DGK e.V. -Schreiben des Hirthammer-Verlages an Eltern: Viele Aussagen sind falsch
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Impfen: Sinnvoll und effektiv

Schreiben des Hirthammer-Verlages an Eltern:
Viele Aussagen sind falsch

Stellungnahme

(Marburg, 31.05.2002) Der Hirthammer-Verlag, München, hat unaufgefordert bundesweit an eine Vielzahl von Eltern einen Brief gesendet, in dem vor Impfungen gewarnt wird. Das Schreiben verunsicherte viele Eltern.

Wir möchten zu den unsinnigen und falschen Argumenten Stellung nehmen und dazu beitragen, Vorurteile gegenüber Impfungen auszuräumen.


Behauptung 1: Impfungen verhindern ansteckende Krankheiten nicht

Diese Aussage ist falsch.

Das Auswerten wissenschaftlicher Daten kommt zu anderen Ergebnissen. An der nachfolgenden Tabelle ist zu erkennen, dass ein Rückgang der Infektionskrankheiten durch Impfen erreicht wurde.

Unbestritten kommt auch der verbesserten Hygiene eine wichtige Rolle beim Zurückdrängen von Infektionskrankheiten zu. Ihr allein sind jedoch folgende Daten aus den USA nicht zu verdanken. Bei manchen Erkrankungen spielt Hygiene kaum eine Rolle, etwa beim Wundstarrkrampf, dessen Erreger auch bei uns überall im Erdboden verbreitet sind.


Tabelle: Infektionskrankheiten früher und heute

Krankheiten
(Daten aus USA)

Jahr
(vor Impfung)

Fälle

1997
(Zahl der Fälle)

Diphtherie

1921

206.939

5

Masern

1941

894.134

135

Mumps

1968

152.209

612

Pertussis
(Keuchhusten)

1934

265.269

5.519

Poliomyelitis
(Kinderlähmung)

1952

21.269

0

Rötelnembryopathie
(Fehlbildungen beim Ungeborenen)

1965

circa 20.000

4

Tetanus
(Wundstarrkrampf)

1948

1.560

43

Hib.-Erkrankungen
(Haemophilus influenzae Typ b)

1984

circa 20.000

165

 


Behauptung 2: Jedes fünfte Kind wird durch Impfungen geschädigt
Diese Aussage ist falsch.

Es gibt keine ernst zu nehmenden Studien, die zu diesem Ergebnis kommen. Zwar gab es bei der Pockenimpfung noch mehr Nebenwirkungen als bei unseren heute weit verbesserten Impfstoffen, aber eine so hohe Zahl von Impfkomplikationen gab es noch nicht einmal in der frühen Zeit der Impfstoffe.

Unter "Impfschäden" werden definitionsgemäß schwere, eventuell auch bleibende Nebenwirkungen nach einer Impfung verstanden. Diese kommen in einer Größenordnung von 1/ 1.000.000 Impfungen vor. Demnach läuft etwa jedes Millionste Kind Gefahr, eine bleibende Schädigung zu erleiden, und nicht wie vom Hirthammer Verlag behauptet, jedes fünfte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind nach der eigentlichen Erkrankung einen Schaden erleidet, ist jedoch um vieles größer. Eine Gegenüberstellung der Häufigkeit von Komplikationen nach Krankheit und nach Impfung spricht immer zugunsten der Impfung, wie das Beispiel der Masern-Mumps-Röteln-Impfung zeigt:


Tabelle Masern-Mumps-Röteln-Impfung

Symptom bei Erkrankung

Rate bei Masern

Rate nach MMR-Impfung

Exanthem
(Hautausschlag)

98%

5%, abgeschwächt

Fieber

98%, meist schwer

3-5%, nur selten schwer

Fieberkrämpfe

7-8%

ca. 1%

Thrombozytopenie
(Störung der Blutgerinnung)

1/3.000

1/30.00-50.000

EEG-Veränderungen

50 - 60%

nur Einzelfälle

Enzephalitis (Entzündung des Gehirns)
-----Letalität
-----Defektheilung

1/1.000 - 2.000
30%
20%

ca 1/1.000.000
???
???

SSPE

1/200.000

keine überzeugenden Berichte

vorübergehende
Immunsuppression

dramatisch, oft schwere Folgekrankheiten

klinisch zu vernachlässigen


Die STIKO empfiehlt Impfungen

Diese Zahlen sprechen für sich. Die heute von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) empfohlenen Impfungen sind gut verträglich und vorübergehende Nebenreaktionen sind gelegentlich Rötung und Schmerzen an der Injektionsstelle oder erhöhte Temperatur, manchmal auch Fieber.

Es ist richtig, dass früher verwendete Impfstoffe in einem höheren Prozentsatz zu stärkeren Nebenwirkungen führten. Diese Impfungen sind heute entweder nicht mehr notwendig, wie die Impfungen gegen Pocken, da die Krankheit erfolgreich ausgerottet wurde. Andrereseits wurden die alten, schlechter verträglichen Impfstoffe von modernen Impfungen abgelöst.

Beispiele dafür sind
· die Keuchhustenimpfung und die Impfung gegen Kinderlähmung. Die seit mehr als zehn Jahren angewendeten azellulären Pertussis-Impfstoffe sind sehr gut verträglich.
· Die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (enthielt abgeschwächte lebende Viren) wurde 1998 von der Injektionsimpfung (Tot-Impfstoff) abgelöst. Eine Übertragung des Impfvirus' auf Ungeschützte ist mit diesem Impfstoff ausgeschlossen.

Dass Autismus mit Impfungen in Zusammenhang steht, konnte in mehreren Studien widerlegt werden. Ebensowenig können Hyperaktivität, Entwicklungs- und Lernstörungen sowie Allergien in Folge von Impfungen auftreten; sie sind wohl eher als Folgen der Umwelt zu sehen.


Behauptung 3: Manche Impfungen sind überflüssig

Warum soll ich mein Kind gegen eine Krankheit, hier Kinderlähmung, impfen, die es seit 20 Jahren nicht mehr gibt?

Die Grundannahme ist falsch.

Es gibt selbstverständlich noch Kinderlähmung auf der Welt, etwa in Afrika oder Asien, wenn auch von Jahr zu Jahr weniger.

Das liegt jedoch nicht daran, dass Eltern und Betroffenen die Impfung verweigert hätten, sondern an der guten Impfbeteiligung der gesamten deutschen Bevölkerung in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Durch Schluckimpfung wurde bei uns Kinderlähmung besiegt. Durch die hohe Durchimpfungsrate sind auch diejenigen geschützt, die die Impfung verweigern, sie profitieren also von der Gemeinschaft.

Da jedoch das Virus in unserem Lande zur Zeit nicht mehr vorkommt, lässt sich heute injizierbarer Impfstoff benutzen, der deutlich langsamer wirkt und auch keine unerwünschten Nebenwirkungen auslöst.

Die Gefahr, sich mit Polioviren zu infizieren und an Kinderlähmung zu erkranken, ist aber auch bei uns noch nicht endgültig gebannt. Es ist jederzeit möglich, dass das Virus durch den großen Reiseverkehr wieder aus einem anderen Land eingeschleppt wird. Wenn viele Ungeimpfte die Vermehrung des Virus begünstigen, kann es wieder zu Ausbrüchen kommen. Für einen solchen Notfall steht auch heute noch ein Schluckimpfstoff bereit, um dann unverzüglich durch Massenimpfungen eine Epidemie zu verhindern.

Um eine solche Situation zu vermeiden, sollen alle Kinder und Erwachsenen ausreichend gegen Kinderlähmung geimpft sein.


Fazit

Alle verantwortlichen Ärzte sind sich einig: Kaum eine gesundheitliche Maßnahme ist so sinnvoll und effektiv wie Impfungen. Ohne Impfungen wäre die Sterblichkeit von Säuglingen, Kindern und Erwachsenen weit höher, die Gesundheit wäre bedeutend schlechter und die allgemeine Lebenserwartung wäre kürzer.

Junge Eltern sollten sich also nicht verunsichern lassen und ihre Kinder durch die von der Ständigen Impfkommission empfohlenen Impfungen schützen.

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