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pgk, Jg. 42, 11/12 - 2008
CMV bleibt oft unerkannt
Schwangere sollten sich testen lassen
(2.623 Zeichen)
(pgk) Der siebenjährige Pascal* spielt wie alle Jungen in seinem Alter gerne mit elektronischem Spielzeug. Er mag das Bellen seines ferngesteuerten Hundes und freut sich, wenn er durch den Raum rennt. Pascal steuert sein Spielzeug nicht per Hand, sondern per Knopfdruck mit einer gezielten Kopfbewegung. Seinen Spielhund erkennt er vor allem an dem vertrauten Geräusch und dem verzerrten Bellen, das er beim Durchqueren des Raumes macht. Pascal ist gelähmt, er sitzt von Geburt an im Rollstuhl und kann nur noch etwa 10 Prozent von dem sehen, was gesunde Kinder in seinem Alter wahrnehmen.
Seine Mutter, Simone Buchholz*, hat sich während der Schwangerschaft mit CMV ange-steckt. Hinter diesen drei harmlosen Buchstaben verbirgt sich eine Virusinfektion, die von Cytomegalie-Viren verursacht wird. Häufig verläuft eine Infektion unauffällig, die meisten Menschen, die die Viren in sich tragen, bemerken nichts davon. Problematisch wird CMV, wenn sich Frauen erstmals in der Schwangerschaft infizieren. Oft bemerken die werdenden Mütter nicht, dass sie sich angesteckt haben, sie fühlen sich vielleicht ein wenig matt und erschöpft – in der Schwangerschaft nichts Ungewöhnliches.
Jährlich kommen in Deutschland etwa 700 bis 900 Kinder mit Erkrankungen zur Welt, die durch CMV verursacht wurden. Sie haben ein geringes Geburtsgewicht, leiden unter Trinkschwäche, haben eine vergrößerte Leber oder Milz und leiden an Krampfanfällen. Oft hören oder sehen sie schlecht und bleiben in ihrer Entwicklung weit hinter den Altersgenossen zurück. Das Tückische an CMV ist, dass Kinder, die sich im Mutterleib angesteckt haben und zunächst gesund zur Welt kommen, im Laufe der ersten Lebensjahre Krankheitszeichen wie zum Beispiel eine Hörminderung entwickeln können. Eine gute Nachsorge bei diesen Kindern ist unerlässlich, um mögliche Folgen der Infektion frühzeitig festzustellen und zu behandeln.
Um eine Infektion mit CMV möglichst früh zu erkennen, rät der Münchner Frauenarzt Profes-sor Klaus Friese allen Schwangeren zu einem CMV-Test. Denn CMV lässt sich durch einen einfachen Bluttest nachweisen. Noch ist der Test jedoch nicht Bestandteil der Mutterschafts-richtlinien und daher keine Kassenleistung. Er kostet etwa 15 bis 20 Euro. Der Frauenarzt kann ihn vornehmen.
Ein negativer Test sollte alle sechs bis acht Wochen wiederholt werden, so kann eine Infektion mit dem Cytomegalie-Virus rechtzeitig erkannt werden. Da es nicht möglich ist, Schwangere mit den herkömmlichen Medikamenten, sogenannten Virustatika, zu behandeln, wird werdenden Müttern eine passive Immunisierung mit Immunglobulinen empfohlen. Dabei fangen Antikörper die Cytomegalie-Viren ab und machen sie unschädlich. Die Präparate sind derzeit nur für die Therapie von Patienten nach einer Transplantation zugelassen, aber bereits jetzt können auch Schwangere von der Immunglobulingabe profitieren. Nach bisherigen Ergebnissen wird die Behandlung gut vertragen und ist erfolgreich. Die meisten Kassen tragen die Kosten.
*Name von der Redaktion geändert, Kontakt über: www.cmv-selbsthilfegruppe.de
Weitere Informationen auf:
www.dgk.de/
Zum Wohl von Mutter und Kind
Hefepilz-Diagnostik in der Schwangerschaft ist ratsam
(1.517 Zeichen)
(pgk) Für eine Schwangere ist die Wahrscheinlichkeit, an einer vaginalen Hefepilz-Infektion zu erkranken, deutlich höher als für eine nicht schwangere Frau. Etwa 30 Prozent der Frauen haben am Schwangerschaftsende eine solche Infektion. Sie wird meist von der Hefepilz-Spezies Candida albicans hervorgerufen.
Die Ursache für das erhöhte Risiko: Mit einer Schwangerschaft gehen hormonelle Veränderungen einher, der Säuregehalt des Scheidenmilieus sinkt, die Glukosekonzentration steigt. Diese Veränderungen führen dazu, dass sich Hefepilze leichter in der Scheide vermehren können.
Übertragung während der Geburt
Diese Infektion stellt weder für die Mutter noch für das heranwachsende Baby ein großes Risiko dar. Sie sollte dennoch behandelt werden. Denn auf einen Scheidenpilz können bakterielle Infektionen aufsatteln, die die Schwangerschaft möglicherweise gefährden. Und: Liegt zum Zeitpunkt der Entbindung eine Hefepilzinfektion vor, so überträgt sich der Pilz bei der Geburt leicht auf das Neugeborene. Sehr häufig entwickelt sich bei dem Baby dann eine Mykose (Pilzbefall) im Windelbereich oder Mund, die therapiert werden muss.
Was tun?
Wenn Sie schwanger sind und Symptome einer Pilzinfektion haben, so gilt: In jedem Fall einen Gynäkologen aufsuchen. Er diagnostiziert, ob die Beschwerden auf Candida albicans zurückzuführen sind und ob ein Befall mit krankheitsauslösenden Bakterien besteht. Frauenärzte empfehlen, auch Frauen, die keine Symptome spüren, ab der 34. Schwangerschaftswoche auf Pilze zu untersuchen. Ist eine Hefepilzinfektion nachweisbar, wird eine lokale Therapie mit Antimykotika durchgeführt; auch hier weiß der Gynäkologe, welche Präparate in der Schwangerschaft geeignet sind.
Weitere Informationen:
www.dgk.de/vaginalpilz
Schüler und Lehrer sind unzureichend geimpft
Pilotprojekt „Immun ist stark“ in Mecklenburg-Vorpommern zeigte Lücken auf
(2.229 Zeichen)
(pgk) „Wo ist mein Impfausweis?“ fragten Anfang des Jahres Schülerinnen und Schüler von insgesamt 217 Realschulen und Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern ihre Eltern. Den Impfausweis benötigten die Jugendlichen nämlich für den Biologieunterricht. Das Deutsche Grüne Kreuz e. V. hatte eine Schulaktion zu den Themen Impfen und Infektionskrankheiten ins Leben gerufen. Beteiligt daran waren das Ministerium für Soziales und Gesundheit und das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, die Landesärztekammer, das Landesamt für Gesundheit und Soziales, die Berufsverbände der Kinder-, Haus- und Frauenärzte sowie die Gesellschaft für Immunologie, Schutzimpfungen und Reisemedizin e. V. Mecklenburg-Vorpommern.
Unter dem Motto „Immun ist stark“ lernten die Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Klassen mehr über das Abwehrsystem ihres Körpers und die Wirkung von Schutzimpfungen. Wie Detektive spürten sie Mängel in ihrem Impfausweis auf. Comics, Arbeitsblätter und ein Folienvortrag boten Schülern und Lehrern eine spannende Abwechslung zum herkömmlichen Schulalltag. Masern, Mumps und Röteln, HPV (Humane Papillomviren), Hepatitis B und Tetanus sind nun keine Unbekannten mehr für die Jugendlichen. Höhepunkt des Projektes war ein Schülerwettbewerb: Unter dem Motto „Schüler informieren Schüler“ hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, ihr neu erworbenes Wissen in Form von Songs, Theaterstücken, Filmen und Collagen umzusetzen und attraktive Preise zu gewinnen.
Ziel der Aktion war es, Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, dass man sich durch Impfungen gegen sehr viele gefährliche Infektionskrankheiten schützen kann. Die Auswertung einer Befragung von Schülern und Lehrern ergab, dass nicht nur Schüler und Schülerinnen Lücken in ihren Impfausweisen feststellten, sondern auch mehr als der Hälfte der befragten Lehrer notwendiger Impfschutz fehlte. Durch die Kampagne wurden diese Lücken aufgedeckt und können nun geschlossen werden.
Auch die Schuleingangsuntersuchungen zeigen, dass nicht alle Kinder in Deutschland ausreichend geimpft sind. Oft wird eine Impfserie begonnen, aber nicht abgeschlossen, oder die Auffrischung wird versäumt. Dadurch kommt es immer wieder zu Epidemien wie zum Beispiel 2006 zum Ausbruch der Masern in Nordrhein-Westfalen.
Ende dieses und Anfang nächsten Jahres wird die Aktion in Hamburg und Schleswig-Holstein fortgesetzt. Dabei werden in die Aktion auch Schülerinnen und Schüler von Hauptschulen einbezogen. Spätestes dann fragen auch die Hamburger und Schleswig-Holsteinischen Jugendlichen ihre Eltern: „Wo ist mein Impfausweis?“.
Hexenkessel Kinderzimmer
Spielzeug, Matratzen oder elektrische Geräte brennen gefährlich schnell
(2.065 Zeichen)
(pgk) Brandgefährlicher Materialmix: Plastikspielzeug, Stofftiere, Puppen, Holzklötzchen, Dekoration, Matratzen, Polster- und Gardinenstoffe sowie elektrische Geräte im Kinderzimmer brennen rasend schnell. Nicht selten kommt es durch Unachtsamkeit oder wegen der Experimentierfreude von Kindern zu schrecklichen Wohnungsbränden, die für die Betroffenen oft tödlich enden. Schon der Funke einer Wunderkerze genügt, um etwa ein Kinderspielhaus, ein Kuscheltier oder eine Schaumstoffmatratze in Brand zu stecken. Ein Feuer findet gerade im Kinderzimmer schnell viel Nahrung. Dabei entwickelt sich ein so starker Rauch, dass wenig Zeit bleibt, das Zimmer heil zu verlassen. Zudem besteht erhöhte Erstickungsgefahr durch Rauchgasvergiftung.
Die Erkenntnisse basieren auf einer Untersuchung zu Brandgefahren im Kinderzimmer, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Auftrag gegeben hatte: Ein Brandversuch, den die Feuerwehr Berlin in einem Muster-Kinderzimmer durchführte, zeigte, dass bereits nach vier Minuten ein ganzes Zimmer komplett in Flammen steht.
Tipps:
- Rauchmelder, die auf Rauchentwicklung mit einem laut vernehmbaren Warnton reagieren, sollten an der Kinderzimmerdecke befestigt werden, zusätzlich auch in allen anderen Wohnräumen und im Flur.
- Führen Sie Ihren Sprössling nicht in Versuchung: Eltern sollten darauf achten, dass weder Feuerzeuge und Streichhölzer noch Kerzen oder Wunderkerzen im Kinderzimmer oder anderswo in der Wohnung griffbereit herum liegen.
- Brandschutzerziehung ist wichtig. Bereits Kindergartenkindern sollte man den sicheren Umgang mit Feuerzeugen oder Streichhölzern zeigen. Denn Kinder, die das einmal gelernt haben, können Gefahren besser einschätzen und sich im Brandfall richtig verhalten.
- Lampen dürfen nicht mit Tüchern abgedeckt werden oder Kontakt zu brennbaren Materialien wie Gardinen oder Bettzeug haben, da diese sich entzünden können.
- Experten empfehlen für Kinderzimmerleuchten nur Energiesparlampen zu benutzen. Von diesen Lampen geht – im Gegensatz zu Glühbirnen oder Halogenlampen – wegen der geringen Wärmeausstrahlung keine unmittelbare Brandgefahr aus.
Weitere Informationen: Deutsche Versicherungswirtschaft (GDV)
www.gdv.de,
Das sichere Haus (DSH),
www.das-sichere-kind.de,
www.rauchmelder-lebensretter.de,
www.dgk.de
Krankes Kind – was tun?
Wann der Gang zum Kinderarzt ratsam ist
(3.365 Zeichen)
(pgk) „Mama, mir tut der Bauch weh!“. Wenn Kinder sprechen können, sind sie auch in der Lage, sich mitzuteilen, wo es kneift und zwickt. Wobei Kinder auch oft über Bauchweh klagen, aber eigentlich unter Kopfschmerzen leiden. Kinder bis etwa zum sechsten Lebensjahr können Schmerzen kaum orten. Sie projizieren alles in den Bauch. Meist geben sie Schmerzen in der Nabelgegend an – auch wenn zum Beispiel wegen einer Angina der Hals weh tun müsste.
Säuglinge und Kleinkinder können sich noch nicht präzise mitteilen. Gerade bei ihnen ist es für Eltern daher oft schwer, auf Krankheitszeichen richtig zu reagieren und abschätzen zu können, ob nicht „mehr dahintersteckt“. Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass ein Kind, das beispielsweise trotz Fieber spielt, nicht schwer krank ist. Auch ein laut schreiendes Kind ist wahrscheinlich auch nicht bedrohlich krank. Gefährlich wird es erst, wenn das Kind lethargisch ist, keinen Blickkontakt hält oder leise wimmert. Weitere ernst zu nehmende Anzeichen können sein: Das Kind spielt oder lacht weniger als sonst. Es lässt sich nur schwer beruhigen. Es klammert sich in übertriebener Weise an die Eltern. Zu Zeiten, in denen es sonst hellwach ist, erscheint es sehr müde.
Der Griff zum Fieberthermometer ist meist der erste Schritt auf der Suche nach eventuellen Krankheiten. Bei Kindern bis zum Alter von vier Jahren sollte die Körpertemperatur nicht im Mund, sondern im After gemessen werden. Doch: Fieber selbst ist keine Krankheit, sondern ein Krankheitszeichen (Symptom). Es zeigt an, dass sich der Körper mit einer Erkrankung auseinandersetzt. Die normale Körpertemperatur eines Kindes liegt zwischen 36,5 Grad Celsius (°C) und 37,5 °C. Bis zu 38,5 °C spricht man von erhöhter Temperatur. Steigt die Thermometertemperatur noch höher, hat das Kind Fieber. Ab 39,5 °C spricht man von hohem Fieber. Ein Kind, das eine fieberhafte Erkrankung ausbrütet, kann zunächst stiller als gewöhnlich werden. Vielleicht ist auch der Appetit schlechter oder das Schlafbedürfnis größer.
Bieten Sie dem fiebernden Kind zunächst reichlich zu trinken an: Tee, Säfte und Wasser, am besten kühl (nicht eiskalt!). Je jünger das Kind ist, umso größer ist der Durst. Besonders Säuglinge haben, bezogen auf ihre Körperoberfläche, einen hohen Flüssigkeitsbedarf. In der Wohnung genügt für ein fieberndes Kind normalerweise ein dünner Schlafanzug oder T-Shirt und eine kurze Hose. Im Bett sollte eine leichte Decke liegen. Sind die Beine warm, können Sie Wadenwickel machen. Steigt das Fieber trotzdem weiter, können Sie bei Temperaturen über 39,0 °C auch kindgerechte fiebersenkende Medikamente geben. Je nach Lebensalter und Körpergewicht gibt es Zäpfchen oder Fiebersäfte. Kontrollieren Sie, ob das Kind durch Ihre fiebersenkenden Maßnahmen entfiebert. Nach etwa sechs Stunden darf die Medikation bei Bedarf wiederholt werden.
Wann sollte das Kind doch dem Kinderarzt vorgestellt werden? Bei Erkältungszeichen, wie leichtem Husten (ohne Atemnot) und Schnupfen, breiigem Stuhl oder Fieber, wobei das Kind aber trotzdem vergnügt ist und Appetit hat, können Sie meist bis zum nächsten Tag abwarten. Oftmals sind die Krankheitszeichen dann vorbei oder schwächer.
Sofort zum Arzt heißt es, wenn ein Säugling mehr als nur leichtes Fieber hat: Unter sechs Monaten schon ab 38,0 °C (im Po gemessen), beim älteren Säugling ab 38,5 °C. Das gilt ebenfalls, wenn sein Verhalten Ihnen „nicht geheuer“ ist, Ihr Baby Krankheitsanzeichen hat, die Sie sich nicht erklären können, zum Beispiel einen Ausschlag oder entzündete Augen, oder wenn das Kind mehr als eine Mahlzeit verschläft oder apathisch wirkt. Bei länger anhaltendem wässrigem Durchfall, mehrmaligem Erbrechen und hohem Fieber mit Atemnot (oder pfeifendem Atemgeräusch) sollten Sie so rasch wie möglich in die nächste Kinderklinik fahren. Grundsätzlich gilt: In allen Zweifelsfällen, auch wenn Sie sich unsicher fühlen, sollten Sie „auf Nummer sicher“ gehen und einen Arzt konsultieren.
AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Teenager: Schlechter und zu kurzer Schlaf führt zu Bluthochdruck
Wichtige nächtliche Erholungsphase ist häufig gestört / Krankheitsrisiken steigen
(2.169 Zeichen)
(pgk) Bluthochdruck ist bei jugendlichen Heranwachsenden keine Seltenheit. Dafür gibt es neben Übergewicht mehrere Ursachen; eine davon könnte zu wenig und zu unruhiger Schlaf sein. Das ergab jetzt eine neue Studie eines US-amerikanischen Forscherteams aus Ohio. Danach haben Jugendliche, die nachts weniger als 6,5 Stunden schlafen, ein 2,5 Mal so hohes Risiko, an Bluthochdruck (Hypertonie) zu erkranken, wie Gleichaltrige, die mehr schlafen. Bei nächtlichen Schlafstörungen ist die Wahrscheinlichkeit für Hypertonie sogar um den Faktor 3,5 erhöht.
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Erwachsene, die zu wenig schlafen, häufiger an Bluthochdruck erkranken. Die neue Studie belegt, dass sogar schon Teenager betroffen sind. Die von Schlafmedizinern der Case Western Reserve University in Cleveland (Ohio) durchgeführte Studie ist die erste, die den Zusammenhang zwischen mangelndem Schlaf und Bluthochdruck bei gesunden Heranwachsenden untersuchte.
An der aktuellen Studie nahmen insgesamt 238 Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren teil, 123 Jungen und 115 Mädchen. Die Forscher statteten die Jugendlichen mit sogenannten Aktometern aus – kleinen Messgeräten am Handgelenk, die die Bewegungsaktivität aufzeichnen. Die Wissenschaftler stellten dabei fest, dass elf Prozent der Teenager nachts weniger als 6,5 Stunden schliefen (der Bedarf in diesem Alter liegt bei etwa 9 Stunden) und bei jedem vierten Jugendlichen auch die Schlafqualität gestört war. Zu den möglichen Folgen des Schlafdefizits gehört offenbar ein Anstieg des Blutdrucks, wie die Studie ebenfalls zeigte. Bluthochdruck ist häufig Vorbote einer späteren Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Eine Ursache für den gestörten Schlaf vieler Jugendlicher sieht Studienleiterin Susan Redline in Handys, Computern und Musikgeräten, die es heute in fast jedem Kinderschlafzimmer gebe. Reger SMS-Austausch, mp3-Player-Berieselung und Computerspiele führten dazu, dass viele Jugendliche vor allem aus sozial benachteiligten Familien kaum noch zur Ruhe finden. Gerade in diesen Gruppen würden später die meisten Hypertonie-Erkrankungen auftreten. Die Autoren der Studie empfehlen daher allen Eltern von Teenagern, für einen ausreichend langen und erholsamen Nachtschlaf ihrer Kinder zu sorgen. Ein regelmäßiger Tag-Nacht-Rhythmus sowie ein ruhiges, dunkles und kühles Schlafzimmer können nach Ansicht der Mediziner die Schlafqualität verbessern. „Computer, Mobiltelefone und Stereoanlagen haben im Schlafzimmer nichts zu suchen“, so die Forscher.
Quellen:
Sleep Quality and Elevated Blood Pressure in Adolescents, Sogol Javaheri MA, Amy Storfer-Isser MS, Carol L. Rosen MD, and Susan Redline MD, MPH, Juli 2008,
http://circ.ahajournals.org/
NHLBI Media Availability: Poor Sleep in Teens Linked to Higher Blood Pressure, in National Institutes of Health, 18. August 2008,
http://public.nhlbi.nih.gov/
Zuckermangel fördert Falten – Forscher entdecken Genmutation
Defekte Glykoproteinbildung verursacht auffällige Hautveränderungen
(2.059 Zeichen)
(pgk) Die meisten Babys sehen direkt nach der Geburt etwas zerknautscht und runzelig aus. Es ist die Passage durch den engen Geburtskanal, die ihre Spuren am Neugeborenen hinterlässt. Wenige Stunden später hat sich die Haut entspannt, und die sprichwörtliche Babyhaut strahlt rosig und faltenfrei. Nur nicht bei Kindern mit Cutis laxa. Die sehr seltene Erbkrankheit äußert sich unter anderem mit auffälliger Faltenbildung am ganzen Körper. Die Haut besitzt keine Elastizität, der Faltenwurf ist stark ausgeprägt, das Gesicht sieht immer „traurig“ aus.
Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik sowie der Charité haben jüngst gemeinsam mit Kollegen aus Köln, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, Oman und den USA die genetischen Grundlagen der schweren Erkrankung aufgeklärt. Die Wissenschaftler untersuchten eine Reihe von Kindern, die bereits kurz nach der Geburt starke Hautfaltenbildung und hängende Hautaussackungen im Gesicht und am Körper aufwiesen.
Sie fanden heraus, dass bei allen Betroffenen die Glykosilierung der Plasmaproteine gestört war. Mit dem Begriff Glykosilierung wird das Anhaften von Zucker an Eiweiße oder Fette bezeichnet, das in der Zelle stattfindet. Viele Proteine können ihre Aufgaben ohne diese „Verzuckerung“ nicht erfüllen. Bei weiteren Untersuchungen konnte das Forscherteam erstmals das Gen lokalisieren, das – als Folge einer Mutation – diese Störung hervorruft.
Das Gen ATP6V0A2 verändert ein Protein in der Wand des „Golgi-Apparates“. Der Golgi-Apparat ist ein wichtiger Teil jeder Zelle und benötigt für seine vielfältigen Funktionen einen bestimmten pH-Wert. Die Wissenschaftler vermuten, dass die von ihnen entdeckte Genmutation die pH-Wert-Regulierung stört und dadurch den Transport der Glykoproteine behindert. Glykoproteine sind Proteine, die nach ihrer Synthese mit einer oder mehreren Zuckergruppen verbunden werden. Der Mangel an Glykoproteinen führt zu extremer Faltenbildung und vorzeitiger Hautalterung.
Ob auch die natürliche Hautalterung, die bei allen Menschen stattfindet, auf Defekte der Glykosilierung zurückzuführen ist und welche Mechanismen im Körper oder welche Einflüsse von außerhalb diese einleiten, können die Forscher bislang nicht sagen. Dennoch könnte sich aus den Forschungsergebnissen ein neuer Ansatz für eine Therapiemöglichkeit gegen Faltenbildung auf molekularer Ebene ergeben.
Quelle:
Kornak, U., Reynders, E., Dimopoulou, A., van Reeuwijk, J., Fischer, B., Rajab, A., Budde, B., Nürnberg, P., Foulquier, F., ARCL Debré-type Study Group, Lefeber, D., Urban, Z., Gruenewald, S., Annaert, W., Brunner, H.G., van Bokhoven, H., Wevers, R., Morava, E., Matthijs, G., van Maldergem, L., Mundlos, S.: Impaired glycosylation and cutis laxa caused by mutations in the vesicular H+-ATPase subunit ATP6V0A2. Nature Genetics 40 (1), 32-34 (2008)
MELDUNGEN
Hörtest für Neugeborene
Ab 1. Januar 2009 wird er von den Kassen bezahlt
(1.741 Zeichen)
(pgk) Jedes Jahr sind in Deutschland nach Angaben der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ein bis zwei von 1.000 Neugeborenen von einem Hörschaden betroffen. Ein bundesweit angebotener Hörtest soll zukünftig schwerhörige Babys vor einem Leben mit Folgeschäden bewahren: Zum 1. Januar 2009 soll diese Leistung von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden.
Bis vor wenigen Jahren wurden Störungen des Hörvermögens meist frühestens bei Zweijährigen festgestellt, wenn die Eltern eine entsprechende Vermutung äußerten. Oft werden Hörschäden auch erst zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr, manchmal noch später, entdeckt – mit fatalen Folgen von Sprachstörungen bis zur Intelligenzminderung der Kinder. Ein gutes Gehör in den ersten Lebensjahren ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Kind richtig sprechen lernt. Hörschäden kann man am effektivsten behandeln, wenn sie frühestmöglich erkannt werden. Die technischen und medizinischen Voraussetzungen, bereits beim Neugeborenen Hörtests durchzuführen, gibt es schon. Mit einem zwei Minuten langen, schmerzlosen Test können angeborene Schäden bereits nach ein paar Tagen entdeckt werden. In Schleswig-Holstein, Hamburg, Hessen und dem Saarland sind diese sogenannten Hörscreenings bei Babys bereits der Regelfall. 95 Prozent der Säuglinge werden dort schon getestet.
In Ländern wie Österreich oder den Niederlanden gehören Hörscreenings bereits zum Standardprogramm der Neugeborenenuntersuchung. Auch Fachärzte in Deutschland setzen sich seit Jahren für diese Regelung ein. Nun hat der gemeinsame Bundesausschuss der Krankenkassen und Kassenärzte festgelegt, dass die Hörtests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen aufgenommen werden. Der neue Beschluss verpflichtet Eltern nicht zu den Tests, empfiehlt sie aber dringend. Ab Januar 2009 werden dann auch die Kosten übernommen. Beim bundesweiten Modell ist auch geplant, die Säuglinge zentral zu erfassen. Ziel ist es, nach der frühzeitigen Diagnose auch eine Therapie sicherzustellen.
Bewegung von Anfang an: 3. Kinderturnkongress in Karlsruhe
Kongress vom 26. bis 28. März 2009 für Pädagogen, Mediziner, Sportler
(1.739 Zeichen)
(pgk) Im kommenden Jahr findet in Karlsruhe zum dritten Mal ein Kinderturn-Kongress statt. Die dreitägige Veranstaltung unter dem Motto „Kinder bewegen – Syn(En-)ergien nutzen“ richtet sich an alle, die hauptberuflich oder ehrenamtlich mit Erziehung, Gesundheit und/oder Sport zu tun haben: Lehrer, Erzieher, Lehramtstudierende, Trainer, Übungsleiter, Gesundheitsexperten, Mitarbeiter in der Sozial-, Schul- und Sportverwaltung sowie Vertreter von Kinder-, Jugend- und Sportorganisationen.
Das Programm umfasst neun Hauptvorträge renommierter Referenten, darunter Prof. Dr. Berthold Koletzko von der Universität München, Prof. Dr. Barbara Methfessel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und Prof. Dr. Patrick Rössler von der Universität Erfurt. Rund 100 Arbeitskreise und Workshops stehen zur Auswahl. Der Kongress unter der Doppelschirmherrschaft von Bundesministerin Dr. Ursula von der Leyen und dem ehemaligen Bundesminister Horst Seehofer bietet eine ideale Plattform zum Informationsaustausch zwischen Entscheidungsträgern und Multiplikatoren. Eine Fachausstellung, ein Kongress-Lauf und viel Gelegenheit zum Meinungsaustausch werden vom 26. bis 28. März 2009 auf dem Campus der Universität Karlsruhe (TH) geboten.
Ziel des Kongresses ist die Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dabei will der Kongress die Bedeutung der Ressourcen Bewegung, Spiel, Sport und Ernährung hervorheben. Die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer lernen geeignete Interventionsprogramme kennen, sammeln Hintergrundinformationen, praktische Tipps und Anregungen für Bewegungsangebote. Der Kinderturn-Kongress 2009 knüpft an die erfolgreichen Kongresse „Kinder bewegen“ aus den Jahren 2004 und 2007 an.
Anmeldungen mit Buchungen der Arbeitskreise und Praxis-Workshops sind online auf der Internetseite www.kinderturnkongress.de oder auf postalischem Wege möglich.
Postanschrift:
Universität Karlsruhe (TH)
Institut für Sport und Sportwissenschaft
z. Hd. Frau Baadte
76128 Karlsruhe
Verkehr für Jungen und Mädchen in Norddeutschland am gefährlichsten
Neuer Kinderunfallatlas stellt bundesweite Landkarte der Verkehrsunfälle dar
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(pgk) Kinderverkehrsunfälle sind über die Bundesrepublik Deutschland nicht gleich verteilt, manche Regionen sind besonders betroffen. Im neuen Kinderunfallatlas, der von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erarbeitet wurde, ist dies genau aufgeschlüsselt. Danach verunglücken in Norddeutschland deutlich mehr Kinder im Straßenverkehr als im Süden der Bundesrepublik.
Im Kinderunfallatlas wurden die Unfalldaten der zwischen 2001 und 2005 im Straßenverkehr verunglückten Kinder (je 1.000 der Altersgruppe) für alle 439 Landkreise und kreisfreien Städte berechnet. Zudem erfolgte eine Analyse der Daten von 2003 bis 2005 auf kommunaler Ebene. Basis für die Studie waren die polizeilichen Unfallstatistiken. Nach der bevölkerungsbezogenen Auswertung zeigt sich auf Kreisebene ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Statistisch gesehen am gefährlichsten ist es demzufolge in Hannover: Zwischen 2003 und 2005 kamen dort 3,9 Unfälle auf 1.000 Kinder. Dahinter liegt Bremen (3,72), Düsseldorf steht an dritter Stelle (3,69). Am besten schnitt Leipzig mit 2,73 Unfällen je 1.000 Kinder ab, gefolgt von München (2,74) und Nürnberg (2,81). Die Ursachen für die unterschiedlichen Werte wurden nicht untersucht.
Allerdings trifft das Nord-Süd-Gefälle nicht für alle Arten der Verkehrsunfälle zu. Während Kinder als Fußgänger besonders häufig in Nordrhein-Westfalen und großen Städten der Bundesrepublik verunglücken, sind Jungen und Mädchen als Radfahrer in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg besonders gefährdet. Als Mitfahrer in Pkws verunglücken die meisten Kinder in den ländlichen Gebieten Bayerns und den östlichen Regionen der Bundesrepublik.
Die Analyse ergab ferner, dass das Risiko für Kinder als Fußgänger mit der Größe einer Stadt zunimmt, wogegen Kinder mit dem Fahrrad in sogenannten Mittelstädten besonders häufig verunglücken. Fahren die Kinder in Autos mit, ist das Verkehrsunfallrisiko für sie in kleinen Orten unter 10.000 Einwohnern am höchsten.
Auf der Grundlage dieses Berichtes ist es nach Angaben der Bundesanstalt erstmals möglich, die spezifische Verkehrssicherheitssituation von Kindern nicht nur im Vergleich zu anderen Kreisen, sondern auch im Vergleich zu anderen Gemeinden gleicher Größe zu analysieren. So erlaubt der Überblick der regionalen Verteilung von Unfällen eine Abschätzung und ggf. Einforderung besonders wirksamer Maßnahmen.
Quellen:
Regionale Verteilung von Kinderunfällen in Deutschland – Kinderunfallatlas, Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt),
www.bast.de/
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