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Besser leben ohne Qualm
Der Entschluss zum Rauchstopp allein genügt oft nicht. Auf der 6. Nikotin-Konferenz in Erfurt diskutierten Experten die erfolg-reichsten Methoden zur Raucherentwöhnung.
(Marburg, 02.06.2003) Nikotinersatzpräparate wie Nikotin-Kaugummis oder Nikotin-Pflaster sind nach wie vor die besten Hilfsmittel, um dauerhaft mit dem Zigarettenrauchen aufzuhören. Das ist das Ergebnis der 6. Nikotin-Konferenz, die am 16. und 17. Mai in Erfurt stattfand. "Nikotin ist mit das stärkste Suchtmittel, das wir kennen", erläuterte Professor Knut- Olaf Haustein vom Institut für Niko-tinforschung. Nikotin führe zwar zur Abhängigkeit, doch das wirklich Gefährliche am Rauchen seien die rund 4.000 weiteren Substanzen, die beim Abbrennen von Tabak entstünden, etwa 50 davon seien nachweislich krebserregend. Haustein empfiehlt den verstärkten Einsatz von Nikotinersatz- Präparaten, weil sie dabei helfen würden, die Gesundheitsrisiken des Rauchens rasch zu beseitigen.
Raucher brauchen Unterstützung
Haustein und seine Mitarbeiter untersuchen schon seit Jahren in ihrem Erfurter Institut für Nikotinforschung, wie Rauchern am effektivsten dabei geholfen werden kann, von der Tabaksucht wegzukommen. Der erste und wichtigste Schritt sei dabei immer der Entschluss zum Rauchstopp, erklärte Haustein. Das habe nur selten etwas mit einem besonders starken Willen zu tun. Wichtiger sei die Erkenntnis des Rauchers, dass er ohne Zigaretten neue Lebensqualität und Freiheit gewinnt, fitter und gesünder wird. Wenn dieser Entschluss aber einmal gefasst sei, müsse man den Raucher bei der Umsetzung unterstützen. Am besten funktioniere dies mit der Nikotinersatztherapie. Etwa der Hälfte aller Raucher gelingt es mit Nikotinpflastern oder -kaugummis, ganz mit dem Rauchen aufzuhören oder zumindest den Zigarettenkonsum deutlich zu verringern.
Nikotinersatztherapie ist am erfolgreichsten
In seinen Raucherentwöhnungsstudien bevorzugt Haustein den sofortigen und totalen Rauchstopp. Er geht dabei nach folgendem Prinzip vor: Zunächst erhalten die Patienten Nicorette-Pflaster, welche 16 Stunden täglich für eine gleichmäßige Versorgung mit Nikotin sorgen. Nach einigen Tagen kann dann gegebenenfalls auf Nicorette-Kaugummis umgestellt werden. Das erlaube dem Raucher eine individuellere Einstellung seines aktuellen Nikotin-Bedarfs. Über einige Wochen wird dann versucht, die Nikotindosis immer weiter zu reduzieren, bis schließlich gar kein Nikotin mehr benötigt wird.
Haustein, wie auch sein Kollege Ernst Groman vom Nikotin-Institut in Wien, plädieren für eine möglichst intensive ärztliche Betreuung in der Entwöhnungsphase. Zwar schafften es wirklich ernsthaft Entschlossene oft auch alleine, alle Studien zeigten aber, dass die Erfolgsrate am höchsten sei, wenn man den Raucher mit der Nikotinersatztherapie nicht allein lasse. Leider würde den Ärzten ihre Leistung von den Krankenkassen nicht honoriert. Hier müsse ein Umdenken stattfinden.
Interessant sei, schilderten Haustein und Groman übereinstimmend eine oft gemachte Erfahrung, dass die Angst der Raucher groß sei, von den Nikotinersatz-Präparaten abhängig zu werden. Dann müsse man sie sehr vorsichtig darüber aufklären, dass sie eigentlich schon längst tabakabhängig sind, die Pflaster oder Kaugummis das Nikotin aber so langsam an den Körper abgeben, dass dadurch kein Abhängigkeitspotenzial entstehe.
Nikotin habe durchaus eine Reihe von positiven Eigenschaften: es erhöhe die Konzentrationsfähigkeit und das Merkvermögen, baue Stress ab und bessere die Stimmung. Groman wiederholte noch einmal, nicht das Nikotin mache krank, sondern die unzähligen Begleitstoffe im Tabakrauch. Die Nikotinersatztherapie sei insbesondere sehr sicher und habe sich weltweit millionenfach bewährt.
Frauen rauchen anders
Bedenklich stimmte die Experten, dass in ganz Europa die Zahl der rauchenden Frauen weiter ansteigt. Unterschiede im Rauchverhalten zwischen den Geschlechtern bildeten daher einen weiteren Schwerpunkt der Nikotin-Konferenz. Deutlich wurde: Frauen rauchen anders. Während Männer eher in entspannten Situationen zum Glimmstängel greifen, um sich zu stimulieren, würden Frauen bevorzugt versuchen, mit der Zigarette Stress abzubauen. Frauen entschließen sich früher als Männer dazu, mit dem Rauchen Schluss zu machen, starten häufiger Rauchstoppversuche. Doch da Frauen auch schneller und stärker vom Tabak abhängig würden, scheiterten diese Versuche meistens. Gerade für Frauen sei daher die Nikotinersatztherapie unter ärztlicher Begleitung sinnvoll.
Staatliche Regulierung gefordert
Haustein und seine Kollegen forderten die Bundesregierung eindringlich auf, das beabsichtigte Werbeverbot der Europäischen Union für Tabakprodukte mitzutragen. Maßnahmen wie die jetzt angekündigte Preiserhöhung für Zigaretten würden, so Haustein, nur die schwach Abhängigen eventuell dazu bringen, die letzte Kippe auszudrücken. Stark Zigaretten-Abhängige ließen sich davon nicht abhalten. Für diese Gruppe sei die Nikotinersatztherapie die Erfolg versprechendste Methode zum Rauchstopp. Es sei zudem widersinnig, das Zigaretten jedermann frei zugänglich sind, Nikotinersatz-Präparate aber nur in Apotheken zu erhalten seien.
Daten und Fakten zum Rauchen
- Weltweit rauchen etwa 1,1 Milliarden Menschen. Fast 17 Millionen sind es in Deutschland; 6,7 Millionen gelten als Nikotin-abhängig.
- 5.200 Milliarden Zigaretten werden pro Jahr produziert.
- Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich mehr als fünf Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, am häufigsten sind Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen. 30 Prozent aller Krebserkrankungen werden durch das Rauchen mitverursacht.
- In Deutschland rechnet man mit zirka 140.000 Tabak-Toten pro Jahr, das sind 380 täglich.
- Etwa 11 Milliarden Euro nimmt der deutsche Staat derzeit durch die Tabaksteuer ein, aber 18 Milliarden Euro werden für die Folgen des Rauchens ausgegeben.
- Die Raucher werden immer jünger. Das Einstiegsalter liegt jetzt bei zirka 13 Jahren.
- Während die Zahl der rauchenden Männer in den meisten europäischen Ländern rückläufig ist, greifen immer mehr Frauen zur Zigarette.
- Zwei Drittel aller Raucher tragen sich mit dem Gedanken, das Rauchen aufzugeben. Erfolg haben nur 0,5 bis 3 Prozent.
- 50 Prozent derjenigen, die eine Raucherentwöhnung mit Nikotinkaugummis oder -pflastern durchführen, werden erfolgreich zu Nichtrauchern.
- Wer mit 35 Jahren seine Raucherkarriere beendet, dessen Lebenserwartung erreicht wieder die eines Nichtrauchers. Die Gesundheit und die körperliche Leistungsfähigkeit wird aber immer gestärkt, egal wann man mit dem Rauchen aufhört.
- Schon acht Stunden nach der letzten Zigarette verbessert sich die Sauerstoffversorgung des Körpers deutlich. Nach ein bis zwei Tagen regeneriert sich der Geruchs- und Geschmackssinn. Nach einem Monat verschwindet die Kurzatmigkeit, man fühlt sich wieder frisch, aktiv und unternehmungslustig.

