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Bei Herzstillstand: Massieren wichtiger als beatmen
Seit Oktober gelten neue Richtlinien für die Wiederbelebung: Diese Neuerungen vereinfachen die Hilfeleistung für Laien – und können somit möglicherweise mehr Menschenleben retten.
Viele Menschen sind hilflos, wenn sie in eine Situation kommen, in der Erste Hilfe geleistet werden muss. Dies gilt vor allem für solche Situationen, in denen eine Wiederbelebung notwendig ist. Der Erste-Hilfe-Kurs ist schon lange her und das darin erlernte Wissen nicht mehr ganz taufrisch. Groß sind die Ängste, bei so einer wichtigen Sache Fehler zu machen. Und so unterbleibt eine Wiederbelebung durch Laien häufig in Situationen, in denen durch das beherzte Eingreifen Leben gerettet werden könnte. Das ist eine Beobachtung, die Dr. med. Steffen Dietz, Anästhesist und Notfallmediziner in Marburg, bei seinen Fahrten mit dem Rettungswagen macht: „Maßnahmen zur Wiederbelebung durch Laien, bis der Notarzt eintrifft, sind leider selten zu sehen. Die Augenzeugen eines Notfalls haben zu viel Angst, etwas falsch zu machen.“ Aber der größere Fehler ist es, untätig zu bleiben: Pro Tag werden in Deutschland rund 400 Menschen außerhalb der Krankenhäuser wiederbelebt – doch nur jeder Zehnte bleibt auch tatsächlich am Leben. Beginnen umstehende Laien hingegen mit der Wiederbelebung, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft, steigt die Überlebenschance des Patienten auf das 2- bis 3-Fache. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Maßnahmen zur Wieder-belebung einem Patienten mit Herzstillstand helfen, ist viel größer, als die Wahrscheinlichkeit, dabei Schaden anzurichten“, so Dietz. Seit Oktober dieses Jahres gelten neue Leitlinien für die Wieder-belebung beim plötzlichen Herztod. Die von der American Heart Association (AHA) herausge-gebenen „Leitlinien 2010 für Herz-Lungen-Wiederbelebung und kardiovaskuläre Notfallmedizin“ werden weltweit als maßgebliche Vorgabe für die Wiederbelebung anerkannt. Die Herzdruck-massage tritt in den neuen Leitlinien gegenüber der Beatmung in den Vordergrund - notfalls zunächst als alleinige Maßnahme. Denn Studien haben gezeigt, dass die ununterbrochene Herzdruckmassage die wichtigste Maßnahme einer erfolgreichen Wiederbelebung ist. Bisher galt die A-B-C-Regel für „Airway (Atemwege freimachen), Breathing (Beatmung) Chest compressions (Herzdruckmassage)“, nun lautet die gültige Reihenfolge C-A-B: Herzdruckmassage, Atemwege freimachen, Beatmen. Steht nur ein Helfer zur Verfügung, der nicht in der Herz-Lungen-Wieder-belebung geschult ist, sollte er nach Alarmierung des Rettungsdienstes nur eine kräftige und schnelle Herzdruckmassage anwenden und auf weitere Maßnahmen verzichten, bis die Rettungs-kräfte eintreffen. Diese Neuerungen machen die Wiederbelebung vor allem für den medizinischen Laien einfacher. „Wir hoffen, dass nun mehr Menschen die Reanimation im Notfall überhaupt beginnen und dass so ein paar Hundert Menschenleben pro Jahr in Deutschland gerettet werden,“ sagt Dr. Heinzpeter Moecke, Konzernbereichsleiter Medizin & Wissenschaft der Asklepios Kliniken und Mitherausgeber der deutschen Fassung der neuen Leitlinien.
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw) – Pressemitteilung vom 18.10.2010
Tipps
Damit man im Ernstfall Familienangehörigen, Freunden oder anderen Menschen helfen kann, empfiehlt es sich, einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen – auch zur Auffrischung des Wissens. Erste-Hilfe-Kurse werden fast überall in Deutschland beispielsweise vom Deutschen Roten Kreuz angeboten:
http://www.drk.de/angebote/erste-hilfe-und-rettung/kurse-in-erster-hilfe.html
Eine kurze, übersichtliche Anleitung finden Sie unter
http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Erste-Hilfe/Wiederbelebung-Reanimation-Ers-2197.html
Die wichtigsten Änderungen der Leitlinien finden Sie unter:
http://www.american-heart.at/startseite/neue_guidelines_2010
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