DGK e.V. -EU-weites Exportverbot - Kritik an Impfpolitik
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Geflügelpest in Deutschland: 'Impfen statt Töten'

EU-weites Exportverbot - Kritik an Impfpolitik
 

(Marburg, 13.05.03) Nach dem Geflügelpest-Alarm in einem Betrieb in Schwalmtal hat die EU-Kommission ein Exportverbot für Nordrhein-Westfalen angekündigt. Vom Abend des 12. Mai an dürften keine Bruteier, lebendes Geflügel, Kadaver und Mist aus dem Land mehr ausgeführt werden, teilte die EU-Kommission am Montagmittag in Brüssel mit. Auch jeglicher Transport von Geflügel innerhalb der Landesgrenzen sei bis auf wenige Ausnahmen verboten. Damit will die Behörde eine weitere Ausbreitung der Krankheit stoppen.

Wegen der drohenden Gefahr der Geflügelpest in Deutschland ist auch die Debatte über die bislang verbotenen Impfungen von Tieren wieder aufgeflammt. NRW-Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) kritisierte die Impfpolitik der Europäischen Union (EU). "Die Seuchenpolitik 'Töten statt Impfen' haben wir mit Millionen von getöteten Tieren bezahlen müssen", sagte sie im ZDF. Dies müsse nach ihrer Ansicht umgekehrt werden: "Impfen statt Töten".

Ende Februar war die Krankheit in den Niederlanden ausgebrochen und hatte auf die belgische Provinz Limburg übergegriffen. In den Niederlanden wurden nach EU-Angaben inzwischen rund 25 Millionen Tiere notgeschlachtet, in Belgien etwa 2,3 Millionen. In NRW sind bislang 84 000 Tiere vorsorglich getötet worden.


Verdacht in Nordrhein-Westfalen
 
(Marburg, 9.05.03) Mehr als zwei Monate nach Ausbruch der Geflügelpest in Belgien und den Niederlanden hat die Epidemie offenbar auch Deutschland erreicht: Auf einem Hof in Schwalmtal/Kreis Viersen (Nordrhein-Westfalen) ist am 8. Mai 2003 ein ernster Verdacht auf die Tierseuche festgestellt worden. Untersuchungen und ein Schnelltest des staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes Krefeld bestätigten erste Befürchtungen. Das Amt ordnete noch am Donnerstag die Tötung von 32.000 Masthähnchen an. Ein endgültiges Ergebnis, ob es sich tatsächlich um die Geflügelpest handelt, wird erst nach sieben Tagen vorliegen.

Im Umkreis von drei Kilometern um den betroffenen Betrieb nunmehr auf zwei Betrieben mehr als 70.000 Stück Geflügel getötet. Für ganz Nordrhein-Westfalen gilt für die nächsten 72 Stunden ein Transportverbot für lebendes Geflügel, Bruteier und Geflügelgülle.

Die Situation in den Niederlanden und in Belgien hat sich nach Angaben des Agrarministerium in Düsseldorf hingegen entspannt. Dies ist das Ergebnis einer Bund/Länder-Telefonkonferenz von Donnerstagmorgen, in der die aktuellen Daten über die Bekämpfungsmassnahmen gegen die Geflügelpest ausgewertet wurden.
Danach sind in den Niederlanden seit dem 1. Mai 2003 ein weiterer Verdachtsfall und in Belgien seit dem 27. April 2003 keine weiteren Verdachtsfälle und bestätigten Fälle der Klassischen Geflügelpest aufgetreten. Die Niederländischen und Belgischen Behörden haben außerdem vorsorglich eine 10-Kilometer-Pufferzone an den Grenzen geschaffen, in denen zurzeit nahezu kein Hausgeflügel mehr gehalten wird.

Seit Beginn der Geflügelpest am 1. März 2003 sind in den Niederlanden in 1.242 Betrieben knapp 26 Millionen Tiere und in Belgien in 98 Betrieben ca. 2,5 Millionen Tiere getötet worden. Durch die Tötungen und nicht wieder belegte Ställe hat sich der Geflügelbestand in den Niederlanden auf 56 Millionen Tiere nahezu halbiert.


Landwirte und Tierärzte in den Grenzgebieten
sollten sich vorsorglich gegen Grippe impfen lassen

 

(Marburg, 28.04.03) Das Risiko, sich mit dem Geflügelpestvirus durch erkranktes Geflügel zu infizieren, ist für Menschen sehr gering, sollte aufgrund der Beobachtungen in den Niederlanden aber ernst genommen werden. In den Niederlanden waren nach neuesten Zahlen über 80 Menschen nach einer Infektion mit dem aus erkranktem Geflügel stammenden Influenza-A-Virus (H7N7) an Bindehautentzündungen oder in einzelnen Fällen grippeähnlichen Symptomen erkrankt

Das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere empfehlen Beschäftigten der Geflügelindustrie und deren Angehörige, die engen Kontakt mit Enten, Gänsen, Fasanen, Hühnern, Perlhühnern, Rebhühnern, Tauben, Puten oder Wachteln haben, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Die NRW-Ministerin Bärbel Höhn empfiehlt eine Grippeschutzimpfung insbesondere für die Menschen, die im Grenzgebiet zu den Niederlanden und Belgien häufig Kontakt zu Geflügel haben.

In erster Linie sollte bei gefährdeten Personen ein ungeschützter Kontakt mit erkrankten Tieren und Kontakt mit kontaminiertem Material durch geeignete Schutzkleidung, Schutzhandschuhe, Mundschutz und Schutzbrille vermieden werden. Die Schutzkleidung sollte auf dem Gelände verbleiben und durch hygienische Massnahmen wie Duschen, Umziehen etc. sollte ein Verbreiten der Viren verhindert werden.

Weitere Maßnahmen betreffen eine prophylaktische antivirale Therapie mit Neuraminidasehemmern für gefährdete Personen. Eine Influenza-Schutzimpfung (mit dem aktuellen humanen Impfstoff) von nicht geimpften Personen mit möglichem Kontakt zu erkrankten Tieren soll Doppelinfektionen mit den aktuell zirkulierenden humanen Influenzaviren und dem Erreger der Geflügelpest verhindern. Bei Doppelinfektionen besteht das Risiko, dass sich neue Virusvarianten ausbilden und ein neues, für Menschen gefährlicheres Virus entstehen könnte. Bei dem vom Robert Koch-Institut zurzeit entwickelten Maßnahmenkatalog werden die vom Ausschuss für biologische Arbeitsstoffe in Kürze vorgelegten Empfehlungen für geeignete Schutzmaßnahmen für Beschäftigte berücksichtigt.


(siehe auch Pressemitteilung des RKI vom 25.04.03: www.rki.de/AKTUELL/PRARCHIV/ARCHIVPR.HTM?/PRESSE/PD/PD2003/PD03_14.HTM&I1


Bei dem verstorbenen Tierarzt in den Niederlanden gibt es bislang keinen Hinweis auf eine Weitergabe des Erregers, auch nicht bei den engen Kontaktpersonen in der Familie, bei denen allerdings eine Prophylaxe mit Neuraminidasehemmern durchgeführt wurde. Im Jahr 1997 und im Frühjahr 2003 waren in Hongkong mehrere Menschen an einem anderen Vogelgrippe-Erreger (H5N1) erkrankt und einige Patienten an der Infektion verstorben. Auch in diesen Fällen war es nicht zu einer Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch gekommen.


Tierarzt stirbt an Virus
 

(Marburg, 22.04.03) In den Niederlanden ist ein Tierarzt am Geflügelpest-Erreger gestorben. Die Behörden bestätigten damit den Verdacht, der Mann könnte sich bei der Bekämpfung der Tierseuche angesteckt haben. Der Veterinär war zwei Tage nach der Untersuchung verseuchter Hühner erkrankt. Er hatte sich geweigert, Anti- Virus-Mittel einzunehmen, die bei allen vorgeschrieben sind, die an der Vernichtung von Millionen Hühnern, Puten und Enten beteiligt sind. Das Aviäre Influenzavirus (akute, äußerst ansteckende Viruserkrankung bei Vögeln, auch klassische Geflügelpest genannt) habe bei dem 57 Jahre alten Veterinär nach Angaben der niederländischen Staatssekretärin Clerence Ross die Lungenentzündung ausgelöst, an der er am Gründonnerstag gestorben ist. Bislang galt: Der für den Ausbruch in den Niederlanden verantwortliche Influenza-A-Subtyp H7 kann theoretisch nach einer Mutation auch auf Menschen überspringen.

Es sei bisher unklar, ob der Virus eine Mutation ähnlich der, durch die der Virus der Lungenkrankheit SARS entstanden sei, durchlaufen habe, erklärte das niederländische Gesundheitsministerium am Samstag. „Weil der Virus der Geflügelpest in den Lungen entdeckt worden ist, besteht der starke Verdacht, dass der Mann an den Folgen des Geflügelpest-Virus' gestorben ist", hieß es in der Erklärung.

Seit Ausbruch der Seuche Ende Februar ist das Virus in 224 niederländischen Betrieben aufgetaucht, auf weiteren 21 wird es vermutet. Bisher sind mehr als 14 Millionen Stück Geflügel getötet worden. Auch in der belgischen Provinz Limburg breitet sich die Seuche aus. Nach Schnelltests seien zwei Betriebe in Kinrooi nahe der niederländischen Grenze betroffen, teilte die belgische Behörde für Lebensmittelsicherheit mit. Die Hühner von zwei Farmen sowie von etwa 20 weiteren Betrieben müssten notgeschlachtet werden. Betroffen ist ein Hof in Meeuwen- Gruitrode, 50 Kilometer nordöstlich von Aachen.

Seit Mittwoch vergangener Woche dürfen lebendes Geflügel, Eintagsküken und Bruteier in Belgien nicht mehr transportiert werden. Außerdem gilt ein von der Europäischen Kommission verfügtes Exportverbot. Betriebe in Nordrhein-Westfalen, die vor dem Verbot Geflügel aus den Niederlanden importiert hatten, standen wochenlang unter besonderer Beobachtung. Inzwischen sind jedoch alle Befürchtungen ausgeräumt, dass der Erreger beispielsweise mit der Einfuhr niederländischer Küken nach NRW gekommen ist. NRW-Agrarministerin Bärbel Höhn gibt für die angrenzenden Gebiete in Deutschland Entwarnung: Es bestehe keine Gefahr, weil das Virus über den Atem und die Federn übertragen werde.

Trotz allem gilt ein absolutes Transportverbot für alle Vögel und alle Geflügelarten in Belgien. Wer seinen Osterurlaub in Belgien verbringen will, muss dies ohne seinen Wellensittich, Kanarienvogel oder Papagei tun. Er darf auch keine Vögel aus Belgien mitbringen.
Nähere Informationen gibt es unter: www.verbraucherministerium.de


Hintergrundinformationen
 

Am 20.12.99 brach die klassische Geflügelpest (Virustyp H7N1) in der Provinz Veneto aus, wobei 100 Prozent des Bestandes von 30.000 Mastputen starben. Danach wurden 14 Millionen Tiere in etwa 100 Betrieben geräumt. Einen erneuten Ausbruch gab es im Oktober 2002. Seither wurden 900.000 Tiere in den Provinzen Lombardia und Veneto (70 Prozent des italienischen Geflügelbestandes) getötet

Erreger der klassischen Geflügelpest ist ein spezielles Grippevirus. Die auch als Vogelgrippe bezeichnete Erkrankung stellt für Menschen in der Regel keine Gefahr dar.
Gefährdet sind vor allem Hühner und Puten, aber auch Fasane, Perlhühner und Wildvögel. Wasservögel und Tauben sind seltener betroffen, Säugetiere gelten im Allgemeinen als nicht empfänglich.
Von der Krankheit befallene Hühner bekommen Fieber, Atembeschwerden und Durchfall. Nach wenigen Tagen Inkubationszeit werden schlagartig fast alle Tiere krank. Sie legen keine Eier mehr und können innerhalb von Stunden bis Tagen sterben.

Überträger sind vermutlich ziehende Wildenten, denn das Virus H7N7 ähnelt dem, welches bei Wildenten in den Niederlande gefunden wurde. Übertragen wird es wahrscheinlich mittels Kot der Enten, der Viruspartikeln enthält. Wenn dies stimmt, sind freilaufende Hühner am meisten gefährdet.
Im Stall wird das Virus sehr schnell verbreitet, da Kot hochgradig ansteckend ist. Durch Kot an Stiefeln und Autoreifen ist es eher unwahrscheinlich, das Virus zu übertragen, da in der Regel gründlich desinfiziert wird.

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