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pgk, Jg. 37, 11/12 - 2003
"Das schaffe ich nie!"
Depressionen bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu
(4.230 Zeichen)
(pgk) Daniel geht es nicht gut und er kann nicht schlafen. Seine Eltern streiten mal wieder. Die morgige Mathearbeit wird er sicher verhauen, so wie er auch sonst überall versagt. Er dreht sich unruhig in seinem Bett herum, sagt sich immer wieder, dass einen Verlierer wie ihn sowieso niemand braucht und zieht sich die Decke über den Kopf. Sein Arm schmerzt, denn gestern hat er sich geprügelt - mit zwei Jungen, die ihm gar nichts getan haben. Und morgen soll er zum Schuldirektor, um sein Verhalten zu erklären - doch das kann er nicht. Er weiß ja selbst nicht, was mit ihm los ist.
Daniel leidet unter Depressionen, aber weder ihm noch seinen Eltern ist dies bewusst. Oft werden Warnsignale wie Aggressivität als pubertäre Trotzreaktionen gewertet und heruntergespielt. Ergebnisse jüngerer Studien zeigen jedoch, dass ein wachsender Prozentsatz Kinder und Jugendlicher klinisch bedeutsame depressive Störungen hat; im ersten Lebensjahr-zehnt überwiegend Jungen, im zweiten meist Mädchen. In der Bremer Jugendstudie, durchgeführt vom Zentrum für Rehabilitationsforschung der Universität Bremen in Kooperation mit dem Psychologischen Institut der Universität Münster, wurden 1.035 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren aus 36 Schulen in Bremen interviewt. 18 Prozent litten an Depressionen, davon waren lediglich 3 Prozent in Behandlung.
Oft sind Depressionen Zufallsbefunde. Die Vorsorgeuntersuchung J1, ein kostenloses Ange-bot an alle 13- bis 15-Jährigen, wird von Jugendlichen zu wenig genutzt. Dort wird auch nach seelischen Störungen gefragt, nach Problemen in der Schule und in der Familie. Jugendliche können ohne Eltern diesen Arzttermin wahrnehmen. Ärzte und Psychologen sich einig sind, dass Kinder heutzutage zu viel Stress haben, zu wenig Schlaf und zu wenig Bewegung.
Die Ursachen können unterschiedlichen Ursprungs sein. Zum einen haben genetische Faktoren Einfluss auf die Erkrankung: Bei einem depressiven Elternteil beträgt das Erkrankungsrisiko des Kindes zwischen 10 bis 20 Prozent. Sind beide Eltern erkrankt, steigt das Risiko auf bis zu 60 Prozent an.
Zum anderen spielen biochemische Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel der Mangel an speziellen Botenstoffen, besonders des Neurotransmitters Serotonin. Fehlt dieser Botenstoff, werden Gehirnströme verlangsamt, und die Kinder fühlen sich schlapp und leiden unter 'gedrückter' Stimmung.
Eine andere bzw. zusätzliche Ursache stellen die psychologischen Faktoren dar. Belastungen unterschiedlicher Art können zu Depressionen führen: familiäre Krisen, Überforderung, ständige Kritik und Demütigung durch andere, der Mangel an Lebenszielen oder auch der Mangel an Grenzen. Ausschlaggebend ist das Empfinden, Negatives durch eigenes Tun nicht abwenden oder beeinflussen zu können. Fortan wird diese negative Grundeinstellung auf alle neuen Situationen übertragen. Eine Misserfolgserwartung wird antrainiert, die mit überhöhten Ansprüchen an die eigene Person einher geht. Den Kindern fehlt es an Impulsen, an so genannten "positiven Verstärkern", zum Beispiel eigenen Erfolgen, Lob und Anerkennung.
Welche Signale senden Kinder, wenn ihre Seele wund ist? Die Symptome sind ebenso vielfältig wie die Ursachen. Mädchen tendieren dazu, sich zurückzuziehen. Sie klagen über Bauch- und Kopfschmerzen, wirken stark introvertiert und übermäßig schüchtern. Ihr sozialer Rückzug wird oft begleitet durch Autoaggressivität (Schnittverletzungen, Magersucht, Bulimie). Jungen kehren ihre Aggression nach außen. Sie schwänzen die Schule, sind hyperaktiv, streiten viel oder beginnen zu stehlen. Die Symptome sind jedoch nicht zwangsläufig immer auf ein Geschlecht festgelegt.
Mangelndes Selbstwertgefühl, dissoziales Verhalten sowie Sucht- und Essstörungen sind grundlegende Symptome depressiver Jugendlicher, die keineswegs als pubertäre Probleme oder ADS (Aufmerksamkeitsdefizit) abgetan werden dürfen.
Als letzten Ausweg wählen manche depressive Jugendliche den Selbstmord. In Deutschland versuchen täglich 40 Kinder, sich das Leben zu nehmen, für 3 von ihnen kommt jede Rettung zu spät. 60 Prozent der jugendlichen Selbstmörder leiden unter Depressionen.
Gegen Depressionen mit genetischer und biochemischer Ursache hilft eine gezielte Medikation. Das Trainieren von Konfliktlösungsstrategien, Streitigkeiten zu vermeiden und mit ihnen umzugehen, wird beispielweise an vielen Schulen von Mediatoren unterrichtet. Kritikfähigkeit und effektive Argumentationstechnik wird auch in bundesweiten Debattierclubs trainiert.
Ist der Direktor an Daniels Schule gut informiert, wird er ihn am nächsten Morgen nicht als gewalttätigen Schläger abtun und mit Nachsitzen bestrafen. Auffällige Jugendliche dürfen nicht von der Gemeinschaft distanziert werden. Ihr Verhalten spiegelt vielmehr ihre Wut darüber wider, nicht dabei zu sein. Denn wer abgelehnt wird, reagiert schnell mit Ablehnung und vergräbt sich im depressiven Alleinsein.
Schnäuzen oder laufen lassen?
Schniefnasen bei Kindern (3.229 Zeichen)
(pgk) Der Winter kommt: Millionen von Menschen werden unter Husten, Schnupfen und Heiserkeit leiden. Die Medizin nennt das "banalen" oder "grippalen" Infekt - im Unterschied zur echten Grippe (Influenza), die oft schwer verläuft und sogar tödlich enden kann. Schnupfenviren mit nachfolgenden bakteriellen Infektionen werden bei Kindern oftmals zu "Dauergästen". Bis zu zwölf Infekte im Jahr sind für ansonsten kerngesunde Kinder nichts Ungewöhnliches. Und ist das Kind erkältet, leidet meistens die gesamte Familie mit. Grundsätzlich raten Kinderärzte, Erkältungskrankheiten der Kleinen mit möglichst milden und nebenwirkungsarmen Mitteln zu behandeln. Aber eine freie Nase ist wichtig, um zum Beispiel Mittelohrentzündungen vorzubeugen. Oft aber können und wollen kleine Kinder sich nicht richtig schnäuzen.
Ein besonderes Problem ist das bei Babys und Kleinkindern. Natürlich können Säuglinge noch nicht schnäuzen. Deshalb soll man bei Babys den Schleim vorsichtig mit einem weichen Tuch aus der Nase entfernen. Noch besser ist ein spezieller Nasensauger aus der Apotheke. Bei kleinen Kindern sollte man jede Nasenseite einzeln ausschnäuzen lassen. Ansonsten kann es passieren, dass der Schleim in das Mittelohr gepresst wird.
Bringen Sie dem Kind das richtige Schnäuzen bei: Die Nase in die Mitte des Taschentuches bringen, ein Nasenloch zuhalten und mit geschlossenem Mund schnäuzen lassen. So kann kein Sekret in die Ohren gelangen. Machen Sie vielleicht auch ein Spiel: "Wer kann länger - aber nicht unbedingt heftiger! - mit der Nase aus einem Loch pusten, Mutter oder Kind?" Und üben Sie das Spiel möglichst, wenn das Kind gerade gesund ist.
Damit die schnupfengeplagten Kleinen wieder gut durchatmen können, empfiehlt es sich, kochsalzhaltige Nasentropfen zu geben, die mit einer Pipette wie Nasentropfen in die Nase gegeben werden. Nasentropfen aus der Apotheke helfen schnell, sollten aber ohne ärztliche Verordnung nicht länger als eine Woche angewendet werden, da sie bei falscher oder zu hoher Dosierung die Nasenschleimhaut schädigen können. Achten Sie darauf, dass Sie ein für Kinder geeignetes Präparat erhalten. Zudem gibt es spezielle Absauger. Aber nicht jedes Kind mag diese, und die Verletzungsgefahr ist auch nicht gering.
Vom laufenden Nasensekret und häufigen Schnäuzen bekommen die Kinder eventuell eine wunde Nase und wunde Lippen. Dem können Sie vorbeugen, indem Sie die betroffenen Partien dünn mit Vaseline bestreichen.
Grundsätzlich sollten Eltern immer bedenken, dass Viren nicht nur durch Niesen übertragen werden, sondern auch über die Hände. Um sich nicht selbst anzustecken, ist es deshalb sinnvoll, nach dem Putzen der Kindernase die Hände gründlich zu waschen. Gebrauchte Papiertaschentücher gehören sofort in den Müll und nicht in den offenen Papierkorb, um die Ansteckungsgefahr zu begrenzen.
Für Geübte sowie ältere Kinder und Erwachsene gilt: Vehementes Ausschnauben, bei dem das letzte bißchen Schleim aus der Nase geprustet werden soll, produziert einen extremen Innendruck in der Nase. Laut einer Studie der University of Virginia bis zu zehnmal so hoch wie bei einem stattlichen Nieser. "High Pressure" treibt den bakteriellen Nasenschleim in die Nebenhöhlen, so dass sich dort eine klassische Nasennebenhöhlenentzündung entwickeln kann. Nicht die feine Art, aber gesünder: die Nase hochziehen.
Und noch ein Vorschlag für Eltern und Kinder: Gehen Sie viel spazieren und legen Sie bewusst einige Pausen ein. Und nun holen Sie gemeinsam durch die Nasen ganz, ganz viel Luft.
Vorsicht!
Zu hoch dosierte Nasentropfen können bei Kleinkindern tödlich sein. Wenn Sie also ein solches Medikament zum Beispiel bei einem Säugling einsetzen müssen, schauen Sie lieber zweimal, ob es auch die Säuglingstropfen sind, die Sie in der Hand haben.
Wenn Würmchen wach halten
Madenwürmer sind bei Kindern relativ häufig
(2.015 Zeichen)
(pgk) Erkrankungen durch parasitäre Würmer sind weltweit verbreitet. Schätzungen gehen davon aus, dass beispielweise etwa ein Viertel der Weltbevölkerung von Spulwürmern befallen ist. Dank der Tatsache, dass hierzulande die Felder nicht mehr mit menschlichen Fäkalien gedüngt werden, spielt dieser Parasit in Deutschland kaum eine Rolle. Bei dem etwa ein Zentimeter langen Madenwurm sieht das allerdings anders aus: Weltweit sind schätzungsweise ein Drittel aller Kinder von diesem Parasiten befallen - und auch in Deutschland findet man ihn häufig, vor allem bei Kindern zwischen dem fünften und zehnten Lebensjahr.
Infektiöse Eier können über Finger, Nahrungsmittel oder Gegenstände in den Mund geraten. Die ausgewachsenen Parasiten besiedeln den Dickdarm. Nachts, wenn das Kind schläft, kriechen die weiblichen Madenwürmer aus dem After und legen etwa 5.000 bis 17.000 Eier in nächster Umgebung des Darmausganges ab. Dort lösen sie einen heftigen Juckreiz aus - das Kind kratzt sich im Schlaf, die Eier gelangen unter die Fingernägel und dadurch wieder in den Mund oder auf Gegenstände. Schwere Gesundheitsschäden verursachen die weißlichen, fadendünnen Würmer glücklicherweise nicht. Aber lästig sind sie. Durch den Juckreiz kommt es zu Schlafstörungen, durch das Kratzen zu Ekzemen. Aufgrund des einfachen Infektionsweges steckt sich der Betroffene immer wieder selbst und möglicherweise auch die übrigen Familienmitglieder an.
Die Eier bleiben etwa 20 Tage lang lebensfähig und haften in Kleidern, am Bettzeug oder sind Bestandteile des Hausstaubs. Bei Kindern, die über nächtliches Afterjucken klagen, sollte man einen Madenwurmbefall in Betracht ziehen. Nur manchmal sind die kleinen Würmer auch im Stuhl sichtbar. Ein sicherer Nachweis gelingt mit dem "Tesafilm-Test": Ein Streifen wird morgens auf den Anus geklebt und gleich wieder abgezogen, der Arzt kann die daran haftenden Eier unter dem Mikroskop erkennen. Ist ein Befall gesichert, sollte man schnell handeln, um eine Ausbreitung der unliebsamen "Gäste" zu verhindern. Die Behandlung besteht zum einen aus der Einnahme eines Medikamentes, zum anderen aus Hygienemaßnahmen: Kurzschneiden der Fingernägel, tägliches Wechseln von Wäsche und Bettwäsche, Händewaschen nach jedem Gang zur Toilette. Alle übrigen Haushaltsmitglieder sollten diese Regeln ebenfalls befolgen.
Sandmännchen bekommt Probleme
Zunehmend Schlafstörungen bei Kindern
(2.930 Zeichen)
(pgk) Jeder zehnte Deutsche leidet an dauerhaften Schlafstörungen. Eine Volkskrankheit, die auch vor Kindern nicht mehr Halt macht.
Grundschulkinder benötigen etwa zwölf Stunden, Zehnjährige etwa neun bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht. Viele Kinder leiden jedoch schon im Grundschulalter unter Schlafstörungen. Zu diesem Zwischenergebnis kommen Kölner Mediziner in einer Studie zum Schlafverhalten von Kindern, an der bislang etwa insgesamt 11.500 Erst- und Viertklässler teilgenommen haben. Die Forscher stellten nicht nur einen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und emotionalen Problemen fest. Kinder mit Schlafstörungen hätten zudem ein deutlich höheres Risiko für Hyperaktivität, heißt es. Die Folgen chronischer Schlafstörungen sind zudem Unausgeglichenheit und Konzentrationsschwäche.
Bei den Erstklässlern sei auch der Fernsehkonsum vor dem Zubettgehen, der bei 57 Prozent üblich ist, ein wesentlicher Risikofaktor für Einschlafstörungen, so die Wissenschaftler. Die Daten belegten den positiven Effekt eines konstanten Schlaf- Wach-Rhythmus auf das Schlafverhalten von Kindern. So litten Erstklässler, die konstante Zubettgeh- und Aufwachzeiten hätten, deutlich seltener an Einschlafstörungen und Tagesmüdigkeit.
| Schlafen wie ein Baby: Für ältere Kinder ist dies oft nicht mehr so einfach. Viele leiden unter Schlafstörungen. |
Tipp:
Damit Kinder gesund schlafen, gelten aufregende Fernsehfilme und Videospiele vor dem Zubettgehen als absolutes Tabu. Auch auf schwere Abendmahlzeiten sollte verzichtet werden. Beruhigende Schlafrituale wie Vorlesen oder ein Gespräch über die Tageserlebnisse sind sehr hilfreich. Regelmäßige körperliche Bewegung tagsüber sorgt für einen angenehmen Erschöpfungszustand abends - Kinder schlafen besser ein und durch. Halten die Schlafstörungen über Wochen an, schalten Sie am besten Ihren Kinder- und Jugendarzt ein.
Schulstress, Familienkonflikte, Lärm vor dem Kinderzimmer, Angst vor der Dunkelheit oder auch organische Ursachen wie Atemwegserkrankungen sind mögliche Gründe.
Informationen:
Kinderklinik Köln-Porz
Schlafzentrum Kinderklinik
Dr. Alfred Wiater
Urbacher Weg 19
51149 Köln-Porz
Tel.: 0 22 03 / 56 61 354
BUCHTIPP
Kein Kurzschluss, wenn es kratzt
Bildergeschichte hilft Kindern mit Neurodermitis
(1.135 Zeichen)
(pgk) Kinder mit allergischen Erkrankungen, wie beispielsweise Neurodermitis oder Asthma werden überwiegend mit Verboten ("Du darfst nicht kratzen") und negativen Verhaltensmaßregeln ("Versuche, den Pollen aus dem Weg zu gehen") konfrontiert. Solche oft unerfüllbaren Regeln können bei den kleinen Patienten Hilflosigkeit und Angst auslösen, was wiederum zu einer Verstärkung der Symptome führen kann.
Das Bilderbuch "Ville und Egon" von Autor Dr. Klaus Witt und Illustrator Alf Andersson hilft Kindern im Vorschulalter mit chronischen Reizsymptomen leben zu können und eine neue Sichtweise bezüglich des Leidens einzunehmen. Eine Sichtweise, die über eine annehmende, liebevolle Haltung die Selbstheilung fördert. Die freundliche Geschichte um den Elch Ville, der sich mit dem ihm lästigen Floh Egon anfreundet, vermittelt Kindern (und Erwachsenen), dass ein beherzter Umgang mit der Erkrankung hilfreicher ist als ein auswegloser Kampf dagegen. Zudem fördert es Gelassenheit und Selbstvertrauen.
Das im Herbst erschienene Buch gründet auf modernen Erkenntnissen aus Medizin und Psychologie. Es enthält im Anhang wertvolle Hinweise und Empfehlungen für Eltern.
"Ville und Egon" ist im psymed-verlag erschienen, ISBN 3-9807085-1-9, Preis 10,80 Euro; Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für Psychoallergologie
MELDUNGEN
Früh zum Augenarzt
Schwere Augenfehler bei Kindern sind oft schwer erkennbar
(1.109 Zeichen)
(pgk) Etwa ein Drittel aller Jungen und Mädchen im Kindergarten leidet bereits an Sehstörungen, teilt der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands mit. Das Erschreckende: Nur bei 40 Prozent der betroffenen Kinder ist dieses Problem bekannt. Um eine bestmögliche Entwicklung der Sehfähigkeit zu gewährleisten, müssten aber Sehstörungen bereits in den ersten drei Lebensjahren erkannt und notfalls behandelt werden, mahnen die Fachärzte. Regelmäßige Augenkontrollen schon bei Kleinkindern sind daher angeraten.

Foto: DGK
In den ersten Lebensmonaten sollten Eltern auf äußerliche Auffälligkeiten der Baby- Augen wie Veränderungen der Pupillen oder Augenzittern achten. Bei familiärem Risiko für Schielen oder Fehlsichtigkeit empfiehlt sich eine Augenkontrolle zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat. Besonders gefährdet sind Frühchen und unterentwickelte Babys.
Spätestens zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr sollte auch jedes "unauffällige" Kind auf Augenerkrankungen oder Sehstörungen untersucht werden. Grundsätzlich gilt, dass selbst schwere Augenerkrankungen bei Kindern geringere Symptome als bei Erwachsenen zeigen und deshalb leicht übersehen werden könnten. Der Laie erkennt oft nicht, wenn Kinder schielen oder ein sonstiger Augenfehler vorliegt.
Vorsorgeangebote für Kinder und Jugendliche ausbauen
(1.259 Zeichen)
(pgk) Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ) will sich künftig besonders für einen Ausbau der Vorsorgeangebote einsetzen. Das erklärte der neue BVKJ-Präsident Dr. Wolfram Hartmann auf dem 31. Herbst-Seminar-Kongress des Verbandes in Bad Orb. "Angebote der primären und sekundären Prävention müssen ausgebaut werden", sagte Hartmann und zählt dazu unter anderem
- neue Vorsorgeuntersuchungen im Alter von 3, 7 bis 8 und 10 Jahren sowie 16 bis 18 Jahren,
- eine Erweiterung des Impfkataloges zum Beispiel beim Schutz vor Windpocken, Meningokokken und Pneumokokken,
- eine Gesundheitsvorsorge in Kindergärten und Schulen in enger Zusammenarbeit mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst
- sowie Eltern- und Kinderschulungen zum Beispiel zu den Themen Adipositas (Fettsucht) und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
Die Gesundheitsreform sieht vor, dass Versicherte bei Teilnahme an Vorsorgeuntersuchun-gen einen finanziellen Bonus erhalten können. Dies sollte nach Ansicht des neuen BVKJ-Präsidenten auch für Kinder und Jugendliche gelten. Unter anderem böten sich an:
- Bonusregelungen in der Krankenversicherung nach Eintritt ins Berufsleben,
- halber Beitragssatz als Auszubildender oder Student,
- kostenlose Übernahme von Reiseimpfungen durch die Gesetzliche Krankenversicherung,
- Fahrrad- oder Motorradhelm als Prämie der Krankenkasse,
- Übernahme des Mitgliedsbeitrags im Sportverein oder Fitnessstudio,
- Jahreskarte für das Schwimmbad.
Mit solchen Anreizen könnten Vorsorgeangebote Kindern und Jugendlichen schmackhaft gemacht werden, damit sie schon früh lernen, aktiv etwas für die eigene Gesundheit zu tun.
AUS FORSCHUNG UND WISSENSCHAFT
Fläschchen kontra Bluthochdruck
(1.495 Zeichen)
(pgk) Säuglingsmilchnahrung mit langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Long Chain Polyunsaturated Fatty Acids = LCP), die in größeren Mengen auch in Fischöl enthalten sind, hat einen positiven Einfluss auf den Blutdruck. Das berichtet die Gesellschaft für Ernährungsmedizin Diätetik (D.I.E.T.) in Aachen. Da der Blutdruck im Kindesalter mit den Werten im Erwachsenenalter und damit auch mit dem Herzinfarkt-Risiko zusammenhängt, empfehlen die Experten allen Müttern, die nicht stillen können oder möchten, ihrem Kind LCP-haltige Säuglingsmilchnahrung zu geben.
Als Begründung werden die Ergebnisse einer europaweiten Studie angeführt, bei der 136 Neugeborene während der ersten vier Lebensmonate entweder eine mit LCP angereicherte Säuglingsmilchnahrung oder eine Milch ohne diese Fettsäuren erhielten. Die Vergleichsgruppe bestand aus 83 gestillten Kindern. Nach sechs Jahren wurde der Blutdruck der Kinder gemessen. Bei den Kindern der ehemaligen LCP-Gruppe seien beide Blutdruckwerte wesentlich niedriger gewesen als bei den Kindern, die nicht angereicherte Säuglingsmilch erhalten hatten. Die Stillkinder hätten einen ähnlichen Blutdruck aufgewiesen wie die LCP-Gruppe.
Die Ursache für diesen Zusammenhang ist der Gesellschaft zufolge noch unklar. Auch bei Erwachsenen habe man die blutdrucksenkende Wirkung von Omega-3- Fettsäuren beobachtet. Der diastolische Blutdruck, der zweite, niedrigere Blutdruckwert, steht in einem engen Zusammenhang mit koronarer Herzkrankheit und Schlaganfall. Die Verwendung von LCP-haltiger Säuglingsmilchnahrung sei daher eine gute Möglichkeit, das spätere Risiko für diese Erkrankungen bereits im Kindesalter zu verringern, schlussfolgern die Aachener Experten.
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