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1. Was sind Meningokokken, wie kann man die Infektion bekommen und wie merkt man, dass man die Krankheit hat?
Meningokokken sind Bakterien, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung im Nasenrachenraum beherbergen, ohne zu erkranken. Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen, etwa durch Anhusten, Niesen oder auch beim Schmusen.
Jährlich erkranken allein in Deutschland 700 bis 800 Menschen daran. Meningokokken verursachen Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen. Das Spektrum der Erkrankung reicht von leichten Verläufen mit spontaner Abheilung bis hin zu einem hochakuten Ausbruch, der trotz Behandlung in wenigen Stunden zum Tod führt. Manchmal geht der Meningitis (Hirnhautentzündung) eine banale Erkältung voraus, eventuell auch eine richtige Virusgrippe. Die Meningitis beginnt plötzlich mit starkem Krankheitsgefühl wie Abgeschlagenheit, hohem Fieber, Erbrechen, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen oder Bewusstseinsstörungen. Insbesondere können Hautblutungen auftreten, die sich in rot-violetten Hautflecken äußern. Diese Symptome müssen nicht alle gleichzeitig auftreten, sie können sich innerhalb weniger Stunden bis Tage entwickeln. Ein typisches Symptom ist auch die Nackensteifigkeit.
Bei Säuglingen können neben dem fast immer auftretenden Fieber die Krankheitszeichen zunächst wenig eindeutig sein: Teilnahmslosigkeit oder Unruhe, Nahrungsverweigerung und Berührungsempfindlichkeit. Trotz Behandlung treten bei jedem fünften Erkrankten Komplikationen und Spätfolgen wie Hörverlust oder Krampfleiden auf, für jeden zehnten Patienten jedoch kommt jede Hilfe zu spät, er stirbt.
2. Wer kann und wer sollte sich impfen lassen? Was kann zur Vorbeugung getan werden?
Die Ständige Impfkommission (STIKO), das Expertengremium für Impffragen am Robert Koch-Institut in Berlin, empfiehlt die Impfung gegen Meningokokken für alle Kinder ab 1 Jahr. Bei Kindern und Jugendlichen bis 17 Jahre soll die Impfung nachgeholt werden.
Schüler und Studenten mit einem längeren Aufenthalt in Ländern, in denen die Meningokokken-Impfung (Konjugatimpfstoffe) allgemein oder gezielt für diese Altersgruppe empfohlen wird (z. B. England, Irland, Spanien, Benelux-Länder, USA) erhalten eine Impfung entsprechend den Vorgaben des Ziellandes.
Weiterhin sollten Personen mit Erkrankungen des Abwehrsystems (Immundefekte) oder fehlender bzw. funktionsuntüchtiger Milz geimpft werden.
Auch Reisende in Gebiete, in denen Meningokokken-Infektionen häufig auftreten (Endemiegebiete) tragen ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn sie sich dort länger aufhalten oder engen Kontakt zur Bevölkerung haben. Gemeint sind zum Beispiel Trekkingreisende vor einem Aufenthalt in Indien oder im "Meningitisgürtel" von Afrika. Saudi-Arabien verlangt in der Zeit der Mekka-Wallfahrten von Pilgern und Besuchern eine Impfbescheinigung, die maximal drei Jahre und minimal zehn Tage vor dem Eintreffen in Saudi-Arabien ausgestellt worden sein darf. Pflicht ist hier der Vierfach- Impfstoff A,C, W-135,Y. Pilger, die aus Endemiegebieten einreisen, werden untersucht und bei Verdacht auf Meningitis unter Beobachtung gestellt. Von allen anderen Reisenden wird keine Impfung verlangt.
Sie können die STIKO-Empfehlungen auf den Seiten des Robert Koch-Instituts nachlesen.
Es gibt verschiedene Impfstoffe, die gegen unterschiedliche Meningokokken-Typen gerichtet sind. Gegen den Typ B, der die meisten Infektionen verursacht, gibt es keine Impfung. Neu sind so genannte Konjugatimpfstoffe, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet sind. Sie sind gegen Typ C gerichtet und bewirken einen sehr guten, lang anhaltenden Schutz. Verschiedene sog. Polysaccharidimpfstoffe sind auf dem Markt, sie sind allerdings erst bei Personen ab 2 Jahre wirksam.
Generell kann man den Bakterien nicht "aus dem Weg gehen". Treten Meningokokken-Fälle auf, werden die Kontaktpersonen vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Treten regional gehäuft Fälle auf, können die Gesundheitsämter eine Impfprophylaxe empfehlen (wenn es sich dabei um den impfpräventablen Stamm Typ C handelt).
3. Mein Sohn (19 Jahre) hatte einen Unfall mit dem Moped. Seine Milz musste entfernt werden. Jetzt empfehlen die Ärzte dringend Meningokokken-/Pneumokokken-/Hib-Impfung. Muss das sein? Ich will meine Kinder nicht zuviel mit Impfungen belasten.
Vor allem Patienten ohne Milz sind gefährdet, hochakut und besonders schwer an Infektionen mit diesen Bakterien zu erkranken. Es wäre unverantwortlich, diese Impfungen nicht zu geben, zumal die Impfstoffe gut verträglich sind. Eventuell auftretende Impfreaktionen klingen meist rasch wieder ab.
Empfehlung: Erst eine Dosis MenC-Konjugatimpfstoff, dann sechs Monate später eine 4-fach-Impfung (Meningokokken-Polysaccharidimpfstoff A, C, W-135, Y)), letztere dann alle drei Jahre wiederholen; Pneumokokken-Impfung mit 23-valentem Impfstoff alle drei Jahre; eine Hib-Impfung.
4. Mein Kind hat Neurodermitis, ist die Impfung dann machbar?
Eine Neurodermitis spricht nicht gegen Impfungen. Im Gegenteil, bei schwerer Neurodermitis wird zum Beispiel eine Impfung gegen Windpocken sogar ausdrücklich empfohlen. Auch alle anderen Impfungen sind möglich.
5. Unsere Kinderärztin wusste nicht, warum Austauschschüler geimpft werden sollen (unsere Tochter geht für einige Wochen nach England). Wer hat das empfohlen?
Die Impfempfehlungen kommen in Deutschland von der Ständigen Impfkommission (STIKO), einem Expertengremieum am Robert Koch-Institut. Diese empfiehlt die Meningokokken-Impfung für Austauschschüler und -studenten entsprechend den Empfehlungen der Zielländer. In England gilt eine allgemeine Impfempfehlung für Jugendliche gegen Meningokokken vom Typ C, der dort gehäuft auftritt. Ihre Tochter sollte unbedingt vorher (spätestens zwei Wochen vor Abreise) geimpft werden (Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff). Seit 2006 ist die Impfung übrigens eine Standardimpfung für alle Kinder ab 1 Jahr.
6. Mein Kind hat die Sechsfach-Impfung bekommen, da ist es doch sicher gegen eine Meningitis geschützt?
Eine Meningitis kann durch verschiedene Bakterien und Viren verursacht sein: Meningokokken, Pneumokokken oder Haemophilus influenzae B (Hib), Masern, Mumps und FSME. Die Hib-Komponente in der Sechsfach-Impfung beugt spezifisch einer durch Hib-Bakterien ausgelösten Meningitis vor. Mit der Sechsfach-Impfung ist Ihr Kind demnach nicht vor einer Meningokokken-Meningitis geschützt.
Sie sollten Ihr Kind mit 1 Jahr, so wie von der STIKO empfohlen, gegen Meningokokken C impfen lassen. Und denken Sie auch an die Pneumokokken-Impfung (für alle Kinder von 2-23 Monaten empfohlen).
7. Gibt es auch eine Impfung gegen Meningokokken B?
Es wird zwar geforscht, aber bis jetzt ist die Impfung gegen MenB in Deutschland noch nicht möglich.
8. Ist es nicht besser, den 4-fach-Meningokokken-Impfstoff zu verwenden, er wirkt doch gleichzeitig gegen mehrere Erreger?
Der 4-fach-Impfstoff schützt vor vier verschiedenen Meningokokken-Typen (Serogruppen A, C, W-135 und Y). In Deutschland werden allerdings über 90 Prozent der Erkrankungen durch die Serogruppen B und C verursacht, Typ W-135 und Y machen nur wenige Prozent aus. Gegen Typ B gibt es hierzulande noch keinen Impfstoff. Der 4- fach-Impfstoff wird vor allem dann empfohlen, wenn man in Gebiete reist, in denen alle Typen gehäuft vorkommen z. B. im so genannten Meningitisgürtel in Afrika. Zudem ist er erst bei Personen ab zwei Jahre wirksam, und der Schutz hält nur etwa drei Jahre an. Für jüngere Kinder gibt es aber eine Alternative, um gegen den Serotyp C zu schützen: Konjugatimpfstoffe. Bereits Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensmonat können damit geimpft werden, der Schutz ist sehr lang anhaltend.
9. Welches Impfschema gilt, und muss die Impfung aufgefrischt werden?
Kinder unter einem Jahr werden drei Mal geimpft, ab einem Alter von 1 Jahr ist eine Impfung ausreichend; da noch keine Daten vorliegen, kann man zu Auffrischimpfungen noch keine abschließende Auskunft geben. Man kann aber davon ausgehen, dass der Schutz jahrelang, vielleicht sogar lebenslang, anhält.
10. Gibt es Impfreaktionen?
Impfreaktionen sind wie bei allen anderen Impfstoffen auch bei den Meningokokken- C-Konjugatimpfstoffen möglich, aber selten. Sie sind ein Zeichen, dass sich das Immunsystem mit dem Impfstoff auseinandersetzt und eine Abwehr aufbaut. Für ein bis zwei Tage kann es zu einer Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle kommen, Fieberreaktionen (bis 39 °C) sind möglich. Selten können Magen-Darm-Beschwerden auftreten; Erwachsene können vorübergehend Kopf- oder Gliederschmerzen haben, Kinder etwas unruhig oder aber schläfrig sein. Diese Impfreaktionen sind kein Grund zur Beunruhigung, sie klingen schnell wieder ab.
11. Wie lange hält der Impfschutz an, wenn ich mein Kind impfen lasse?
Wie lange die Wirkung bei den Konjugat-Impfstoffen anhält, ist noch nicht genau bekannt. Vom Impfprinzip her (Konjugat-Impfstoff) kann man von einem lang anhaltenden Impfschutz ausgehen. Die Impfung mit Polysaccharid-Impfstoffen (gegen Typ A und C bzw. A, C, W135,Y) dagegen muss nach drei Jahren wiederholt werden, wenn dies nötig ist.
12. Mein Sohn war mit 15 Monaten an einer Blutvergiftung (Sepsis) durch Meningokokken erkrankt. Ist er immun gegen die Erreger? (Meningokokken-Typ nicht bekannt)
Auch wenn es durch die Infektion zu einer Immunantwort gekommen ist, ist es fraglich, ob sie vor einer erneuten Erkrankung schützt; es besteht dann aber ohnehin nur Schutz gegen den einen Meningokokken-Typ. Es kann eine Impfung mit dem Meningokokken-C-Konjugatimpfstoff durchgeführt werden, eventuell ergänzt durch eine Impfung mit Polysaccharidimpfstoff im Abstand von sechs bis zwölf Monaten.


