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Was geht das denn die Kinder an?
(Marburg, 31.10.2002) Krankheiten, die nur alte Menschen betreffen, sind - so könnte man meinen - für Kinder nicht von Interesse. Leiden aber die eigenen Großeltern an Alterskrankheiten wie Osteoporose, Diabetes oder Herzbeschwerden, sieht es schon ganz anders aus. Eine immer mehr zunehmende, den Alltag einer Familie besonders belastende Krankheit ist jedoch die Altersdemenz. Typisch sind Verwirrtheit, vertraute Personen nicht mehr erkennen, aber auch unbegründete Feindseligkeit, Misstrauen, Aggressivität sowie Schlaflosigkeit und Müdigkeit am Tage. Diese Symptome sind bereits für Erwachsene belastend und schmerzvoll; noch gravierender leiden Kinder darunter, deren "intellektuelle Kompetenz" meist noch nicht reicht, ein solch emotionales und beängstigendes Phänomen einzuordnen.
Während kleinere Kinder oft ein sehr liebevolles Verhältnis zu dem demenzkranken Großelternteil entwickeln und gern mit ihnen spazieren gehen, singen oder einfache Spiele spielen, reagieren ältere Kinder ganz anders: Die "Sache" ist ihnen vor allem Gleichaltrigen gegenüber oft peinlich, manche Kinder entwickeln sogar Schuldgefühle. Erst wenn man ihnen ausführlich die Krankheit erläutert und erklärt, weshalb es zu verändertem Verhalten kommt und wie man damit umgehen kann, wächst auch bei den Älteren ein neues Bewusstsein und Verständnis für das erkrankte Familienmitglied.
Wenn eine Familie sich entschließt, den demenzkranken Großvater oder die demenzkranke Oma zu pflegen, hat das für den gesamten Haushalt Konsequenzen. Das sollte auch mit den Kindern ausführlich besprochen werden, denn Änderungen (vielleicht muss ein Kinderzimmer "geopfert" werden, laute Musik ist nicht mehr erlaubt etc.) betreffen auch die kindliche Lebenswelt.
Pilotprojekt
Das Deutsche Grüne Kreuz e. V. (DGK) hat im Bundesland Hessen ein Pilotprojekt zu diesem Thema ins Leben gerufen. Unter dem Titel: "Lieber Opa bös verwirrt - wie Wesensveränderungen den Alltag in der Familie erschweren" sind Schülerinnen und Schüler der Klassen 3 bis 6 aufgefordert, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.
Ein Wettbewerb, zu dem sich bereits etwa 50 Schulklassen angemeldet haben, soll die Kinder zu einer Teilnahme motivieren. Die Aufgabe lautet: "Informiert eure Klassenkameraden, Eltern oder Freunde über die Probleme demenzkranker Menschen". Unter den Beiträgen werden die drei besten ausgewählt und mit Klassenfahrten belohnt.
Als Vorbereitung und Einstieg in das Thema hat das DGK Unterrichtsmaterialien erstellt, die alle Interessierten unter dem Stichwort "Schulwettbewerb" kostenlos beim DGK beziehen können.
Bis spätestens Ende Januar 2003 müssen die Wettbewerbsbeiträge eingereicht worden sein.
Ausführliche Informationen sind im Internet unter
www.altern-in-wuerde.de und unter
Beschreibung des Schulwettbewerbs
oder telefonisch beim DGK unter der
Telefonnummer 0 64 21 / 293-136 erhältlich.

