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Warum Sie Weihnachten singen sollten
Foto: Johanna Mühlbauer-Fotolia

Singen macht Spaß und ist gut für Körper, Geist und Seele

 „Lasst uns mal wieder zusammen singen!“ – in der Advents- und Weihnachtszeit sollte dieses gesundheitsfördernde Motto in den Familien wieder in die Tat umgesetzt werden. Denn laut Wissenschaft ist Singen nicht nur ein vergnüglich-geselliger Zeitvertreib, sondern auch gut für Körper, Geist und Seele.

Doch in einer Zeit, in der Musik auf CD und über das Internet überall und jederzeit in Top-Qualität verfügbar ist, hat das Selbstsingen anscheinend an Popularität verloren. Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger jedenfalls singt keine Weihnachtslieder mehr. Auf die Frage, ob sie zu Weihnachten selbst singen, antworteten 60 Prozent der Menschen in Deutschland mit „Nein“. Lediglich 40 Prozent bejahten dies in einer repräsentativen YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2012 für die Deutsche Presse-Agentur. Frauen erwiesen sich dabei mit 45 Prozent „Ja“ hörbar sangesfreudiger als Männer (35 Prozent).

Singen gegen den Weihnachtsstress
Schade eigentlich, denn Singen macht nicht nur Spaß: Wissenschaftliche Untersuchungen in den vergangenen Jahren haben immer wieder belegt, dass Singen vielfältige positive Effekte auf die Gesundheit hat. Experten empfehlen daher, die Alltagskultur des „heilenden“ Singens wieder mehr zu fördern.
Denn auch wenn sich an Weihnachten manche in der Familie wehren und die weihnachtlichen Gesänge etwas schief klingen mögen, so verändert sich erwiesenermaßen nach kurzer Zeit des Singens der Hormonspiegel in positivem Sinne: Der Vorweihnachtsstress fällt ab, und es stellt sich ein gemeinsames Glücksgefühl ein.

Gesund wie Meditation und Fitnesstraining zugleich
Dabei wirkt das traditionelle Singen an Weihnachten wie Meditation und Fitnesstraining zugleich. Beim Singen wird im Körper ein Hormonmix aus Serotonin, Dopamin, Noradrenalin, Oxytocin und Endorphinen ausgeschüttet, der für Zufriedenheit und Harmonie sorgt. Gleichzeitig senkt der Gesang den Spiegel von Stresshormonen wie Testosteron und Cortisol. Wie ein leichtes Fitness-Training wirkt das aktive Trällern: Es stärkt Herz und Kreislauf, da sich beim Singen die Atmung verlangsamt und tiefer geht, das Zwerchfell aktiviert wird und die Bauchorgane massiert werden. Blutdruck, Herz-, und Atemrhythmus harmonisieren sich. Singen ist ein körperlicher Akt. Wer es richtig macht, entspannt seinen Brustkorb und kräftigt die Rückenmuskeln. Schon zehn bis 15 Minuten Singen reichen aus, um das Herz-Kreislauf-System auf Trab zu bringen. Die Atmung intensiviert sich, der Körper wird besser mit Sauerstoff versorgt.

Gut für Kinder
Zudem fördert Singen die geistige und soziale Entwicklung von Kindern. 2010 fanden Forscher der Universität Münster in einer Studie gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Münster einen maßgeb-lichen Einfluss des Singens auf die Sprachentwicklung und das Sozial- und Aggressionsverhalten. Die Studie mit 500 Sechsjährigen ergab unter anderem, dass Kinder, die viel singen, zu 88 Prozent als regelschulfähig eingestuft wurden, während es unter nicht singenden Kindern nur 44 Prozent waren. Beim regelmäßigen Singen werden Synapsen im Gehirn neu verbunden; es macht den Sänger „klüger“.

Auswirkungen auf das Immunsystem?
Außerdem scheint Singen sogar einen lebensverlängernden Einfluss zu haben. Schwedische Forscher untersuchten in den 1990er Jahren mehr als 12.000 Menschen aller Altersgruppen und entdeckten, dass Mitglieder von Chören und Gesangsgruppen eine deutlich höhere Lebenserwartung haben als Menschen, die nicht singen.

Das könnte auch daran liegen, dass Singen das Immunsystem stärkt, wie Wissenschaftler vom Institut für Musikpädagogik der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/M. 2004 entdeckten. Die Forscher untersuchten die Speichelproben von Kirchenchormitgliedern, die das Requiem von Mozart einstudierten. Nach der Chorprobe war die Anzahl der Immunglobuline A, die in den Schleimhäuten Krankheitserreger bekämpfen, stark gestiegen. Wenn die Sängerinnen und Sänger dagegen Mozarts Musik nur vom Band hörten, blieb die Anzahl der Antikörper unverändert. Schließlich weiß man, dass Singen in manchen Fällen auch wie ein „Anti-Depressivum“ wirken kann. Menschen mit seelischen Problemen oder Demenzkranken kann es helfen, wenn sie beispielsweise in der Gruppe singen.

Singen bewirkt Gefühl der Zusammengehörigkeit
Kein Wunder: Gemeinsame Tätigkeiten im Gruppenverband erzeugen soziale Bindungen und ein angenehmes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Dieser positive Effekt kommt durch Singen schneller zustande als durch andere Aktivitäten, wie britische Psychologen erst kürzlich herausfanden.

Alles in allem also genügend Gründe, an Weihnachten mal gemeinsam die Stimme zu erheben. Auch wenn dabei nicht alle Töne richtig getroffen werden, denn all den positiven Auswirkungen, man höre und staune, tut das keinen Abbruch.

 

Quellen:

  1. Yougov.de: Klare Mehrheit singt zu Weihnachten keine Lieder yougov.de/news/2012/11/30/klare-mehrheit-singt-zu-weihnachten-keine-lieder
  2. Hormone unterm Tannenbaum: Weihnachtliches Singen macht fit und glücklich, www.presseportal.de/pm/24448/1738126/hormone-unterm-tannenbaum-weihnachtliches-singen-macht-fit-und-gluecklich
  3. Thomas Blank und Karl Adamek - Singen in der Kindheit (empirische Studie zur Gesundheit und Schulfähigkeit von Kindergartenkindern, Münster 2010), www.il-canto-del-mondo.de/singen-in-der-kindheit.html
  4. WarumSingen gesund ist unter www.welt.de/wissenschaft/article1461487/Warum-Singen-gesund-ist.html
  5. Singen ist so gesund wie Meditation oder leichter Sport unter www.deutscher-chorverband.de/uploads/SingenistsogesundwieMeditation.pdf
  6. Kreutz, G. und St. Bongard, S. Rohrmann, V. Hodapp, D. Grebe: Effects of choir singing or listening on secretory immunoglobulin A, cortisol, and emotional state. In: Journal of Behavioral Medicine, 27. Jg. (2004), S. 623-635, www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15669447
  7. Bygren LO, Konlaan BB, Johansson SE. Attendance at cultural events, reading books or periodicals, and making music or singing in a choir as determinants for survival: Swedish interview survey of living conditions. SourceDepartment of Social Medicine, University of Umeå, Sweden. BMJ. 1996 Dec 21-28;313(7072):1577-80, www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8990990
  8. Bossinger, Wolfgang: Die heilende Kraft des Singens. Von den Ursprüngen bis zu modernen Erkenntnissen über die soziale und gesundheitsfördernde Wirkung von Gesang; Norderstedt 2005
  9. Wissenschaft aktuell: Gemeinsames Singen bricht das Eis schneller; Pressemitteilung vom 30.10.2015 unter www.wissenschaft-aktuell.de

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