DGK e.V. -Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage bei mehr als 1.000 Ärzten
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Keuchhusten - zu wenig Schutz?

Aktuelle Informationen unter: Harmlose Kinderkrankheiten? 


Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage bei mehr als 1.000 Ärzten (2007)
 
Pertussis (Keuchhusten) ist eine der häufigsten Kinderkrankheiten, die besonders im Säuglingsalter durch Komplikationen auch zum Tod führen kann. Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erkranken im Allgemeinen nicht so schwer, tragen aber zur Erregerzirkulation (Bordetella Pertussis) bei und können eine bedeutende Infektionsquelle für Säuglinge und Kleinkinder sein.

Immunität
Wegen der begrenzten Dauer der Immunität sowohl nach natürlicher Erkrankung (circa 10 bis 15 Jahre) als auch nach vollständiger Impfung (circa 5 bis 10 Jahre) können Jugendliche und Erwachsene erneut erkranken. Und Neugeborene und Säuglinge in ihrer Umgebung anstecken. Keuchhusten hinterlässt keinen Nestschutz, sofort nach der Geburt erkranken besteht daher ein Erkrankungsrisiko.

Impfempfehlungen
Deshalb wird von der Ständigen Impfkommission empfohlen, Säuglinge so früh wie möglich zu impfen (mit 2 Monaten), damit sie frühzeitig einen Impfschutz aufbauen können. Darüber hinaus ist die Impfung (seit Anfang 2006) für die Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren empfohlen (zusammen mit den Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie) und für alle Kinder und Jugendliche im Alter von 9 und 17 Jahren.

Weiterhin wird von der STIKO die Impfung für alle Personen empfohlen, die mit Säuglingen und Kleinkindern in Kontakt kommen bzw. kommen werden. Dazu gehören die Frauen mit Kinderwunsch (wurde eine Mutter nicht vor der Schwangerschaft geimpft und es besteht kein Schutz mehr, so ist die Impfung sofort nach der Geburt empfohlen), die Familienangehörigen (spätestens 4 Wochen vor der Geburt des Kindes), aber auch alle, die beruflich mit Kindern Kontakt haben (STIKO 2007).

Ergebnisse der Befragung
Um die Einstellung der Ärzteschaft zu Pertussis und der Pertussis-Impfung zu untersuchen, ließ das Deutsche Grüne Kreuz e. V. (DGK) im April 2007 eine repräsentative Befragung unter 1.001 niedergelassenen Ärzte (500 Allgemein- und 501 Kinderärzten) bundesweit durchführen.

Die Ergebnisse der Ärzte-Befragung finden Sie als ausführliche Version hier zum Download.

Mehr als 70 Prozent der Ärzte hatten innerhalb der letzten 12 Monate mindestens einmal in ihrer Praxis Patienten mit Keuchhusten gesehen. Kinderärzte stellten diese Diagnose häufiger (durchschnittlich sechs Mal im Jahr) als Allgemeinmediziner (durchschnittlich vier Mal im Jahr). Die befragten Ärzte konnten auch bestätigen, dass Erwachsene zur Erregerzirkulation beitragen. Etwa die Hälfte von ihnen hatte schon einmal den Verdacht gehabt, dass ein Erwachsener oder Jugendlicher ein Kind aus seiner näheren Umgebung angesteckt hat. Diesen Verdacht äußerten etwa 70 Prozent der Kinderärzte und 33 Prozent der Allgemeinmediziner.

87,7 Prozent der befragten Ärzte (78,8 Prozent der Allgemeinmediziner und 96,6 Prozent der Kinderärzte) empfehlen Eltern die Auffrischimpfung gegen Pertussis für ihre Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren. Bei Jugendlichen (9 bis 17 Jahre) führen 84,7 Prozent der befragten Ärzte (74 Prozent der Allgemeinmediziner und 95,4 Prozent der Kinderärzte) die Auffrischimpfung gegen Pertussis durch. Die STIKO-Empfehlung: „eine einmalige Pertussisimpfung für alle mit beruflichem Kontakt zu Säuglingen und Kleinkindern“ wird von 66 Prozent der Allgemeinärzte (63 Prozent im Westen und 73 Prozent im Osten) und von 79 Prozent der Kinderärzte (75 Prozent im Westen und 86 Prozent im Osten) umgesetzt.

Bei der letzten Ärztebefragung im Jahr 2002 hatten noch 80 Prozent der Allgemeinmediziner und knapp 75 Prozent der Pädiater nach eigenen Angaben die Pertussisimpfung weder bei sich noch ihrem Praxispersonal durchgeführt. Inzwischen gaben 49 Prozent der Allgemeinmediziner (42 Prozent im Westen und 62 Prozent im Osten) und 74 Prozent der Kinderärzte (68 Prozent im Westen und 86 Prozent im Osten) an, sich selbst und ihr Praxispersonal gegen Pertussis geimpft zu haben. Jüngere Ärzte wenden diese Vorsorgemaßnahme in ihrer Praxis eher an, als die älteren Kollegen. Ein Grund dafür könnte sein, dass die älteren Ärzte noch die häufiger auftretenden Nebenwirkungen mit dem - heute nicht mehr empfohlenem - Ganzkeim-Pertussis-Impfstoff im Gedächtnis haben und dadurch noch zurückhaltender mit Impfempfehlungen zu den neueren azellulären nebenwirkungsarmen Pertussis-Impfstoffen sind.

Aus den Ergebnissen der Umfrage kann gefolgert werden, dass weitere Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, um einen epidemiologisch ausreichenden Impfschutz gegen Infektionen mit B. Pertussis, insbesondere auch bei Jugendlichen und Erwachsenen, in Deutschland zu erreichen.

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