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pgk, Jg. 34, 5/6-2000
Sehprüfung schon bei Babys möglich (2779 Zeichen)
(pgk) Etwa bei 10 Prozent aller Kinder treten Sehstörungen auf. Ihre Früherkennung ist eine wichtige Aufgabe, denn nur so können dauerhafte Beeinträchtigungen des Sehvermögens vermieden werden. Da sich Kinder vor allem bei einseitigen Sehstörungen oft nicht beeinträchtigt fühlen und diese durch Gewöhnung und Anpassung (Schiefstellung des Kopfes, Augenzwinkern usw.) auszugleichen versuchen, ist es Aufgabe der Eltern und des Kinderarztes, auf auffälliges Verhalten des Kindes und auf eventuelle auch noch so leichte Abweichungen der Augenstellung (Schielen) zu achten. Durch eine Sehprüfung und Untersuchung beim Augenarzt lassen sich dann Hinweise auf eine Sehstörung finden.
Vor allem bei Kleinkindern, die noch nicht in der Lage sind, sich sprachlich genau auszudrücken, ist eine altersgerechte Prüfung der Sehfunktion erforderlich. Wer sich als Erwachsener regelmäßig sein Sehvermögen testen lässt, kann sich nicht vorstellen, wie eine solche Sehprüfung bei Kleinkindern oder gar Babys praktiziert werden kann. Augenärzte weisen darauf hin, dass schon im Säuglingsalter, also bei ein bis zwei Monate alten Babys, eine qualitative Überprüfung des Sehvermögens möglich ist. Durch Beobachten der Augenbewegungen (ein- oder beidäugig) und Reaktionen auf vorgehaltene sowie langsam bewegte Lichter und Gegenstände erhält man wichtige Informationen über eventuelle Sehstörungen. Etwa, wenn das Kind durch Abdecken des gesunden Auges gezwungen ist, mit dem "schlechten", d. h. schielenden, zu sehen und dadurch irritiert reagiert.
Im Kleinkind- und Vorschulalter, also ab dem dritten Lebensjahr, können Tafeln mit unterschiedlich großen Sehzeichen eingesetzt werden. Vor allem die sog. E-Zeichen, die in verschiedenen Richtungen gedreht sind, haben eine positive Rückmeldung. So fragt der Arzt das Kind: "In welche Richtung zeigen die ‚Finger': nach oben, unten, rechts oder links?" Aber auch verschiedene Symbole, die das Kind beim Erkennen durch einen Knopfdruck "festhält", eignen sich für die Beurteilung des Sehvermögens.
Im Schulalter ist es dann möglich, die Sehtestverfahren einzusetzen, wie sie auch bei Erwachsenen üblich sind und sowohl das Sehen in die Ferne als auch in die Nähe (mit einen Lesetext) zu überprüfen.
Wichtig ist, dass bei jeder Auffälligkeit oder beim Verdacht auf eine Sehstörung sofort ein Augenarzt aufgesucht wird und vom Säuglingsalter bis zum Schulbeginn (und darüber hinaus) die Augen der Kinder in regelmäßigen Abständen untersucht werden. Jeder versäumte Termin einer Vorsorgeuntersuchung ist immer mit der Gefahr von nicht mehr gut zu machenden Beeinträchtigungen des kindlichen Sehvermögens verbunden. Andererseits lassen sich - frühzeitig erkannt - die meisten Augenfehler behandeln oder etwa durch eine kindgerechte Brille korrigieren.
Warum in die Schule gehen? (3125 Zeichen)
Schulschwänzen hat viele Ursachen
(pgk) Viele Kinder haben einfach keine Lust, in die Schule zu gehen. Werden sie nach den Ursachen hierfür gefragt, erhält man die unterschiedlichsten Antworten: Einige kommen einfach im Unterricht nicht mit, sie empfinden die oft hohen Anforderungen, die ständige Angespanntheit und den Leistungsdruck als unerträglich. Die Folge: Sie "verweigern" sich, sitzen zwar in der Klasse, nehmen am Unterricht aber nicht mehr teil - bis die Wissenslücken immer größer werden. Ein Teufelskreis, der oft in Schulschwänzen mündet. In einem solchen Fall sollte bei den ersten "Auffälligkeiten" von Seiten der Eltern und Lehrer nach den Ursachen für diese Verweigerungshaltung gesucht und diese eventuell mit Hilfe eines Schulpsychologen abgeklärt werden. Oft liegen die Probleme im Elternhaus: drohende Scheidung der Eltern, zu wenig Aufmerksamkeit und Zuwendungen, weil jüngere Geschwister vorgezogen werden, beengte Raumverhältnisse ohne Rückzugsmöglichkeit und Ruhe bei den Schulaufgaben usw. Aber auch nicht erkannte oder behandelte Gesundheitsstörungen (auch psychische Erkrankungen), oder eine Legasthenie (Lese- Rechtsschreib-Schwäche) können einem Kind die Freude am Schulbesuch verleiden.
Ein ganz anderer Problembereich ist die zunehmende Gewalt an Schulen, die jeden treffen kann. Dies reicht von brutaler Gewalt (Schläge, ständiges Auflauern, Erpressung) bis zu den "subtilen" Methoden des Mobbing: Spott, Hohn, ständige Hänseleien und Erniedrigungen, Beleidigungen, Beschimpfungen durch die eigenen Klassenkameraden werden als besonders kränkend empfunden, so dass man nur einen Ausweg im Schulschwänzen sieht. Die Opfer dieser Schikanen reagieren häufig mit Kopfschmerzen, psychosomatischen Erkrankungen und Schulangst.
Nach Untersuchungen von Psychologen haben versteckte Schikanen, sog. Beziehungsaggressionen, ähnliche Wirkungen wie offene Aggressionen (Schupsen, Rangeln, Prügeln). So konnte nachgewiesen werden, dass sich nicht nur körperliche Gewalt, sondern auch die von Eltern, Lehrern und Psychologen weitaus schwieriger zu entdeckenden und zu diagnostizierenden "subtilen" Aggressionen auf die soziale und emotionale Entwicklung der Opfer - aber auch der Täter - gleichermaßen negativ auswirkt.
Nach Untersuchungen der Psychologin Dr. Mechthild Schäfer von der Universität München werden allerdings die Opfer von Beziehungsaggressionen in der Klasse viel stärker ausgegrenzt und abgelehnt als die Opfer körperlicher Gewalt. Diese Ablehnung kann äußerst stabil sein und hält nicht selten über Jahre an. "Wer einmal in der Klasse als Opfer von Beziehungsaggressionen gebrandmarkt ist", so Dr. Schäfer, "wird diese Rolle nur sehr schwer wieder los." Deshalb, so die Münchner Psychologin, sollten die Lehrer nicht nur dann reagieren, wenn Gewalt oder Schikanen gegen einzelne Schüler eskalieren, sondern bereits präventiv tätig werden. Nur eine Schulklasse, in der ein positives Sozialklima herrscht, in der die Schüler ein respektvolles Miteinander lernen, bietet die Voraussetzung, für das spätere Leben in einer oft noch viel härteren und "brutaleren" Berufswelt die notwendigen sozialen Kompetenzen zu erlernen.
Kranke Kinder brauchen Bücher (1889 Zeichen)
Neue Buchempfehlungsliste der Aktion "Das fröhliche Krankenzimmer e.V."
(pgk) "Kranke Kinder brauchen Bücher." Das ist das Motto der Aktion "Das fröhliche Krankenzimmer e.V.", ein Projekt des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. Seit rund 20 Jahren hilft die Aktion Kindern und Jugendlichen im Krankenhaus, ihre Erfahrungen durch Lesen ausgewählter Kinder- und Jugendliteratur zu bewältigen. Dabei richtet sie nicht nur Bibliotheken und Leseecken in Kinderkliniken und Kinderstationen ein und führt Kinder und Jugendliche ans Lesen heran. Sondern sie sorgt auch für die Betreuung beim Lesen: In der sogenannten Biblio-Therapie werden den Kindern und Jugendlichen für ihre Situation gezielt geeignete Bücher vermittelt, und sie können über das Gelesene mit einem geschulten Mitarbeiter sprechen.
Aufgrund der Fülle der Neuerscheinungen an Kinder- und Jugendbüchern hat der Verlag des Deutschen Ärztinnenbundes e.V. die "Buchempfehlungsliste für Kinder und Jugendliche" jetzt neu aufgelegt. Die Auswahl der Bücher ist als Arbeitshilfe für Mitarbeiter und Helfer in Bibliotheken von Kinderkrankenhäusern gedacht. Aber auch Eltern, Erzieher, Lehrer und alle Kinder und Jugendlichen, die gerne lesen, finden hier zahlreiche Anregungen für eine spannende Lektüre. Bei den ausgewählten Büchern handelt es sich auch - aber nicht ausschließlich - um solche, die sich mit Krankheit oder Gesundheitserziehung beschäftigen. Die Kinder können sich mit den Helden identifizieren, andere Bewältigungsstrategien kennen lernen oder sich einfach ablenken.
"Das fröhliche Krankenzimmer e.V." Buchempfehlungsliste für Kinder und Jugendliche, 120 Seiten mit Titel- und Stichwortregister, Verlag Deutscher Ärztinnenbund e. V., 1999
Gegen Einsendung eines mit 3,-- DM frankierten DIN-A5-Rückumschlages kann bei der Geschäftsstelle "Das fröhliche Krankenzimmer e.V.", Modellbücherei - Dr. von Haunersches Kinderspital, Lindwurmstr. 4, 80337 München, Tel.: (089) 5160-2728, angefordert werden.
'Null Bock' auf Kinder? (779 Zeichen)
(pgk) Wenn es keine Einwanderer gäbe, so die Fachzeitschrift "Ärztliche Praxis Pädiatrie", würde die Bevölkerung überall in Europa deutlich schrumpfen. So liegt nach der derzeitigen Statistik in allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft die Geburtenrate weit unter der von 2,1 Kindern je Frau - eine Größe, bei der die Bevölkerungszahl konstant bliebe. In Europa wollen die Frauen immer weniger Kinder: in der Regel eins bis zwei. Viele junge Paare verzichten ganz auf Nachwuchs. Das Land mit der höchsten Geburtenrate ist Irland mit 194 Kindern je 100 Frauen. Deutschland "bringt" es, ebenso wie Österreich, gerade mal auf 134 Kinder. Interessanterweise liegen die Geburtenraten in den südlichen Ländern wie Griechenland (130), Italien (119) und Spanien (115) am niedrigsten.
Ost-West-Gefälle im Kindergarten (1156 Zeichen)
(pgk) Steht in den neuen Bundesländern für rund zwei Drittel aller Kinder ein Kindergartenplatz zur Verfügung, geht im Westen der Republik nicht einmal die Hälfte der Kinder in eine solche Einrichtung. Während in Brandenburg und Sachsen-Anhalt rund siebzig von 100 Kindern im Alter bis zu sechs Jahren im Kindergarten betreut werden, sind es z. B. in Bremen und Niedersachsen gerade mal knapp 40 Kinder. Auch bieten die Ostländer viel mehr Krippen und Horte für Kinder unter drei Jahren an. Obwohl ein gesetzlicher Anspruch auf einen Kindergartenplatz besteht, bedeutet der "Notstand" in den westlichen Bundesländern, dass viele Frauen nach dem Erziehungsurlaub nicht mehr in den Beruf zurückkehren können. Die Folge: dauerhafte Sozialhilfe-Bedürftigkeit ohne Aussicht, auch später - nachdem die Kinder eingeschult worden sind - wieder Anschluss an das Berufsleben zu finden. Vor allem alleinerziehende Mütter, die ihre Kinder nirgends unterbringen können, fühlen sich oft überfordert und müssen wegen körperlicher und psychischer Erschöpfung ärztlich behandelt werden. Hier wäre ein ausreichendes Kindergartenangebot die beste Lösung aus diesem Dilemma.
Jugendliche nehmen Drogengefahren ernster (720 Zeichen)
Auch Extasy wird zunehmend als gefährlich eingeschätzt
(pgk) Immer mehr Jugendliche nehmen die Gefahren von Drogenkonsum ernst. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts, über die nun das Gesundheitsjournal "Apotheken Umschau" berichtet. Befragt wurden 3.000 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Immerhin noch 55 Prozent meinten, jeder könne selbst darüber entscheiden, ob und welche Drogen er nimmt. Im Jahr davor waren es aber noch 62 Prozent. Nach der Partydroge Extasy befragt, halten mittlerweile 90 Prozent die Pillen für genauso gefährlich wie Heroin. Weniger kritisch gehen die Jugendlichen dagegen mit Haschisch um: Fast jeder Vierte hält einen Joint für kaum gefährlicher als Alkohol oder Nikotin. 71 Prozent aber sind gegen den freien Verkauf.

