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Empfehlungen zur Prophylaxe
(Marburg, 15.07.2003) Q-Fieber (query-fever) ist eine weltweit verbreitete, vom Tier zum Menschen übertragbare Infektionskrankheit. Es handelt sich um eine Zoonose, die von Rindern, Schafen, Ziegen, Kamelen und Nagetieren, aber auch von Zecken, Wildtieren, Hunden und Katzen ausgeht. Der Erreger Coxiella burnetii wird mit Kot, Urin, Milch und anderen Exkrementen ausgeschieden. Hierin bleibt der Erreger in getrocknetem Zustand über Monate infektiös. Die Erreger sind äußerst unempfindlich gegen Umwelteinflüsse und können längere Zeit zum Beispiel in Erde oder Staub überleben. Der Mensch steckt sich meistens durch Einatmen des Erregers an.
Akute Erkrankungen zeigen sich mit schweren Kopfschmerzen, sehr hohem Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, atypischer Lungenentzündung, seltener auch mit einer Leberentzündung.
In den vergangenen Jahren wurden zunehmend Menschen infiziert. Q-Fieber- Epidemien sind hierzulande nicht selten. 1998 erkrankten in Freiburg rund 100 Menschen an der Krankheit, 1999 infizierten sich in Dortmund 90 Menschen mit Q- Fieber.
"Möglicherweise ist ein 82 Jahre alter Mann aus Bad Sassendorf an dem grippe- ähnlichen Q-Fieber gestorben. Die Staatsanwaltschaft hat die Obduktion angeordnet, um die Todesursache klären zu lassen. Insgesamt sind wahrscheinlich etwa 150 Menschen im Kreis Soest an dem Q-Fieber erkrankt." So hieß es vor ein paar Wochen in vielen Zeitungen. Angesteckt haben sich tatsächlich 80 Personen auf einem Bauernmarkt Anfang Mai. Dort hatte ein Schaf einer Versuchsanstalt zwei Lämmer zur Welt gebracht - dabei soll das Virus über die Luft übertragen worden sein. Bei sechs Tieren wurde das Q-Fieber nachgewiesen. Für sie ist die Krankheit ungefährlich.
Bei Schwangeren kann eine Infektion zum Abort oder zur Frühgeburt führen. Bei Patienten mit einem Herzfehler oder einer Herzklappenprothese kann es zu Entzündungen am Herzen (Endokardien) führen - bis zu 25 bis 60 Prozent mit tödlichen Folgen.
Einen Arbeitsgruppe des französischen Referenzzentrums für Rickettsien in Marseille hat für diese Risikopatienten Langzeittherapien erforscht, berichtet das Robert Koch- Institut (RKI): Eine Kombination aus Doxycyclin und Hydroxychloroquin schützte signifikant vor der Entwicklung einer Endokarditis. Bei Schwangeren hänge es im Wesentlichen davon ab, in welchem Stadium der Schwangeschaft sie sich befänden.
Da die Langzeittherapie mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen kann, muss eine frische Infektion zuvor labordiagnostisch gesichert sein. Das RKI rät daher, bei einem Q-Fieber-Ausbruch alle möglicherweise infizierten Personen zu untersuchen und eine vorbeugende Langzeittherapie bei allen Risikopatienten in Betracht zu ziehen.
Ärzte, die Patienten betreuen, die sich am 4. Mai 2003 auf dem Bauernmarkt in Bad Sassendorf aufgehalten haben und zu diesem Zeitpunkt schwanger waren oder bei denen ein Herzfehler bzw. einen Herzklappenprothese bekannt ist, können eine kostenlose Untersuchung im Konsiliarlabor für Coxiella burnetii (am Landesgesundheitsamt Baden Württemberg) durchführen lassen. Ärzte, die einen solchen Test machen lassen möchten oder Informationsmaterialien benötigen, können sich auch an Frau Dr. Porten (Telefon 0 18 88 / 754 - 34 59) wenden.
Quelle: Epid. Bull. Nr. 28 - 2003, 210

