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pgk, Jg. 34, 11/12 2000
Kinder-Hörgeräte nicht verstecken (2394 Zeichen)
(pgk) Eltern sollten die Schwerhörigkeit ihrer Kinder akzeptieren. Nur so können auch die Kinder lernen, selbstbewusst mit ihrer Situation umzugehen. Dies rät Dr. Agnes Hildmann, bundesweit renommierte Hals-Nasen-Ohrenärztin und Pädagogin aus Bochum. Bunte Hörgeräte zeigen, dass man zu seinem Hörproblem steht.
"Wenn die Eltern dem Kind das Gefühl geben, einen Makel zu haben, kann dies zu mangelndem Selbstbewusstsein, zum Verlust von Aufgeschlossenheit und Lebensfreude führen", so Dr. Hildmann. "Die gesamte geistige und soziale Entwicklung des Kindes kann dadurch beeinträchtigt werden." Die Einstellung der Eltern zu den Hörproblemen ihres Kindes ist laut Dr. Hildmann von großer Bedeutung: "Ein Kind lernt nur, mit seinem Hörschaden umzugehen und ein Hörgerät anzunehmen, wenn auch seine Eltern dies tun."
In Deutschland leben mehr als 500.000 Kinder mit behandlungsbedürftigen Hörstörungen. Für die gesamte Entwicklung dieser Kinder ist entscheidend, dass sie frühzeitig mit zwei Hörgeräten versorgt werden und diese auch regelmäßig tragen. Kinder lehnen ihre Hörgeräte nicht ab, wenn sie damit besser hören. Doch wenn Kinder spüren, dass die Hörschwäche ihren Eltern peinlich ist, haben sie große Probleme, selbst dazu zu stehen. Minderwertigkeitsgefühle sind mögliche Folgen. Hörgeräte werden dann oft nicht getragen. Andere Menschen werden nicht über die Hörschwäche informiert. Kommunikationsprobleme mit allen sozialen Folgen, wie Schulschwierigkeiten und Vereinsamung, sind vorprogrammiert.
"Die Eltern wollen meist die hautfarbenen Modelle, die möglichst niemand sehen soll", so Dr. Hildmann. "Kinder hingegen suchen sich immer bunte, poppige Geräte aus." Bei dieser Wahl sollten Eltern ihre Kinder unterstützen. Denn das offene Zeigen der Hörgeräte ist zugleich ein Bekennen zu den Hörproblemen. Hänseleien kommen gar nicht auf. Wo nichts versteckt wird, gibt es auch nichts "Peinliches" zu entdecken. Nur das Zeigen und Benennen führt dazu, dass andere Menschen Rücksicht nehmen können. Denn trotz großer Fortschritte in der Geräte-Technik gibt es immer noch Situationen, in denen gutes Verstehen schwierig ist. Wer klar macht, dass er hier ein Problem hat, beugt unangenehmen Fehleinschätzungen vor: Wie oft wird jemand für unkonzentriert, begriffsstutzig oder gar dumm gehalten, weil er etwas nicht verstanden hat. Das ist bei Erwachsenen nicht anders als bei Kindern.
Neurodermitis: Die Psyche ist beteiligt, aber nicht die Ursache (929 Zeichen)
Es gibt keine typische Neurodermitis-Persönlichkeit
(pgk) Auch wenn Laien-Psychologen es immer gern wieder behaupten: Die Neurodermitis ist keine Erkrankung der Seele, sondern eine weitgehend vererbte Neigung zu Allergien. "Heute ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass es keine typische Neurodermitis-Persönlichkeit gibt", schreibt der Diplom-Psychologe Matthias Müller vom Neurodermitis Therapie-Zentrum Schwelmer Modell in der Gesundheitszeitschrift "Apotheken Umschau". Nicht große Kindheitstraumata, sondern mehr die kleinen Auseinandersetzungen und der Alltagsstress machten Neurodermitikern Probleme. Deshalb profitieren sie zusätzlich zu anderen Behandlungsformen von psychotherapeutischer Betreuung. Seelische Spannungen und unbewältigte Konflikte könnten die Allergiebereitschaft der Haut heraufsetzen und Kratzkrisen auslösen, denen moderne Therapeuten mit Entspannungstherapien, wie etwa Tai Chi, autogenem Training oder Muskelentspannung nach Jacobson, begegnen.
Elastische Befestigungsbänder - Gefahr für Kinderaugen (1199 Zeichen)
(pgk) Elastische Befestigungsbänder, mit denen häufig Gegenstände auf dem Autodach oder auf dem Fahrradgepäckträger gesichert werden, stellen ein Verletzungsrisiko für Kinderaugen dar. Insbesondere, wenn Kinder ohne Aufsicht durch einen Erwachsenen mit den Befestigungsbändern spielen, kann es zu schwerwiegenden Augenverletzungen kommen. Grund dafür sind die Ge- schwindigkeiten, die ein gespanntes Band bekommen kann, sowie die Haltehaken, deren Spitzen nicht gesichert sind.
Eine italienische Forschergruppe aus Triest untersuchte Unfallhergänge von Augenverletzungen bei Kindern: Besonders Jungen unter zehn Jahren verletzen sich beim Spielen mit elastischen Befestigungsbändern. Sie befestigen ein Ende an einem Gegenstand, z. B. einem Ast und dehnen das Band anschließend. Häufig löst sich dann der Haken und das Band schnellt mit hoher Geschwindigkeit dem Kind an den Kopf oder ins Auge. Ältere Kinder und Erwachsene verletzen sich vor allem beim Festschnallen von Gegenständen auf dem Autodach.
Fazit: Eltern und Erzieher sollten verstärkt vor den Gefahren der elastischen Bänder warnen und diese an einem kindersicheren Ort aufbewahren.
Kinderlähmung in Europa fast ausgerottet (2699 Zeichen)
(pgk) Ältere Menschen erinnern sich noch mit Schrecken an die periodischen Ausbrüche der Kinderlähmung (Poliomyelitis) in der Zeit vor der Einführung der Schluckimpfung im Jahre 1962 in Deutschland. Jüngere denken kaum noch an die schreckliche Krankheit, die zu Lähmung oder Tod führen kann. Doch Vorsicht: Im Gegensatz zu Nord- und Südamerika ist Europa noch nicht poliofrei bestätigt! An dem Ziel der WHO, Polio weltweit vollständig auszurotten, wird mit hohem Aufwand gearbeitet.
Die Erkrankungszahlen bei Kinderlähmung sind in Deutschland seit 1962 dank der flächendeckenden Immunisierung drastisch zurückgegangen. Die letzte hier entstandene Erkrankung wurde im Jahr 1990 erfasst. Doch Kinderlähmung kann auch "importiert" werden. 1992 traten in Deutschland zwei solcher Fälle auf. Im November 1998 wurde der bislang letzte Poliofall in Europa aus dem Süden der Türkei gemeldet. So günstig sieht es in vielen Gebieten Südasiens und Zentralafrikas nicht aus: Hier kommt es noch häufiger zu spontan auftretenden Erkrankungen.
Im Jahr 1988 steckte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das hohe Ziel, Kinderlähmung durch konsequentes Impfen weltweit vollständig auszurotten. Diese Möglichkeit besteht, weil der Mensch einziger Wirt des Erregers ist. Wenn die gesamte Bevölkerung gegen das Polio-Virus immun ist, kann sich der Erreger nicht mehr vermehren und stirbt aus. Die Impfung ist auch heute nach wie vor unverzichtbar. Die frühere Schluckimpfung mit abgeschwächten Erregern wurde in Deutschland 1998 abgelöst durch eine Injektion mit abgetöteten Erregern.
Für die Attestierung der Poliofreiheit durch die WHO muss eine Region drei Jahre poliofrei sein. Wie in jedem Mitgliedsstaat der WHO muss dies auch in Deutschland durch ein genaues Überwachungssystem belegt werden. Alle akut auftretenden schlaffen Lähmungen bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sollten auf Kinderlähmung geprüft werden. Die Praxiseinführung dieses Überwachungssystems im Jahr 1998 war nicht leicht, die Erfassungsrate ist auch heute noch ungenügend.
Es gibt drei verschiedene Typen von Polioviren. Das Robert Koch-Institut untersuchte 1997/98 in einer repräsentativen Stichprobe der Bevölkerung im Erwachsenenalter Probanden auf Antikörper gegen alle drei Virustypen. Die Studie ergab, dass 85 Prozent der Probanden Antikörper gegen alle drei Poliovirustypen besaßen. Dieses Ergebnis ist sehr positiv. Die Bevölkerungsimmunität muss jedoch durch konsequente Fortsetzung des Impfprogramms gesichert werden. Bis zum Jahr 2005, so das ehrgeizige Ziel der WHO, soll die heimtückische Krankheit weltweit ausgemerzt sein. Treten danach keine Erkrankungen mehr auf, können die Impfungen ab 2010 eingestellt werden.
Gegen Blutvergiftung ist ein Pilz gewachsen (1254 Zeichen)
Neue Hoffnung im Kampf gegen tödliche Erreger
(pgk) Hirnhautentzündung, Blutvergiftung, Lungenentzündung - all diese lebensgefährlichen Krankheiten kann das Bakterium Staphylokokkus aureus verursachen. Antibiotika gaben viele Jahrzehnte lang sicheren Schutz bei solchen Infektionen. Heute können sie jedoch versagen: Das Bakterium ist gegen die meisten Medikamente resistent geworden. Bei Krankheitserregern, die gleichzeitig gegen mehrere Medikamente resistent sind ("MRSA"), stehen die Mediziner vor einem ernsten Problem. Denn würde jede der bekannten Wirkstoffklassen der Antibiotika versagen, könnte den Patienten nicht mehr geholfen werden. Bislang ist das zum Glück noch nicht der Fall, Resistenzen werden aber immer häufiger beobachtet. Dagegen dauert die Erforschung neuartiger Medikamente jedoch viele Jahre.
Neue Hoffnung gibt der Pilz Ganoderma pfeifferi. Forscher an der Ernst-Moritz-Arndt- Universität in Greifswald und am Landeshygieneinstitut Mecklenburg-Vorpommern haben herausgefunden, dass er mehrere antibiotisch wirksame Substanzen produziert. "Mindestens eine dieser Substanzen stammt aus einer neuartigen Wirkstoffklasse", erläuterte Professor Dr. Ulrike Lindequist (Greifswald). Damit besteht neue Hoffnung, dass der Mensch den Bakterien weiterhin einen Schritt voraus ist.
Quecksilber-Grenzwerte zu hoch? (1003 Zeichen)
(pgk) Bereits Konzentrationen von 30 Mikrogramm Quecksilber pro Liter Blut beeinträchtigen die Hormonproduktion und den Stoffwechsel der Plazenta erheblich. Dies ergaben Forschungen an der Universität Jena, wo Mediziner Mutterkuchen nach der Geburt untersuchten. Quecksilber kann außerdem auch in den Fötus gelangen und dort das Nervensystem schädigen. Bei schweren Chemieunfällen wurden schon Fehlgeburten und Missbildungen von Kindern beobachtet. Derzeit liegt der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene und in Deutschland geltende Grenzwert bei 50 Mikrogramm pro Liter.
In den westlichen Industrieländern findet sich im Blut werdender Mütter in der Regel zwischen drei und zehn Mikrogramm Quecksilber pro Liter. In besonders belasteten Regionen oder in bestimmten Berufsfeldern können die Werte je-doch deutlich höher sein. "Den Schutz werdender Mütter am Arbeitsplatz können wir eigentlich gar nicht ernst genug nehmen," warnt Dr. Ekkehard Schleußner von der Universitäts- Frauenklinik Jena.

