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Klasse aus Kassel gewinnt Legoland-Ausflug
(Marburg, 06.02.2003) Mehr als 50 Schulen aus Hessen haben sich an dem Wettbewerb "Lieber Opa bös verwirrt - wie Wesensveränderungen den Alltag in der Familie erschweren" beteiligt. Aufgabe der acht- bis zwölfjährigen Schülerinnen und Schüler war es, auf der Basis einer vom DGK entwickelten Unterrichtseinheit das Thema Wesensveränderungen bei alten Menschen kreativ umzusetzen. Kein leichtes Thema für diese Altersgruppe. Viele der Schulklassen verbanden die Wettbewerbsteilnahme mit einem Besuch in einem Altenheim, in dem sie dann - das zeigen die Ergebnisse - erstmals mit demenzkranken alten Menschen zusammentrafen. Durch diese Erfahrungen, nämlich zu sehen, was genau eine Wesensveränderung ist, gelang es in vielen Beiträgen, das Thema auf die Frage "Wie wirken sich diese Veränderungen dann auf das Familienleben aus?" zuzuspitzen. Nach dem Motto "Schüler informieren Schüler" entwickelten die Kinder Broschüren, Wandzeitungen, Brettspiele, Theaterstücke etc. und setzten ihr neues Wissen um.
Die Auswahl fiel nicht leicht und daher werden nicht nur die drei Hauptpreise vergeben, sondern darüber hinaus noch zwei Sonderpreise für eine inhaltlich besonders gelungene Auseinandersetzung mit dem Thema.
Die Preisträger:
1. Preis: Klassenausflug ins Legoland in Krumbach: Klasse 6Rb, Valentin-Traudt-Schule in Kassel
2. Preis: Klassenausflug zum Opel-Zoo in Kronberg: Klasse 3b, Grundschule am Rathaus in Hadamar
3. Preis: Klassenfahrt zum Gutenberg Museum in Mainz: Klasse 6c, Goethegymnasium in Bensheim
Die Gewinner der Sonderpreise - Gutscheine für Bücher oder Spiel im Wert von 150 € - werden in der kommenden Woche benachrichtigt.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern und gratulieren den Gewinnern ganz herzlich!
Erster Preis: 'Mensch Opa, ...'
ein Gesellschaftsspiel für 2 bis 6 Spieler von 5 bis 99 Jahren
der Klasse 6Rb, Valentin-Traudt-Schule in Kassel

'Mensch Opa, ... ': ein Spielbrett, sechs Spielfiguren, Würfel und zahlreiche Ereigniskarten. Der Spieler, der zuerst das Ziel erreicht hat, gewinnt das Spiel.
Auszüge aus den Spielanleitungen:
- "Dein Opa ist tagsüber müde. Damit er nicht einschläft, gehst Du mit ihm spazieren. Es hilft. Setze Deine Spielfigur 5 Felder vor";
- "Oma weint und will immer nach Hause, obwohl sie doch zu Hause ist. Du redest beruhigend auf Sie ein und lenkst sie mit Geschichten von früher ab. Danke! Würfel noch einmal!";
- "Dein Opa hat wieder seinen Hausschlüssel verloren. Du hilfst ihm bei der Suche. Das braucht Zeit. Setze einen Runde aus".
Jury-Begründung:
Die Klasse 6Rb der Valentin-Traudt-Schule hat ein Brettspiel für sechs Spieler entwickelt, auf dessen Parcours Ereignisfelder eingebaut sind. Gerät ein Spieler auf eines dieser Felder, muss er entsprechend den Anweisungen auf seiner Ereigniskarte seine Spielfigur bewegen.
Das Thema "Wesensveränderungen bei alten Menschen und ihre Wirkung auf die Familie" ist bei diesem Wettbewerbsbeitrag auf zwei Ebenen realisiert: Die überaus liebevoll und originell gestalteten Spielfiguren stellen eine Familie mit Oma, Opa, Eltern und Kindern da. Die Ereigniskarten greifen Alltagssituationen auf und reflektieren dabei die Bandbreite der möglichen Konfliktsituationen. Deutlich wird an den Ereigniskarten, dass die Schülerinnen und Schüler der 6Rb das schwierige Thema intellektuell sehr gut erfasst haben. Ihre Entscheidung, einen "spielerischen" Zugang zu wählen, um ihren Mitschülerinnen und Mitschülern das Thema nahe zu bringen, hält die Jury für eine sehr gute Idee. (Der Wettbewerbsbeschreibung ist zu entnehmen, dass das Spiel allen Kindern der Schule in der Schulbibliothek zugänglich sein wird.) Den 1. Preis erhält die Klasse zudem, weil sie mit viel Einsatz und Sorgfalt ein optisch sehr ansprechendes Spiel gestaltet haben.
Zweiter Preis: ein Würfelspiel für 6 Spieler
der Klassse 3b, Grundschule am Rathaus in Hadamar
Ein Würfelspiel für sechs Spieler und zwei Würfel.
Auszüge aus den insgesamt 13 Ereigniskarten:
- "Male Deiner Oma ein schönes Bild und setze eine Runde aus";
- "Gehe mit Deinem Opa einkaufen. Du darfst ein Feld vorrücken";
- "Du hast Deinen Opa vergessen. Gehe zurück zum Start".
Jury-Begründung:
Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3b der Grundschule am Rathaus in Hadamar haben eine ganze Reihe von verschiedenen Wettbewerbsbeiträgen eingereicht. Besonders überzeugt hat die Jury auch hier ein Gesellschaftsspiel mit Ereignisfeldern und -karten. Besonders hervorzuheben ist, dass die Kinder vor der Gestaltung ihrer Beiträge das Thema durch einen Ausflug ins Altenheim "erarbeitet" haben. Sie haben ihren inhaltlichen Schwerpunkt in der Umsetzung ihrer Spielidee auf das Verhältnis zwischen alten und jungen Menschen gelegt. Auch wenn dabei die demenzbedingten Wesensveränderungen ein wenig in den Hintergrund getreten sind, ist das Ergebnis für unsere "jüngsten Wettbewerbsteilnehmer" im Ganzen sehr überzeugend.
Dritter Preis: Broschüre über die Alzheimer-Krankheit
der Klasse 6c, Goethegymnasium Bensheim
"Lieber Opa bös verwirrt - wie Wesensveränderungen den Alltag in der Familie erschweren" - Eine Broschüre über die Alzheimer-Krankheit für Kinder - geschrieben von den Schülerinnen und Schülern der Klasse 6c des Goethegymnasiums in Bensheim.
Jury-Begründung:
Ziel der Broschüre ist es, so ist im Vorwort des Wettbewerbsbeitrags zu lesen, Kindern, die "durch ihren Opa oder ihre Oma oder andere Verwandte mit dieser Krankheit zur tun haben, auf viele Fragen eine Antwort" zu geben. Vorgegangen sind die Schülerinnen und Schüler folgendermaßen: In kleinen Gruppen von zwei bis vier Schülern haben sie sich selbständig über das Thema Alzheimer informiert. Einige haben verschiedene Altersheime besucht und dort mit einer Ärztin, Pflegekräften, Heimbewohnern und Angehörigen Gespräche geführt. Andere haben mit Hilfe von Büchern und durch Internetrecherche das Thema aufgearbeitet. Herausgekommen ist eine umfassende Broschüre, die nicht nur über das Krankheitsbild und Therapiemöglichkeiten berichtet, Fallbeispiel anführt und weitere Recherchemöglichkeiten aufzeigt, sondern auch viele Tipps und Anregungen aufzeigt, wie man mit demenzkranken alten Menschen umgehen kann.
Dabei ist es den Autoren und Autorinnen gelungen, ein differenziertes Bild des gesamten Themas zu zeichnen. Zum Thema Halluzinationen schreibt Christina Große: "Wie erlebt der Kranke seine Krankheit? Er lebt in seiner eigenen Vorstellungswelt. In dieser Welt hat er oft Halluzinationen, z. B. sieht er hinter einem Vorhang ein wildes Tier oder etwas anderes. Das ist für ihn real." Und sie rät den Angehörigen, den Kranken nicht auszulachen, sondern ihm das Gefühl zu vermitteln, dass er diesen seiner Einbildung entsprungenen Vorstellungen nicht ausgeliefert ist. "Dann sollten sie sagen: ‚Ich habe es verscheucht und wenn noch mal etwas da sein sollte, sag mit bitte sofort Bescheid, damit ich dir helfen kann'. Auch verwirrte alte Menschen brauchen das Gefühl, in den Familienalltag eingebunden und nützlich zu sein, "denn Würde, Respekt und Selbstachtung sind die Bedürfnisse des Alzheimerkranken." Das kann zum Beispiel gelingen, wenn sie leichte Tätigkeiten im Haushalt wie Wäsche zusammenlegen oder Geschirrspülen übernehmen.
Wie wichtig es ist, dass demenzkranke Angehörige rund um die Uhr betreut und alle "Gefahrenquellen" erkannt und beseitigt werden, erläutern David Stenger und Jan Bema: "Außerdem ist es unbedingt zu beachten, dass elektrische Geräte z. B. Ventilatoren, Herde, Gefrierschränke kontrolliert werden. Erklärung: Es könnte passieren, dass ein kranker Mensch in den Ventilator greift oder sich am Herd verbrennt. Es könnte schlimmstenfalls auch zu einem Hausbrand kommen".
Eine detaillierte Auflistung der verschiedenen seelischen Veränderungen gibt Jens Müller. Orientierungslosigkeit, Wahnvorstellungen, Depressionen, Ängste und aggressives Verhalten beschreibt er. "Manche Alzheimerkranken haben Aggressionen, sie erheben die Hand gegen Leute, die ihnen doch nur Gutes wollen. Doch dadurch werden auch die Angehörigen wütend, denn die Kranken haben ja keinen richtigen Grund für dieses Verhalten."
Ihre Eindrücke vom Besuch im Altersheim beschreiben Anne, Jessica und Natalie so: "Wir hatten uns das Ganze eigentlich anders vorgestellt. Dass die Leute zusammensitzen und etwas reden oder dass die Leute etwas zusammen spielen, was sie doch nicht verstehen. Statt dessen sind die Personen alleine in einem Zimmer und starren an die Wand oder schauen fern, was sie wiederum auch nicht begreifen." Die Mädchen lernen die an Alzheimer erkrankte Magda S. kennen. "Als wir sie etwas fragten, erzählte sie uns von ihrer früheren Zeit und ein Gedicht, danach lachte sie fröhlich. Danach sagte sie noch: ‚Lachen ist gesund!" Bei einem anderen Kranken, bei dem die Erkrankung weiter voran geschritten ist, war kein Gespräch möglich. "Doch die Fragen konnte uns Paul S. im Altersheim nicht beantworten. Als wir seinen Namen wissen wollten, kannte er selbst den nicht mehr."
Alle Autorinnen und Autoren der Broschüre haben sehr eindringliche und interessante Artikel geschrieben. Und weil an dieser Stelle nicht aus allen Beiträgen zitiert werden kann, sollen sie doch alle namentlich erwähnt werden:
Sören Albrecht, Jan Niklas Bema, Alexander Benick, Florian Busse, Steffen Grimm, Christina Große, Natascha Haas, Alexander Heufel, Christian Holdschick, Julia Hölzel, Michelle Hoppe, Nicholas Krömker, Florian Krüger, Svenja Lohr, Christina Lotz, Lisa Friederike Marschall, Annette Meyerhoff, Jonas Mizera, Steven Morweiser, Jens Julian Müller, Arian Nazar, Paul Nebrich, Sabrina Netsch, Jessica Ott, Natalie Reidenbach, Marco Rippert, Michael Schambach, Tobias Scheller, David Stenger, Maxim Visneveckij, Simon Weiß, Anne Wittig
Eine Recherche "vor Ort" bildet die Basis der meisten Textbeiträge in der Broschüre der Klasse 6c des Goethegymnasiums in Bensheim. Alle Schülerinnen und Schüler haben sich einzelne Themengebiete herausgesucht und entsprechend durch Interviews (im Altenheim), Beobachtung und (Internet-) Recherche bearbeitet. Herausgekommen ist eine Broschüre, die ihr im Vorwort angeführtes Ziel, eine Einführungsbroschüre zum Thema Demenz und Wesensveränderung für gleichaltrige Kinder sein zu wollen, voll und ganz erreicht. Das Krankheitsbild und die Therapie, Porträts von Betroffenen, Interviews mit Pflegekräften / Ärzten, Recherchetipps, und eine Rezension des Kinderbuches von Almut Schmidts ("Meinen Namen weiß Oma schon lange nicht mehr") werden präsentiert. Die Jury ist überzeugt, dass diese Broschüre gut geeignet ist, anderen Kindern die Krankheit verständlich zu machen.

