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Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut
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pgk, Jg. 36, 9/10 - 2002
Neue STIKO-Empfehlungen, Juli 2002
Impfkalender für Säuglinge, Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene (3.552 Zeichen)
(pgk) Im Juli 2002 hat die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) ihre Impfempfehlungen aktualisiert. Die wichtigsten Veränderungen haben wir für Sie zusammengefasst und kurz kommentiert.
Impfkalender erweitert
In den Impfkalender, der früher nur die Impfungen für Säuglinge, Kinder und Jugendliche enthielt, sind nun auch die Routineimpfungen für Erwachsene mit aufgenommen worden: Alle zehn Jahre eine Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie sowie für alle ab 60 regelmäßige Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken. Erwachsene halten Impfungen oft für "Kinderkram". Nun ist für jeden auf einen Blick erkennbar, dass sie ebenso wichtig sind wie die Impfungen für Kinder.
Geld sparen vor Fernreisen
Geld sparen können in Zukunft alle Reisenden, die eine Polio-Impfung benötigen. Die Impfung soll vor allem davor schützen, dass die Kinderlähmung wieder nach Deutschland eingeschleppt wird. Die STIKO stuft sie daher nicht als "Reiseimpfung" ein, deren Kosten vom Urlauber übernommen werden müssen, sondern als "Indikationsimpfung". Deren Kosten übernehmen die Krankenkassen. Ohnehin steht für viele Erwachsene jetzt noch eine Auffrischimpfung gegen Kinderlähmung an. Vier Impfungen statt drei soll ab sofort jeder Deutsche in seinem Leben erhalten haben, auch wenn er keine Fernreisen unternimmt.
Impfen außerhalb der STIKO-Empfehlungen
Wird eine Impfung nur in einem bestimmten Rahmen von der STIKO empfohlen, kann sie dennoch außerhalb dieser Empfehlung angewendet werden. Dazu die STIKO wörtlich: "Es liegt in der Verantwortung des Arztes, seine Patienten auf diese weiteren Schutzmöglichkeiten hinzuweisen. Insofern hindert auch eine fehlende STIKO-Empfehlung den Arzt nicht an einer begründeten Impfung." Ausschlaggebend ist das Infektionsrisiko des Einzelnen.
Was tun nach einer möglichen Infektion?
Diese Frage beantwortet die STIKO jetzt noch viel umfangreicher als in vorangegangenen Empfehlungen. Zu fast jeder Krankheit gibt es Hinweise, in welchem Umfang auch nach einer möglichen Ansteckung eine Impfung noch sinnvoll ist. Im Falle einer Meningokokken-Erkrankung hat die STIKO außerdem ganz genau beschrieben, wer zu den "engen Kontaktpersonen" des Kranken gehört, die vorsorglich Antibiotika erhalten und welche Medikamente gegeben werden sollten.
Masern: Netz enger geknüpft
Damit sich die Masern in Deutschland nicht mehr so stark ausbreiten können, wird das Schutz-Netz um Masernkranke noch enger geknüpft: Nach Kontakt mit einem Masernkranken sollen jetzt nicht nur Kinder nachträglich geimpft werden, sondern Personen jeden Alters, die noch nicht oder nur ein Mal geimpft sind. Das heißt, auch ältere Geschwister, Tagesmütter und die Eltern eines masernkranken Kindes sollen ihren Impfschutz überprüfen lassen. Diese Regelung ist ein weiterer Beitrag zum Ziel der Weltgesundheitsorganisation, die Masern weltweit zurückzudrängen. Die selbe Regelung gilt übrigens bei der Mumpsimpfung.
Influenza-Impfung
Die Empfehlung zur Influenza-Impfung entspricht jetzt internationalem Standard. Sie wird nicht nur den Menschen empfohlen, die durch eine Influenza-Infektion besonders gefährdet sind, sondern auch allen, die das Virus auf Risikopersonen übertragen können. Angesprochen ist damit zum Beispiel das Betreuungspersonal in Altenheimen.
FSME-Impfung
Die Empfehlung zur Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird in Zukunft nicht ausschließlich nach dem Wohn- oder Ferienort ausgesprochen. Entscheidend ist vielmehr, ob eine Person im FSME-Gebiet möglicherweise von Zecken gestochen werden kann oder nicht.
Asthma - Viele Erkrankungen im Kindesalter sind vermeidbar
Rauchfrei leben, Stillen und Allergien frühzeitig behandeln (2.639 Zeichen)
(pgk) Etwa jedes zehnte Kind in Deutschland leidet an Asthma - mit steigender Tendenz. Die Bereitschaft, an einem Asthma bronchiale zu erkranken wird oft vererbt. Auslöser sind dann nicht selten Allergene. Doch es gibt Möglichkeiten, eine solche Erkrankung frühzeitig zu vermeiden, sagt Dr. Michael Kabesch vom Dr. von Haunerschen Kinderspital in München.
So belastet beispielweise das "Passivrauchen" bereits das Ungeborene im Mutterleib. Daher sollten Frauen sowie Familienmitglieder vor, aber auch nach der Geburt nicht rauchen. Manche Mutter ist davon überzeugt, dass Meiden von Allergenen in der Schwangerschaft einer Erkrankung ihres Kindes vorbeugt. Dies ist nach Aussage von Kabesch nicht eindeutig belegt.
Stillen schützt hingegen auf jeden Fall: Vor allem Mütter, die selbst allergisch reagieren, sollten ihrem Kind die Brust geben. Das Asthmarisiko der Kinder sinkt dann bis zu 50 Prozent. Für Frauen, die nicht stillen möchten oder können, gibt es inzwischen so genannte hypoallergene Säuglingsnahrungen. Über die gleichwertige Wirksamkeit dieser Produkte stehen allerdings noch Langzeituntersuchungen aus.
Unumstritten unter Experten ist dagegen, dass das rechtzeitige Behandeln von bekannten Allergien, wie beispielweise Heuschnupfen, ein Umschlagen der Erkrankung in ein Asthma verhindern kann.
Für die Allergiediagnostik gilt: Schnell und schonend sind Bluttests. Sie bieten sich daher nicht nur bei Babys und Kleinkindern an. Mittels moderner Verfahren wird der Anteil an speziellen Antikörpern (Immunglobulin E) im Blut gemessen. Immunglobulin E bildet sich als Reaktion auf die körperfremden Substanzen, auf die das Immunsystem eines Allergikers empfindlich reagiert. Solch ein Labortest ist für die Patienten wenig belastend; vor allem besteht auch bei einer starken Überempfindlichkeit für den Patienten keine Gefahr, allergisch zu reagieren wie zum Beispiel bei einem Hauttest.
Allergiker sollten alles unternehmen, um den Allergenen aus dem Weg zu gehen. Schon für Kinder schlägt Kabesch deshalb milbendichte Kopfkissen und Matratzenbezüge vor. Auch Stofftiere sollten möglichst milbenarm sein. Staubsauger mit speziellen Allergenfiltern seien sinnvoll, ebenso gutes Belüften von Wohnräumen und die Sanierung von Feuchtigkeitsschäden.
"Möglicherweise erfolgversprechend" ist das Urteil über so genannte Probiotika, wie sie in einigen Joghurt-Sorten enthalten sind. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft Probiotika einnahmen, seltener an Allergien erkranken. Die Auswirkung auf die Entstehung von Asthma ließe sich nach Kabesch aber derzeit noch nicht beurteilen.
Banane und Tomate: Nichts für Allergiker-Babys
Stillen schützt Kind vor Allergie und Mutter vor Brustkrebs (1.624 Zeichen)
(pgk) Wenn ein oder beide Elternteile oder Geschwister Allergien haben, dann besteht bei Säuglingen ein erhöhtes Allergierisiko. Empfohlen wird daher, möglichst alle Babys im ersten Lebenshalbjahr ausschließlich zu stillen. Mit der Beikost sollten man frühestens nach dem fünften Lebensmonat beginnen. Diese sollte zu Beginn weniger als vier verschiedene Nahrungsmittel enthalten. Besonders wenn Babys nicht gestillt werden oder werden können, kann das Risiko einer Neurodermitis- Erkrankung so vermieden werden.
Die Beikost kann ruhig "eintönig" sein. Babys sind keine Feinschmecker und brauchen keine große Abwechslung. Im Gegenteil: Experten warnen vor zu viel Durcheinander bei der Nahrung. Gut verträglich sind als Beikost Karotten, Weizen, Kartoffeln, Äpfel, Reis, Birne und Huhn. Führt man immer nur ein neues Lebensmittel pro Woche ein, kann sich der kleine Organismus langsam daran gewöhnen und eventuelle Unverträglichkeiten sind besser zu erkennen. Abzuraten ist von Hühnereiern, Nüssen und Bananen. Aber auch Fisch, Tomaten, Zitrusfrüchte und Soja sind nichts für Allergie-gefährdete Babys.
Für die Gesundheit der Mütter gilt: Je länger Frauen stillen, desto besser sind sie in späteren Jahren vor Brustkrebs geschützt. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls britische Krebsforscher aus Oxford, die Daten von 147.300 Frauen aus 47 epidemiologischen Studien ausgewertet haben. Nach dieser Analyse ist das relative Brustkrebs-Risiko für Frauen pro geborenem Kind um jeweils 7 Prozent geringer im Vergleich zum Risiko derer ohne Kinder, und zusätzlich um 4,3 Prozent geringer, wenn zwölf Monate gestillt wird.
Aufrecht durchs Leben
Schon Kinder leiden unter Haltungsschäden (1.926 Zeichen)
(pgk) Rückenschmerzen - ein Problem nur für ältere Menschen? Keineswegs. Aus einer in Berlin vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) im Jahre 2000 veröffentlichten Umfrage unter 100 Kinderärzten ging hervor: Bereits jedes achte Kind in Deutschland hat Haltungsschäden, die im Erwachsenenalter häufig zu Rückenerkrankungen führen. Bei mehr als drei Viertel aller Fälle sind die Schäden nicht angeboren, sondern erworben.
Die tatsächliche Zahl dürfte mittlerweile noch höher liegen, da auch damals nur die Kinder gezählt wurden, die mit akuten Beschwerden in der Praxis erschienen. Ende 2001 war ungefähr jedes dritte Schulkind betroffen, bei den 16-Jährigen waren es bereits knapp 50 Prozent. Nach den Prognosen der Ärzte wird die Anzahl der Betroffenen in den kommenden Jahren weiter zunehmen.
Die häufigste Ursache für Haltungsschäden bei Kindern ist "zu wenig Bewegung". Die Buben und Mädchen verbringen zu viel Zeit sitzend - unter anderem vor dem Fernseher oder dem Computer - und zu wenig bei Sport und Spiel im Freien. Eine falsche Sitz- oder Körperhaltung führt sehr oft zu Rückenproblemen.
Eine zu schwere Schultasche machen zwei Drittel der Kinderärzte für Haltungsschäden verantwortlich. Breite Schulterpolster und gut am Rücken anliegende Taschen entlasten das Rückgrat. Daher wird Eltern empfohlen, öfter einen Blick in die Ranzen, Tornister und Rucksäcke der Kleinen zu werfen. Die schweren Taschen enthalten oft die Unterrichtsmaterialien für die ganze Woche. Was am nächsten Tag nicht gebraucht wird, kann ausgepackt werden.
Um Haltungsschäden zu vermeiden, sollten Eltern für ausreichend Bewegung ihrer Sprösslinge sorgen. Besonders empfehlenswert sind Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren. Außerdem ist es sinnvoll, die Zeit "mit der Maus" zu begrenzen: Achtjährige zum Beispiel sollten nicht länger als eine Stunde pro Tag vor dem Computer verbringen. Generell ist am PC eine aufrechte Sitzhaltung wichtig.
Tierliebe hat Grenzen
Mieze, Bello und Piepmatz können für Schwangere gefährlich sein (2.121 Zeichen)
(pgk) Schwangere sollten auf ausgiebiges Kuscheln mit Haustieren verzichten. Vor allem der Kontakt von Fell oder Federn mit dem Mund ist unbedingt zu vermeiden. Experten weisen darauf hin, dass Haustiere wie Hund, Katze, Hamster oder Sittich insgesamt etwa 60 verschiedene Krankheitserreger auf den Menschen übertragen können.
Als größte Gefahr für Schwangere gilt die Toxoplasmose. Die normalerweise harmlose Krankheit kann bei Schwangeren im schlimmsten Fall zum Absterben oder zu einer Missbildung des Fötus führen. Infizierte Katzen scheiden die Erreger - einzellige Sporentierchen namens Toxoplasma gondii - über ihren Kot aus und können dadurch Toxoplasmose übertragen. Der infizierte Katzenkot muss jedoch mindestens zwei Tage alt sein.
Selten, aber lebensgefährlich, ist die Infektion mit dem Hunde- oder dem Fuchsbandwurm. Der Hundebandwurm löst die so genannte zystische Echinokokkose aus, die unbehandelt zur Zerstörung der menschlichen Leber führt.
Die Toxokarose entsteht durch den Hunde- oder Katzenspulwurm. Wenn der Mensch die Eier dieses Wurms von Hund oder Katze aufnimmt, entsteht eine Larve, die durch den menschlichen Körper wandert. Schwere Symptome entstehen erst dann, wenn die Larve entweder ins Auge oder ins Gehirn gelangt.
Grundsätzlich können Wellensittiche, aber auch Papageien und Tauben, die Papageienkrankheit (Psittacose) durch ihren Kot übertragen. Schwangere stecken sich leichter an als Nichtschwangere. Die Erkrankung macht sich durch grippeähnliche Symptome bemerkbar, die unbehandelt in eine Lungenentzündung übergehen können.
Haustiere gehören daher auf keinen Fall mit ins Bett. Schwangere sollten ebenso wie ältere und kranke Menschen bei der Tierhaltung auf besondere Hygiene achten und das Katzenklo oder den Käfig des Tieres am besten von einem Familienmitglied reinigen lassen. Nach dem Schmusen und Streicheln die Hände waschen, auf keinen Fall die eigenen Finger ablecken. Und: Ein gesundes Tier kann keinen Menschen krank machen - deshalb ist der regelmäßige Tierarztbesuch unumgänglich. Ein Abschieben ins Tierheim ist also bei Nachwuchs der Zweibeiner nicht nötig.
Erkältungszeit birgt Gefahren für asthmakranke Kinder
Studie untersucht neue Therapiemöglichkeiten (2.408 Zeichen)
(pgk) Der Sommer neigt sich dem Ende zu, die Tage werden kürzer und kälter. Jetzt beginnt wieder die Zeit der Erkältungskrankheiten. Ein nicht intaktes Immunsystem ist dann den Viren hilflos ausgesetzt. Husten, Schnupfen und Atemwegsprobleme sind die Folge. Besonders gefährdet sind Kinder mit chronischem Asthma. Schon jedes Zehnte ist davon betroffen. Zusätzlich zu den dauerhaften Beschwerden wie Hustenanfällen und Atemnot treten meist anfallartige Verschlechterungen auf.
Die häufigsten Auslöser für einen Asthma-Anfall sind bestimmte Viren. Dazu gehören zum Beispiel Erreger der echten Grippe (Influenza) oder das RSV-Virus (respiratory- syncytial virus), ein Erkältungsvirus. Zur akuten Behandlung des Asthmaanfalls werden vor allem schnell wirksame Betamimetika eingesetzt. Sie beseitigen innerhalb von Minuten die Atemnot, indem sie die Muskulatur der Bronchien entspannen und zu einer Erweiterung der Luftröhrenäste führen. Betamimetika wirken allerdings nicht langfristig und beugen auch keinem neuen Anfall vor. Deshalb wird versucht, durch regelmäßigen Einsatz von Kortisonsprays die Schwere, Dauer und Anzahl der Asthmaanfälle zu mindern.
Dieser Behandlungsansatz wirkt jedoch nicht vorbeugend, weshalb nach neuen Therapiemöglichkeiten gesucht wird. Aus diesem Grund läuft zurzeit mit deutscher Beteiligung die internationale PREVIA-Studie (Preventing virus-induced Asthma), an der 700 Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren teilnehmen. Die Untersuchung soll zeigen, ob der Wirkstoff Montelukast, der sich bei chronischem Asthma bewährt hat, auch die durch Viren hervorgerufenen Anfälle lindern kann. Die Ergebnisse sollen im Laufe des nächsten Jahres vorliegen.
Bei verschiedenen Viren, die Atemwegsinfektionen hervorrufen, wurde nachgewiesen, dass sie zu einer verstärkten Ausschüttung von bestimmten Entzündungsstoffen, den Leukotrienen, führen. Diese verengen die Bronchien, führen zur Schwellung der Bronchialschleimhaut und einer verstärkten Produktion von zähem Schleim und Entzündungszeichen. Montelukast hemmt die schädliche Wirkung der Leukotriene und damit auch die Entzündung.
Zum Glück sind viele Kinder nicht ständig von Asthma betroffen. Zwischen den einzelnen Anfällen liegen oft tage- und wochenlange Etappen, in denen sie zwar frei von Symptomen, aber nicht "gesund" sind. Zur Vorbeugung von Asthma-Anfällen durch Grippeviren empfehlen Experten eine jährliche Schutzimpfung.
MELDUNGEN:
Lakritz: Schwarzes Süßholzraspeln ist nicht ungefährlich
Starke Rachenputzer nichts für Kinder (1.332 Zeichen)
(pgk) Schneckenähnlich aufgerollte Schnüre oder pastillenförmige Hartlakritze mit bitter-süßlichem Geschmack: Lakritze schmecken Groß und Klein. Doch Vorsicht: Immer wieder werden in Deutschland meist importierte Lakritz-Erzeugnisse gefunden, die mehr als 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g enthalten. Dies kann in höheren Mengen den Bluthochdruck fördern. Menschen mit Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Zuckerkranke und Schwangere sollten daher vorsichtshalber auf Lakritze verzichten.
Außerdem sind nicht alle im Handel erhältliche Sorten auch für Kinder geeignet. Darauf weist die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein hin. So enthielten einige im EU-Ausland zugelassene Produkte einen Salmiak-Anteil von bis zu 7,99 Prozent - zu stark für Kinder. Deutsche Lakritze-Produkte dürften nach der Aromenverordnung nur einen Anteil von zwei Prozent enthalten. Stärkere Lakritze dürfen zwar verkauft werden, sind aber nur für Erwachsene geeignet und müssen mit einem deutlichen Hinweis auf der Verpackung als "Starklakritz" gekennzeichnet sein. Diese sind normalerweise nur in der Apotheke erhältlich.
Allerdings werde diese Kennzeichnung nicht von allen Herstellern verbraucherfreundlich vor-genommen, so die Verbraucherschützer. Wer Lakritze für Kinder kaufe, sollte daher genau auf die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe achten.
Vorsicht bei Tatoos auf Zeit
Körperbilder mit Verfallsdatum (1.907 Zeichen)
(pgk) Körperbilder mit Verfallsdatum werden immer beliebter. Kurzzeitige Henna- Tatoos, so genannte Temptoos, stammen aus Indien oder Pakistan. Der Vorteil: Die "Hautdekoration" hält nur einige Tage lang. Der Nachteil: Tatoos auf Zeit bergen gefährliche Allergierisiken. Manche Farben enthalten sogar krebserzeugende Stoffe. Reines Henna wird von den meisten Menschen gut vertragen, aber die kurzzeitigen Hautbilder enthalten meist noch Paraphenylendiamin (PPD), einen schwarzen Farbstoff, der den Tätowierungen zusätzliche Farbe verleiht und für schnelleres Trocknen des Bildes sorgt. Dieser Zusatzstoff kann lebenslange Allergien auslösen. Als Haarfärbemittel ist PPD seit Jahrzehnten in Deutschland verboten und lediglich für bestimmte industrielle Zwecke in einer Konzentration von bis zu sechs Prozent zugelassen.
Nach Studien mehrerer deutscher Hautkliniken sind vor allem Urlauber gefährdet, die sich die Zeichnungen mit Henna-Tusche auf den Körper malen lassen. Zahlreiche Fälle belegen dies: Einige Tage nach Aufbringen des Temptoos kam es bei den Betroffenen zu ersten Reaktionen wie Juckreiz, Rötungen, Knötchen oder Bläschen, darüber hinaus zu nässenden, teilweise verkrusteten Hautveränderungen innerhalb der tätowierten Zeichnung. In schweren Fällen sind sogar Ödeme an Händen und Füßen diagnostiziert worden. Die Patienten klagten über ein eingeschränktes Allgemeinbefinden. Vereinzelt sind Reaktionen wie schmerzhafte, Tage anhaltende Schwellungen von Haut und Schleimhaut (Angioödeme), Nesselsucht (Urtikaria), Rhinitis oder auch Asthma bronchiale aufgetreten. Allergische Reaktionen treten oft erst dann auf, wenn die Tatoos schon vollständig verblasst sind.
Wer seinen Körper trotzdem schmücken möchte, sollte die Verträglichkeit des Hennas vorher testen. Dazu reicht es, eine kleine Menge an der Unterseite des Unterarms auszuprobieren. Treten Irritationen auf, am besten direkt zum Arzt.
NEUES AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Kampf der Gene ums Geburtsgewicht
Der Wettbewerb zwischen weiblichen und männlichen Erbanlagen (3.240 Zeichen)
(pgk) Neugeborene mit vermindertem Geburtsgewicht sterben häufig früher und tragen ein höheres Risiko für körperliche und geistige Entwicklungsstörungen. Ein geringes Geburtsgewicht ist außerdem häufig mit Herzkrankheiten, Typ-II-Diabetes, Schlaganfall und Atmungsproblemen im späteren Leben verbunden. Zwei kürzlich in der Zeitschrift "Nature" veröffentlichte Forschungsarbeiten erklären, warum manche Babys bei der Geburt klein sind und andere nicht.
Gordon Smith und seine Kollegen von der University of Cambridge in England berichten, dass eine zu geringe Menge eines Moleküls namens PAPP-A (pregnancy- assossiated plasma protein-A), das an der Entwicklung der Plazenta beteiligt ist und im ersten Schwanger-schaftsdrittel der gebildet wird, für verminderte Geburtsgewichte verantwortlich sein könnte.
Das Wachstum eines Fötus wird möglicherweise durch so genannte genetische Prägung* (genomic imprinting) kontrolliert. Imprinting bedeutet, dass entweder nur mütterliche oder nur väterliche Gene aktiv und wirksam sind. In diesem Fall ist dasjenige väterliche Gen aktiv, welches den insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor IGF kodiert. Ein hoher IGF-Spiegel bewirkt eine größere Plazenta, die den Fetus mit mehr Nährstoffen versorgt. Das Ergebnis: ein großes, gesundes Baby.
Im Interesse der Mutter liegt es, den Einfluss dieser Gene durch die Expression ihrer eigenen Gene zu bekämpfen; diese regulieren die Größe des Kindes und verhindern, dass die Mutter all ihre Energie in eine einzige Geburt investiert. Dadurch kann sie in mehreren Schwanger-schaften viele ihrer Erbanlagen an die nachfolgende Generation weitergeben.
Miguel Constancia und seine Kollegen vom Babraham Institute in Cambridge haben diese Konflikttheorie direkt untersucht, indem sie das IGF-Gen aus der Plazenta von Mäusen entfernten. Dies ermöglichte es ihnen, die Aufgabe der männlich geprägten Gene in der Plazenta zu untersuchen. Sie fanden heraus, dass die Mutanten eine kleinere Plazenta hatten und somit ein verminderter Nährstofftransport stattfand, wodurch die Feten kleiner als normal waren.
Da das aktive IGF-Gen vom Vater stammte, liegt ein erster Hinweis für die Stimmigkeit der Konflikttheorie in der Plazenta vor - der Schnittstelle zwischen Mutter und Kind. Noch sei es zu früh zu behaupten, Babys mit vermindertem Geburtsgewicht seien schuldlose Opfer im Kampf der Geschlechter, die beiden Studien hingegen lieferten Hinweise auf einen potentiellen Mechanismus und eine evolutionäre Erklärung, argumentieren Benjamin Tycko und Argiris Efstratiadis von der Columbia University, New York.
*Zum Begriff Genomische Prägung (genomic imprinting)
Die Aktivität eines Gens hängt von seiner elterlichen Herkunft ab, wobei das aktive Gen "geprägt = imprinted" genannt wird. Bei maternalem Imprinting entsteht eine eher mütterliche Ausprägung (Phänotyp), bei paternalem Imprinting ein väterlich geprägter Phänotyp. Das hängt mit der chemischen Beschaffenheit der DNA (Träger der Erbanlagen) in Ei- und Samenzelle zusammen und kann von Generation zu Generation wechseln. Diesem Phänomen kam man anhand von zwei Krankheiten auf die Spur, bei denen väterliche oder mütterliche Gene nicht unterdrückt sind, sondern ganz fehlen (Prader-Willi-Syndrom, Angelman-Syndrom).
Risikofaktor Down-Syndrom
Gendefekt löst Leukämie aus (2.084 Zeichen)
(pgk) Kinder mit Down-Syndrom erkranken häufiger an Leukämie als ihre Altersgenossen. Verantwortlich dafür ist offenbar ein Gendefekt, den US-Forscher jetzt entdeckt haben.
Eine seltene Form der Krankheit, die so genannte akute Megakaryoblastenleukämie (AMKL), tritt bei ihnen bis zu 20-mal häufiger auf als bei nicht-mongoloiden Kindern. Die Ursache dafür wollen US-Forscher jetzt entdeckt haben: Auslöser der Krankheit sei ein Defekt des Gens GATA1. Die Wissenschaftler um John Crispino vom Ben May Institute for Cancer Research der University of Chicago hatten DNS-Proben von 75 Leukämie-Patienten mit denen von 21 gesunden Menschen verglichen. Bei den sechs Patienten, die sowohl am Down-Syndrom litten als auch an AMKL, stellten die Wissenschaftler eine Veränderung am GATA1-Gen fest. Dieser Defekt war in keiner der anderen Erbgut-Proben nachzuweisen.
Das vom Gen kodierte Protein GATA1 ist ein so genannter Transkriptionsfaktor: Es reguliert normalerweise die Aktivität anderer Gene, die für die Produktion der roten Blutkörperchen und der Blutplättchen zuständig sind. Mit Hilfe der roten Blutkörperchen wird Sauerstoff transportiert, die Blutplättchen oder Thrombozyten ermöglichen die Blutgerinnung. Das veränderte Gen, das die Forscher bei den Leukämiekranken fanden, produziert ein lückenhaftes, nahezu nutzloses Protein - der Effekt ist den Wissenschaftlern zufolge derselbe, als gäbe es überhaupt kein GATA1. Ein Fehlen des Transkriptionsfaktors führt aber, wie Tierversuche zeigten, zu einem Überschuss jener Zellen, die Blutplättchen herstellen.
GATA1 sei allerdings, so vermutet Crispino, nur einer von mehreren Faktoren bei der Entstehung der Krankheit - möglicherweise sind auch noch andere defekte Gene beteiligt. Dennoch könnten die Ergebnisse zu einer schnelleren und genaueren Diagnose sowie einer gezielteren Behandlung der Leukämie beitragen, sagte seine Kollegin Michelle Le Beau, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. Die Ergebnisse könnten helfen, die molekularen Mechanismen hinter der seltenen Leukämie-Form besser zu verstehen, hoffen die Forscher.
SONDERMELDUNG:
WHO/UNICEF-Initiative 'Stillfreundliches Krankenhaus' zur Weltstillwoche 2002
(vom 30.9. bis 6.10.2002)
Stillen ist gesund - für Kinder ebenso wie für Mütter
Muttermilch ist die beste Nahrung für Säuglinge. Auch den Müttern bringt das Stillen gesundheitliche Vorteile. Darauf weist die WHO/UNICEF-Initiative "Stillfreundliches Krankenhaus" anlässlich der Weltstillwoche 2002 hin. In diesem Jahr steht die Woche unter dem Motto "Gesunde Mütter und gesunde Babys".
"Stillen ist der beste Start ins Leben und beugt Erkrankungen vor", betont Birgit Radow, Vorstandssprecherin der Krankenkasse SECURVITA BKK, "Deshalb unterstützen wir die WHO/UNICEF-Initiative und wollen die Vorteile des Stillens bekannt machen."
Die Initiative will für ihr Anliegen weitere Krankenkassen mobilisieren, denn die meisten messen der Stillförderung in Krankenhäusern noch nicht genügend Bedeutung bei.
Gestillte Kinder sind gesünder:
Die nach der Geburt gebildete Vormilch wirkt wie eine biologische Impfung. Sie ist ein wesentlicher Infektionsschutz für das Kind. Muttermilch ist immer verfügbar, keimarm, richtig temperiert und passt sich der Entwicklung des Kindes an. Ihre Zusammensetzung schützt den Säugling beispielsweise vor Durchfall, Mittelohrentzündung oder Neugeborenengelbsucht. Stillen mindert das Allergierisiko, stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind und ist für die seelische Entwicklung des Babys wichtig. In den ersten sechs Monaten braucht das Kind keine andere Nahrung als Muttermilch.
Stillen ist auch gut für Mütter:
Die Gebärmutter bildet sich nach der Geburt schneller zurück. Dadurch werden Infektionen und andere Probleme im Wochenbett vermieden. Frauen, die ihre Kinder gestillt haben, haben beispielsweise auch ein geringeres Brustkrebsrisiko.
Stillprobleme in der Klinik sind vermeidbar:
WHO und UNICEF haben ein Zehn-Punkte-Programm entwickelt, das Müttern und Kindern den Stillbeginn erleichtert. Ein guter Start ist eine wichtige Voraussetzung für eine problemlose und entspannte Stillzeit. Wenn ein Krankenhaus dieses Programm in seiner Praxis verankert und keine Werbung für künstliche Babynahrung akzeptiert, wird es mit einer Plakette als "Stillfreundliches Krankenhaus" ausgezeichnet. Wie wichtig der Ausbau einer kompetenten Stillförderung im Krankenhaus ist, beweist eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums. Danach haben 40,3 Prozent der Frauen zur Zeit Stillprobleme während des Klinikaufenthaltes.
Bei Rückfragen und Interviewwünschen wenden Sie sich bitte an den Verein zur Unterstützung der
WHO/UNICEF-Initiative
Stillfreundliches Krankenhaus (BFHI) e.V. (Gisela Meese)
Telefon: 0 221 / 340 99 80 oder an die
SECURVITA-Pressestelle (Norbert Schnorbach)
Tel. 0 40 / 38 60 80 24.
Weitere Informationen im Internet unter www.stillfreundlich.de
V.i.S.d.P.
Herausgeber:
DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e.V.
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Michaela Berg (verantw.)
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