmasse vermehrt abgebaut und der Knochen verliert mehr und mehr an Stabilität. Dies geschieht unmerklich: Der Knochenschwund verursacht keine Schmerzen, kein Unwohlsein oder andere Krankheitszeichen.

Die Folgen der Frakturen sind gravierend. Den Patienten drohen chronische Schmerzen, Behinderung und Pflegebedürftigkeit, wie folgende Zahlen belegen: Nach einem Oberschenkelbruch erlangen nur 24 Prozent der Betroffenen wieder eine volle Funktionsfähigkeit, 22 Prozent sind anschließend pflegebedürftig, und jeder Fünfte stirbt nach einer Operation.

Experten schätzen die Zahl der Osteoporose-Patienten auf vier bis sechs Millionen alleine in Deutschland. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, mehr als ein Drittel aller Frauen über 60 Jahre hat brüchige Knochen. Besonders dramatisch: Die Bevölkerung wird immer älter, und so wird in den nächsten Jahren die Zahl der Menschen mit Osteoporose deutlich steigen.
Damit nicht genug: Nur etwa zehn Prozent der Frauen zwischen 60 und 80 Jahren erhalten in Deutschland die richtige Osteoporosetherapie, die Bundesrepublik ist im europäischen Vergleich Schlusslicht. Grund dafür mag unter anderem auch die mangelnde Früherkennung sein. Eine Messung der Knochendichte kann zwar Aufschluss darüber geben, wie hoch der Mineralsalzgehalt des Knochens ist, sie wird jedoch erst nach dem ersten Knochenbruch von den Krankenkassen bezahlt.

Damit Knochen über die Jahre stabil bleiben, braucht unser Körper drei wichtige Dinge: Vitamin D, Kalzium und Bewegung. Vitamin D sorgt dafür, dass Kalzium, der klassische „Knochenfestiger“, über den Darm aufgenommen und in die Knochen eingebaut wird. Und auch Bewegung macht die Knochen stabil: Scher- und Zugkräfte führen zu einem Auf- und Umbau von Knochensubstanz und machen das Skelett somit fit.

Bewegungsübungen lassen sich ohne großen Aufwand und auch ohne fachliche Anleitung von jedermann leicht erlernen, Kalzium kann über die Nahrung relativ einfach in ausreichender Menge aufgenommen werden. Etwas anders hingegen sieht es mit Vitamin D aus: Normalerweise wird das Vitamin unter Einwirkung von Sonnenlicht von der Haut produziert. Allerdings reicht die Sonneneinstrahlung im Winter dafür nicht aus, zusätzlich lässt die Vitaminproduktion im Alter nach. Untersuchungen zufolge leidet daher über die Hälfte der Frauen nach den Wechseljahren an einem Vitamin-D-Mangel. Vitamin D muss also häufig zusätzlich eingenommen werden.

Ein weiterer wichtiger Pfeiler einer Osteoporose-Therapie sind Medikamente, in erster Linie so genannte Bisphosphonate. Sie hemmen den Knochenabbau und stärken den noch vorhandenen Knochen. Bisphosphonate müssen vom Arzt verschrieben werden und sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich. Manche müssen einmal täglich, andere nur einmal pro Woche geschluckt werden. Neu ist eine Fixkombination von Bisphosphonat und Vitamin D, die nur einmal in der Woche eingenommen werden muss: die optimale Therapie gegen Osteoporose.


Frohes Festmahl
Menschen nehmen zwischen Neujahr und Weihnachten am meisten zu

(dgk) Frohes Fest: Für viele ist Weihnachten die Zeit der endlosen Festmahle und der kneifenden Hosen. Im Januar dann unterziehen sie sich zähneknirschend strengen Diäten oder belegen Kurse im Fitnessstudio. Auch wenn die Gewichtszunahme zwischen Weihnachten und Neujahr ein paar Gramm beträgt*, die Menschen nehmen zwischen Neujahr und Weihnachten und nicht zwischen Weihnachten und Neujahr zu.

Zugegeben: Viele der traditionellen Festtagsgerichte sind äußerst schwer verdaulich. Und dann folgen den ausgiebigen Schlemmereien die bekannten Beschwerden: Übelkeit, Sodbrennen und Magenschmerzen. Der beliebte Gänsebraten beispielsweise liegt sieben Stunden lang im Magen, oft gefolgt von Völlegefühl oder Sodbrennen. Um schlank ins nächste Jahr zu rutschen, muss während der Weihnachtszeit jedoch niemand auf Leckereien verzichten, denn es geht auch anders:

    • Planen Sie in Ihrem Weihnachtsmenü einen frischen Salat oder eine Gemüsesuppe ein. Das bremst den Appetit und füllt den Magen. Kartoffeln, Getreideprodukte und Gemüse können sich auf dem Teller ruhigen Gewissens häufen: Sie sind ideale Sattmacher und enthalten lebenswichtige Nähr- und Inhaltsstoffe, die fit halten.
    • Vorsicht vor fettigen Sahnesoßen: Soßen aus gedünstetem und püriertem Gemüse, fein mit Gewürzen abgeschmeckt, sind ebenso köstlich.
    • Ein im Ofen gegarter und mit vielen frischen Kräutern gefüllter ganzer Fisch, beispielsweise Forelle, Lachs oder Zander ist ein luxuriöser Hochgenuss für den Gaumen am Weihnachtsabend und schützt zudem das Herz.
    • Servieren Sie zum Nachtisch statt Mousse au Chocolat lieber ein Sorbet aus frischen Früchten oder fettarme Käsesorten wie Harzer, Korbkäse oder Limburger mit Weintrauben.
    • Ein Glas Mineralwasser zwischen Champagner und Wein spart eine Menge Kalorien.
    • Anisplätzchen, Baseler Leckerli, Springerle, Pfeffernüsse und Baiser-Plätzchen sind ein schlanker Knuspergenuss, denn sie haben weitaus weniger Kalorien als Spritzgebäck und Co. Die gesunde, aber trotzdem süße Alternative ist der Bratapfel mit Rosinen, Zimt und etwas Nelke. Diverse Teesorten, beispielsweise Zimttee, sind ein idealer und leckerer Ersatz und stillen den Heißhunger auf Süßes.
    • Ausgiebige Spaziergänge an der frischen Winterluft tun gut und sind ein wahrer Kalorienkiller. Danach schmecken die Leckereien doppelt so gut!
    • Ein Tag in der Sauna oder im Thermalbad während der freien Tage entspannt Körper und Seele, bietet Zeit für Besinnung – und ist vollkommen kalorienfrei!


* Die Umfrage eines Pharmaherstellers unter 1.000 Erwachsenen brachte 2003 zutage, dass rund 40 Prozent der Befragten nach den Feiertagen bis zu 5 Kilogramm mehr wiegen. In anderen Studien heißt es hingegen, dass die Menschen hierzulande zwischen Weihnachten und Neujahr nur 370 Gramm zunähmen.

Menschen nehmen zwischen Neujahr und Weihnachten am meisten zu Foto: Photo Disc


Socken, Schlipse, Streitereien
Nicht immer ist Weihnachten das Fest der Liebe

(dgk) Auch wenn es das „Fest der Liebe“ sein sollte: In vielen Familien hängt der Haussegen schneller schief, als die Weihnachtskugeln am Baum. Fast in jeder Familie gibt es Streit unterm Christbaum, und der Großteil der Scheidungen wird nach den Festtagen eingereicht.

Vor allem Mütter stehen in der Vorbereitungszeit so unter Stress, dass bei ihnen an den eigentlichen Feiertagen oft die Nerven blank liegen. Das Projekt Weihnachten bedeutet schon Wochen vorher einen vollen Terminkalender: Plätzchen backen, Feiern im Kindergarten, Basteln, Singen, Weihnachtsmarkt und Krippenspiel, dann auch noch Geschenke besorgen, das Festmahl planen, Besuche und Gäste organisieren. Für Männer allerdings kann es schon Stress bedeuten, wenn es um das „richtige“ Geschenk geht, statt wieder einmal einen Kochtopf, ein Kochbuch oder eine Küchenschürze unter den Weihnachtsbaum zu legen.

Erschöpfung aus dem Vorbereitungsstress und die möglicherweise unharmonische Begegnung mit Familienmitgliedern könnten sich schnell in Enttäuschung und Frust entladen. Das Deutsche Grüne Kreuz warnt vor überzogenen Erwartungen zum Fest. Probleme in Familie und Partnerschaft verschwinden nicht von selbst, nur weil Weihnachten ist und Kerzen brennen. Vermeiden Sie daher Grundsatzgespräche an den Festtagen – dazu ist auch nach den Festtagen noch Zeit.

Planung und Vorbereitung der Festivitäten sollte nicht allein auf Mutters Rücken, sondern in die Hände aller Familienangehöriger gelegt und angemessen verteilt werden. Das bedeutet: früh genug mit allen gemeinsam planen, Geschenkwünsche und Essensvorlieben klären, Aufgaben verteilen und dann auch konsequent sein. Auch ein paar Tage vor Weihnachten kann man sich noch zusammensetzen und sich austauschen: Listen und Einkaufszettel, eine Ablauf- und Küchenplanung sind hilfreich. Weihnachten gelingt eher, wenn alle mitreden können, und ist letztlich eine echte Gemeinschaftsleistung.

Während der Festtage kann man buchstäblich Konflikten und Zank aus dem Wege gehen, wenn man Rückzugsmöglichkeiten für alle einplant. Die Familie muss nicht ständig alles zusammen machen. Denn, was das ganze Jahr nicht funktioniert, kann nicht plötzlich an Weihnachten gleich mehrere Tage hintereinander klappen. Oft sind es Kleinigkeiten, die zum Streit führen. Jeder sollte sich eine Auszeit nehmen dürfen – zum Ausschlafen, Spazierengehen, Lesen, Faulenzen oder Herumbasteln.


Auf die Bretter, fertig, los?
Rechtzeitige Skigymnastik beugt Verletzungen vor

(dgk) Eben noch hinterm Schreibtisch, gleich darauf sausen Ski- und Snowboard-Fahrer die Pisten hinunter – oft leichtsinnig untrainiert. Am besten ist es, sich das ganze Jahr über sportlich fit zu halten, raten Experten. Spätestens sechs bis acht Wochen vor dem Start in den Winterurlaub sollte mit der Skigymnastik begonnen werden. Aber auch kurz vorher ist es nicht zu spät, den Körper auf kommende Belastungen einzustimmen. Gerade Untrainierte haben sonst auf der Piste ein hohes Unfallrisiko.

Beim Wintersport ist der Körper starken und vor allem ungewohnten Belastungen ausgesetzt. Das gilt vor allem in Hinblick auf Muskeln und Gelenke – Ursache vieler Verletzungen sind müde und überlastete Muskeln. Mit mehr als 40 Prozent stehen nach Angaben der Auswertungsstelle für Skiunfälle der ARAG Sportversicherung (ASU Ski) Verletzungen der unteren Extremitäten (Knie, Unterschenkel, Fuß) immer noch an der Spitze im Alpinsport, an zweiter Stelle mit 38 Prozent der Schulterbereich. Besonders das Knie ist nach wie vor die Problemzone des Skisports, auch wenn nach Einführung der Carving-Ski der Anteil der Knieverletzungen seit drei Jahren nahezu konstant bei 31 Prozent liegt.

Ganz wichtig ist das Aufwärmen: Auf der Stelle hüpfen oder laufen bringen den Kreislauf in Gang, die Muskeln werden durchblutet. Leichte Dehnübungen und Stretching helfen außerdem, die Funktion von Gelenken, Bändern und Sehnen zu verbessern. Sie halten dann besser höhere Belastungen aus. Aufwärmen ist vor jedem Ski-Tag sinnvoll!

Seilspringen, Liegestützen oder langes Laufen dienen in erster Linie der Kondition. Zum Stärken der Gesäß-, Oberschenkel- und Rückenmuskulatur sind typische Skibewegungen sinnvoll: mit beiden Beinen in der Abfahrtshocke federn, Sprünge aus der Hocke oder der schwingende Langlaufschritt. Die Waden trainiert, wer den Fuß auf eine Treppenstufe stellt und dann abwechselnd Hacken und Zehe nach oben zieht.

Nach dem Muskeltraining heißt es wieder Entspannen: Auf den Rücken legen, Augen schließen und die strapazierte Muskulatur vorsichtig dehnen. Richtiges Stretchen nach dem Sport verhindert Muskelkater. Eine warme Dusche und eine kühle Saftschorle leiten die Entspannung ein. Damit das Herz-Kreislauf-System und der Bewegungsapparat sich an die neuen Anforderungen gewöhnen können, sollte trotz Training gelten: Langsam anfangen – stetig steigern!

Spezielle Skigymnastikkurse werden überall von Sportvereinen, Universitäten und Fitness-Centern angeboten. Wer lieber zu Hause trainiert, sollte sich entweder ein Skigymnastikvideo besorgen oder sich die passenden Übungen aus Fachbüchern oder dem Internet heraussuchen. Bei der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) gibt es eine kostenlose Infobroschüre zur Vorbereitung auf die Skisaison und zur Vermeidung von Unfällen im alpinen Skisport. (www.ski-online.de) Hier erfahren Sie auch die Adressen und Telefonnummern der Landes-Skiverbände des DSV.

Quelle:
Unfälle im alpinen Skisport, Zahlen und Trends der Saison 2003/2004
www.ski-online.de/xfiles/files/pdf/SIS/asuzahlen_2005.pdf

Rechtzeitige Skigymnastik beugt Verletzungen vor Foto: MEV


Heilen mit Goldfliegemaden oder Schweine-Peitschenwurm
Biochirurgie: Mediziner greifen immer öfter zu tierischen Helfern

(dgk) Zahlreiche Menschen leiden unter chronischen Wunden, die partout nicht abheilen wollen. Bei Diabetikern bilden sich zum Beispiel oft hartnäckige Fußgeschwüre, bei Patienten mit Venenschwäche das „offene Bein“ oder durch ständiges Liegen im Bett und entsprechenden Druck auf bestimmte Hautstellen ein Dekubitus (Wundliegen).

Die klassischen Methoden der Wundbehandlung sind häufig mit schmerzhaftem, häufigem Verbandswechsel verbunden oder können Blutungen hervorrufen, die eine Infektion begünstigen. Muss ein Geschwür entfernt werden, droht meistens auch der Verlust von gesundem Gewebe; schlimmstenfalls ist sogar eine Amputation erforderlich.

Die Alternative heißt „Biochirurgen“: Maden, Würmer, Egel und Co. wirken vielfach besser als herkömmliche Therapien – neben Geschwüren und offenen Wunden auch bei Rheuma oder Venenleiden. Werden sie rechtzeitig auf die Wunde „losgelassen“, ermöglichen Fliegenmaden eine relativ rasche Heilung – ohne Nebenwirkungen. Goldfliege heißt eine Gattung, deren Maden ein spezielles Speichelsekret absondern. Es bewirkt eine vollständige Verflüssigung des toten Gewebes in offenen Beinen oder Fußgeschwüren. Dadurch entsteht eine Art „Nährbouillon“, die von den Maden komplett aufgenommen wird. Sie entfernen so das Geschwür, ohne gesundes Gewebe zu beeinträchtigen. Gleichzeitig wirken die Biochirurgen antibakteriell und praktisch schmerzfrei. Das einzige Problem für die Patienten: Sie müssen ihren Ekel überwinden.

Würmer können ebenfalls äußerst hilfreich sein – zum Beispiel bei entzündlichen Darmerkrankungen wie dem Morbus Crohn. Der Schweine-Peitschenwurm kann beispielsweise das gestörte Immunsystem im Darm so beschäftigen, dass die chronische Entzündung abklingt. Da der Wurm sich nur im Schwein vermehren kann, ist er für den Menschen völlig harmlos; er überlebt in unserem Darm höchstens zwei Wochen. Erste Untersuchungen aus den USA zeigten, dass der Parasit bei den beteiligten Patienten zu einer deutlichen Besserung der Symptome führte. Experten rechnen damit, dass die Therapie demnächst auch in Deutschland zur Verfügung steht. Schon bald soll eine große klinische Studie in Europa durchgeführt werden.

Die heilenden Wirkung des Blutegels war schon im antiken Ägypten bekannt. Seit einiger Zeit erlebt der Ringelwurm eine Renaissance – aktuelle Studien belegen seine Wirksamkeit bei rheumatischen Erkrankungen wie zum Beispiel Kniegelenkarthrose. Außerdem wird der Blutsauger eingesetzt bei Krampfaderleiden, Venenentzündungen, Menstruationsbeschwerden oder Tinnitus. Der therapeutische Effekt beruht nicht auf dem minimalen Blut-verlust, sondern entsteht durch spezielle Sekrete, die der Egel in die Wunde spritzt. In erster Linie ist hier das Enzym Hirudin zu nennen: Es bremst die Blutgerinnung und wirkt entzündungshemmend. Außerdem sondert das Tier histaminähnliche Substanzen ab, die gefäßerweiternd wirken.

Mehr über dieses Thema lesen Sie im nächsten Ratgeber aus Ihrer Apotheke/Ausgabe 1 A/2006 (1. Januar)


AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG

Lügen schlägt auf den Magen

(dgk) Bisher verrieten die Messung von Puls, Atmung und Blutdruck einen Lügner. US-Wissenschaftler wollen Lügendetektoren jetzt auch am Bauch anschließen. Eine gezielte Analyse der Magenmuskeln soll die Präzision der Geräte weiter verbessern, da Messungen von Puls oder Blutdruck durchaus ausgetrickst werden können. Denn: Aktivitäten des Magens verraten nach einer aktuellen Studie, die ursprünglich ein Schülerprojekt war, besser als andere Parameter, ob ein Befragter die Wahrheit spricht oder nicht.

Der Mediziner Dr. Pankaj Jay Pasricha von der University of Texas Medical Branch (UTMB) in Galveston (www.utmb.edu/), seine 16-jährige Tochter Thrisha und ein Forscherteam haben bei 16 Freiwilligen die Aktivität der Magenmuskulatur gemessen und festgestellt, dass das Lügen die Herzfrequenz steigert und gleichzeitig die gewöhnlichen Bewegungen des Magens verlangsamt. „Ruhe im Magen2 lasse damit auf Lügen schließen. Die Forscher erstellten von jedem Probanden ein EKG und ein Elektrogastrogramm (EGG), das die Bewegung der Magenwand wiedergibt. Der Grund für den Zusammenhang liege in der Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem „Bauchhirn“, wie das Nervengeflecht im Magen-Darm-Trakt auch bezeichnet wird.

In Deutschland sind Lügendetektoren als Beweismittel vor Gericht nicht zugelassen. Dies entschied der Bundesgerichtshof im Jahr 1998. Sollte man daher sein Ohr ganz nah an den Bauch seines Gegenübers halten, um eventuelle verräterische Stille im Verdauungstrakt zu erhören?

Quelle:
Galveston County Daily Newst: Butterflies show up in lie detector test, published October 31, 2005
Pankaj Pasricha (University of Texas Medical Branch, Galveston) et al.: Jahrestreffen der Amerikanischen Gesellschaft für Gastroenterologie in Honolulu http://www.acg.gi.org/


Was gibt’s denn da zu lachen?
Warum Kitzeln so schön und Selber-Kitzeln nicht lustig ist

(dgk) Kitzeln - für die einen grausame Qual, die Lachen, Kichern, Winden und Zucken auslöst, für die anderen bloß ein untauglicher Versuch, ihnen ein Lächeln abzuringen. Der Kölner Neurologe Dr. med. Curt Beil versucht zu erklären, was es mit dem Kitzeln auf sich hat. Warum können manche Menschen widerstehen und bleiben cool, auch wenn man sie heftig kitzelt? Eins steht fest: Kitzeln und Schmerz liegen wissenschaftlich betrachtet nah beieinander.

Was genau das Kitzeln im Körper auslöst, ist den Wissenschaftlern noch unklar. Fest steht: Kitzeln ist kein reiner Reflex, sondern wird im Gehirn gesteuert. Für viele ist es qualvoll: Im 30-jährigen Krieg gab es sogar eine Kitzelstrafe. Dabei strich man Salz auf die Fußsohlen und ließ das dann Ziegen ablecken. Auch bei den Römern soll diese Foltermethode bereits angewendet worden sein.

Kitzeln werde aber im Bewusstsein eher als „freundlich“ eingeordnet, als ein Gefühl zwischen „angenehm-unangenehm“, so Beil. Man ziehe zwar den Fuß weg, der gekitzelt wird, „aber es scheint ein unterschwelliger Wert zu sein, der nicht dem Schmerz gleichkommt“. Daher lieben es auch Kleinkinder gekitzelt zu werden, außer von einem Fremden, der dabei nicht lächelt. Das Kitzeln des Babys ist eine sehr intensive Kontaktherstellung. Und ein Baby, das von seiner Mutter oder naher Bezugsperson gekitzelt wird, weiß, dass ihm etwas Gutes angetan wird.

Manche Körperregionen sind kitzeliger als andere. Das liege nach Angaben von Beil an den unterschiedliche Verteilung bestimmter Neurorezeptoren in der Haut. Diejenigen, die dem Reiz widerstehen und cool bleiben, behaupten zwar, sie spüren nichts, doch auch sie können sich wohl nicht dem Kitzelgefühl entziehen. Wie stark man reagiere, hänge sicher auch vom Persönlichkeitstyp ab. Möglicherweise nehmen scheinbar nicht kitzelige Menschen das Gefühl nur anders wahr. Einiges deute auch darauf hin, dass die Kitzelempfindlichkeit vererbt werde. Sehr kitzelige Eltern haben meist auch ziemlich kitzelige Kinder.

Geklärt ist bisher nur, warum sich selbst der kitzeligste Mensch sich nicht selbst kitzeln kann: Ein britisch-kanadisches Forscherteam um Paul Bays vom University College in London fand heraus, dass das Gehirn bei Berührungen mit der eigenen Hand den Zeitpunkt des Kontakts vorausberechnet und alle Nervensignale dämpft, die um diesen Zeitpunkt herum vom entsprechenden Körperteil ausgesendet werden. Unter Schizophrenie leidende Menschen können sich als einzige Ausnahme unter gewissen Umständen selbst kitzeln.

Warum sind Menschen kitzelig?Foto: PhotoAlto


Quellen:
Warum sind Menschen kitzelig? In: Ärztezeitung, 07.11.2005
Paul M. Bays, Daniel M. Wolpert, and J. Randall Flanagan: Perception of the Consequences of Self-Action Is Temporally Tuned and Event Driven, in: Current Biology 2005 15: 1125-1128.
Blakemore S, Wolpert D,Frith C.: Why can´t you tickle yourself? In: Neuroreport 11,11-16, 2000


NEUES AUS DEM DEUTSCHEN DIABETES-ZENTRUM (DDZ)

Medizinische Online-Umfragen auf dem Prüfstand

(dgk/DDZ) Online-Umfragen gewinnen durch die ständig wachsende Verbreitung des Internets immer mehr an Bedeutung und werden mittlerweile auch im Gesundheitssektor einge-setzt. Als größtes Problem wurde bisher ihre mangelnde Repräsentativität für die Gesamtbevölkerung angesehen.

Eine Forschergruppe vom Kaiser Permanente Center for Health Research in Portland, Oregon, USA, hat die Gültigkeit (Validität), Zuverlässigkeit (Reliabilität) und die Repräsentativität von Internet-Umfragen in einer Vergleichsstudie untersucht. Sie verglichen die Ergebnisse einer Online-Umfrage mit den Ergebnissen einer Telefonumfrage unter Benutzung des gleichen Fragenkatalogs. Die Umfrage wurde an einer Grundgesamtheit von einer Million Einwohnern durchgeführt, sowie an einer Untergruppe von Diabetikern. Bestimmt wurde der Grad der Übereinstimmung der Ergebnisse zu den verschiedenen Fragen. Zusätzlich verglichen die Forscher ihre selbst erhobenen Daten mit den Daten von zwei großen nationalen Gesundheitsumfragen, dem 1999 durchgeführten Behavioral Risk Faktor Surveillance Survey (BRFSS) und dem 1998 durchgeführten National Health Interview Survey (NHIS).

Mit Hilfe eines Marktforschungsunternehmens wurde aus einer Million Einwohnern eine für die US-Bevölkerung repräsentative Stichprobe von 13.400 Personen über 18 Jahre gezogen und über E-Mail/Telefon kontaktiert. Von den freiwilligen Teilnehmern wurde eine repräsentative Stichprobe ausgewählt. Diejenigen Personen, die sich selbst als Diabetiker identifizierten, wurden zu einem separaten Fragebogen weitergeleitet, allerdings nur so lange bis eine statistisch notwendige Mindestzahl von Diabetikern erreicht war. Daher konnte die Gesamtzahl aller Diabetiker in der Stichprobe nicht ermittelt werden.

Die Telefonumfrage wurde durch ein auf diese Art der Meinungsumfrage spezialisiertes Marktforschungsunternehmen durchgeführt unter Anwendung einer gebräuchlichen Telefonumfragemethode mit zufallsgenerierten Rufnummern.

Die Rücklaufquote (response rate) der Online-Umfrage war mit 17,3 Prozent höher als die der Telefonumfrage mit 9,3 Prozent. In beiden Umfragen konnte Repräsentativität allerdings nur unter der weißen Bevölkerung erreicht werden, nicht bei den Minoritäten- und Migrantenpopulationen.

Die Ergebnisse der Online-Befragung der Gesamtstichprobe unterschieden sich nicht wesentlich von den Ergebnissen der Telefonumfrage und der nationalen Gesundheitssurveys (BRFSS und NHIS) in Bezug auf folgende Faktoren: Zugang zu medizinischer Versorgung, Inanspruchnahme medizinischer Dienste, medizinisch angemessene Behandlung, sowie in Bezug auf 7 von 12 Gesundheitsindikatoren. Was die Untergruppe der Diabetiker betrifft, so waren auch deren Ergebnisse nicht signifikant unterschiedlich in 7 von 13 Indikatoren, einschließlich Selbsteinschätzung der Gesundheit, Vorhandensein einer Krankenversicherung, Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, regelmäßige Augenhintergrunduntersuchungen und Anti-Raucher-Beratung. Der Übereinstimmungsgrad war aber allgemein höher bei Fragen zur Gesundheitsversorgung als bei Fragen zum Gesundheitszustand (Epidemiologie) der Bevölkerung.

Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass die Ergebnisse in Umfragen zur Qualität der Gesundheitsversorgung unabhängig davon sind, ob die Daten durch Online-Umfragen gewonnen wurden oder durch wesentlich kostspieligere Verfahren wie Telefonumfragen und persönlichen Interviews. Ihrer Meinung nach stellen Online Umfragen eine zeitnahe, effiziente und kostengünstige Alternative zur Beurteilung der Qualität der Gesundheitsversorgung dar. Bedenken bei neuen Umfrage-Methoden seien auch nicht neu. Als in den späten 60er- und Anfang der 70er-Jahre die damals neuen Telefoninterviews mehr und mehr in Umfragen eingesetzt wurden, seien die gleichen methodologischen Bedenken erhoben worden wie heute bei den Online-Umfragen.

Auch am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) wird seit Anfang November eine Online-Umfrage zur Diabetesversorgung in Deutschland durchgeführt. Das DDZ will auf diese Wei-se die Erfahrungen und Meinungen möglichst vieler Patienten und im Gesundheitswesen Beschäftigter kennen lernen. Falls Sie an der Umfrage teilnehmen möchten, gelangen Sie über www.diabetes-panel.de zum Fragebogen.

(Dr. med. Heinz Nagel, Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung)

Quelle:
Bethell, C et al.: Online Consumer Surveys as a Methodology for Assessing the Quality of the United States Health Care System. J Med Internet Res 2004; 6(1):e2 http://www.jmir.org/2004/1/e2/

Informationen finden Sie im Internet unter www.diabetes-deutschland.de

Für Rückfragen zu dieser Presseinformation wenden Sie sich bitte an:
Prof. Dr. med. Werner A. Scherbaum
Deutsches Diabetes-Zentrum / Deutsche Diabetes-Klinik
Leibniz-Institut an der Heinrich-Heine-Universität
Auf’m Hennekamp 65, 40225 Düsseldorf

Telefon: 02 11 / 33 82 – 2 00, Fax: 02 11 / 33 69 103



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