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pgk, Jg. 41, 7/8 - 2007
Neurodermitisschulung: Umfassende Hilfe für Patienten
Ein ganzheitliches Behandlungskonzept stellt sich vor
(2.477 Zeichen)
(pgk) Die Auswirkungen einer Neurodermitis sind vielfältig und belasten die betroffenen Familien zumeist sehr. Das ganzheitliche Konzept der Neurodermitis-Schulung bietet den Patienten Unterstützung in ihrer Krankheits- und Lebenssituation sowie individuelle Lösungsansätze.
Unerträglicher Juckreiz, rote, nässende Hautentzündungen, Juckanfälle in der Nacht, die die ganze Familie auf den Beinen halten. Die atopische Dermatitis, umgangssprachlich als Neurodermitis bezeichnet, geht „unter die Haut“. Es handelt sich um eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen so stark einschränken kann wie Rheuma oder Diabetes. Auch die sozialen Folgen können beträchtlich sein. Besonders Kinder leiden häufig unter dem weithin sichtbaren Ausschlag und den Hänseleien von Mitschülern wie auch unter der daraus oft entstehenden Isolation. In Deutschland sind mittlerweile 10 bis 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen betroffen. Die Erkrankung stellt sowohl die jungen Patienten als auch ihre Familien vor große Herausforderungen und Unsicherheiten: Welches ist die richtige Behandlung? Gibt es Lebensmittel, die gemieden werden müssen? Wie kann die Familie mit der Belastung fertig werden? Die persönlichen Krankheitsauslöser müssen gefunden und in einer ganzheitlichen Therapie berücksichtigt werden. Die vielen Fragen und Bedürfnisse der Betroffenen können in der ärztlichen Sprechstunde oftmals nicht aufgefangen werden.
Kinder, die unter Neurodermitis leiden, brauchen informierte Eltern. Denn Wissen verleiht Ruhe und Sicherheit. Foto: Digital Vision
Um diesem Engpass zu begegnen, hat das Bundesministerium für Gesundheit Ende der 1990er Jahre eine Konsensuskonferenz zur Neurodermitisschulung ins Leben gerufen. Die daraus hervorgegangene „Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung“ (AGNES) hat ein Konzept zur Schulung von Eltern, Kindern und Jugendlichen mit Neurodermitis entwickelt. Mittlerweile wird das AGNES-Schulungsprogramm fast flächendeckend in Deutschland angeboten.
Ziel der Schulung ist es, die Betroffenen umfassend zu informieren, Lösungsansätze aufzuzeigen und den eigenverantwortlichen Umgang mit der Krankheit zu stärken. Konkrete Hilfen für den Alltag werden vorgestellt, neue Verhaltensweisen eingeübt. Die Schulungsteilnehmer erarbeiten sich ein Grundwissen in verschiedenen Themengebieten, zum Beispiel Allergien, Hautcremes, Ernährung, Selbsthilfegruppen bis hin zur Stressbewältigung. So soll die Neurodermitis für die Betroffenen „beherrschbar“ werden und die Lebensqualität wieder steigen.
Die Patientenschulung ist ein wesentlicher Baustein einer wohnortnahen Rehabilitation. Die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Das Schulungsteam setzt sich zusammen aus einem Arzt/einer Ärztin, einem Psychologen/einer Psychologin sowie einer Ernährungsfachkraft. Die Qualifizierung des Teams erfolgt in einer Trainerausbildung durch die Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung.
Informationen zum Schulungskonzept, den Schulungsorten sowie zur Trainerausbildung sind im Internet unter www.neurodermitisschulung.de zu finden.
Schön, bunt und gefährlich: Pflanzen im Garten
Vergiftungsrisiko für Kinder beim Spielen
(2.992 Zeichen)
(pgk) In der warmen Jahreszeit spielen Kinder häufig an der frischen Luft. Dabei verwenden sie die unterschiedlichsten Dinge, die sie draußen vorfinden und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Beim Spiel „Süppchen kochen“ zum Beispiel kommen oft Beeren, Blätter oder andere Pflanzenteile zum Einsatz. Allerdings ist das „Süppchen“ manchmal nicht ungefährlich.
Zwei Mädchen im Grünen. Beim Spielen nehmen Kinder manchmal Pflanzenteile in den Mund, die Vergiftungen auslösen können. Foto: MEV
Laut Giftnotrufzentrale Bonn gibt es jährlich rund 100.000 Verdachtsfälle auf Vergiftungen bei Kindern. 10.000 Kinder müssen im Krankenhaus behandelt werden, und bei 5.000 Kindern ist der Verlauf der Vergiftung lebensbedrohlich. Verdachtsmomente auf Vergiftungen durch Pflanzen sind der dritthäufigste Grund für Anrufe bei den Giftnotrufzentralen nach Medikamenten und Haushaltschemikalien.
In Haushalten mit kleinen Kindern sollten giftige Pflanzen in Wohnung und Garten gemieden werden. Hochrisikogruppe für Vergiftungen mit Pflanzen sind Kleinkinder und Kinder im Grundschulalter. Welche Pflanzenteile gesundheitsschädlich wirken, ist von Art zu Art verschieden. Jede Pflanze hat unterschiedliche Inhaltsstoffe, Gefährdungsgrade und Wirkungen. Die Symptome reichen von Hautreizungen über Magenverstimmungen bis hin zu Kreislaufkollaps und Atemlähmung.
Welche Pflanzen sind giftig?
(Eine Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
- Giftige Pflanzen im Garten und in freier Natur: Eibe, Vogelbeere, Fingerhut, Aronstab, Efeu, Lebensbaum, Nachtschattengewächse wie Tollkirsche, Wolfsmilchgewächse, Bilsenkraut, Schierling, Stechapfel, Herbstzeitlose (wird häufig mit dem Krokus verwechselt), Maiglöckchen, Eisenhut, Goldregen, Fingerhut und Engelstrompete, Rohe Bohnen, Seidelbast, Wunderbaum, Rhododendron, Liguster, Arnika, Oleander.
- Zimmerpflanzen: Weihnachtsstern, Alpenveilchen, Korallenstrauch, Gummibaum, Birkenfeige (Ficus benjamini), Affenbrotbaum, Dieffenbachie
In den vergangenen Jahren wurde beispielsweise bei der Giftnotrufzentrale in Erfurt vor allem wegen Verdacht auf Vergiftung durch Liguster, Eibe, Heckenkirsche, Eberesche und Lampionblume angerufen. Bei den Zimmerpflanzen war die Vergiftung mit Birkenfeige (Ficus benjamini), Affenbrotbaum, Dieffenbachie, Fensterblatt und Weihnachtsstern am häufigsten.
Wie können Sie Vergiftungen mit Pflanzen vorbeugen?
- Informieren Sie sich vor dem Kauf über die Unschädlichkeit einer Pflanze.
- Kontrollieren Sie, ob aufgeführte Pflanzen am Schulweg und im Spielumfeld Ihrer Kinder wachsen.
- Besprechen Sie Vergiftungsrisiken behutsam mit Ihren Kindern und bringen Sie Ihnen bei, keine Pflanzenteile zu probieren.
Wichtige Fragen bei Verdacht auf Vergiftung
- Welche Pflanze hat Ihr Kind verschluckt?
- Welche Teile der Pflanze wurden gegessen?
- Wurde nur gekaut und ausgespuckt oder verschluckt?
- Wie viel wurde verschluckt?
Im Verdachtsfall
- Erkundigen Sie sich bei einer Giftnotrufzentrale. Sie erhalten dort 24 Stunden am Tag eine kostenlose Beratung.
- Wenn Sie eine Pflanze nicht kennen, beschreiben Sie sie dem Berater so genau wie möglich (Aussehen, Standort, Form, Größe, Anordnung der Blätter, Farbe, Blüten, Früchte).
- Sollte das Kind auf Empfehlung der Giftnotrufzentrale ins Krankenhaus, nehmen Sie einen vollständigen Zweig der Pflanze mit (inklusive Früchte, Blätter).
Generell gilt bei Verdacht auf Vergiftung
- Keine Milch zu trinken geben, sondern Tee oder Wasser (kein Mineralwasser)!
- Kein Erbrechen auslösen, da giftige Substanzen die Speiseröhre und den Mundraum erneut verätzen könnten.
Die Informationszentrale gegen Vergiftungen der Universität Bonn hat eine Liste der giftigen Pflanzen mit ausführlichen Informationen unter:
http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/
Eine Liste der Rufnummern der Giftnotrufzentralen finden Sie hier
Die Liste kann auch gegen Einsenden eines mit 1,45 Euro frankierten und rückadressierten DIN-A5-Umschlags beim Deutschen Grünen Kreuz e. V. bestellt werden:
Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Kennwort „Vergiftungsschutz“
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
„Bärchenwurst“ unter Beschuss
So genannte Kinderlebensmittel sind überflüssig und führen Verbraucher in die Irre
(2.062 Zeichen)
(pgk) Es gibt sie in Form von Schmetterlingen oder Teddybärgesichtern, sie liegt in den Kühlregalen der Supermärkte und in den Wursttheken der Metzger: Kinderwurst. Es handelt sich dabei meist um Mortadella oder andere Brühwurstarten, die entweder lediglich in Form und Farbe oder auch durch gesunde Zusatzstoffe die Kinder als Konsumenten erreichen sollen.
In ihrer jüngsten Ausgabe veröffentlicht die Zeitschrift Öko-Test (Ausgabe Juli 2007) das Ergebnis einer Untersuchung von zehn Kinderwurstprodukten. Die gute Nachricht: Sechs der zehn Marken wurden mit sehr guten oder guten Noten ausgezeichnet, keine Wurst war ungenießbar oder verdorben, nur zwei Produkte bekamen die Gesamtnote „ausreichend“ oder „mangelhaft“.
In vielen Fällen war das Ergebnis der mikrobiologischen Untersuchung verantwortlich für schlechte Teil-Noten. Erhöhte Keimzahlen, vor allem gegen Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums, wurden in drei Produkten gefunden.
Massive Kritik übt die Öko-Test-Studie an den Kinderwurstsorten, die mit Vitaminen oder Kalzium angereichert werden. „Diese Zusätze sind völlig überflüssig, da Kinder bei einer ausgewogenen Ernährung mit Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend versorgt sind“, heißt es im Testurteil. Da Wurst „von Natur aus“ kein Lebensmittel sei, das den Körper vordringlich mit Kalzium versorgt, diene die entsprechende Deklaration der „Irreführung der Verbraucher“.
Diese Einschätzung wird von Ernährungswissenschaftlern einhellig unterstützt und stellt die ganze Produkt-Philosophie der so genannten Kinderlebensmittel in Frage. „Wer sein Kind gesund ernähren möchte, braucht dazu keine speziellen Kinderlebensmittel“, erklärt Alexandra Renkawitz, Ernährungswissenschaftlerin beim Deutschen Grünen Kreuz e. V. Dabei steht weniger die Kinderwurst in der Kritik als vielmehr die Zwischenmahlzeiten wie Süßigkeiten und Snacks.
Oft seien Nahrungsmittel, die speziell für den kindlichen Konsumenten hergestellt wurden, wahre Kalorienbomben und mitverantwortlich für die steigende Zahl an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Die Zugabe von Vitaminen und Mineralstoffen mache das gleichzeitig enthaltene Fett und den Zucker nicht gesünder.
Auch das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund kommt zu dem Schluss: „Gesunde Lebensmittel wie Milch oder Getreide werden in Form der Kinderlebensmittel in ihrer ungesündesten Version angeboten.“
Quellen:
www.gesundheit.de
kunden.interface-medien.de/fke/
www.oekotest.de
AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Informierte Kinder leben sicherer
Dresdner Studie zur Unfallprävention
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(pgk) Manche Kinder verletzen sich häufig, andere erleiden kaum Unfälle. Der Volksmund irrt, wenn er sagt, die einen seien Unglücksraben und die anderen würden von einem Schutzengel behütet. Eine wissenschaftliche Studie über Unfallrisiken von Kindern in Dresden kommt zu dem Schluss: Es gibt keine Pechvögel. „Viele Verletzungen sind vermeidbar“, resümiert Dr. med. Wolfgang Schneiders.
Er gehört zu den Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Dresden, die herausfinden wollten, wie die verhältnismäßig hohe Zahl an Unfällen mit Kindern in der sächsischen Hauptstadt reduziert werden kann. In Deutschland verunglücken im Jahr 300 bis 400 Kinder unter 15 Jahren tödlich. Kinder in Dresden haben statistisch das höchste Risiko für Verkehrsunfälle (52 von 10.000 Kinder gegenüber 32 von 10.000 in München; im bundesdeutschen Durchschnitt sind es knapp 38).
Datenerhebung:
Zunächst befragten die Wissenschaftler 2.325 Schüler und Schülerinnen im Alter von 6 bis 17 Jahren von allen Dresdner Schultypen über ihr Freizeitverhalten und die erlittenen Verletzungen in den vergangenen drei Jahren. Der zweite Teil der Datenerhebung fand im Krankenhaus statt: Interviews mit 3.645 Kindern und Jugendlichen, die in der Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Dresden ambulant (83 Prozent) oder stationär behandelt werden mussten, erbrachten Daten über Alter, Geschlecht, Nationalität, Schultyp, Geschwisterzahl, Beruf der Eltern, Unfallart, -zeit und -ort, Schwere der Verletzung sowie Häufigkeit und Schwere vergangener Verletzungen.
Zahlen:
43 Prozent aller Unfälle ereigneten sich während der Freizeit, 41 Prozent in der Schule oder auf dem Schulweg. Von diesen „Schulunfällen“ passierten 35 Prozent im Sportunterricht, 32 Prozent in anderen Unterrichtsstunden und 17 Prozent während der Nachmittagsbetreuung. Es geschahen mehr Unfälle unter freiem Himmel (59 Prozent) als innerhalb von Gebäuden. Überraschend: Nur 8 Prozent aller Verletzungen waren Folge eines Verkehrsunfalls. Auffallend ist, dass sich ein Viertel aller Unfälle in der Zeit von 17 bis 19 Uhr ereigneten. Übers Jahr gesehen, sind die Monate Mai (340 Verletzungen), Juni und Juli (jeweils 322) am unfallträchtigsten. Im August sinkt die Unfallzahl wegen der Sommerferien in Sachsen auf 192 registrierte Unfälle.
Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Kindern und Jugendlichen – unabhängig von Geschlecht und Alter und sowohl auf dem Schulweg als auch in der Freizeit – ist Radfahren. Daher verglichen die Dresdner Forscher die Häufigkeit von anderen Unfällen mit der beim Radfahren – umgerechnet auf die Zeit, die tatsächlich mit den einzelnen Betätigungen verbracht wurde. So gesehen, ist das Mopedfahren am gefährlichsten: 24-mal häufiger erlitten Jugendliche einen Unfall. Das Reiten ist – je nach Altersgruppe – fünf- bis neunmal gefährlicher als das Radfahren.

Foto: MEV
Mit Hilfe eines selbst entwickelten Tests ermittelten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Risikowahrnehmung und Unfallhäufigkeit. Zwei Gruppen von jeweils 39 Kindern und Jugendlichen wurden Bilder von potenziell gefährlichen Situationen gezeigt. Zur einen Gruppe zählten Jungen und Mädchen, die in den vergangenen drei Jahren keine Verletzungen hatten, die andere Gruppe wurde aus „unfallerfahrenen“ Mitgliedern gebildet. Das Ergebnis spricht eindeutig für die unfallverhütende Wirkung der Wahrnehmungsfähigkeit: Kinder und Jugendliche ohne Verletzungserfahrungen erkannten deutlich mehr gefährliche Situationen auf den Bildern, als die unfallerfahrenen Gleichaltrigen. Je weniger sie sich der Gefahren bewusst waren, umso häufiger landeten sie in der Klinik.
Das Ergebnis widerspricht der gängigen These vom verbrannten Kind, das das Feuer scheut. Da die Kinder offenbar nicht „aus Schaden klug“ werden, raten die Wissenschaftler zu einer Erziehung, die zum Ziel hat, dass die Kinder gefährliche Situationen erkennen und vermeiden. Wie allerdings die Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder für Risiken im Alltag gesteigert werden kann, haben die Autoren der Studie nicht untersucht. Sie appellieren dringend an den Gesetzgeber, eine Fahrradhelmpflicht einzuführen und die Ausbildung zum Rad- und Mopedfahren zu verbessern.
Quelle:
Wolfgang Schneiders u. a. “Risk-Inducing Activities Leading to Injuries in a Child and Adolescent Population of Germany”, in: The Journal of Trauma: Injury, Infection and Critical Care, April 2007, Seiten 996 - 1003
Warum uns Kinder im Memory-Spiel besiegen können
Studie: Gehirn und Denkvermögen schon mit elf Jahren voll entwickelt
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(pgk) Kinder werden immer früher körperlich erwachsen. Oft denkt man, sie seien geistig noch auf einem vergleichsweise niedrigeren Niveau. Doch das stimmt so nicht. Denn wie amerikanische Forscher herausfanden, erreichen die „Kids“ in der Gehirnentwicklung, was viele kognitive und motorische Fähigkeiten betrifft, bereits mit etwa elf Jahren Erwachsenen-Niveau. In Memory- oder Videospielen etwa sind sie deshalb schon früh eine ernsthafte Konkurrenz für Erwachsene.
Die Ergebnisse der Grundlagenstudie einer Forschergruppe unter der Leitung von Deborah Waber von der Harvard Medical School, unterstützt von den US-amerikanischen National Institutes of Health, legt den Schluss nahe, dass das Gehirn schon in dieser frühen Pubertätsphase voll leistungsfähig ist.
Bis zum zehnten Lebensjahr etwa verbessern Kinder ihre geistigen und feinmotorischen Fähigkeiten sehr rasch; ab elf Jahren scheinen sie ihre Fertigkeiten hauptsächlich zu festigen, ist die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.
Die Forscher untersuchten knapp 400 gesunde Kinder beziehungsweise Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren auf ihre Fähigkeiten. Dabei mussten die jungen
Versuchsteilnehmer neben klassischen Intelligenz-, Sprach- und Verhaltenstests auch regelmäßig eine Magnetresonanztomographie (MRT) über sich ergehen lassen. Die Studie gibt Forschern nach den Worten von Deborah Waber wichtige Aufschlüsse darüber, wie sich ein Gehirn normal entwickelt. Anhand von MRT-Bildern könnten Ärzte auch feststellen, ob sich ein Kind normal entwickle.
In der Studie stellten die Autoren auch Unterschiede zwischen Kindern gleichen Alters fest. So schnitten Jungen bei einigen Aufgaben zum räumlichen Denken besser ab, Mädchen bei verschiedenen sprachlichen Übungen. Bei den Mathematik-Aufgaben lagen die Geschlechter gleichauf.
Quellen:
Journal of the International Neuropsychological Society 2007, Nr. 13, S. 1-18
Abstract: http://journals.cambridge.org
National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NIH)
Medical Tribune
Deutsches Ärzteblatt, 23. Mai 2007
Neue Studie: Kleinwüchsigkeit kann früh erkannt und behandelt werden
Heidelberger Forscher stellten Merkmalskatalog zusammen / Therapie muss frühzeitig begonnen werden
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(pgk) Kleinwüchsigen Kindern, deren Handicap auf einen Gendefekt zurückzuführen ist, soll in Zukunft gezielter geholfen werden können. Grundlage dafür ist eine Studie von Wissenschaftlern des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Forscher identifizierten dabei eine Vielzahl von körperlichen Merkmalen, die für diese Form der Kleinwüchsigkeit typisch sind. Diese Merkmale werden durch Veränderungen im so genannten SHOX-Gen, das bei der Knochenbildung eine wichtige Rolle spielt, ausgelöst.
Das Gen SHOX, das bereits vor zehn Jahren von Wissenschaftlern am Heidelberger Institut für Humangenetik identifiziert wurde, reguliert das Knochenwachstum. An den Fugen wachsen die Röhrenknochen der Arme und Beine in die Länge, nach der Pubertät schließen sie sich. Ist das Gen SHOX verändert, bleiben die Betroffenen kleinwüchsig - bis zu 20 Zentimeter unter der zu erwartenden Größe -, und Unterarme und -beine sind verkürzt. Weitere Anomalien des Skeletts können in unterschiedlichem Grade auftreten.
In Deutschland leben mehr als eine Million kleinwüchsige Menschen. Wenn sie nicht auf Faktoren wie Mangelernährung oder Skeletterkrankungen zurückgeht, ist Kleinwüchsigkeit eine Wachstumsstörung mit teils noch unbekannten genetischen Ursachen; Behandlungen sind daher nur in bestimmten Fällen aussichtsreich.
Die internationale Studie des Instituts für Humangenetik in Heidelberg ist in ihrem Umfang einmalig: Die Wissenschaftler überprüften die Erbinformation von mehr als 1.600 kleinwüchsigen Kindern unter 10 Jahren aus 14 Ländern. Bei mehr als vier Prozent der Kinder waren Veränderungen im Gen SHOX der Auslöser der Kleinwüchsigkeit.
Die Studie zeigte, dass Defekte in nur diesem einen Gen ein großes Spektrum an Erscheinungsformen und Einzelmerkmalen verursachen. „Bisher gingen wir davon aus, dass die Körpergröße von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird", sagte Professor Dr. Gudrun Rappold, Direktorin der Abteilung Molekulare Humangenetik am Institut für Humangenetik. Aber allein die Veränderung von SHOX führe zu vermindertem Wachstum und weiteren körperlichen Merkmalen, wie zum Beispiel einem veränderten Handgelenk, verkürzten und gebogenen Unterarmen beziehungsweise Unterschenkeln, einem erhöhten Body-Maß-Index, überentwickelten Muskeln oder einem hohen Gaumenbogen. Das Team um Rappold trug sämtliche äußerlichen Merkmale zusammen, die bei Kleinwüchsigen mit Defekten in SHOX auftraten.
Damit können nun erstmals kleinwüchsige Kinder, die an diesem Gendefekt leiden, frühzeitig erkannt und erfolgreich behandelt werden, so die Forscher.
In einer begleitenden Studie unter der Federführung von Professor Dr. Werner Blum, Bad Homburg, wurde überprüft, ob Kinder mit diesem speziellen Gendefekt von einer Behandlung mit Wachstumshormonen profitieren können: Dies war in der Tat der Fall: Alle Kinder sprachen positiv auf die Behandlung an und holten innerhalb von zwei Jahren 16 Zentimeter auf.
In Zukunft können Ärzte anhand des neuen Merkmalskatalogs schon frühzeitig erkennen, ob ein kleinwüchsiges Kind für die Hormonbehandlung in Frage kommt. Doch der Zeitrahmen ist eng gesteckt: Die Therapie zeigt nur Wirkung, wenn sie bei Jungen vor dem zehnten bis zwölften und bei Mädchen vor dem achten bis zehnten Lebensjahr, also noch vor der Pubertät, einsetzt. Danach ist die Behandlung nicht mehr wirksam.
Quellen:
Journal of Medical Genetics (2007; 44, 306-313)
Abstract: http://jmg.bmj.com/cgi/content/abstract/44/5/306
Pressemeldung Universitätsklinikum Heidelberg: 12.06.2007
MELDUNGEN
Keine Softdrinks mehr für thailändische Schüler
(1.469 Zeichen)
(pgk) Dicke Kinder – ein Problem, das nicht nur in Europa in den Schlagzeilen steht: Auch in Thailand sorgt man sich zunehmend um den Gesundheitszustand des Nachwuchses. So hat die thailändische Regierung vor kurzem eine Aktion an Schulen initiiert, die den Verkauf von zuckerhaltigen Softdrinks an thailändischen Schulen und Kindergärten verhindern soll. Das Gesundheitsministerium unterstützt Schulen und Kindergärten, die „softdrinkfrei“ werden wollen.
Auf diese Art und Weise sollen Kinder und Jugendliche zu einer gesünderen Lebens- und Ernährungsweise angehalten und damit dem Trend entgegen gewirkt werden, wonach in Thailand die Zahl der übergewichtigen und adipösen Kinder und Jugendlichen seit Jahren deutlich ansteigt. Derzeit nehmen rund 600 Schulen an dem Projekt teil. Andere Schulen und Kindergärten in Thailand beobachten die Entwicklung mit großem Interesse und wollen dem Beispiel folgen. Pädiater (Kinderärzte) und Hausärzte in Thailand begrüßen die Kampagne der Regierung.
Bislang waren an thailändischen Schulen üblicherweise Getränkeautomaten aufgestellt, an denen die Schüler vornehmlich Softdrinks mit hohem Zuckergehalt erwerben konnten. Im Rahmen der Regierungsaktion wurden die Getränkeautomaten an den teilnehmenden Schulen abgebaut oder die Softdrinks durch Mineralwasser oder natürlichen Obst- und Gemüsesaft ersetzt.
Doch was für die Gesundheit der Kinder nützlich erscheint, hat auch eine Kehrseite. Die thailändischen Schulen hatten mit den Automatenaufstellern oftmals Verträge, um die Automaten positionieren zu können. Damit konnten die Schulen ihr Budget deutlich erhöhen. Dieses Geld fehlt nun in deren Kassen. Die Regierung will nach einer Ausgleichslösung suchen.
Quelle:
Deutsches Ärzteblatt, 28.2.2007
So früh wie möglich
Pneumokokken-Impfung für die Kleinsten
(917 Zeichen)
(pgk) Ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat sollten Säuglinge gegen Pneumokokken geimpft werden. So lautet die Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO). Warum so früh?
Jedes Jahr sterben in Deutschland 20 Kinder an den Folgen von Pneumokokken-Erkrankungen, hauptsächlich an Meningitis (Hirnhautentzündung) und Sepsis (Blutvergiftung). 24 Kinder erleiden als Folgeerkrankung eine Hirnschädigung mit zum Teil erheblichen Beeinträchtigungen und 21 Kinder verlieren ihr Gehör. Besonders gefährdet sind Kinder in den ersten Lebensjahren.
Die Impfung, die sich gegen die sieben häufigsten Pneumokokkentypen im Säuglings- und Kleinkindalter richtet, kann diese dramatischen Folgen verhindern, außerdem wirkt sie auch gegen die häufigen Lungen- und Mittelohrentzündungen, die durch Pneumokokken verursacht werden.
Deshalb empfiehlt die STIKO seit Juli vergangenen Jahres die Pneumokokken-Impfung für alle Säuglinge „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“, in der Regel zeitgleich mit den anderen im Säuglingsalter empfohlenen Impfungen.
Weitere ausführliche Informationen dazu bietet die soeben erschienene Broschüre “Je eher desto besser”. Sie kann kostenlos gegen Einsendung eines mit € 1,45 frankierten DIN A5-Umschlages beim Deutschen Grünen Kreuz bestellt werden:
Deutsches Grünes Kreuz e. V.
Stichwort Pneumokokken
Schuhmarkt 4
35037 Marburg
Fingernägel so früh wie nötig schneiden
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(pgk) Wenn Neugeborene sich mit den eigenen Fingernägeln kratzen, dürfen die Nägel auch bereits vor dem zweiten Lebensmonat geschnitten werden. Eigentlich müssen Babys Finger- und Zehennägel in den ersten vier bis sechs Lebenswochen nicht geschnitten werden. Die Nägel sind noch sehr zart und weich. Wenn sie zu lang werden, brechen sie von selbst ab. Sollte sich das Kind aber viel kratzen, können die Nägel vorsichtig mit einer speziellen, abgerundeten Babynagelschere geschnitten werden. Um Verletzungen während dieser sensiblen Prozedur zu vermeiden, geschieht das am besten, während das Baby schläft. Eine Alternative zum Nägelschneiden sind weiche Fäustlinge, die dem Baby über die Händchen gezogen werden können, damit es sich nicht verletzen kann.
Schwangerschaftsdemenz – nur Einbildung?
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(pgk) Das Phänomen tritt während der Schwangerschaft auf und ist manchmal lustig, manchmal auch beängstigend für die werdenden Mütter. Nach einem kurzen Blick in diverse Internetforen zum Thema Schwangerschaft meint man, es mit einem Massenphänomen zu tun zu haben, dabei hat es offiziell keinen Namen. Die betroffenen Frauen nennen es „Schwangerschaftsdemenz“.
Die Schwangerschaft wirkt sich auf den ganzen Körper der Frau und ihr Seelenleben aus, da wäre es eher verwunderlich, wenn ausgerechnet das Gehirn von der Veränderung unberührt bliebe. Und tatsächlich bescheinigen Studien den Schwangeren eine reduzierte Wahrnehmung, ein eingeschränktes Kurz- und Langzeitgedächtnis und verminderte Konzentrationsfähigkeit. Ebenso gibt es Hinweise, dass das Gehirn von Frauen im letzten Schwangerschaftsdrittel kleiner wird, nach der Entbindung aber wieder den ursprünglichen Zustand aufweist.
Da sich die subjektiv empfundene Vergesslichkeit meist auf die kleinen Dinge des Alltags bezieht – Beispiele aus Internetforen: Wo ist der Autoschlüssel? Hab ich Schuhe an? Wie heißt meine Schwiegermutter? – kann ihre Ursache auch eine einfache psychische Schutzfunktion sein. Der Kopf ist so voll mit den großen Veränderungen, die auf die Frau zukommen, die ihr ganzes Leben umkrempeln werden, und oft mit existenziellen Ängsten verbunden sind, dass für die „kleinen Dinge“ kein Platz mehr ist.
Kanadische Forscher haben vor zwei Jahren allerdings den Weg in die andere Richtung gewiesen. Sie stellten in einer Studie fest, dass Frauen, die ein Mädchen erwarten, wesentlich vergesslicher sind als werdende Mütter von Jungen. Die Wissenschaftler untersuchten das Blut das Frauen und fanden heraus, dass die mit einer Tochter Schwangeren eine deutlich höhere Konzentration des humanen Choriongonadotropins (hCG) haben. Das hCG ist ein Hormon, das während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet wird.
Für eine eindeutige Aussage ist dieses Gebiet jedoch viel zu wenig erforscht. Fest steht, dass eine etwaige verminderte Fähigkeit, sich zu erinnern oder zu konzentrieren, während der Schwangerschaft kein Grund zur Sorge ist.
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